Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Polyzystisches Ovarialsyndrom

Übergewichtige junge Frau sitzt auf einer Yoga-Matte und schaut zur Seite

Symptome und Behandlung bei PCOS

PMOS statt PCOS? Eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter hat eine neue Bezeichnung. International ist etwa eine von acht Frauen betroffen. PMOS kann sich auf unterschiedliche Bereiche des Körpers auswirken. Dazu gehören der Hormonhaushalt, der Stoffwechsel, die Funktion der Eierstöcke sowie Haut und psychische Gesundheit. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Behandlung können dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und gesundheitliche Risiken zu verringern.

Erfahren Sie, welche Symptome die Hormonstörung verursachen kann und wie PMOS diagnostiziert und behandelt wird.

Wussten Sie schon, dass…

  • PMOS nicht automatisch bedeutet, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist?
  • nicht alle Betroffenen Veränderungen an den Eierstöcken im Ultraschall haben?
  • eine Insulinresistenz auch bei normalgewichtigen Menschen mit PMOS auftreten kann?

 

Neuer Name: PMOS

PCOS und PMOS bezeichnen dasselbe Krankheitsbild. Im Mai 2026 wurde im Rahmen eines internationalen Konsenses die neue Bezeichnung PMOS beschlossen. Grund für die Umbenennung sind neue medizinische Erkenntnisse. Der neue Begriff soll das komplexe Krankheitsbild präziser beschreiben und die unterschiedlichen hormonellen, metabolischen und ovariellen Aspekte berücksichtigen. Dadurch sollen auch Missverständnisse und Fehldeutungen vermieden werden.


Der Begriff „polyzystisch“ beschreibt das Krankheitsbild nur unzureichend. Die im Ultraschall sichtbaren Veränderungen an den Eierstöcken sind keine Zysten im eigentlichen Sinne, sondern meist zahlreiche kleine Follikel. Außerdem treten diese Veränderungen nicht bei allen Betroffenen auf. Für die Diagnose ist das Vorhandensein dieser Veränderungen daher nicht allein ausschlaggebend. 

Wie entsteht PMOS?

Die genaue Ursache von PMOS ist noch nicht vollständig erforscht. Verschiedene Faktoren begünstigen die Erkrankung.

Frau auf Behandlungsliege lässt sich von Ärztin beraten
  • Genetische Veranlagung

Eine familiäre Häufung spricht für eine genetische Komponente. Vermutlich wirken mehrere Gene zusammen, denn allein eine genetische Veranlagung führt nicht zwangsläufig zu PMOS.

  • Hormone und Stoffwechsel 

Bei PMOS können hormonelle und metabolische Veränderungen zusammenwirken. Häufig sind die Androgenspiegel erhöht und viele Betroffene haben eine Insulinresistenz. Erhöhte Insulinspiegel können wiederum die Androgenproduktion und damit die Beschwerden verstärken. Auch das Zusammenspiel von Gehirn, Eierstöcken und Stoffwechsel spielt eine Rolle.

 

Typische Symptome

Zyklusstörung und ausbleibender Eisprung
Die Regelblutung kommt unregelmäßig bis selten oder bleibt ganz aus. Auch sind die Eisprünge unregelmäßig oder treten nicht ein. Unregelmäßige oder fehlende Eisprünge können es erschweren schwanger zu werden
Hormone und Stoffwechsel
Erhöhte Androgenspiegel können verschiedene Veränderungen an Haut und Haaren verursachen. Dazu gehören Hautunreinheiten und eine verstärkte Talgproduktion, die Akne begünstigen können.Auch eine stärkere Körper- und Gesichtsbehaarung, auch Hirsutismus genannt, kann auftreten. Bei einigen Betroffenen wird das Kopfhaar dünner oder es kommt zu Haarausfall.
Stoffwechsel und Gewicht
PMOS kann mit Veränderungen des Stoffwechsels verbunden sein. Bei manchen Betroffenen treten Übergewicht oder Schwierigkeiten bei der Gewichtsregulation auf. Übergewicht ist jedoch weder Voraussetzung noch Ursache von PMOS. Auch normalgewichtige Frauen können betroffen sein.
Psychische Belastung
Die körperlichen Veränderungen durch erhöhte Androgenspiegel können das Körperbild und die Lebensqualität beeinträchtigen. Manche Betroffene erleben Scham oder ziehen sich sozial zurück. Auch psychische Belastungen können dadurch verstärkt werden. Bei anhaltender Belastung kann es sinnvoll sein, professionelle psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Folgen der Erkrankung

  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit

    Aufgrund des fehlenden Eisprungs und des unregelmäßigen Zyklus ist die Fruchtbarkeit bei vielen betroffenen Frauen eingeschränkt. Das bedeutet zwar nicht, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist. Jedoch kann ein lang andauernder und unerfüllter Kinderwunsch eine starke psychische Belastung sein. 

