Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Reisekrankheit

Ein etwa 20-jähriger Mann sitzt hinten im Auto und schaut verträumt aus dem Fenster. Dabei trägt er Kopfhörer.

Warum Autofahrten, Flüge und Schiffsfahrten belasten können

Unterwegs kann sich die Vorfreude auf eine Reise oder einen Urlaub schnell in Unwohlsein ändern. Die Reisekrankheit, auch als Bewegungskrankheit oder Kinetose (vom griechischen „kinein“ = bewegen) bezeichnet, ist eine durch Bewegungsreize ausgelöste Störung des Gleichgewichtssinns. Ob bei Reisen mit dem Auto, Bus, Bahn, Flugzeug oder Schiff leiden Betroffene meist unter Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel und Unwohlsein. Die Reisekrankheit kann auch bei Aktivitäten wie Fernsehen, Videospielen und Achterbahnfahrten auftreten oder durch Virtual-Reality-Systeme ausgelöst werden. Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Die Empfindlichkeit nimmt meist ab, je häufiger sich Betroffene der auslösenden Situation aussetzen. Unterstützend können bestimmte Antihistaminika, leichte Speisen sowie das Fixieren eines weit entfernten Punktes helfen.

Erfahren Sie, welche Ursache die Reisekrankheit hat und welche einfachen Tipps Betroffenen wie auch Kindern helfen können. 

Wussten Sie schon, dass...

  • Sie sich bei Reiseübelkeit am besten auf einen festen Punkt am Horizont fixiert?
  • Musik gegen Reisekrankheit helfen kann?
  • die AOK Sachsen-Anhalt nicht-rezeptpflichtige Medikamente bezuschusst?

Wie kommt es zur Reisekrankheit?

Eine etwa 25-jährige Frau sitzt arbeitenden an ihrem Laptop in einem Zug.

Mediziner vermuten, dass es bei der Reiseübelkeit zu widersprüchlichen Wahrnehmungen der Sinnesorgane kommt. Das Gleichgewichtsorgan, Augen und die Mechanorezeptoren in den Gelenken nehmen jeweils andere Bewegungen wahr. Die Augen können gleichzeitig Bewegungen des Fahrzeugs nicht immer nachvollziehen. Beim Autofahren sehen die Augen zwar, dass man sich bewegt, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr nimmt jedoch keine oder nur geringe Erschütterungen und Beschleunigungen wahr und registriert dadurch keine passende Bewegung. Zusätzlich kann das Gleichgewichtsorgan bei sehr schnellen Bewegungen überreizt werden. Durch diese widersprüchlichen Signale werden das Gehirn und das vegetative Nervensystem, das die Organfunktionen steuert, irritiert. Der Körper reagiert darauf häufig mit Symptomen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Wer ist besonders von Reiseübelkeit betroffen?

Besonders betroffen von der unangenehmen Übelkeit sind:

Weitere Risikofaktoren, die Reiseübelkeit begünstigen, sind eine genetische Veranlagung. Haben Eltern die Reisekrankheit, steigt die Wahrscheinlichkeit auch bei den Kindern. Zusätzlich können Angst vor der Reise und schlechte Luft eine Rolle spielen.

Symptome: Wie macht sich die Reisekrankheit bemerkbar?

Typische Symptome von Reiseübelkeit sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Blässe
  • Kopfschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • schneller Puls
  • Müdigkeit und Benommenheit

Ihr Arzt kann meist anhand der Symptome die Reisekrankheit diagnostizieren und gezielt Medikamente verschreiben. 

Was hilft gegen Reiseübelkeit?

Die Beschwerden der Reisekrankheit muss keinen Verzicht auf das Reisen bedeuten. Einfache Maßnahmen können helfen und für ein besseres Wohlbefinden sorgen.

  • Vor und während der Reise

    Schlafen Sie sich vor der Reise aus und versuchen Sie auch währenddessen etwas Schlaf zu finden. Nutzen Sie regelmäßig, etwa alle zwei Stunden, Pausen, um frische Luft zu schnappen. Vermeiden Sie den Konsum von Alkohol und verzichten Sie auf das Rauchen. Kaubewegungen helfen gegen Übelkeit. Kaugummi, Äpfel und Möhren eignen sich dafür am besten. Sind Sie Beifahrer, schauen Sie möglichst nach vorne aus dem Fenster in die Ferne. Vermeiden Sie es, aus dem Seitenfenster zu schauen, zu lesen und nach unten auf Ihr Smartphone oder Tablet zu gucken.

  • Essen und Trinken

    Vermeiden Sie bereits einen Tag vor der Reise starken Kaffee, Alkohol und Nikotin sowie scharfe, fettige Speisen. Bevorzugen Sie stattdessen leichte, stärkereiche, mild gewürzte und fettarme Speisen wie Obst, Gemüse, Salat oder Zwieback und Getränke ohne Kohlensäure.

