Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Adenomyose

Eine Frau mit Schmerzen durch Adenomyose liegt auf dem Sofa

Was ist Adenomyose?

Zyklusbeschwerden können viele Gesichter haben. Die Adenomyose, eine chronische Erkrankung der Gebärmutter, verursacht oft starke Schmerzen und kann den Alltag betroffener Frauen stark beeinflussen. Medizinisch wird sie als Adenomyosis uteri bezeichnet (griechisch „aden“ = Drüse, „myo“ = Muskel). Es handelt sich um eine gutartige Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutterwand einwächst. Dadurch kann sich die Gebärmutter entzünden, vergrößern und häufig kugelig verformen.

Die zwei häufigsten Formen der Adenomyose sind die diffuse und die fokale Form. Bei der diffusen Adenomyose ist das gebärmutterschleimhautähnliche Gewebe großflächig in der Gebärmutterwand verteilt. Bei der fokalen Adenomyose ist ein begrenzter Bereich betroffen, wodurch ein sogenanntes Adenomyom entstehen kann. Die Studienlage zur Adenomyose ist unklar, und es gibt bislang nur begrenztes Wissen über die Erkrankung. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Schätzungen zur Häufigkeit reichen von fünf bis 70 Prozent aller Menschen mit Uterus, insbesondere bei Frauen über 30 Jahren, die bereits Kinder geboren haben.

Erfahren Sie mehr über Anzeichen, mögliche Ursachen sowie die Diagnose und Behandlung der gutartigen Erkrankung der Gebärmutter.

Wussten Sie schon, dass...

  • Adenomyose und Endometriose oft ähnliche Symptome aufweisen?
  • sehr starke oder verlängerte Regelblutung auf Adenomyose hinweisen können?
  • wir Ihnen bis zu zwei Gesundheitskurse im Jahr bezuschussen?

Was ist der Unterschied zwischen Adenomyose und Endometriose?

Beide Erkrankungen weisen ähnliche Symptome auf. Bei beiden kommt gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe vor, allerdings an unterschiedlichen Stellen. Sie können sowohl einzeln als auch gleichzeitig auftreten. Der wesentliche Unterschied liegt in der Lokalisation des Gewebes.

Adenomyose

Bei einer Adenomyose befindet sich das gebärmutterschleimhautähnliche Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutterwand. Dadurch kann es zu einer Verdickung der Gebärmutterwand und einer Vergrößerung der Gebärmutter kommen. Das ist allerdings nicht bei allen Betroffenen der Fall.

Endometriose

Bei einer Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, beispielsweise an den Eierstöcken, den Eileitern oder den umliegenden Organen.

Drei Frauen sitzen auf einem Fensterbrett und unterhalten sich

Ursachen und Risikofaktoren von Adenomyose

Die Ursachen einer Adenomyose sind noch nicht abschließend geklärt. Verschiedene Einfluss- und Risikofaktoren könnten bei ihrer Entstehung eine Rolle spielen.

  • Chronische Entzündungsprozesse werden als mögliche Ursache diskutiert. Ihre Rolle bei der Entstehung der Erkrankung ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
  • Hormonelle Faktoren wie der Einfluss von Östrogen und insbesondere ein Östrogenüberschuss (Hyperöstrogenismus) gelten als mögliche Einflussfaktoren.
  • Operationen und Eingriffe an der Gebärmutter, beispielsweise ein Kaiserschnitt, Ausschabungen oder die Entfernung eines Myoms, werden ebenfalls als mögliche Risikofaktoren diskutiert.
  • Auch genetische Faktoren könnten eine Rolle spielen.
  • Mehrere Schwangerschaften können das Risiko für eine Adenomyose möglicherweise erhöhen.

Wie macht sich Adenomyose bemerkbar?

Die Beschwerden können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie reichen von starken Symptomen bis hin zu leichten oder gar keinen Beschwerden. Nach den Wechseljahren haben betroffene Frauen meist schwächere oder keine Beschwerden.

Eine Frau sitzt auf einem Sofa und verspürt starke Bauchschmerzen

Typische Symptome bei Adenomyose sind:

  • sehr starke oder verlängerte Regelblutungen
  • möglich: zusätzliche Blutungsstörungen wie azyklische Blutungen oder Zwischenblutungen
  • starke, krampfartige Schmerzen vor und während der Menstruation
  • chronische Becken- und Unterbauchschmerzen
  • erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten
  • Druck- oder Schweregefühl im Unterbauch
  • aufgeblähter Bauch
  • Erschöpfung, Fatigue
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • möglich: unerfüllter Kinderwunsch
  • Druckgefühl auf Blase und Enddarm
  • Beschwerden beim Wasserlassen und beim Stuhlgang – meist bei vergrößerter Gebärmutter

Typische Symptome je nach Art

Beschwerden können je nach Art der Erkrankung unterschiedlich ausfallen und in ihrer Ausprägung variieren.