  • Belastung durch körperliche Veränderungen

    Die körperlichen Veränderungen durch die erhöhte Produktion männlicher Hormone können dazu führen, dass sich Frauen mit PMOS in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlen. Das beeinträchtigt möglicherweise die Lebensqualität. Ein sozialer Rückzug oder auch Scham können Folgeerkrankungen, wie beispielsweise Depressionen oder Essstörungen begünstigen.  

  • Gesteigertes Risiko für Folgeerkrankungen

    PMOS ist mit einem erhöhten Risiko für einen gestörten Glukosestoffwechsel und Typ-2-Diabetes verbunden. Auch Fettstoffwechselstörungen und weitere kardiometabolische Risikofaktoren treten bei Betroffenen häufiger auf. Deshalb sind regelmäßige ärztliche Kontrollen von Blutdruck und Stoffwechselwerten sinnvoll.
     

  • Erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft

    Frauen mit PMOS haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes und Präeklampsie.

    Deshalb sind eine gute ärztliche Betreuung vor und während der Schwangerschaft sowie regelmäßige Kontrollen von Stoffwechsel und Blutdruck wichtig.

Wie wird PMOS diagnostiziert?

  • Vermutet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt PMOS, erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch über Ihren Menstruationszyklus, Beschwerden sowie Ihre persönliche und familiäre Krankengeschichte. Dabei können unter anderem Haut- und Haarveränderungen sowie Gewicht und Stoffwechsel eine Rolle spielen.
  • Anschließend können eine körperliche Untersuchung und Bluttests erfolgen. Dabei lassen sich unter anderem bestimmte Hormone und Stoffwechselwerte untersuchen. Auch andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können, sollten ausgeschlossen werden.
  • Eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke kann zusätzliche Hinweise liefern. Dabei wird unter anderem beurteilt, ob eine erhöhte Anzahl kleiner Follikel vorliegt.

Wichtig: Die Diagnose basiert auf einer Kombination verschiedener Merkmale und nicht allein auf dem Ultraschallbefund.

PMOS ist behandelbar

Junge Frau dehnt sich vor Laufeinheit

Lebensstil als Basis

Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden unterstützen. Je nach individueller Situation können sich dadurch auch Stoffwechselwerte und Beschwerden verbessern.

Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme gesundheitliche Vorteile haben und bestimmte Beschwerden sowie Stoffwechselparameter verbessern. Eine Gewichtsabnahme ist jedoch keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Auch bei Normalgewicht können Veränderungen des Lebensstils sinnvoll sein.

A smiling female nutritionist explaining a diet plan, a balanced and healthy menu for a pretty overweight woman.

Medikamente je nach Beschwerden und Behandlungsziel

Die Behandlung erfolgt individuell in Abhängigkeit von Symptomen, Stoffwechsel und Kinderwunsch. Bei Zyklusstörungen ohne Kinderwunsch können hormonelle Verhütungsmittel eingesetzt werden. Leiden Sie unter bestimmten Beschwerden durch erhöhte Androgene, kommen weitere Medikamente infrage. Metformin kann insbesondere bei bestimmten Stoffwechselproblemen und einer bestehenden Insulinresistenz eingesetzt werden. Medikamente sollten grundsätzlich nur nach ärztlicher Beratung angewendet werden.


 

Behandlung bei Kinderwunsch

Beieinem Kinderwunsch der Patientin können Medikamente verordnet werden, die die Eizellenreifung unterstützen und einen Eisprung auslösen. Somit kann die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöht werden. Bleibt der Erfolg aus, kommen weitere Verfahren der Kinderwunschmedizin infrage.

Anlaufstellen in Sachsen-Anhalt

Bei Verdacht auf PMOS oder komplexen Beschwerden können spezialisierte Einrichtungen unterstützen. In Sachsen-Anhalt bieten beispielsweise das Universitätsklinikum Magdeburg und das Universitätsklinikum Halle (Saale) entsprechende fachärztliche Versorgung an.

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden