Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Bandscheibenvorfall

Ein Mann mittleren Alters treibt im Park Sport.

Wenn der Rücken dauerhaft schmerzt 

 

Ein Bandscheibenvorfall ist für Patienten und Patientinnen meist mit starken Schmerzen und erheblichen Bewegungseinschränkungen verbunden. In vielen Fällen kann Betroffenen durch eine kurative Behandlung geholfen werden. Bleiben die Beschwerden bestehen oder ist der Nerv zu stark entzündet, kann ein operativer Eingriff notwendig werden. Lesen Sie mehr zu den Ursachen, dem Behandlungsverlauf und wie Sie einen möglichen Bandscheibenvorfall erkennen in unserem Beitrag. Wir geben außerdem Tipps, wie Sie einem Bandscheibenvorfall vorbeugen können.

Wussten Sie schon, dass…

  • die AOK Sachsen-Anhalt mit „Rückenaktiv“ ein Online-Programm für Trainings Zuhause anbietet?
  • gezieltes Training der Rückenmuskulatur die Bandscheiben entlastet?
  • wir unseren Versicherten einen Zuschuss für zwei Gesundheitskurse pro Jahr zahlen?

Bandscheibe - Wofür brauchen wir sie?

Die Bandscheiben sind ein wichtiger Teil unseres Bewegungsapparates. Eine Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring und einem mit Gewebe gefüllten Gallertkern. Der Faserring verhindert, dass unter Belastung der Kern zwischen den Wirbelkörpern herausgerückt wird. Die Bandscheiben sorgen für die Stabilisierung der Wirbelsäule, dämpfen Stöße ab und stützen jede Bewegung. Die einzelnen Bandscheiben liegen zwischen den 26 Wirbelknochen und halten durch ihre elastische Konstruktion auch sehr hohem Druck stand. Mit den Jahren leiden die Bandscheiben allerdings unter der ständigen Belastung und lassen in ihrer Funktion nach. Je älter Menschen werden, desto häufiger wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Durchschnittlich erkranken Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 55 Jahren.  

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Frau mittleren Alters hebt eine Umzugskiste.

Bei einem Bandscheibenvorfall wölbt sich der mit Gewebe gefüllte Faserring und wird in die Zwischenräume der Wirbelsäule gedrückt. Durch die Wölbung, auch Protrusion genannt, kann der äußere Faserring reißen und das flüssige Gewebe des Gallertkerns auf die Nerven und die Nervenwurzeln des Rückenmarks drücken. Die Folge sind Schmerzen und Gefühlsstörungen, wie zum Beispiel im Rücken oder Nacken, Lähmungserscheinungen und Kribbeln in Armen und Beinen. Allerdings verursacht nicht jeder Bandscheibenvorfall automatisch Beschwerden. Besonders bei leichten Formen leben die Betroffenen oft frei von Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen, da keine schmerzhafte Nervenreizung ausgelöst wird.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

  • starker Rückenschmerz
  • Schmerzen können auf Gesäß und Beine ausstrahlen
  • auch bekannt als “Hexenschuss” oder “Lumbago”, da die Schmerzen plötzlich und aus einer ungewohnten Bewegung heraus auftreten können

Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule

  • ausstrahlende Schmerzen in Arme und Beine
  • in wenigen Fällen auch Nackenschmerzen
  • Gefühlsstörungen und Muskellähmungen

Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule

  • Druckempfindlichkeit im Bereich der Brustwirbelsäule
  • dumpfer Rückenschmerz zwischen den Schulterblättern
  • Schmerzen, die gürtelförmig über den Brustkorb ausstrahlen

In vielen Fällen lassen die Schmerzen durch den Selbstheilungsprozess unseres Körpers in wenigen Wochen nach, dennoch ist eine medizinische Begleitung bei der Genesung ratsam. Bei anhaltenden Schmerzen empfehlen wir eine Vorstellung in Ihrer behandelnden Hausarztpraxis. 

Ursachen für Bandscheibenvorfälle

Bandscheibenvorfälle können durch verschiedene Faktoren entstehen. Eine Gemeinsamkeit, die dabei alle Ursachen haben, sind Überlastung, Verschleiß und eine starke Beanspruchung der Wirbelsäule. 

Dazu zählen:

  • Übergewicht

    Durch das hohe Gewicht werden die Bandscheiben stärker beansprucht als bei normalgewichtigen Menschen. Daher kommt es bei Übergewicht häufiger zu einem Bandscheibenvorfall. 

  • Fehlhaltungen

    Ein Haltungsfehler kann sowohl angeboren, als auch antrainiert sein. Oftmals wird dadurch versucht ein anderer Schmerz im Körper zu unterdrücken, was sich aber negativ auf die Wirbelsäule auswirkt. Durch die verursachte Fehlbelastung, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen.

  • Körperliche Arbeit 

    Egal ob im Handwerk, im Straßenbau oder in der Landschaftsgärtnerei - schwere körperliche Arbeit gehört bei vielen Menschen zum Berufsalltag. Ein Bandscheibenvorfall kann durch die dauerhafte Belastung begünstigt werden. 

