Ein etwa 9 jähriger Junge sitzt bei eine Logopädin und macht mit ihr gemeinsam Sprechübungen.
Gesundheitswelt der AOK Sachsen-AnhaltStottern

Wenn das Sprechen schwerfällt

Sobald das Kind zu stottern beginnt, geht das Gedankenkreisen für viele Eltern los. Denn natürlich entsteht die Angst vor einem langfristig bleibenden Sprachfehler. Dies ist oftmals unbegründet, denn diese Form der Sprachstörung verschwindet bei vielen Kleinkindern wieder von ganz allein. Doch dieses Glück haben nicht alle Betroffenen. Einige entwickeln aus dem im Kleinkindalter beginnenden Herumstammeln ein dauerhaftes Stottern. Welche Ursachen das hat und ab wann ein Logopäde zu Rate gezogen werden sollte, erfahren Sie im Beitrag.

Wussten Sie schon, dass…

  • stottern meist zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr eintritt?
  • es viele verschiedene Methoden in der Stottertherapie gibt?
  • im Rahmen der U-Untersuchungen auch die Sprachentwicklung kontrolliert wird?

Mögliche Ursachen des Stotterns

Beim Stottern handelt es sich um eine Redeflussstörung, bei der der Sprechablauf durch Wiederholungen von Lauten und Silben häufig unterbrochen wird. In den meisten Fällen tritt diese Problematik zwischen dem 2. und dem 6. Lebensjahr ein. Die Anzahl der Jungen, die stottern, ist dabei um einiges höher. 

Stottern kann neurologische Gründe haben. Hierbei arbeitet das Sprechzentrum fehlerhaft. Das bedeutet, dass die Sprechwerkzeuge wie Lippen, Zunge und Zähne einwandfrei funktionieren, es jedoch an der Übertragung scheitert. Die Hirnkommunikation der Betroffenen funktioniert in diesem Fall nicht störungsfrei. 

Auch ist bekannt, dass Stottern vererbbar ist. Das heißt, dass Menschen die stottern meist in ihrem Familienkreis Angehörige haben, welche ebenfalls diese Sprachstörung aufweisen. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass das Stottern zum einen neurologische und zum anderen erblich bedingte Hintergründe haben kann. Andere mögliche Ursachen konnten widerlegt werden. Es gibt durchaus bestimmte Situationen, welche zum Stottern beitragen, allerdings den Sprachfehler nicht verursachen. 

Stottern bei Kleinkindern

Ein etwa 4 jähriges Mädchen sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter. Sie macht mit einer Logopädien gemeinsam Sprechübungen.

Stottern im Kleinkindalter tritt in den meisten Fällen ohne vorherige Zeichen auf. So tritt die Sprachstörung bei über der Hälfte der Kinder plötzlich auf. Meist beginnt es innerhalb von ein bis drei Tagen und festigt sich anschließend über ein bis drei Wochen. Eltern durchleben aufgrund dessen oftmals eine schwierige Zeit. Sie hinterfragen woran der plötzliche Eintritt der Sprachstörung liegen könnte und ob etwas falsch gelaufen ist, weswegen sich das Stottern entwickelt hat. Bei den Redeflussstörungen kann man in sogenannte funktionale Unflüssigkeiten und stottertypische Unflüssigkeiten unterscheiden.

  • Funktionale Unflüssigkeiten

    Funktionale Unflüssigkeiten sind typische Wiederholungen ganzer Wörter oder Satzteile. Hierbei handelt es sich um altersgemäße Wiederholungen, welche eine Funktion erfüllen. Kinder denken erst in dem Moment, in dem sie bereits sprechen, darüber nach, was sie sagen wollen und wie sie dies betonen. Dazu zählen auch Pausen beim Sprechen durch Füllwörter wie „ähm“ oder abgebrochene Wörter. Das Kind spricht das Wort also nicht vollständig aus, sondern stoppt. Auch sind in diesem Fall oft Revisionen zu erkennen. Hierbei spricht man von einer Abänderung von Worten oder Wortverbindungen.

  • Stottertypische Unflüssigkeiten

    Die Abgrenzung kann hier ziemlich genau gezogen werden. Denn stottertypische Unflüssigkeiten bringen immer Anspannung und Blockaden mit sich. Stottern ist bekannt durch Wortunterbrechungen mit Pausen innerhalb eines Wortes. Aber auch die Dehnung der Laute wie „LLLLLass es“ ist typisch für das Stottern. Zum Teil entstehen hierbei auch komplette Blockierungen, sodass der Satz nicht an einem Stück zu Ende gesprochen werden kann. Dabei zeigen sich zumeist körperliche Anspannungen während des Sprechens.