    Wichtig: Verreisen Sie nicht mit leerem Magen, vermeiden Sie jedoch auch zu üppige Mahlzeiten. Beides kann die Reisekrankheit begünstigen.

  • Platzwahl

    Sitzen Sie vorn im Auto, sollte der Fahrer plötzliche Spurwechsel oder Beschleunigungen vermeiden. Reisen Sie mit dem Bus, nehmen Sie vorn Platz und vermeiden Plätze direkt hinter Vorderachse. Ein guter Platz im Flugzeug ist in der Mitte, über den Tragflächen oder am Mittelgang. Setzen Sie sich im Zug in Fahrtrichtung und bewegen Sie sich zwischendurch, zum Beispiel im Gang auf und ab. Wählen Sie bei einer Reise mit dem Schiff möglichst eine Kabine mittig unmittelbar über dem Wasserspiegel. Gehen Sie so oft wie möglich an die frische Luft und schauen in die Ferne.

  • Ablenkung

    Um Übelkeit abzuschwächen, können Musik, Hörspiele oder Podcasts gut ablenken.

  • Ingwer

    Die Knolle mindert Übelkeit und Brechreiz und hat grundsätzlich keine Nebenwirkungen. Dennoch können magenempfindliche Personen mit Übelkeit reagieren. Am besten testen Sie Ingwer vor der Reise, um die Verträglichkeit zu prüfen. Laut Studien wurden Kapseln und Pulver am besten auf die Wirksamkeit getestet.

  • Akupressur-Armbänder

    Sie bewirken einen sanften Druck auf Ihrem Handgelenk. Die Wirkung ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dennoch gibt es einige Berichte von positiven Effekten. 

  • Entspannung

    Entspannungstechniken können Ihnen Stress und Angst vor und auch während einer Reise nehmen. Nutzen Sie Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung im Rahmen unserer Gesundheitskurse. Auch die Methode 5-7-8-Atmung gilt als sehr hilfreich: Sie atmen 5 Sekunden ein, halten die Atmung für 7 Sekunden an und atmen für 8 Sekunden aus. 

Medikamente

Antihistaminika mit Wirkstoff Dimenhydrinat oder Diphenhydramin

Antihistaminika sind rezeptfrei als Tabletten, Kapseln oder Kaugummis erhältlich. Für Kinder unter drei Jahren ist es in dieser Verabreichungsform jedoch nicht geeignet. Eltern sollten vor der Anwendung unbedingt Rücksprache mit ihrem Kinderarzt halten, denn gegebenenfalls können nach ärztlicher Empfehlung auch Zäpfchen oder Säfte eingesetzt werden. Die Einnahme sollte circa 30 Minuten bis eine Stunde vor Reisebeginn erfolgen. Mögliche Nebenwirkungen können vor allem Schläfrigkeit und Benommenheit sein. Nehmen Sie das Medikament nicht ein, wenn Sie Tätigkeiten ausüben, die Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern, wie beispielsweise Autofahren. Nicht geeignet ist das Präparat für Personen mit grünem Star (Glaukom) oder einer Prostatavergrößerung mit Restharnbildung.

Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie und bezuschusst Ihre rezeptpflichtigen und apothekenpflichtigen Medikamente, auch gegen Reiseübelkeit, mit bis zu 40 Euro.

Eine Patientin bekommt von einer Ärztin Medikamente ausgehändigt.

Scopolamin

Dieses Medikament, meist als Pflaster erhältlich, ist verschreibungspflichtig und verringert Schwindel und Übelkeit. Kleben Sie es vor Reisebeginn fünf bis sechs Stunden hinter Ihr Ohr. Die Wirkung hält drei Tage an. Scopolamin ist nicht geeignet für Kinder unter zehn Jahren und Menschen mit Engwinkelglaukom (Grüner Star). Nebenwirkungen können unter anderem Schläfrigkeit, Schwindel und Benommenheit oder Mundtrockenheit sein.

Reiseübelkeit bei Kindern

Kinder sind von der Reisekrankheit häufiger betroffen als Erwachsene. Für eine stressfreie Reise sollten Eltern bereits vor Reiseantritt entsprechende Vorbereitungen treffen und bestimmte Hilfsmittel besorgen. Sprechen Sie vor der Einnahme von Medikamenten immer mit Ihrem Kinderarzt. Antihistaminika in Form von Kaugummis oder auch homöopathische Mittel können helfen. Zudem kann Ablenkung durch Musik, Hörspiele oder Vorlesen dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren. Kommt es dennoch zum Erbrechen, sollten Eltern Wechselkleidung, eine Tüte sowie Feuchttücher griffbereit dabei haben.

Gut zu wissen

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