Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Migräne

Eine circa 30-jährige Frau schaut schmunzelnd aus dem Fenster.

Mehr als Kopfschmerz: So zeigt sich Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzanfälle äußert. Diese können unterschiedlich stark sein und mehrere Stunden bis Tage anhalten.
Typisch sind mittelstarke bis starke und häufig pulsierende oder hämmernde Kopfschmerzen, die oft einseitig auftreten, aber auch beide Kopfseiten betreffen können. Besonders häufig sind Schmerzen in der Schläfen-, Stirn- oder Augenregion. Neben den Kopfschmerzen leide viele Betroffene unter Begleitsymptomen oder einer sogenannten Aura.

Migräne kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Frauen sind etwa zwei-bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die höchste Erkrankungsdichte liegt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Migräne ist zwar nicht heilbar, kann aber in vielen Fällen gut behandelt und kontrolliert werden.

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome und Triggerfaktoren der Migräne. Außerdem stellen wir die verschiedenen Phasen und Formen der Erkrankung vor und erläutern Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Wussten Sie schon, dass…

  • bereits Kinder von Migräne betroffen sein können?
  • die kostenfreie AOK-Yogaschule eine gute Möglichkeit ist, um Entspannungstechniken zu lernen?
  • 85 Prozent der Migräne-Patienten unter einer Migräne ohne Aura leidet?

Formen der Migräne

  • Migräne ohne Aura (häufigste Form)

    Migräne ohne Aura ist die häufigste Form der Erkrankung. Sie äußert sich durch wiederkehrende, anfallsartig auftretende Kopfschmerzen, die häufig einseitig lokalisiert sind und als pulsierend wahrgenommen werden. Häufig treten Begleitsymptome wie Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit auf.

  • Migräne mit Aura (Klassische Migräne) 

    Etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen erleben eine sogenannte Aura. Dabei handelt es sich um eine vorübergehende neurologische Störung, die sich meist innerhalb von fünf bis 60 Minuten entwickelt. 

    In den meisten Fällen tritt die Aura vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auf, seltener währenddessen. 

    Typische Symptome sind 

    • Sehstörungen wie Lichtblitze, Flimmersehen oder Gesichtsfeldausfälle
    • Kribbelgefühle oder Taubheitsgefühle 
    • Sprachstörungen

    Die Beschwerden entwickeln sich innerhalb weniger Minuten und bilden sich in der Regel innerhalb einer Stunde wieder zurück.

  • Chronische Migräne

    Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten an mindestens 15 Kopfschmerztagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten und an mindestens acht dieser Tage typische Migränemerkmale vorliegen. Neben den Kopfschmerzen können Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Erschöpfung sowie vermehrtes Gähnen auftreten.

Sonderformen

  • Migräne mit Hirnstammaura 

    Die Migräne mit Hirnstammaura zählt zu den Migräneformen mit Aura. Die Symptome entstehen vermutlichdurch vorübergehende Funktionsstörungen im Bereich des Hirnstamms. Mögliche Beschwerden sind Sprechstörungen, Doppelbilder, Ohrgeräusche, Hörminderungen sowie Gleichgewichtsstörungen.

  • Hemiplegische Migräne

    Die hemiplegische Migräne ist eine sehr seltene Form der Migräne mit Aura. Charakteristisch ist eine vorübergehende Muskelschwäche oder Lähmung einer Körperseite. Zusätzlich können Taubheitsgefühle sowie Seh- und Sprachbeschwerden auftreten. Die Symptome bilden sich innerhalb von 72 Stunden zurück.

  • Retinale Migräne 

    Die retinale Migräne ist eine seltene Migräneform, die mit vorübergehenden Sehstörungen eines Auges einhergeht. Typische Beschwerden sind Gesichtsfeldausfälle, Lichtblitze und eine vorübergehende Sehverschlechterung. Die Symptome entwickeln sich innerhalb weniger Minuten und dauern meist zwischen fünf und 60 Minuten. Die Diagnose sollte nur gestellt werden, wenn andere Ursachen für die Sehstörung ausgeschlossen wurden.

  • Vestibuläre Migräne

    Bei der vestibulären Migräne ist das Gleichgewichtssystem betroffen, das sowohl im Innenohr als auch im Gehirn verarbeitet wird. Dadurch können Schwindelbeschwerden entstehen, die zwischen fünf Minuten und 72 Stunden andauern. Zu den möglichen Symptomen zählen Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Sehstörungen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Kopfschmerzen.

Junge Frau liegt auf dem Sofa und fasst sich an die Stirn wegen Kopfschmerzen.

Die Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke entwickelt sich häufig nicht plötzlich, sondern verläuft in mehreren Phasen. Nicht jeder Betroffene durchläuft dabei alle Phasen.

