Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Leben nach Krebs

Eine Krebspatientin blickt positiv in die Zukunft

So gelingt der Wiedereinstieg in den Alltag

Dank moderner Krebstherapien überleben heute immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei rund 60 Prozent . Nach der Behandlung beginnt für viele ein „zweites Leben“, das sich oft anders anfühlt als vor der Erkrankung. Gleichzeitig kann Unsicherheit auftreten, da Betroffene während der Therapie rund um die Uhr medizinisch betreut waren. Daher könne sich Betroffene nach der Behandlung teilweise allein gelassen fühlen. Sorgen über Rückfälle oder körperliche und psychosoziale Langzeitfolgen können je nach Krebsart noch Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der Therapie auftreten. Wie auch während der Behandlung kann ein gesunder Lebensstil den Körper unterstützen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie psychologische Angebote können für Betroffene auch nach dem Leben mit Krebs eine wertvolle Unterstützung sein.  

Erfahren Sie, wie das Leben nach Krebs mit vielen hilfreichen Angeboten gut gelingen kann und wie Betroffene ihre Gesundheit stärken. 

Wussten Sie schon, dass...

  • rund drei Millionen Menschen in Deutschland als Langzeitüberlebende von Krebs gelten?
  • Bewegung das Rückfallrisiko bei Krebs verringert?
  • wir sie bei und nach einer Krebserkrankung unterstützen?

Was passiert bei der Krebsbehandlung mit dem Körper?

Die Krebsbehandlung bekämpft je nach Krebsart und Stadium auf unterschiedliche Weise den Krebs. Ziel ist es, das Wachstum der Krebszellen zu verringern beziehungsweise zu stoppen oder sie ganz zu zerstören. Dabei kann auch der eigene Körper geschädigt werden, da die Behandlung nicht ausschließlich Krebszellen angreift. Mögliche Nebenwirkungen sind:  

Ein Krebspatient liest nach Krebstherapie ein Buch
  • Haarausfall ist oft typisch. Das Nachwachsen der Haare kann bis zu einem halben Jahr nach Ende der Chemotherapie dauern.
  • Hautveränderungen können auftreten.
  • Eine Sexualität- häufig durch eine verringerte Libido oder Erektionsprobleme.
  • Eine geringere Leistungsfähigkeit, die sogenannte Fatigue, ist möglich.

Die psychische Belastung ist groß, da körperliche Veränderungen und Ängste sehr belastend sind und unter anderem zu Depressionen führen können.

Folgeerkrankungen einer Krebstherapie

Langzeitfolgen beginnen häufig während oder kurz nach der Behandlung und können über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Spätfolgen treten erst nach einigen Monaten oder Jahren nach Therapieende auf– abhängig von der Art der Krebserkrankung und Behandlung sowie genetischer und familiärer Veranlagungen.

Mögliche körperliche Folgeerkrankungen sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Hormonstörungen
  • chronische Schmerzen
  • tumor-assoziierte oder krebsbedingte Fatigue (anhaltende Erschöpfung über Monate)
  • Lymphödeme
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, sogenanntes „Chemohirn“
  • Organ- und Nervenschädigungen
  • vorzeitige Menopause („Wechseljahre“)
  • Unfruchtbarkeit oder Schwierigkeiten bei Kinderwunsch
  • Inkontinenz

Mögliche psychische Folgeerkrankungen können sein:

  • Veränderungen des Selbstbildes
  • Depressionen
  • Angststörungen und Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung und verminderte Belastbarkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Anpassungsstörungen
  • soziale Rückzugsneigung

Wie geht es nach der Krebstherapie weiter?

Das Rückfallrisiko ist in den ersten Monaten nach der Therapie am größten. 

Die Nachsorge ist besonders wichtig, da regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen, Rückfälle frühzeitig zu erkennen und mögliche Spätfolgen zu überwachen. In der Regel erfolgt dazu auch eine Beratung durch den behandelnden Arzt im Abschlussgespräch, in dem Patienten auch ihre Fragen und Unsicherheiten klären können. Die konkreten Nachsorgemaßnahmen richten sich nach der jeweiligen Krebs- oder Tumorart und können entsprechend unterschiedlich ausfallen. Dazu gehören meist:

Gesund leben nach Krebs

Nach einer Krebsbehandlung erholen sich Körper und Psyche nur langsam wieder, doch dieser Prozess kann aktiv unterstützt werden. Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und psychologischer Betreuung negative Begleiterscheinungen mildern und die Lebensqualität deutlich verbessern kann.