Zeigt Ihr Kind über ein halbes Jahr hinweg unverändert diese Anzeichen, scheuen Sie nicht den Gang in die Kinderarztpraxis und später zur logopädischen Behandlung. Sollte der Leidensdruck auf Seiten des Kindes und der Eltern besonders hoch sein, so können Sie auch durchaus früher medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Als Faustregel gilt: sofern das Stottern teilweise über mehrere Tage nicht da ist und dann wieder auftritt, spricht vieles dafür, dass es sich wieder legen kann. Sollte die Erkrankung tatsächlich diagnostiziert werden, ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn entscheidend. Dies kann die Heilung begünstigen und einen schlimmeren Verlauf abwenden.

Therapien und Behandlungsmöglichkeiten

Ein etwa 7 jähriges Mädchen sitzt vor einem Laptop und macht Sprachübungen.

Für stotternde Kinder und Erwachsene gibt es verschiedene Behandlungsansätze und Therapien. Ziel dessen ist insbesondere ein Vorbeugeverhalten der Betroffenen abzulegen. Kinder mir Sprachfehler meiden beispielsweise die aktive Mitarbeit im Unterricht, da sie Sprechängste entwickeln. Auch Erwachsene verspüren aufgrund dessen Unsicherheiten im Beruf und Alltag. Oftmals legen diese sich im Laufe der Zeit Tricks zu, wie sie ihren Sprachfehler möglichst unauffällig vor anderen verbergen. Hauptsächlich wird in 4 verschiedene Therapieverfahren unterschieden.

  • Modifikationsverfahren
    Dieses Verfahren hat zum Ziel, das auftretende Stottern entsprechend zu bearbeiten, also zu modifizieren. Dazu wird eine Sprechtechnik verwendet, welche es ermöglicht während des Aussprechens der gestotterten Silbe das fehlgesteuerte Sprechen zu stoppen und mit einer bewussten Artikulationsbewegung zu verbessern. 
  • Sprechstrukturierungsverfahren
    Beim Verfahren der Sprechstrukturierung handelt es sich um ein verhaltenstherapeutischen Ansatz, in welchem eine neuartige Sprechweise erlernt wird. Die erlernte Art des Sprechens lässt stottertypische Unflüssigkeiten nicht aufkommen. Diese Art der Therapie wird bei Kindern ab 12 Jahren und Erwachsenen angewendet.
  • Indirekte Verfahren und Methoden
    Dabei wird nach dem sogenannten PCI (Parent-Child-Interaction) Ansatz gearbeitet und stellt die Interaktion zwischen Eltern besonders in den Vordergrund. Dies soll durch sprachliche Vereinfachungen und Verlangsamungen erreicht werden. Auch eine gelassene Reaktion auf Stottern des Kindes zählt dazu. Durch die kontinuierliche Mitarbeit der Eltern kann damit die Sprechflüssigkeit des betroffenen Kindes verbessert werden. 
  • Verhaltenstherapie
    Diese Form der Therapie beruht darauf ein neues Sprechverhalten zu erlernen. In konstanter Mitarbeit durch die Eltern wird die Verhaltenstherapie alltagsnah umgesetzt. Hierbei wird auftretendes Stottern auf sanfte Weise korrigiert. Erfolgreich umgesetztes Sprechen wird positiv bestärkt und soll das Kind damit motivieren. 
Ein Vater hilft seinem etwa 10 jährigen Sohn bei Aufgaben am Ipad. Der Junge macht sich Notizen auf einem Block.

Sofern Sie bei der sprachlichen Entwicklung Ihres Kindes verunsichert sind, zögern Sie nicht sich in Ihrer Kinderarztpraxis beraten zu lassen. Auch die empfohlenen U-Untersuchungen bieten einen guten Rahmen, denn diese beinhalten ebenfalls eine Untersuchung zur Sprachentwicklung. Aber auch im Erwachsenenalter ist stottern keine Seltenheit. Mögliche Behandlungsmethoden wie beispielsweise der Weg in eine logopädische Praxis können Sie gemeinsam mit Ihrem ärztlichen Fachpersonal besprechen. 

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