  • Langes Sitzen

    Lang anhaltende Sitzpositionen, ohne zwischendurch für ausreichend Bewegung zu sorgen und generelle Fehlhaltungen, stellen ein hohes Risiko für die Überlastung der Bandscheiben dar. Muskeln können durch falsches Sitzen verkrampfen und die Bandscheibe einem höheren Drück aussetzen.

  • Ruckartige Bewegungen

    Schnelles Hochschrecken oder ein Sturz erhöhen den Druck auf die Bandscheiben. Der enorme Druck, der dabei auf den Bandscheiben entsteht, kann einen Bandscheibenvorfall auslösen. 

  • Sportliche Überlastung

    Es ist wichtig, sich beim Sport gut aufzuwärmen und die Muskeln auf die anstehende Belastung vorzubereiten. Verschiedene Sportarten wie beispielsweise Tennis, Reiten und Squash oder auch die fehlerhafte Bedienung von Sportgeräten, können zu einem Bandscheibenvorfall verursachen.

Seltener sind Verletzungen und Unfälle sowie angeborene Fehlstellungen für eine solche Schädigung der Wirbelsäule verantwortlich. Ein Bandscheibenvorfall kann aber auch durch eine Schwangerschaft oder eine angeborene Schwäche des Bindegewebes entstehen.

Bandscheibenvorfall oder Rückenschmerzen?

Viele Menschen leiden unter Schmerzen im Rückenbereich. Zwischen einfachen Rückenschmerzen und einem Bandscheibenvorfall zu differenzieren, ist für Laien sehr schwer. Tritt ein plötzlicher, stechender Schmerz im Lendenwirbelbereich auf, wird schnell ein sogenannter Hexenschuss vermutet. Und tatsächlich trifft die selbst gestellte Diagnose in circa 90 Prozent der Fälle zu. Auch wenn der Schmerz für Betroffene sehr unangenehm ist, klingt dieser meist nach ungefähr einer Woche wieder ab. Drücken hingegen vorgefallene Bandscheiben gegen die empfindlichen Nerven im Wirbelkanal, lösen sie damit einen starken Schmerz aus. Dieser kann auch in andere Körperteile wie das Gesäß, die Arme und Beine ausstrahlen. Sollten die Schmerzen länger anhalten, so ist ein Besuch in Ihrer Hausarztpraxis ratsam. Neben dem Bandscheibenvorfall gibt es zahlreiche andere Erkrankungen im Rückenbereich, wie Verspannungen, Wirbelsäulenveränderungen und Gelenkblockaden, die Auslöser für den Schmerz sein können. 

Folgen eines unbehandelten Bandscheibenvorfalls 

Senior fasst besorgt seinen schmerzenden Rücken an.

 

Nicht behandelte Bandscheibenvorfälle können zu dauerhaften Nervenschäden führen. Außerdem können sich daraus chronische Schmerzen, bleibende Gefühlsstörungen oder Lähmungen entwickeln. Wichtig ist, dass betroffene Nerven im entzündeten Zustand nicht überstrapaziert und falsch therapiert werden. Denn verschiedene Streckübungen, die sich zunächst schmerzlindernd auswirken, können dauerhaft zu chronischem Leiden im Rücken oder zu starken Bewegungseinschränkungen führen.

Ärztliche Zweitmeinung bei einem Bandscheibenvorfall

Sollten Sie sich unsicher mit der Diagnose sein und wünschen vor einer Operation an den Bandscheiben eine ärztliche Zweitmeinung, so übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten des Beratungsgesprächs für gesetzlich geregelte Zweitmeinungsdiagnosen. Um die Abrechnung kümmert sich die jeweils behandelnde Arztpraxis. Sie brauchen für Ihren Zweitarzttermin lediglich Ihre Versichertenkarte. Für Sie entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Bandscheibenvorfällen

Um ernsthafte Ursachen frühzeitig auszuschließen, sollten Sie zunächst Ihre Hausarztpraxis aufsuchen. Nach einer ersten Diagnose und einer Überweisung an einen Facharzt oder eine Fachärztin der Orthopädie, beginnt die Untersuchung mit einer ausführlichen Anamnese. Auf dieser Basis werden körperliche Untersuchungen durchgeführt und mitunter Wirbelkörper und Muskelstränge abgetastet. Außerdem wird geprüft, ob Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen und Funktionsausfälle bestehen. Sollte Ihr Arzt oder Ihre Ärztin bereits jetzt einen Bandscheibenvorfall diagnostizieren können, so sind keine weiteren radiologischen Untersuchungen notwendig. Kann keine eindeutige Diagnose gestellt werden oder der Behandlungserfolg bleibt trotz Therapie aus, kommen oft bildgebende Verfahren zum Einsatz. Dazu zählen unter anderem die Röntgendiagnostik, die Kernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT). Bei einem Verdacht auf einen Wirbelbruch oder bei auftretenden Lähmungen wird sofort eine radiologische Untersuchung angeordnet. 

