Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Hyperlipidämie: Erhöhte Blutfettwerte

Eine Ärztin erläutert einem Patienten seine Blutfettwerte

Was ist Hyperlipidämie?

Bei einer Fettstoffwechselstörung, auch als Hyperlipidämie bezeichnet, sind die Blutfette (Lipide) erhöht. In Deutschland sind rund zwei Drittel der Bevölkerung davon betroffen, während die Häufigkeit mit zunehmendem Alter ansteigt. Hyperlipidämie ist ein wichtiger Risikofaktor für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Beschwerden setzen meist erst verspätet ein, weshalb sie oft lange unerkannt bleibt. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch wichtig, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Bei der Vorbeugung ist vor allem ein gesunder Lebensstil entscheidend.

Im Beitrag beschäftigen wir uns mit den Ursachen und Risikofaktoren für Hyperlipidämie sowie deren Diagnose und Behandlung. Außerdem erfahren Sie, wie Sie Ihre Blutfette ohne Medikamente senken können.

Wussten Sie schon, dass...

  • schätzungsweise jeder zweite Erwachsene in Deutschland erhöhte Blutfettwerte hat?
  • wir einmal pro Jahr Ernährungsberatungen mit bis zu fünf Sitzungen bezuschussen?
  • der 14. Juni als „Tag des Cholesterins“ von der Lipid-Liga ins Leben gerufen wurde?

Welche Rolle spielen Blutfette in unserem Körper?

Blutfette, medizinisch Lipide, sind Fettbestandteile, die im Blut transportiert werden. Ihre wichtigsten Vertreter sind CholesterinTriglyzeride und Lipoproteine. Cholesterin ist ein lebenswichtiger Fettstoff, der unter anderem für Zellmembranen, Hormone und Gallensäuren benötigt wird. Triglyzeride sind Energieträger, die vor allem aus der Nahrung stammen und Lipoproteine wie LDL oder HDL stellen Transportformen für Fette im Blut dar. Geraten Sie aus dem Gleichgewicht stellen Sie einen Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar.

Blutfettwerte werden in einem Labor überprüft

Formen der Hyperlipidämie

Hyperlipidämie ist eine Fettstoffwechselstörung, bei der das LDL-Cholesterin oder die Triglyzeride dauerhaft erhöht sind. Je nachdem, welche Blutfette erhöht sind, unterscheidet man Hyperlipidämie in drei Formen:

  • Hypercholesterinämie: LDL-Cholesterinwerte sind erhöht
  • Hypertriglyzeridämie: Triglyzeridwerte sind erhöht
  • Kombinierte Hyperlipidämie: Cholesterin- und Triglyzeridwerte sind erhöht

Ursachen und Risikofaktoren: Wie kommt es zu erhöhten Blutfetten?

Bei der primären oder familiären Hyperlipidämie handelt es sich um eine erbliche Veranlagung. Hier sind die Blutfette schon bei normaler Ernährung stark erhöht.

Zu den Ursachen für die sekundäre Hyperlipidämie zählen:

  • Grunderkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Nieren- und Leberinsuffizienz, Diabetes, Adipositas
  • bestimmte Medikamente wie Kortison, Betablocker, Diuretika, Immunsuppressiva, Antibabypille
  • hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder während der Schwangerschaft
  • hoher Alkoholkonsum

Einige Risikofaktoren können eine Hyperlipidämie verstärken oder ihr Auftreten begünstigen:

  • ungesunde Ernährung: hoher Konsum von gesättigten Fettsäuren, Transfetten (wie in Fertiggerichten), Zucker, Alkohol
  • zu wenig Bewegung: dadurch ist der Stoffwechsel träger
  • Übergewicht: vor allem viszerales (zu den Eingeweiden gehörendes) Bauchfett fördert eine Insulinresistenz und hohe Triglyzeride
  • höheres Alter: die Wahrscheinlichkeit für eine Hyperlipidämie steigt mit zunehmendem Alter
C-Content Blutfette 3

Symptome: Wie machen sich erhöhte Blutfette bemerkbar?

Erhöhte Blutfettwerte bleiben oft lange Zeit unbemerkt. Obwohl die Gefäße bereits Schaden nehmen, treten meist keine Beschwerden auf. Oft wird Hyperlipidämie erst entdeckt, wenn Folgeerkrankungen wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt auftreten.

Nur in seltenen Fällen – etwa bei extrem erhöhten Blutfettwerten – treten sichtbare Anzeichen an Haut oder Augen auf. Dazu gehören sogenannte Xanthome: Kleine, gelbliche Knötchen, Plaques oder Verdickungen, die durch die Einlagerung bestimmter Fette unter der Haut entstehen. Sie wachsen mit der Zeit, sind scharf begrenzt, leicht erhaben, verursachen keinen Juckreiz und sind in der Regel nicht gerötet.

  • Xanthomae tendinosum: Diese Form tritt bevorzugt an Sehnen auf, etwa an der Achillessehne.
  • Xanthelasmen: Gelbliche, flache Flecken, die sich meist an den Augenlidern zeigen.
  • Arcus lipoides corneae: Ein milchig-weißer Ring um die Iris, der besonders bei sehr hohen Cholesterinwerten auftreten kann. Auffällig ist er vor allem bei jüngeren Menschen.

Folgen von Hypolipidämie

Infolge der Hypercholesterinämie kommt es zur „Arterienverkalkung“: Das Cholesterin lagert sich in den Blutgefäßen ab, wodurch sie sich verengen (Arteriosklerose). Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zum Gefäßverschluss und Blutgerinnsel entstehen. Je nach Körperregion hat dies unterschiedliche Folgen:

  • im Gehirn: Schlaganfall
  • im Herzen: Herzinfarkt, Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit): Durchblutungsstörung, meist in den Beinen

Wenn die Blutgerinnsel in den Blutkreislauf gelangen, kann es zudem zu Thrombosen oder Embolien kommen. Durch die Hypertriglyzeridämie steigt zusätzlich das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).