Prodromalphase:
kündigt sich Migräne häufig durch Anzeichen oder Vorboten wie Lichtempfindlichkeit, Heißhunger, verstärkter Durst, Gereiztheit oder Müdigkeit an. Diese Symptome treten meist einige Stunden bis maximal zwei Tage vor dem eigentlichen Anfall auf.

Auraphase:
In dieser Phase kommt es zu vorübergehenden neurologischen Symptomen. Die Beschwerden bilden sich in der Regel innerhalb von einer Stunde wieder zurück.

Reifer erwachsener Mann, der zu Hause unter Müdigkeit und Kopfschmerzen leidet

Kopfschmerzphase:
In der Kopfschmerzphase wird der Schmerz häufig als stechend, pulsierend oder hämmernd beschrieben. Körperliche Aktivität verstärkt die Beschwerden oftmals zusätzlich. Betroffene reagieren sehr empfindlich auf Reize wie Licht, Lautstärke oder Gerüche. Darüber hinaus können Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Unbehandelt dauert diese Phase in der Regel zwischen vier und 72 Stunden.

Rückbildungsphase: 
In der Rückbildungsphase (Auflösung- und Erholungsphase) schwächen die Symptome innerhalb von 24 Stunden ab. Der pulsierende Charakter ändert sich oft zu einem gleichbleibenden Schmerz und der Körper erholt sich langsam. Allerdings können sich Betroffene über die Migränedauer hinweg noch leicht benommen und müde fühlen oder leichte Konzentrationsprobleme haben.

Ursachen: Wie entsteht Migräne?

Die Ursachen der Migräne sind bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. 
Wichtig ist: Migräne ist keine psychosomatische Erkrankung.

  • Genetische Veranlagung: Migräne tritt familiär gehäuft auf. Forschende vermuten, dass mehrere Gene an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind.
  • Veränderungen der Schmerzverarbeitung im Gehirn: Bei Migräne kommt es zu einer veränderten Verarbeitung von Reizen und Schmerzsignalen im Gehirn. Nervenzellen im Hirnstamm sind überaktiv und setzen den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) frei. Dieser erweitert die Blutgefäße in den Hirnhäuten und löst dort eine Art entzündliche Reaktion aus. Dadurch werden Schmerzfasern empfindlicher, sodass die pulsierende Durchblutung der Gefäße als pochender Kopfschmerz wahrgenommen wird.
Junger Mann, der mit Migräne-Kopfschmerzen zu Hause auf der Couch liegt

Auslösende Faktoren (Trigger)

Sogenannte Triggerfaktoren sind nicht allein die Ursache einer Migräneattacke, können diese aber begünstigen oder verstärken.

  • Schlafmangel oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Schichtarbeit
  • Reizüberflutung durch Licht, Lärm oder starke Gerüche
  • schlecht belüftete Räume oder Zigarettenrauch
  • Wetterwechsel
  • hormonelle Schwankungen, beispielsweise während der Menstruation, Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre
  • Veränderungen des gewohnten Koffeinkonsums
  • starke emotionale Belastungen

Wie wird Migräne diagnostiziert?

Die Diagnose basiert zunächst auf einer ausführlichen Anamnese. Dabei werden Häufigkeit, Dauer und Art der Beschwerden erfasst. Zusätzlich werden Begleitsymptome sowie mögliche Auslöser abgefragt. Auch die familiäre Vorgeschichte spielt eine wichtige Rolle.

Hilfreich kann ein Migräne-Tagebuch oder eine Migräne-App sein. Dort können Sie Kopfschmerzattacken und Begleiterscheinungen, die Schwere der Schmerzen sowie eingenommene Medikamente dokumentieren. Dies erleichtert die Einschätzung des Krankheitsverlaufs und unterstützt die Diagnosestellung.

Bei untypischen Beschwerden oder dem Verdacht auf andere Erkrankungen können zusätzliche Untersuchungen mittels bildgebender Verfahren wie CT oder MRT erforderlich sein.

 

Behandlungsoptionen

Medikamente 

Welche Medikamente geeignet sind, hängt von der Stärke der Beschwerden und den individuellen Voraussetzungen ab. Welche Medikamente und welche Verabreichungsform infrage kommen, entscheidet der behandelnde Arzt.

  • Medikamente bei Akut-Fällen

    Bei akuten Migräneanfällen mit leichten bis mittleren Schmerzen können bestimmte rezeptfreie Wirkstoffe wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure eingesetzt werden. Bei akuten mittelschweren bis schweren Anfällen kommen sogenannte Triptane zum Einsatz. Die Einnahme sollte möglichst früh zu Beginn der Kopfschmerzphase erfolgen.

    Wichtig ist, Schmerzmittel und Triptane nicht zu häufig anzuwenden, da sonst ein medikamentenbedingter Kopfschmerz entstehen kann.

