Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Darmgesundheit entschlüsselt

Eine Frau freut sich über ihre Darmgesundheit

Darm gut, alles gut

Unser Darm ist ein wahres Multitalent: mehrere Meter lang, gut geschützt im Bauchraum gelegen und vor allem für die Verdauung zuständig. Doch seine Aufgaben reichen weit darüber hinaus. Der Darm ist ein hochkomplexes System, das Milliarden von Mikroorganismen beherbergt und in ständigem Austausch mit dem gesamten Körper steht. Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht aus der Balance, reagiert der Darm oft mit Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Da er eng mit dem Immunsystem und sogar mit unserer Stimmung verbunden ist, beeinflusst seine Gesundheit maßgeblich unser Wohlbefinden, unsere Leistungsfähigkeit und unsere Abwehrkräfte.

In unserem Beitrag geben wir einen Überblick darüber, wie der Darm aufgebaut ist und wie sich Darmerkrankungen äußern können. Außerdem erklären wir, welche Lebensmittel sich für eine gute Verdauung besonders eignen und wie Sie Ihren Darm langfristig gesund halten können.

Wussten Sie schon, dass...

Ein Modell eines Darms

Der Darm: Ein Blick ins Innere

Unser Darm ist ein mehrere Meter langer Schlauch, der sich vom Magen bis zum Enddarm erstreckt und einen großen Teil des Bauchraums ausfüllt. In ihm leben viele Milliarden Bakterien, die gemeinsam das sogenannte Darmmikrobiom bilden und eine zentrale Rolle für unsere Immunabwehr spielen. Anatomisch gliedert sich der Darm in zwei Hauptabschnitte:

Dünndarm

Der Dünndarm liegt überwiegend in der Mitte des Bauchraums und ist durch zahlreiche Windungen und Schlingen gekennzeichnet. Mit einer Länge von drei bis fünf Metern ist er der längste Abschnitt des Verdauungstrakts. Er ist unterteilt in Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm.

Seine Hauptaufgabe besteht in der Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen. Darüber hinaus werden im Dünndarm wichtige Verdauungshormone wie Gastrin gebildet, und er beherbergt einen Großteil der Immunzellen unseres Körpers. Auch für die Energiegewinnung und den Stoffwechsel ist dieser Darmabschnitt von zentraler Bedeutung.

Dickdarm

Der Dickdarm ist etwa 1 bis 1,5 Meter lang, besitzt jedoch einen deutlich größeren Durchmesser als der Dünndarm. Er gliedert sich in einen aufsteigenden, quer verlaufenden und absteigenden Abschnitt und geht schließlich in den Enddarm über, der im Analkanal mit dem After endet.

Im Dickdarm wird dem Nahrungsbrei Wasser und Salz entzogen, wodurch der Stuhl eingedickt wird. Zudem werden unverdauliche Nahrungsreste ausgeschieden und bestimmte Vitamine, etwa B-Vitamine und Folsäure, gebildet. Auch der Dickdarm ist eng in die Immunabwehr eingebunden.

Ein Senior leidet unter einer Darmerkrankung

Darmerkrankungen: Was den Darm aus dem Gleichgewicht bringt 

Der Darm kann von einer Vielzahl akuter oder chronischer Erkrankungen betroffen sein. Typische Symptome sind:

  • Akute oder chronische Bauchschmerzen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Blähungen und aufgeblähter Bauch
  • Erbrechen und Gewichtsverlust

Übrigens: Wir übernehmen die Kosten für Ihre Darmkrebsvorsorge. Mehr zur Früherkennung, Kostenübernahme und anderen Leistungen finden Sie hier.

Darminfektionen

Auslöser sind häufig Bakterien wie Salmonellen oder E. coli, Viren wie Rotaviren oder Parasiten. Umgangssprachlich spricht man von einer Magen-Darm-Grippe, medizinisch von einer „Gastroenteritis“. Darminfektionen äußern sich beispielsweise durch Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit.

Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Eine Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix), die häufig junge Erwachsene betrifft. Ursachen können unter anderem Darminfekte, Fremdkörper wie Obstkerne oder auch verhärtete Kotklümpchen sein. Eine Blinddarmentzündung kann sich unterschiedlich äußern, etwa durch Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber.