Diagnose: Wie werden erhöhte Blutfette festgestellt?

Ein einfacher Bluttest beim Hausarzt genügt, um die Blutfettwerte zu überprüfen. Dieser ist Bestandteil der sogenannten Lipidprofil-Untersuchung beziehungsweise des Check-up Plus. 

Bei der Untersuchung werden das Gesamtcholesterin, das LDL- und HDL-Cholesterin sowie die Triglyzeride gemessen. Zusätzlich wird oft auch der LDL/HDL-Quotient ermittelt. Dieser zeigt, wie das „schlechte“ Cholesterin im Verhältnis zum „guten“ Cholesterin steht. Je niedriger der Quotient, desto besser für die Gefäßgesundheit.

Ein Mann mit erhöhten Blutfettwerten leidet unter Brustschmerzen

Je nach individuellem Risikoprofil – etwa bei bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung – gelten unterschiedliche Zielwerte. Bei deutlich erhöhtem Risiko kann zusätzlich die Bestimmung bestimmter Eiweißverbindungen wie der Apolipoproteine oder des Lipoprotein(a) sinnvoll sein. Diese liefern ergänzende Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko und helfen, die Therapie gezielter auszurichten.

Der Arzt berücksichtigt auch verschiedene Risikofaktoren und erfragt die familiäre Vorbelastung. Mittels einer Ultraschalluntersuchung können zudem Ablagerungen an Gefäßwänden überprüft werden.

Behandlung bei Hyperlipidämie

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Fettstoffwechselstörung und dem persönlichen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Lebensstiländerungen wie gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Rauchverzicht und Stressabbau sind in der Regel die erste Maßnahme.

Reichen diese nicht aus oder ist das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht, wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen. Welche Wirkstoffe eingesetzt werden, hängt vom angestrebten Zielwert, der Verträglichkeit und möglichen Begleiterkrankungen ab:

  • Statine: senken das LDL-Cholesterin effektiv und hemmen die Cholesterinbildung in der Leber
  • Ezetimib: hemmt die Aufnahme von Cholesterin im Darm
  • Fibrate: senken die Triglyzeride und erhöhen das HDL moderat
  • PCSK9-Hemmer: Antikörper, die das LDL stark senken, werden vor allem bei einer genetischen Veranlagung eingesetzt
  • Omega-3-Fettsäuren in hoher Dosis zur Triglyzeridsenkung

Weitere Maßnahmen

In besonderen Fällen kann zusätzlich eine Lipoprotein-Apherese in Erwägung gezogen werden. Diese Methode, die einer Blutwäsche ähnlich ist, wird vor allem bei Patienten mit rasch fortschreitender Arteriosklerose und hohen Lipoprotein-(a)-Konzentrationen eingesetzt. Ziel ist die gezielte Entfernung bestimmter Lipoproteine wie LDL und Lipoprotein(a) aus dem Blut.

Blutfette senken ohne Medikamente: So klappt’s

Auch ohne Medikamente können Sie Ihre Blutfettwerte senken und so möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen:

  • Ernährung anpassen

    Meiden Sie oder essen Sie nur reduzierte Mengen von folgenden Lebensmitteln:

    • verarbeitete und frittierte Lebensmittel
    • Lebensmittel mit viel fettreichen, tierischen Ölen, Butter, Schmalz, Sahne
    • rotes Fleisch
    • Weißmehl
    • Alkohol
    • Zucker
    • Transfette, die in frittierten oder verarbeiteten Produkten vorkommen

    Ernähren Sie sich stattdessen gesund und ausgewogen:

  • Bewegung steigern

    Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Ob Walken, Radfahren oder Schwimmen: Wählen Sie die Bewegungsform, die Ihnen Freude macht. Gestalten Sie auch Ihren Alltag aktiver – etwa durch Treppensteigen, Stehen statt Sitzen oder mehr Wege zu Fuß.

  • Körpergewicht senken

    Schon eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent kann sich positiv auf LDL, Triglyzeride und Blutzucker auswirken.

  • Rauchstopp

    Ein Rauchstopp verbessert das HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“). Zudem sinken Entzündungswerte und das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

  • Stress abbauen

    Mit Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenem Training lässt sich Stress nachweislich reduzieren. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie dabei und bezuschusst Ihnen bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr.

  • Regelmäßige Kontrolle

    Besonders bei langfristiger Einnahme von Medikamenten, die sich auf die Blutfettwerte auswirken, sind regelmäßige Blutkontrollen wichtig. Diese sollten mindestens einmal im Jahr stattfinden. Als AOK-Versicherter können Sie die Vorteile des Check-up Plus nutzen.

Initiative: „Dessau auf Ziel“

Mit dem Projekt „Dessau auf Ziel“ will die Lipid- Liga e. V.    die Versorgung von Menschen mit Fettstoffwechselstörungen gezielt verbessern. Das Projekt wird unterstützt von der AOK Sachsen-Anhalt. Ziel ist es, ein Netzwerk aus Ärzten, Kliniken und Selbsthilfegruppen zu schaffen. Dadurch sollen eine bessere Aufklärung und Nachsorge, insbesondere nach einem Herzinfarkt, stattfinden. Außerdem stehen die Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung von Folgeerkrankungen im Fokus. Die Lipid-Liga agiert als unabhängiger Ansprechpartner und Koordinator des Projekts.

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