Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Bandscheibenvorfall

Ein Mann mittleren Alters treibt im Park Sport.

Bandscheibenvorfall erkennen und behandeln   

Die meisten Rückenschmerzen haben keine eindeutig feststellbare Ursache. Häufig spielen unter anderem Muskelverspannungen, körperliche Belastungen oder altersbedingte Veränderungen eine Rolle. Halten die Beschwerden an oder treten zusätzlich ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche auf, kann eine gereizte oder eingeklemmte Nervenwurzel dahinterstecken. Zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn starke neurologische Ausfälle oder Lähmungserscheinungen auftreten.

Lesen Sie mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung eines Bandscheibenvorfalls. Außerdem erfahren Sie, was Sie selbst für einen gesunden und starken Rücken tun können.

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Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe liegt zwischen den Wirbelköpern der Wirbelsäule und wirkt als elastischer Puffer und helfen dabei. Belastungen abzufedern. Jede Bandscheibe besteht aus einem weichem Gallertkern und einem äußeren Faserring. 
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Bandscheibengewebe. Der Faserring kann dadurch anfälliger für Risse werden. Tritt Bandscheibengewebe durch einen Riss im Faserring nach außen, sprechen Ärzte von einem Bandscheibenvorfall. Das ausgetretene Gewebe kann auf eine Nervenwurzel drücken oder sie reizen. Dadurch können Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche entstehen.

Nicht jede Veränderung der Bandscheibe ist ein Bandscheibenvorfall.
 

Bandscheibenvorwölbung
Bei einer Bandscheibenvorwölbung wölbt sich die Bandscheibe nach außen, ohne dass der äußere Faserring vollständig durchbrochen ist.
Bandscheibenvorfall
Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe durch einen Riss im Faserring nach außen.
Frau mittleren Alters hebt eine Umzugskiste.

Altersbedingte Veränderungen spielen bei der Entstehung eines Bandscheibenvorfalls eine wichtige Rolle. Die Bandscheiben verlieren im Laufe des Lebens unter anderem an Elastizität und können dadurch anfälliger für Schäden werden. 

Auch körperliche Belastungen können die Entstehung begünstigen. Übergewicht kann die Belastung für die Wirbelsäule zusätzlich erhöhen. Meist lässt sich ein Bandscheibenvorfall jedoch nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.

Sowohl Bandscheibenvorwölbungen als auch Bandscheibenvorfälle können ohne Beschwerden bleiben. Sie werden deshalb nicht selten zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. 

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall kann grundsätzlich in allen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten. Am häufigsten kommt er im Bereich der Lendenwirbelsäule vor. Symptome treten meist abhängig von der Stelle des Bandscheibenvorfalls und betroffener Nerven auf. 

  • Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

    Ein Bandscheibenvorfall im unteren Rücken kann Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule verursachen. Diese können in das Gesäß, das Bein oder bis in den Fuß ausstrahlen. Wenn dabei der Ischiasnerv beziehungsweise eine seiner Nervenwurzeln betroffen ist, sprechen Ärzte von Ischiasschmerzen.

    Weitere mögliche Beschwerden sind:

    • Kribbeln oder andere Missempfindungen
    • Taubheitsgefühle
    • Muskelschwäche
    • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

    Betroffene leiden unter Nacken- und Schulterschmerzen, die auch in Arm, Hand oder in einzelne Finger ausstrahlen können. Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder verminderte Sensibilität in Arm und Hand können zusätzlich auftreten. Es kann zu einem Kraftverlust kommen, der sich beispielsweise beim Greifen oder Heben von Gegenständen bemerkbar macht. Häufig verstärken sich die Beschwerden bei bestimmten Bewegungen des Kopfes oder des Nackens.

  • Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule

    Diese Art des Bandscheibenvorfalls kommt eher selten vor. Die Beschwerden können sich beispielsweise durch Schmerzen im Rücken äußern. Teilweise strahlen die Schmerzen gürtelförmig entlang der Rippen aus. Auch Gefühlsstörungen oder andere neurologische Beschwerden sind möglich.

Wann sofort ärztliche Hilfe nötig ist

Bestimmte Beschwerden können auf eine starke Beeinträchtigung von Nerven hinweisen. Dazu gehören insbesondere:

  • plötzlich auftretende oder zunehmende Lähmungserscheinungen beziehungsweise eine deutliche Muskelschwäche
  • Taubheitsgefühle im sogenannten Reithosenbereich, also an Gesäß, Genitalien und den Innenseiten der Oberschenkel
  • Probleme beim Wasserlassen, beispielsweise eine plötzlich auftretende Harnverhaltung oder ein unkontrollierter Urinverlust
  • Probleme, den Stuhl zu halten

In solchen Fällen ist eine sofortige Vorstellung in der Notaufnahme oder in einer Klinik erforderlich.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall festgestellt?