Diffuse Adenomyose:

Typisch sind eine Vergrößerung der Gebärmutter und starke Menstruationsschmerzen.

Fokale Adenomyose:

Gewebeknoten in der Muskelschicht der Gebärmutterwand sind typische Merkmale. Sie können Schmerzen im Unterbauch und sehr starke Regelblutungen verursachen.

Extrauterine Adenomyose:

Dabei handelt es sich um eine seltene Form, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter vorkommt und Schmerzen im Beckenbereich verursachen kann.

Eine Ärztin spricht mit einer Patientin über ihren Adenomyose-Befund

Diagnose einer Adenomyose

Die Diagnose ist unter Umständen schwierig, da eine Adenomyose ähnliche Symptome wie Endometriose oder Myome verursachen kann. Wenden Sie sich am besten an einen erfahrenen Facharzt oder ein zertifiziertes Endometriosezentrum. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie dabei mit der AOK-Arztsuche sowie der Krankenhaussuche.

Die Diagnose erfolgt anhand einer ausführlichen Anamnese und verschiedener Untersuchungen. Dazu gehört zunächst ein transvaginaler Ultraschall (TVUS), bei dem die Gebärmutter und die umliegenden Organe mithilfe einer Ultraschallsonde über die Scheide untersucht werden. Bei einer gynäkologischen Tastuntersuchung wird beispielsweise geprüft, ob die Gebärmutter vergrößert oder druckempfindlich ist.

Ein MRT wird meist eingesetzt, wenn der Ultraschall keine eindeutige Diagnose ermöglicht oder weitere Veränderungen abgeklärt werden müssen. Auch ein bestehender Kinderwunsch oder die Planung einer Operation können im Einzelfall bei der Entscheidung für ein MRT eine Rolle spielen.

Wie kann Adenomyose behandelt werden?

Welche Therapie erfolgt, ist abhängig vom Ausmaß der individuellen Beschwerden, dem Alter und der Familienplanung. Adenomyose ist nicht heilbar, allerdings können die Symptome gut behandelt werden. Meist können bereits bestimmte Medikamente Beschwerden lindern. Als definitive Behandlung kann eine Entfernung der Gebärmutter infrage kommen. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten sind möglich:

  • Medikamente

    Gegen schmerzhafte Beschwerden können ärztlich verordnete Schmerzmittel (Analgetika) eingesetzt werden.

  • Hormontherapie

    Gestagene, kombinierte Hormonpräparate (Östrogen und Gestagen), GnRH-Analoga oder eine Hormonspirale können helfen, die Beschwerden zu lindern.

  • Operative Eingriffe

    Bei einer fokalen Adenomyose können die betroffenen Bereiche entfernt werden. Liegt eine diffuse Adenomyose vor, kann eine gezielte Entfernung schwierig sein. Eine Entfernung der Gebärmutter kommt vor allem bei starken, anhaltenden Beschwerden infrage, insbesondere wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen und kein Kinderwunsch mehr besteht.

  • Radiologische Verfahren

    Die Wirksamkeit und die Empfehlungen zu verschiedenen Eingriffen unterscheiden sich je nach Verfahren und Leitlinie. Sogenannte interventionelle Verfahren werden laut der deutschen S2k-Leitlinie nur im Rahmen von Studien eingesetzt. Dazu zählt die Uterusarterienembolisation (UAE), bei der Blutgefäße, die die Gebärmutter versorgen, gezielt verschlossen werden. Dadurch soll die Durchblutung der betroffenen Bereiche verringert werden, um Blutungen und Schmerzen zu lindern.

    Beim magnetresonanzgesteuerten fokussierten Ultraschall (MRgFUS) werden Adenomyose-Herde mithilfe gezielter Ultraschallwellen zerstört. Der Eingriff erfolgt nicht invasiv, und die Gebärmutter bleibt erhalten. Dieses Verfahren wird im Rahmen von Studien eingesetzt, da seine Wirksamkeit bislang nicht ausreichend belegt ist.

  • Schmerztherapie

    Die Schmerztherapie kann zusätzlich oder als Alternative zur konservativen Therapie eingesetzt werden. Sie kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen und das Wohlbefinden der Betroffenen verbessern. Die Schmerztherapie gliedert sich in verschiedene Elemente:

Spezialisierte Einrichtungen und Beratungsmöglichkeiten

Ihr Arzt kann Sie an spezialisierte Einrichtungen für Endometriose in Sachsen-Anhalt überweisen. Dazu zählen:

Darüber hinaus gibt es ein überregionales, digitales und kostenfreies Beratungsangebot:

Endometriose-Vereinigung Deutschland: Sie bietet psychosoziale Beratung bei Verdacht auf Adenomyose sowie fachliche Unterstützung und ein Sorgentelefon an.

Gut zu wissen

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