Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Therapie bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen

Ein Kind spricht einer Frau bei seiner Therapie bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen nach.

Logopädie: Ablauf und Methoden im Überblick

Sich verständlich auszudrücken, Gespräche zu führen oder sicher zu schlucken gehört für die meisten Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Treten dabei Schwierigkeiten auf, wirkt sich das oft auf viele Lebensbereiche aus, zum Beispiel auf Familie, Beruf, Schule oder soziale Kontakte.

Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen haben unterschiedliche Ursachen. Sie treten unter anderem im Zusammenhang mit Entwicklungsverzögerungen, neurologischen Erkrankungen, Verletzungen oder altersbedingten Veränderungen auf. Eine logopädische Therapie unterstützt Kinder und Erwachsene dabei, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu stärken und den Alltag wieder leichter zu bewältigen.

In unserem Artikel erfahren Sie, was Logopädie ist, wann eine Behandlung sinnvoll sein kann und welche Methoden zum Einsatz kommen. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über unterstützende Angebote.

Wussten Sie schon, dass...

  • es in Sachsen-Anhalt rund 200 gelistete Logopäden gibt?
  • Logopädie in Deutschland zu den anerkannten Heilmitteln gehört?
  • die AOK Sachsen-Anhalt auch die Kosten für eine Ergotherapie übernimmt?
Ein Logopäde spricht mit einer Schlaganfallpatientin.

Was ist Logopädie?

Der Begriff Logopädie setzt sich aus den griechischen Wörtern „Logos“ (Wort, Rede) und „Paideia“ (Unterricht, Erziehung) zusammen. Die Logopädie befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen und richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Je nach Beschwerdebild kommen unterschiedliche Übungen und Therapieverfahren mithilfe von Methoden aus der Psychologie, Heilpädagogik und Linguistik zum Einsatz.

Eine Verordnung zur Logopädie kann durch einen Kinderarzt oder Hausarzt sowie durch Fachärzte wie Pneumologen, HNO-Ärzte oder Neurologen ausgestellt werden.

Ziele der Behandlung

Eine logopädische Behandlung setzt möglichst früh an, um bestehende Einschränkungen gezielt zu verbessern. Dabei stehen die individuellen Bedürfnisse und Therapieziele im Mittelpunkt. Je nach Erkrankung fördert die Therapie die Aussprache, das Sprachverständnis, den Wortschatz, die Grammatik oder die Stimme. Auch Menschen mit Hörverarbeitungsstörungen oder Schluckbeschwerden profitieren von den Übungen. Ziel ist es, die Verständigung im Alltag zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.

Bei welchen Beschwerden kommt Logopädie zum Einsatz?

Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Sie können zudem einzeln oder gemeinsam auftreten. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von Entwicklungsstörungen und Erkrankungen bis hin zu Verletzungen.

  • Entwicklungsbedingte und angeborene Ursachen
    • verzögerte Sprachentwicklung im Kindesalter
    • Schwierigkeiten beim Erlernen von Lauten, Wörtern oder Grammatik
    • frühkindlicher Autismus
    • frühkindliche Hirnschädigungen, beispielsweise durch Sauerstoffmangel während der Geburt
    • genetisch bedingte Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
    • Fehlbildungen von Zunge oder Stimmlippen
  • Hörbedingte Ursachen
    • Hörminderung
    • Hörverlust
  • Neurologische Erkrankungen und Verletzungen
    • Schlaganfall
    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Hirntumore
    • weitere neurologische Erkrankungen mit Auswirkungen auf Sprache oder Schlucken
    • Dysphasie (Störung der Sprachverarbeitung im Gehirn)
  • Psychosoziale Ursachen
    • anhaltender Stress
    • traumatische Erlebnisse
    • unbewältigte Angst-, Wut- oder Trauergefühle
    • starker Leistungsdruck
    • Vernachlässigung im Kindesalter

Ablauf der logopädischen Behandlung

Eine Logopädin übt mit einem Kind die Aussprache des Buchstaben "O".

Wenn erste Auffälligkeiten auftreten, kommt es zunächst zu einem Erstgespräch und einer Diagnosestellung. Anschließend folgt die genauere Therapieplanung.

Zeitpunkt der Abklärung

Bei Kindern zeigt sich eine verzögerten Sprachentwicklung häufig im zweiten oder dritten Lebensjahr. Erste Hinweise ergeben sich oft bei den U-Untersuchungen oder später bei der Schuleingangsuntersuchung. Sprechen Kinder deutlich weniger als Gleichaltrige oder haben sie Schwierigkeiten, Wörter und Sätze zu bilden, lohnt sich eine frühzeitige Abklärung. 

Bei Erwachsenen treten Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schluckstörungen häufig nach Erkrankungen oder Unfällen auf. Auch neu auftretende Beschwerden im Alltag sind ein Anlass, ärztlichen Rat einzuholen und die Ursache abklären zu lassen.