MRT-Untersuchung mit älterem Patienten und Pflegepersonal

Zunächst fragt der Arzt nach den Beschwerden und ihrer Entwicklung. Anschließend erfolgt die körperliche und neurologische Untersuchung. Dabei werden Beweglichkeit, Muskelkraft und Reflexe sowie das Empfinden untersucht. So lässt sich feststellen, ob Anzeichen für eine Reizung oder Beeinträchtigung von Nerven bestehen.

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist bei einem Bandscheibenvorfall nicht automatisch erforderlich. Sinnvoll wird die Methode, wenn schwere oder zunehmende neurologische Ausfälle bestehen, die Beschwerden trotz Behandlung länger anhalten oder eine Operation in Betracht gezogen wird.

Ein sichtbarer Bandscheibenvorfall bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er die Beschwerden verursacht. Deshalb werden MRT-Befunde immer gemeinsam mit den Beschwerden und den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung beurteilt.

 

Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Beschwerden beim Bandscheibenvorfall bessern sich häufig innerhalb einiger Wochen von selbst. Welche Therapie eingesetzt wird, ist abhängig von der Stärke der Schmerzen, Verlauf und dem Ausmaß möglicher Nervenbeeinträchtigungen.

Physiotherapist helping a woman in physical therapy doing stretching exercises using a fitness ball

Die konservative Behandlung ist in der Regel die erste Wahl für eine Therapie. Sie hat das Ziel, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und so die Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen.

Dazu können gehören:

  • schmerzlindernde oder entzündungshemmende Medikamente
  • Bewegung und gezielte Physiotherapie
  • Wärme oder Kälte, je nachdem, was als angenehm empfunden wird
  • Entspannungsverfahren als ergänzende Maßnahme

Längere Bettruhe wird hingegen nicht empfohlen. Betroffene sollten ihren Alltag möglichst aktiv gestalten u und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bewegen. Bei starken Schmerzen kann es jedoch sinnvoll sein, die Belastung vorübergehend anzupassen.

Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall nicht immer notwendig. Sie kann bei schweren oder zunehmenden neurologischen Ausfällen erforderlich sein. Auch bei starken, anhaltenden Beschwerden, die trotz konservativer Behandlung nicht ausreichend zurückgehen, kann eine Operation infrage kommen.

Was kann ich selbst für meinen Rücken tun?

Ein Bandscheibenvorfall lässt sich nicht immer verhindern. Regelmäßige Bewegung und ein gesunder Lebensstil tragen jedoch dazu bei, Rückenschmerzen vorzubeugen und die Belastbarkeit Ihres Rückens zu verbessern.

Senior fasst besorgt seinen schmerzenden Rücken an.
  • Körperliche Aktivität hält Ihre Muskulatur, Ihre Bandscheiben und Ihre Gelenke beweglich und leistungsfähig. Besonders Krafttraining stärkt die Rücken- und Rumpfmuskulatur und unterstützt die Wirbelsäule im Alltag. Videos mit effektiven Übungen für mehr Rückengesundheit finden Sie in unserer "Übungsserie Starker Rücken"
  • Unterbrechen Sie regelmäßig langes Sitzen durch kurzes Aufstehen, Dehnen oder einige Schritte Bewegung.
  • Eine rückengerechte Technik beim Heben und Tragen kann Ihren Rücken entlasten.
  • Ein gesundes Körpergewicht trägt ebenfalls dazu bei, die Belastung der Wirbelsäule zu reduzieren. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie bei der Gewichtsreduzierung mit verschiedenen Gesundheitskursen

Fazit: Ein Bandscheibenvorfall kann Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche verursachen, bleibt aber auch manchmal ohne Beschwerden. Häufig bessern sich die Symptome innerhalb weniger Wochen und lassen sich konservativ behandeln. Bei starken oder zunehmenden neurologischen Beschwerden ist eine schnelle ärztliche Abklärung wichtig. Regelmäßige Bewegung, eine kräftige Rumpfmuskulatur und ein gesundes Körpergewicht können die Rückengesundheit unterstützen, einen Bandscheibenvorfall aber nicht sicher verhindern.

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