Gesundheitliche Notfallvorsorge

Frau überprüft Medikamente in der Hausapotheke

Gut vorbereitet beim medizinischen Notfall 

Ein medizinischer Notfall tritt meist unerwartet ein – umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung. In einer älter werdenden Gesellschaft, in der immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, gewinnt Vorsorge für Betroffene und Angehörige zunehmend an Bedeutung. Doch auch jüngere Menschen können jederzeit von einem Notfall betroffen sein. Ob plötzliche Erkrankung, Unfall, Brand, Naturkatastrophe oder Stromausfall – entscheidend ist, dass wichtige Dokumente, Medikamente oder geeignete Nahrungsmittel schnell verfügbar sind. Wer rechtzeitig vorsorgt, schafft Sicherheit und entlastet zugleich seine Familie in belastenden Situationen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau unter gesundheitlicher Notfallvorsorge zu verstehen ist, warum sie so wichtig ist und welche Checklisten Ihnen helfen, optimal vorbereitet zu sein.

Wussten Sie schon, dass...

  • jährlich circa 2,8 Millionen Unfälle im Haushalt passieren?
  • wir Sie beim Erstellen einer Patientenverfügung unterstützen?
  • Warn-Apps Sie schnell über akute Gefahren informieren und klare Handlungsempfehlungen geben?

Was ist gesundheitliche Notfallvorsorge?

Unter gesundheitlicher Notfallvorsorge versteht man alle Maßnahmen, die im Vorfeld getroffen werden, um in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben und schnell die richtige Unterstützung zu bekommen. Es geht also um eine Kombination aus organisatorischer, medizinischer und persönlicher Vorbereitung. Auch Vorsorgemaßnahmen, um Unfälle zu vermeiden, gehören dazu.

Die Ausgangsfrage lautet: Was kann ich tun, damit ein Notfall gar nicht erst passiert? Was brauche ich, falls doch etwas passiert?

Notfall versus Akutfall

Ein medizinischer Notfall liegt vor, wenn eine lebensbedrohliche Lage eintritt und sofortige medizinische Hilfe notwendig ist. Ohne schnelles Handeln drohen schwerwiegende gesundheitliche Schäden. Typische Beispiele sind starke Blutungen, ein Schlaganfall, Herzinfarkt, Bewusstlosigkeit, Atemnot oder schwere Unfälle mit Personenschaden.

Davon abzugrenzen sind akute Krankheitsfälle, die zwar plötzlich auftreten, jedoch keine unmittelbare Lebensgefahr darstellen. Dazu zählen unter anderem Harnwegsinfekte, Ohrenschmerzen oder eine Mandelentzündung. In solchen Fällen ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 oder auch online: www.116117.de erreichbar. Dort wird die nächstgelegene Bereitschaftspraxis vermittelt oder bei Bedarf ein Arzt nach Hause geschickt.

Unfallprävention – Beispiele für den Alltag:

Senior stürzt im Wohnzimmer

Ein weiterer wichtiger Aspekt der gesundheitlichen Notfallvorsorge ist die Unfallprävention. Viele Gefahren lassen sich durch einfache, vorausschauende Maßnahmen im Alltag vermeiden:

  • Schutzkleidung wie Arbeitshandschuhe oder 
    -schuhe bei Haus- und Gartenarbeiten nutzen
  • Leitern und Hocker richtig verwenden, immer mit festem Schuhwerk
  • Schutzbrille bei Schneide- oder Mäharbeiten tragen
  • Stolperfallen wie Kabel oder lose Teppiche beseitigen (besonders bei älteren Menschen)
  • Vorsicht im Umgang mit heißem Fett, offenem Feuer oder defekten Elektrogeräten
  • Eigene Grenzen realistisch einschätzen, etwa beim Wandern, Radfahren oder Klettern

So gehen Sie am besten in die Vorbereitung

Eine gute gesundheitliche Notfallvorsorge bedeutet nicht nur, auf akute medizinische Situationen vorbereitet zu sein, sondern auch, im Alltag für Sicherheit zu sorgen und wichtige Abläufe im Ernstfall klar geregelt zu haben. Am einfachsten gelingt das, wenn Sie gemeinsam mit Ihrer Familie einen Notfallplan erstellen und wichtige Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen.

Notfallplan gemeinsam mit der Familie aufstellen: Besprechen Sie Fluchtwege, feste Treffpunkte und wie Sie sich im Ernstfall gegenseitig erreichen können.

Unterstützung organisieren: Bieten Sie Angehörige, Nachbarn oder Freund um Hilfe. Legen Sie gegebenenfalls einen Hausschlüssel bei einer Vertrauensperson ab.

Wichtige Dokumente griffbereit halten: Legen Sie eine Dokumentenmappe mit allen relevanten Unterlagen an, wie Urkunden, Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten für Gesundheit und Finanzen sowie ein Testament. Vereinbaren Sie einen festen Aufbewahrungsort, der allen bekannt ist.

Sicherheit im eigenen Zuhause gewährlisten: Statten Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus mit Rauchmeldern, einem Feuerlöscher, einer Feuerdecke und ergänzend einem CO2-Melder aus.