  • Medikamente zur Vorbeugung

    Zur Vorbeugung ist eine regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente wichtig. Die Behandlung erfolgt ärztlich verordnet und mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Mögliche Wirkstoffe sind Betablocker, bestimmte Medikamente zur Epilepsiebehandlung, bestimmte Antidepressiva oder moderne Antikörpertherapien gegen CGRP (Migräne-Spritze). Bei chronischer Migräne kann zudem eine Behandlung mit Botulinumtoxin infrage kommen.

    Zu den möglichen Nebenwirkungen von Migräne-Medikamenten zählen unter anderem auch Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen oder Bauchschmerzen, Schwindel und Müdigkeit sowie Hautreaktionen wie Juckreiz.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Nicht-medikamentöse Maßnahmen können helfen, Migräneanfälle zu lindern, ihre Häufigkeit zu reduzieren und den Alltag besser zu bewältigen.
 

  • Akupunktur

    Bei der Akupunktur werden feine Nadeln eingesetzt, um bestimmte Nervenpunkte zu reizen. Dadurch schüttet der Körper schmerzlindernde Botenstoffe aus. Schmerzverarbeitung, Muskelspannung und Stressreaktionen können dadurch beeinflusst werden. Migräneanfälle können dadurch seltener auftreten oder wenig schmerzhaft verlaufen. Akupunktur bei Migräne wird von der AOK Sachsen-Anhalt nicht übernommen.

  • Biofeedback

    Biofeedback unterstütz die Kontrolle von Stressreaktionen und Muskelanspannungen. Dadurch kann die Häufigkeit und Stärke der Migräneanfälle reduziert werden. Auch diese Behandlung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

  • Massage & Wärmeanwendungen

    Massagen und Wärmeanwendungen, insbesondere im Bereich von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht, können verspannte Muskeln lockern und die Durchblutung fördern. Gleichzeitig kann Stress reduziert werden. Schmerzen und Begleiterscheinungen können dadurch gelindert werden.

  • Entspannungstechniken

    Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Meditation können Stress und körperliche Anspannung reduzieren.

  • Hausmittel

    Im akuten Anfall können verschiedene Maßnahmen unterstützend wirken. Dazu zählen Ruhe und der Verzicht auf störende Reize wie Fernsehen oder Smartphone, ein kühles Tuch auf der Stirn, ein gut belüfteter, kühler und abgedunkelter Raum, ausreichend Flüssigkeit sowie Schlaf. Pfefferminzöl kann ebenfalls lindern wirken, sollte jedoch nicht bei Babys und Kleinkindern angewendet werden.

Migräne vorbeugen: Was kann ich selbst tun?

Mann macht Entspannungsübungen

Bestimmte und gezielte Maßnahmen können helfen, Attacken zu lindern oder vorzubeugen.

  • Bleiben Sie regelmäßig in Bewegung
    Geeignet sind insbesondere Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren. Auch die AOK-Laufschule sowie Angebote von Yogaschulen können dabei unterstützen.
  • Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
    Hilfreich sind möglichst gleichbleibende Schlafens- und Aufstehzeiten.
  • Stress reduzieren
    Entspannungsübungen, ausreichend Erholung und bewusste Pausen im Alltag können helfen, Stress abzubauen. Die AOK Sachsen-Anhalt bietet zahlreiche Gesundheitskurse im Bereich Entspannung und Meditation.
Ältere Frau schaut auf ihr Mobilphone.

 

  • Medienkonsum bewusst gestalten
    Lange Bildschirmzeiten und eine ständige Reizüberflutung können bei empfindlichen Personen Beschwerden fördern.
  • Individuelle Trigger meiden
    Wer seine persönlichen Auslöser kennt, kann diese gezielt reduzieren oder vermeiden. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Migräne kann bereits im Kindesalter auftreten. Häufig besteht eine familiäre Vorbelastung. Bis zur Pubertät sind Jungen und Mädchen gleichermaßen betroffen. Danach erkranken Mädchen häufiger. Kinder zeigen teilweise andere Symptome als Erwachsene. Die Attacken sind oft kürzer und die Schmerzen treten häufiger beidseitig auf.

 

Ein Kind liegt im Bett und die Mutter hält ihre Hand auf seine Stirn.

Typische Beschwerden sind:

  • wiederkehrende Kopfschmerzattacken
  • Schmerzen im Stirn-, Schläfen- oder Augenbereich
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
  • Müdigkeit
  • Blässe
  • Bauchschmerzen (Bauchmigräne)

Wiederkehrende Kopfschmerzen sollten bei Kindern immer kinderärztlich abgeklärt werden. Bei der Behandlung stehen zunächst häufig nicht medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund. 

Therapeutische Angebote in 
Sachsen-Anhalt

Für Menschen mit Migräne stehen in Sachsen-Anhalt verschiedene Behandlungsangebote zur Verfügung. Betroffene finden unter anderem hier Hilfe:

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