Eine Frau leidet unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehören zu den Autoimmunerkrankungen und verlaufen schubweise. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt, allerdings spielen genetische Faktoren, Ernährungsgewohnheiten, bestimmte Medikamente und Rauchen eine Rolle. Zu den bekanntesten Formen zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Während Morbus Crohn teilweise den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, ist bei der Colitis ulcerosa vor allem der Dick- und Enddarm entzündet. Beide Erkrankungen gehen mit langanhaltenden Durchfällen, krampfartigen Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität einher.

Reizdarmsyndrom

Ebenfalls weit verbreitet ist das Reizdarmsyndrom, das auch als nervöser Darm bezeichnet wird. Obwohl keine organisch nachweisbare Ursache vorliegt, leiden Betroffene unter wiederkehrenden Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und veränderten Stuhlgewohnheiten. Man geht davon aus, dass das Darmnervensystem überempfindlich reagiert oder die Darmbarriere gestört ist.

Weitere Darmerkrankungen

  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)

    Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer entzündlichen Reaktion auf Gluten kommt. Betroffen ist meist der Dünndarm. Die Erkrankung kann sich durch Durchfälle, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder einen Nährstoffmangel infolge der gestörten Nährstoffaufnahme äußern.

  • Hämorrhoiden

    Hämorrhoiden entstehen häufig durch Verstopfung, langes Sitzen oder eine ballaststoffarme Ernährung. Sie äußern sich unter anderem durch hellrote Blutungen nach der Stuhlentleerung, Nässen oder Juckreiz.

  • Divertikulitis

    Bei einer Divertikulitis bilden sich in der Dickdarmwand kleine, ballonartige Ausstülpungen (Divertikel), in denen sich Kot ansammeln kann. Dies kann Entzündungen hervorrufen.

  • Darmverschluss

    Ein Darmverschluss stellt immer einen medizinischen Notfall dar, da der Transport von Nahrungsbrei und Flüssigkeiten unterbrochen ist. Er kann durch Narbengewebe, Tumoren oder Hernien entstehen und äußert sich beispielsweise durch starke Bauchschmerzen, Übelkeit oder auch Verstopfung.

  • Darmkrebs

    Darmkrebs ist eine bösartige Erkrankung des Dick- oder Enddarms, die sich häufig über viele Jahre entwickelt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher besonders wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Darm-Hirn-Achse oder das Bauchhirn 

Der Darm steht in enger Verbindung mit unserem Gehirn. Diese Verbindung wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet und funktioniert über Nervenbahnen wie den Vagusnerv, über Hormone sowie über Botenstoffe des Immunsystems. Der Darm verfügt über ein eigenes Nervensystem, das häufig auch als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass die Darmflora eine entscheidende Rolle in dieser Kommunikation spielt.

Stress und psychische Belastungen können sich daher unmittelbar auf die Verdauung auswirken. Umgekehrt kann ein gestörter Darm unser emotionales Befinden, die Stressverarbeitung und sogar Entscheidungsprozesse beeinflussen. Die Darm-Hirn-Achse hat somit auch Bedeutung für die Entstehung und den Verlauf von Darmerkrankungen.

Ein Teller voll Obst und Gemüse ist gut für die Darmgesundheit

Darmgesund ernähren 

Die Ernährung ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gesunde Darmfunktion. Wer seinem Darm etwa Gutes tun möchte, sollte regelmäßig, in Ruhe und bewusst essen. Gründliches Kauen entlastet die Verdauung, ebenso wie eine ruhige Atmosphäre ohne Ablenkung durch Fernseher oder Smartphone. 

Frische, möglichst unverarbeitete Lebensmittel bilden die Grundlage einer darmfreundlichen Ernährung. Ungesättigte Pflanzenöle, mageres Fleisch und fettreicher Fisch wie Lachs liefern wertvolle Nährstoffe während Zucker, Alkohol, Nikotin, stark verarbeitete Produkte und Fast Food unseren Darm belasten können.