Gefahrenquellen beseitigen: Achten Sie auf Sicherheitsvorkehrungen im privaten, beruflichen und Freizeitbereich. Besonders im Haushalt sollte die Umgebung kindersicher gestaltet werden.

Warnapps installieren: Nutzen Sie Warnapps wie die NINA-Warnapp vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, um im Ernstfall schnell informiert zu sein.

Notvorrat anlegen: Halten Sie ausreichend Lebensmittel und Getränke für mehrere Tage bereit.

Notfallrucksack zusammenstellen: Für Katastrophenfälle empfiehlt sich ein Notfallrucksack, der die Versorgung für mindestens drei bis zehn Tage sicherstellt.

Hilfreiche Informationen, Broschüren und eine ausführliche Checkliste zur Notfallvorsorge finden Sie auch direkt bei den Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt. 

Medizinischer Notfall zu Hause

Ein Notfall kann jederzeit zu Hause eintreten – sei es ein plötzlicher Brand durch einen technischen Defekt oder ein Sturz mit schweren Verletzungen. Umso wichtiger ist es, dass alle Familienmitglieder wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Gute Vorbereitung schafft Sicherheit – und ermöglicht es, im entscheidenden Moment schnell und richtig zu handeln.

  • Wichtige Notfallnummern kennen

    Die Nummern 112 und 110 sollten alle Familienmitglieder, auch Kinder und älteren Menschen kennen und im Idealfall auswendig lernen. Üben Sie mit Kindern die W-Fragen üben, damit sie im Ernstfall einen Notruf absetzen können.

  • Erste Hilfe-Kenntnisse auffrischen

    Erwachsene sollten regelmäßig ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt: Notruf absetzen, Patient ruhig lagern und falls nötig Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

    Übrigens: Die AOK Sachsen-Anhalt bietet regelmäßig sehr beliebte Kinder-Erste-Hilfe Kurse für Eltern und Erzieher an, die sehr beliebt sind.

  • Medikamente richtig lagern

    Medikamente sollten dunkel, trocken und kühl aufbewahrt werden. Achten Sie auf das Verfallsdatum und entsorgen Sie abgelaufene Arzneien nach Rücksprache in der Apotheke bei Schadstoffsammelstellen. Halten Sie sich an die Dosierungsanweisungen und prüfen Sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Eine abschließbare Hausapotheke bietet zusätzlichen Schutz für Kinder.

  • Hausapotheke pflegen

    Ein gewisser Medikamentenvorrat für Erwachsene und Kinder und Verbandsmaterial ist besonders wichtig. Dazu gehören:

    • Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol 
    • Gel oder Tabletten gegen Sodbrennen
    • Mittel und Elektrolytlösung gegen Durchfall
    • Cremes bei Sonnenbrand, Juckreiz oder Insektenstichen
    • Kühlendes und abschwellendes Gel für Sportverletzungen
    • Lutschtabletten gegen Halsschmerzen
    • Abschwellendes Nasenspray
    • Antiseptische Salbe
  • Verbandmittel Zuhause haben

    Eine gut ausgestattete Hausapotheke umfasst außerdem grundlegendes Verbandmaterial:

    • Pflasterstrips und Wundschnellverbände in verschiedenen Größen
    • Sterile Kompressen, Mullbinden und elastische Binden
    • Verbandsmaterial für leichte Verbrennungen
    • Verbandklammern und Verbandsschere
    • Zeckenkarte, Zeckenzange und Pinzette
    • Digitales Fieberthermometer 
    • Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel
    • Wärmflasche und Kühlkompressen
    • Dreiecktuch und Rettungsdecke

Sicher unterwegs: Reiseapotheke und Notfallnummern im Ausland

Älteres Paar am Flughafen vor fernreise



Wer auf Reisen geht, sollte nicht nur Koffer und Handgepäck gut vorbereiten, sondern auch an die eigene Sicherheit denken.  Denn Notfälle können überall auftreten – sei es ein medizinisches Problem im Hotel oder eine Naturkatastrophe am Urlaubsort. Auch politische Unruhen, Verkehrsunfälle oder der Verlust wichtiger Medikamente sind Risiken, die im Ausland schwerwiegende Folgen haben können. Eine Checkliste hilft, im Ernstfall schnell handlungsfähig zu sein.

  • Notfallnummern abspeichern

    Neben den wichtigsten Kontakten gehört auch die europäische Notfallnummer 112 ins Handy. Sie ist gebührenfrei aus jedem Fest- und Mobilfunknetz erreichbar, auch ohne SIM-Karte. Auch in Ländern wie Schweiz, Norwegen oder Island ist der Euronotruf nutzbar. Für akute, aber nicht lebensbedrohliche Fälle in Deutschland hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117.

  • Sicherheitsbestimmungen kennen

    Informieren Sie sich rechtzeitig über Regeln am Flughafen, im Straßenverkehr oder bei Ausflügen im Urlaubsland.

  • Medizinische Versorgung vor Ort prüfen

    Wo befindet sich das nächste Krankenhaus oder ein Arzt? Ein kurzer Blick vorab spart im Notfall wertvolle Zeit.

  • Krankenversicherungsschutz klären

    Innerhalb der EU gelten bestimmte Regelungen, außerhalb Europas sollten Sie unbedingt prüfen, ob Ihre Versicherung greift und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung für Auslandsreisen abschließen.

  • Impfstatus auffrischen

    Vor allem bei Fernreisen lohnt sich ein Blick, ob alle wichtigen Impfungen aktuell sind und ob bestimmte Reiseschutzimpfungen empfohlen oder sogar Voraussetzung für die Einreise sind.

  • Reiseapotheke zusammenstellen

    In die Reiseapotheke gehören neben persönlichen Dauermedikamenten ebenso Mittel gegen Schmerzen, Fieber, Durchfall, Insektenstiche oder kleine Verletzungen.

Vorsorgen in besonderen Fällen: Von Vorsorgevollmacht 
bis Organspendeausweis

Ein plötzlicher Schicksalsschlag wie eine schwere Krankheit oder ein Unfall kann dazu führen, dass man wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen kann. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig vorzusorgen und festzulegen, was im Ernstfall geschehen soll. Dabei geht es nicht nur um medizinische Fragen, sondern auch um finanzielle und rechtliche Angelegenheiten. Wer sich frühzeitig mit diesen Themen auseinandersetzt, entlastet seine Angehörigen und stellt sicher, dass der eigene Wille respektiert wird.

Mann unterschreibt Vorsorgevollmacht


Zur persönlichen Vorsorge gehören verschiedene Dokumente, die individuell auf die eigene Lebenssituation angepasst werden können. Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie eine Person Ihres Vertrauens, die im Ernstfall für Sie handeln darf.

Eine Patientenverfügung hält fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie sich wünschen oder ablehnen, wenn Sie sich selbst nicht mehr äußern können.

junger mann recherchiert mit nachdenklichem Blick am laptop

In einer Betreuungsverfügung können Sie festlegen, wer Sie im Fall der Fälle rechtlich betreuen soll, während eine Bestattungsverfügung Art und Ort der Bestattung bestimmt. Unter Umständen kann auch eine Sterbefallversicherung sinnvoll sein, um Angehörige finanziell zu entlasten.

Wichtig ist es auch sich mit der Frage der Organspende auseinanderzusetzen. Ein Organspendeausweis gibt eindeutig Auskunft darüber, ob Sie nach Ihrem Tod Organe spenden möchten. Das schafft Klarheit und nimmt Angehörigen in einer schweren Situation eine schwierige Entscheidung ab. 

Erhöhte Gefahrenlage: Darauf sollten Sie achten

Eine erhöhte Gefahrenlage liegt dann vor, wenn besondere Umstände die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls, einer Verletzung oder eines Schadens deutlich erhöhen. Gefahrenlagen können ganz unterschiedliche Ursachen haben, beispielsweise extreme Wetterereignisse wie Hochwasser oder Feuer, aber auch Evakuierungen bei Munitionsfunden oder einem Wohnungsbrand. In solchen Situationen ist es wichtig vorbereitet zu sein. Eine durchdachte Vorsorge hilft, im Ernstfall Ruhe zu bewahren:

  • Notfallgepäck-Checkliste

    Besonders hilfreich ist es, ein Notfallgepäck griffbereit zu haben. Darin sollte folgendes enthalten sein:

    • persönliche Medikamente wie Personalausweis, Reisepass, eGK, Impfpass, Bargeld und Geldkarten
    • Smartphone, gegebenenfalls mit Powerbank zum Aufladen
    • Erste-Hilfe-Material
    • Wasserflasche, sowie Essgeschirr und -besteck
    • Dosenöffner und Taschenmesser
    • Taschenlampe mit Reservebatterien
    • Schlafsack oder Decke
    • Wetterschutzbekleidung für ein paar Tage
    • Hygieneartikel
    • für Kinder: Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift
    • Haustürschlüssel und gegebenenfalls Autoschlüssel
  • Nahrungsmittelvorrat-Checkliste

    Es empfiehlt sich, einen Getränke-​ und Lebensmittelvorrat für etwa zehn Tage anzulegen, um alle im Haushalt lebenden Personen versorgen zu können. Dabei sollten Sie Lebensmittel wählen, die ohne Kühlung auskommen können. Der Nahrungsvorrat sollte Folgendes umfassen:

    • Getränke: 20 Liter Wasser pro Person
    • Kohlehydrathaltige Produkte wie Getreideprodukte, Brot etwa 3,5kg
    • Trockenwaren wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln, etwa 3,5 kg
    • Gemüse und Hülsenfrüchte, etwa 4kg
    • Obst und Nüsse, etwa 2,5 kg
    • Milch und Milchprodukte, circa 2,6 kg
    • Fleisch, Fisch, Eier und Wurstwaren, etwa 1,5 kg
    • Fette und Öle
    • Fertiggerichte oder Konserven
    • Kerzen, Streichhölzer und Batterien
    • Hygieneprodukte
    • Tierfutter, falls Haustiere vorhanden

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