Bei den meisten Menschen heilt ein Bandscheibenvorfall innerhalb von einigen Wochen von allein aus. Bis dahin stehen viele Behandlungen zur Verfügung, die dabei helfen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. 

 

  • Physiotherapie

    In der Physiotherapie können Schmerzpunkte gezielt durch manuelle Therapie behandelt werden. In der Physiotherapiepraxis werden mit speziellen Techniken die Muskulatur und Wirbelgelenke in Bewegung gebracht und die geschwächten Muskeln gestärkt. Dabei wird erlernt, welche Muskeln bei den unterschiedlichen Bewegungen angespannt werden müssen. Eine Verordnung für Physiotherapie erhalten Sie von Ihrer behandelnden Arztpraxis.

  • Krankengymnastik

    Bei verordneter Krankengymnastik werden Kräftigungsübungen ausgeführt. Sie dienen dazu, die geschwächte Rückenmuskulatur gezielt aufzubauen. Auch Fehlhaltungen können während der Krankengymnastik behoben werden und in Zukunft für eine verbesserte Haltung sorgen. In welchem Rahmen und Umfang die Krankengymnastik sinnvoll ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin und stellt bei Bedarf eine entsprechende Verordnung aus. 

  • Schmerztherapie

    Um die physiotherapeutische Therapie zu unterstützen, kann eine Schmerztherapie sinnvoll sein. Vielen Betroffenen fällt es leichter Übungen richtig auszuführen, wenn die Schmerzen gemindert sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über bestehende Schmerzen, auch wenn diese in der Physiotherapie schlimmer werden.

  • Thermotherapie

    Verschiedene Behandlungen mit Wärme oder Kälte sowie Massagen empfinden Betroffene oft als angenehm und schmerzlindernd. Ihre Hausarztpraxis kann bei medizinischer Notwendigkeit hierfür entsprechende Verordnungen ausstellen. 

Operation der Bandscheiben 

Ist eine kurative Behandlung erfolglos und der Patient leidet weiterhin an Schmerzen und weiteren Symptomen des Bandscheibenvorfalls, kann ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Bei schweren Verläufen und stark ausgeprägten Symptomen, wie zum Beispiel Lähmungserscheinungen von Armen und Beinen, kann auch eine sofortige Operation notwendig werden. Bei der Operation wird das überschüssige Bandscheibengewebe mikrochirurgisch entfernt und somit der Nerv befreit. Modernste Operationstechniken erlauben einen sicheren und schonenden Eingriff. In einigen Fällen ist nach einer erfolgten Operation eine Anschlussheilbehandlung medizinisch notwendig. Hierzu erhalten Sie im Krankenhaus eine ausführliche Beratung und stellen bei Bedarf gemeinsam mit dem Sozialdienst einen Antrag. Die Rehabilitationsmaßnahme wird dann in einer speziell dafür vorgesehenen orthopädischen Rehabilitationseinrichtung durchgeführt.

Sollten Sie aufgrund eines Bandscheibenvorfalls länger als 6 Wochen krankgeschrieben sein, kann der Anspruch auf Zahlung von Krankengeld geprüft werden.

Wie können Sie einem Bandscheibenvorfall vorbeugen?

  • Regelmäßige Bewegung

    Um genügend Nährstoffe und Wasser aus dem umliegenden Gewebe aufnehmen zu können, benötigen Ihre Bandscheiben ausreichend Aktivität. Durch regelmäßiges Gehen und Laufen, wird Ihre Wirbelsäule beansprucht, was sich positiv auf Ihre Bandscheiben auswirkt. Durch Bewegungsmangel kann Ihre Bandscheibe aufgrund der fehlenden Nährstoffe spröde werden.

  • Aktives Muskeltraining

    Gezieltes und fachgerechtes Training der Rückenmuskulatur stärkt und entlastet die Bandscheiben. Es gibt viele Sportarten, die hier geeignet sind, wie zum Beispiel Pilates, Yoga, Aqua-Gymnastik, Nordic Walking oder Schwimmen.

  • Übergewicht vermeiden

    Je mehr Gewicht Ihr Körper tragen muss, desto mehr müssen auch die Wirbelsäule und die Bandscheiben tragen. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie bei der Gewichtsreduzierung mit verschiedenen Gesundheitskursen

  • Rückenschonender Alltag

    Unbedachte Bewegungen, gewohnte Haltungen und falsches Tragen von schweren Lasten können Ursache für Rückenbeschwerden und einem Bandscheibenvorfall sein. Informieren Sie sich zu rückenschonendem Verhalten im Alltag und ergonomischen Haltungsformen im Sitzen und Stehen. 

Fazit: Ein Bandscheibenvorfall ist eine schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule, die Betroffene meist für viele Wochen in ihrer Beweglichkeit einschränkt. Häufige Auslöser können Übergewicht, Fehlhaltungen oder starke körperliche Arbeit sein. Jedoch lassen sich die Symptome frühzeitig erkennen und behandeln. Durch regelmäßige Bewegung, gezieltes Muskeltraining und die Reduktion von Übergewicht kann ein Bandscheibenvorfall aktiv vermieden werden.

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