Erstgespräch und Diagnostik
Am Anfang der logopädischen Behandlung steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, die gesundheitliche Vorgeschichte und die bisherige Entwicklung. Anschließend beurteilt der Logopäde die Sprache, das Sprechen, die Stimme, das Hören oder Schlucken, je nach Art der Beschwerden. Ergänzend kommen bei Bedarf weitere Untersuchungen zum Einsatz, zum Beispiel Hörtests oder fachärztliche Untersuchungen aus den Bereichen Neurologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Diagnose.

Therapieplanung
Auf Basis der Untersuchungsergebnisse legt der Logopäde gemeinsam mit Ihnen individuelle Therapieziele fest. Anschließend entsteht ein Behandlungsplan, der auf Ihre Beschwerden, Ihre Bedürfnisse und Ihren Alltag abgestimmt ist.

Gezielte Therapie: Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie

Auf Basis der Diagnose wird die Therapie individuell geplant. Je nach Beschwerdebild kann eine Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schlucktherapie zum Einsatz kommen. Die Behandlung erfolgt meist über mehrere Therapiesitzungen hinweg. Der Therapiefortschritt wird regelmäßig überprüft und die Übungen entsprechend angepasst. Ergänzend zur Logopädie sind Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sowie psychotherapeutische Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie möglich.

Sprachtherapie
Ziele der Sprachtherapie sind:
Verbesserung des Sprachverständnisses und der Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie)
- Ausbau von Wortschatz und Grammatik
Förderung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit
besseres Verstehen von gesprochener und geschriebener Sprache
Verbesserung von Aussprache und Sprachklang
Unterstützung bei Schluckstörungen, sofern sprachliche Funktionen betroffen sind
Sprech- und Stimmtherapie
Ziele der Sprech- und Stimmtherapie sind:
- Förderung von Artikulation und Aussprache
- Verbesserung von Laut- und Stimmbildung
- Anpassung der Sprechgeschwindigkeit
- Förderung einer physiologischen Atmung
- Verbesserung der Sprechmelodie und Verständlichkeit

Mit der Sprech- und Stimmtherapie können folgende Beschwerden behandelt werden: 
Stottern, Poltern, Lispeln, Näseln, Sprechapraxie, Lautvertauschungen, gestörte Sprachmelodie, Heiserkeit, häufiger Räusperzwang
Schlucktherapie
Ziele der Schlucktherapie sind:
- Wiederherstellung oder Verbesserung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
- Training der am Schluckvorgang beteiligten Muskelgruppen
- Erlernen einer günstigen Körperhaltung beim Schlucken
- Verringerung des Risikos von Verschlucken und Aspiration
- Anpassung von Konsistenz und Auswahl der Nahrung an die individuellen Bedürfnisse

Gemeinsam stark: Unterstützung und Tipps für den Alltag

Eine Mutter liest gemeinsam mit ihrem Kind in einem Buch.

Angehörige spielen eine wichtige Rolle für den Therapieerfolg. Unterstützung, Geduld und regelmäßige Übungsmöglichkeiten im Alltag fördern den Therapieverlauf und geben Sicherheit.

Bei Kindern

  • Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind und begleiten Sie Alltagssituationen sprachlich.
  • Lesen Sie regelmäßig vor, singen Sie und nutzen Sie Sprachspiele.
  • Hören Sie aufmerksam zu und gehen Sie auf Kommunikationsversuche ein.
  • Wiederholen Sie Wörter korrekt, statt die Fehler direkt zu korrigieren.
  • Geben Sie Ihrem Kind ausreichend Zeit zum Sprechen.
  • Begrenzen Sie den Medienkonsum altersgerecht.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen

  • Begegnen Sie Betroffenen mit Geduld und Verständnis.
  • Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Gespräche.
  • Verwenden Sie kurze, klare und gut verständliche Formulierungen.
  • Unterstützen Sie dabei, Therapieübungen regelmäßig in den Alltag einzubinden.
  • Fördern Sie soziale Kontakte und Gelegenheiten zum Austausch.

Regelmäßiges Üben als wichtiger Erfolgsfaktor

Der Therapieerfolg hängt auch von den Übungen außerhalb der Therapiesitzungen ab. Führen Sie deshalb die empfohlenen Übungen konsequent durch. Motivieren Sie die Person, indem Sie sie dabei begleiten und auch kleine Fortschritte dokumentieren. Wichtig ist auch, Rückschläge als normalen Teil des Therapieprozesses zu akzeptieren.

Unterstützung durch professionelle Angebote

Angebote der AOK Sachsen-Anhalt 

Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie mit:

  • U-Untersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von Auffälligkeiten in der Entwicklung
  • Kostenübernahme für Logopädie bei medizinischer Notwendigkeit
  • Kostenübernahme für ambulante oder digitale Psychotherapie bei entsprechender Indikation
  • Präventionskurse, beispielsweise zur Entspannung

Beratungs- und Behandlungsangebote

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