  • Reha und Kuren

    Ob eine Anschlussheilbehandlung oder eine Rehabilitationsmaßnahme für Sie infrage kommt, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Unter Umständen ist auch eine Familien-Reha möglich. Diese Maßnahmen schaffen Grundlagen für das Leben nach Krebs und können anschließend selbst weiter angewendet werden, um die körperliche Fitness und psychische Stabilität zu fördern. Oftmals haben Patienten die Möglichkeit bestimmter Therapiemaßnahmen:

    • Ergotherapie unterstützt die eigene Versorgung, Freizeitgestaltung sowie die Rückkehr in den Beruf.
    • Psychosoziale Unterstützung hilft die Krebserkrankung und damit einhergehende Ängste, Sorgen, emotionalen oder mentalen Druck sowie Depressionen zu verarbeiten.
    • Physio- und Bewegungstherapie lindert Bewegungseinschränkungen, unterstützt den Muskelaufbau und kann der Fatigue vorbeugen.
    • Ernährungsberatung hilft einen Ernährungsplan nach individuellen Bedürfnissen zu erstellen. So wird die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen, auch bei starkem Gewichtsverlust, sichergestellt.
    • Weitere Maßnahmen stellen Bewältigungsstrategien für den Alltag dar – insbesondere im Umgang mit den Folgen der Behandlung. Dazu gehören Entspannungstechniken, Beckenbodentraining oder der Umgang mit einem künstlichen Darmausgang.
  • Ernährung und Lebensstil

    Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist bei einer Krebserkrankung besonders wichtig, da es im Verlauf der Therapie häufig zu Mangelernährung kommen kann, etwa durch Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen.

    Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, viel Obst und Gemüse sowie eiweißreichen Produkten wie Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten. Auch ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel aus Seefisch oder Leinöl, können sinnvoll sein. Stark zuckerhaltige Lebensmittel sollten nur in Maßen verzehrt werden, rotes Fleisch möglichst reduziert. Alkohol und Rauchen gelten als gesundheitsschädlich und sollten nach einer Krebserkrankung konsequent vermieden werden.

    Viele Betroffene sind unsicher, was sie essen dürfen. Orientierung bietet unter anderem die Deutsche Krebshilfe mit umfassenden Informationen zur Ernährung bei Krebs. 

  • Viel Bewegung

    Regelmäßige Bewegung hilft dabei, Ihre Energie, Stimmung und Ihr Immunsystem zu verbessern. Bewegung kann Schmerzen lindern, Fatigue vorbeugen und bei einigen Krebsarten das Rückfallrisiko verringern. Sie fördert die Verdauung, unterstützt gegen Appetitlosigkeit und hilft zudem beim Muskelaufbau.

    Bevor Sie mit Ihrer körperlichen Fitness starten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aqua Fitness, Walking und Radfahren sind am besten geeignet. Krebssportgruppen, Sport- und Physiotherapeuten unterstützen Sie ebenfalls.

  • Achtsamkeit und Selbstfürsorge

    Achten Sie auf sich selbst und nehmen Sie wahr, was Ihnen guttut und was Ihnen Energie raubt. Ein bewusster Prioritätenwechsel kann helfen, die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Sprechen Sie Sorgen und Ängste offen bei Ihren Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten oder im persönlichen Umfeld an.

    Unser Tipp: Narbengewebe nach Operationen kann nach abgeschlossener Wundheilung durch vorsichtige Pflege und leichte Massage unterstützt werden. Das kann die Beweglichkeit des Gewebes fördern und späteren Beschwerden vorbeugen. Idealerweise stimmen Sie das Vorgehen vorher mit dem behandelnden Fachpersonal ab.

  • Freizeitgestaltung

    Hobbys und Freizeitaktivitäten, besonders gemeinsam mit Freunden oder Familie, können Ihre Stimmung heben. Auch wenn es anfangs Überwindung kostet: Oft stellen sich schon nach kurzer Zeit positive Effekte ein.

Eine Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte tauscht sich aus

Psychoonkologische Betreuung

Psychoonkologen sind Psychotherapeuten, die auf die psychischen Belastungen durch eine Krebsbehandlung spezialisiert sind. Sie stellen ihr Angebot bereits während der Behandlung zur Verfügung und bleiben auch danach wichtig. Ängste, Sorgen und Probleme sollten Sie dort offen ansprechen. Es erleichtert Ihnen den Umgang mit Depressionen, Panikattacken oder Angststörungen sowie bei der Angst vor einem Rückfall oder Unsicherheiten zur beruflichen Zukunft. 

Selbsthilfegruppen unterstützen Sie auch, da der Austausch mit anderen Betroffenen entlastend wirkt. Psychoonkologen finden Sie über Ihren behandelnden Arzt, Krebsberatungsstellen oder die Umkreissuche des Krebsinformationsdienstes. Ergänzend sind Paar- oder Familientherapien möglich, besonders wenn Eltern erkranken, da dies auch für Kinder sehr belastend sein kann.

Wiedereinstieg in den Beruf

Etwa 60 Prozent der Krebsüberlebenden entscheiden sich für einen Wiedereinstieg in den Beruf. Dabei ist es wichtig, auf sich selbst zu hören und zu prüfen, ob der ursprüngliche Beruf noch passend ist. Unter Umständen sollten Sie Optionen wie Teilzeit, andere Aufgabenbereiche, Weiterbildungen oder sogar ein Berufswechsel in Betracht ziehen. Besprechen Sie Ihren Wiedereinstieg mit Ihrem behandelnden Arzt. Unterstützung bieten Ihnen unter anderem Krebsberatungsstellen, Betriebsärzte oder der Personalrat. Eine Möglichkeit für den beruflichen Wiedereinstieg ist die stufenweise Wiedereingliederung nach dem sogenannten „Hamburger Modell“. Dabei erfolgt der Rückkehr in den Arbeitsalltag schrittweise, zunächst mit reduzierter Stundenzahl und langsam steigender Belastung.

Die stufenweise Wiedereingliederung ist in § 74 Sozialgesetzbuch V geregelt und kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Belastbarkeit noch nicht vollständig eingeschätzt werden kann.

Ein Krebspatient und seiner Partnerin haben eine gute Zeit zusammen

Unterstützungsangebote in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es vielfältige Unterstützungsangebote für Krebsbetroffene und deren Angehörige, die medizinische, psychologische und berufliche Hilfe umfassen.

Krebsberatungsstellen

Dazu gehören die Beratungsstellen der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft und die Umkreissuche des Krebsinformationsdienstes.

Selbsthilfegruppen

Angebote finden Sie über die Suchen der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft und über die Selbsthilfekontaktstelle wie zum Beispiel „Betroffene mit und nach Krebs“ in Magdeburg und  „Frauen nach Krebs“ unter anderem in Naumburg, Wernigerode oder Köthen.

Krebssportgruppen

Der Behinderten- und Rehasportverband Sachsen-Anhalt bietet Sportangebote in Ihrer Nähe an. 

Angebote der AOK Sachsen-Anhalt

Die AOK Sachsen-Anhalt bietet verschiedene Unterstützungsangebote für Krebsbetroffene. 

Dazu gehört der AOK-Curaplan Brustkrebs, der eine optimale ärztliche Betreuung während der Erkrankung und bei der Nachsorge darstellt. Zudem werden Rehabilitationsmaßnahmen sowohl stationär als auch ambulant übernommen. Ergänzend können Sie an Gesundheitskursen wie Yoga, progressiver Muskelentspannung, Beckenbodentraining oder weiteren Bewegungsangeboten teilnehmen. Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst Ihnen zwei Kurse pro Jahr. Auch Psychotherapie und eine individuelle Ernährungsberatung, wenn sie ärztlich verordnet ist, werden von der AOK Sachsen-Anhalt übernommen. Speziell für Familien steht darüber hinaus der Familiencoach Krebs zur Verfügung.

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