Gesunde Lebensmittel für den Darm

Ballaststoffe quellen im Darm auf, erhöhen das Stuhlvolumen und fördern eine regelmäßige Verdauung. Gute Quellen sind:

Power aus Ballaststoffen 

  • Vollkornprodukte und Haferflocken
  • Lein- und Flohsamen
  • Hülsenfrüchte, Rosenkohl, Brokkoli, Tomaten und Zwiebeln
  • Nüsse und Samen
  • Obst wie Zitrusfrüchte, Äpfel, Bananen und Beeren

Magie aus dem Glas: Fermentierte Lebensmittel

Fermentierte Lebensmittel liefern Probiotika, also lebende, nützliche Bakterien:

  • Sauerkraut, Kimchi
  • Naturjoghurt, Buttermilch, Kefir 
  • Apfelessig

Ausreichend Flüssigkeit spült Schadstoffe weg

Stilles Wasser und ungesüßte Tees helfen, Schadstoffe schneller aus dem Körper zu spülen. Täglich sollten das mindestens zwei bis drei Liter sein.

Die Kraft gesunder Fette

Ungesättigte Fettsäuren können vor Darmkrebs schützen und finden sich vor allem in pflanzlichen Ölen. Gesättigte Fette und stark verarbeitete Produkte sollten Sie reduzieren.

Vorsorge beginnt im Darm

Ein gesunder Lebensstil trägt maßgeblich zur Darmgesundheit bei.

  • Schritt für Schritt in die Gelassenheit

    Regelmäßige Bewegung regt die Darmtätigkeit an und beugt Verstopfung vor. Ausdauersportarten wie Joggen, Walken oder Schwimmen, aber auch tägliche Spaziergänge, wirken sich positiv auf die Verdauung und den Stressabbau aus. Da Stress einen erheblichen Einfluss auf unseren Darm hat, sind Entspannungsverfahren, Meditation und ein bewusstes Stressmanagement wichtige Bestandteile der Prävention.

  • Medikamente – weniger ist mehr

    Auch der Umgang mit Medikamenten spielt eine Rolle. Antibiotika sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie medizinisch notwendig sind, da sie die Darmflora stark beeinträchtigen können. Pro- und präbiotische Lebensmittel können die Darmflora unterstützen, ersetzen jedoch keine ärztlich begleitete Therapie.

  • Regelmäßig zur Vorsorge und Impfungen

    Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere die Darmkrebsvorsorge, ermöglichen es, krankhafte Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Impfungen, etwa gegen Rotaviren im Säuglingsalter, stellen ebenfalls eine wichtige präventive Maßnahme dar.

Präbiotische Lebensmittel für eine Darmsanierung

Darmsanierung: Sanfte Unterstützung für den Darm

Darmsanierungen werden häufig als Methode zur Förderung der Darmgesundheit beworben. Ihre Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt und wird aus medizinischer Sicht nicht grundsätzlich empfohlen.

Ablauf

Um Stuhlreste aus dem Darm zu entfernen, kommen Abführmittel wie Glaubersalz oder Rizinusöl zum Einsatz. Bei Bedarf kann auch ein Einlauf mit warmem Wasser über den After erfolgen. Flohsamenschalen und Heilerde sollen Ablagerungen im Darm lösen, Giftstoffe binden sowie die Darmaktivität und das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördern.

Während einer Darmreinigung sollten bevorzugt präbiotische Lebensmittel verzehrt und auf Zucker, Koffein und Alkohol verzichtet werden. Den Abschluss der Darmreinigung bildet häufig die Einnahme von Probiotika.

Während einer Darmsanierung kann es zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen oder sogar Schädigungen der Darmwand kommen. Aus diesem Grund sollte sie ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Angebote für Betroffene in Sachsen-Anhalt

Darmkrebs zählt auch in Sachsen-Anhalt zu den häufigsten Tumorerkrankungen des Verdauungstrakts und wird aufgrund fehlender Frühsymptome oft erst spät diagnostiziert.

Fachärztinnen und Fachärzte für Gastroenterologie bieten Vorsorgeuntersuchungen an, die in der Regel ambulant und unter leichter Sedierung durchgeführt werden. Darüber hinaus stehen spezialisierte Darmkrebszentren zur Verfügung, die eine umfassende Diagnostik, individuelle Behandlungskonzepte und eine interdisziplinäre Betreuung ermöglichen.

Anlaufstellen sind unter anderem:

Darmkrebszentren in Magdeburg und Halle

Uniklinik für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen Halle

Darmkrebszentrum Dessau

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