Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Grüner Star

Eine junge Frau leidet aufgrund eines Grünen Stars unter einem eingeschränkten Sichtfeld

Was ist Grüner Star?

Wird das Sichtfeld langsam enger, ohne dass man es sofort bemerkt, steckt dahinter häufig eine stille Erkrankung der Augen. Medizinisch wird der Grüne Star als Glaukom bezeichnet. Es handelt sich dabei meist um eine chronische und fortschreitende Augenerkrankung. Hier kommt es zur Schädigung des Sehnervs, die häufig durch einen zu hohen Augeninnendruck verursacht wird. In Deutschland sind etwa ein bis zwei Prozent der Menschen über 40 Jahre betroffen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter weiter ansteigt. Unbehandelt kann der Grüne Star zur Erblindung führen. Bereits entstandene Schäden sind irreversibel. Das Fortschreiten der Erkrankung kann jedoch aufgehalten werden, weshalb eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung besonders wichtig sind.

Informieren Sie sich über Symptome und Ursachen. Außerdem erfahren Sie, wie der Grüne Star erkannt und behandelt wird. 

Wussten Sie schon, dass...

  • Grüner Star zu den häufigsten Ursachen für Blindheit in Deutschland zählt?
  • der Verlauf eines Glaukoms aufgehalten werden kann?
  • Sie als Diabetiker Anspruch auf spezielle Augenuntersuchungen haben?

Arten von Glaukomen

Glaukome gehören zu einer Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv dauerhaft  geschädigt wird. Der Name „Grüner Star“ ist historisch gewachsen und beschreibt kein einheitliches Krankheitsbild. Der Begriff  leitet sich davon ab, da die Pupille bei fortschreitender Krankheit ein bläulich-grüne Farbe annehmen kann. Es wird zwischen verschiedenen Haupttypen unterschieden.

Ein Mann mit Grünem Star bemerkt Sehprobleme

Offenwinkel-Glaukom (Weitwinkel-Glaukom)

Das Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form der Erkrankung und schreitet meist über viele Jahre bis Jahrzehnte langsam voran. Sehr lange bemerken Betroffene keine Anzeichen und Sehstörungen treten erst nach einigen Jahren auf. Der Sehbereich wird immer weiter eingeschränkt, bis zum Tunnelblick im Spätstadium.

Engwinkel-Glaukom (Winkelblock-Glaukom)

Dieses Glaukom kann zunächst unbemerkt bleiben. Plötzlich auftretende starke Beschwerden und bleibende Sehstörungen bei einem Glaukomanfall sind ein Notfall und erfordern sofortige medizinische Behandlung. Bleibt der Notfall unbehandelt, kann es zu bleibenden Sehstörungen kommen.

Grüner und Grauer Star: Was ist der Unterschied?

Bei beiden Erkrankungen kommt es allmählich zum Sehverlust. Bleiben sie unbehandelt, haben sie teilweise auch akute Verläufe. Die Ursachen für die Augenerkrankungen sind sehr jedoch unterschiedlich. 

Grüner Star

Der Sehnerv ist geschädigt und es kommt zu Sehstörungen. Das Voranschreiten kann mit Medikamenten, Laserbehandlung oder einer Operation aufgehalten werden.

 

Grauer Star

Dabei kommt es meist im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses zu einem allmählichen Sehverlust infolge einer Trübung der Augenlinse. Die Behandlung erfolgt durch das Entfernen der getrübten Linse und Einsetzen einer künstlichen Linse.

Eine Frau mit Grünem Star überprüft ihre Sehfähigkeit

Symptome: Wie bemerkt man Grünen Star?

Das Gesichtsfeld, also der Bereich, den Sie wahrnehmen können, ohne die Augen zu bewegen, weist beim Glaukom zunehmend Lücken auf, die oft zunächst unbemerkt bleiben. Unbehandelt kann diese Erkrankung schließlich zur Erblindung führen. Typisch sind dabei „blinde Flecken“, die oftmals außerhalb des zentralen Sehens auftreten. Bei einer fortschreitenden und starken Schädigung des Sehnervs nimmt im weiteren Verlauf auch die Sehschärfe ab.

Typische Symptome beim Offenwinkel-Glaukom

Die Erkrankung verläuft schleichend und verursacht im Frühstadium häufig keine Beschwerden. Mit der Zeit treten jedoch zunehmend Probleme bei der Orientierung auf, was auch das Sturzrisiko erhöht, insbesondere bei wechselnden Lichtverhältnissen. Zudem werden Objekte, die sich nicht in der Mitte des Sichtfeldes befinden, immer schlechter wahrgenommen. Begleitend können unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augenbrennen sowie das Sehen von Farbringen um Lichtquellen herum auftreten.

Was passiert bei einem Glaukomanfall?

Beim Engwinkelglaukom kann es zu sogenannten Glaukomanfällen kommen, bei denen der Abfluss des Kammerwassers stark behindert oder vollständig blockiert ist. Dadurch steigt der Augeninnendruck plötzlich und stark an. Typische Symptome sind plötzlich auftretende Sehstörungen, Farbringe um Lichtquellen, geweitete Pupillen, die nicht auf Licht reagieren sowie Augenrötungen. Häufig treten zusätzlich starke Kopf- und Augenschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen auf. Charakteristisch ist zudem ein verhärteter, „steinharter“ Augapfel (Bulbus). Da innerhalb weniger Stunden oder Tage bleibende Schäden entstehen können, handelt es sich um einen medizinischenNotfall. Sie sollten sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Ziel der Behandlung ist es, den Augeninnendruck zunächst medikamentös zu senken und anschließend wird meist eine Laserbehandlung durchgeführt.

Eine Frau mit Grünem Star lässt ihre Sehfähigkeit durch eine Augenärztin prüfen

Ursachen für Grünen Star

Bisher sind nicht alle Ursachen bekannt und so kann nicht immer der Auslöser gefunden werden. In etwa 70 Prozent der Fälle scheint ein zu hoher Augeninnendruck ursächlich zu sein. Man unterscheidet verschiedene Formen des Glaukoms, darunter das Offen- und das Engwinkelglaukom. Beim Normaldruck-Glaukom liegt der Augeninnendruck im Normalbereich, dennoch treten Sehstörungen auf. Als mögliche Ursache wird unter anderem eine unzureichende Durchblutung des Auges vermutet, die zu einer Schädigung des Sehnervs führt. In sehr seltenen Fällen ist ein Glaukom angeboren. 

Es handelt sich hierbei um ein kongenitales Glaukom, dass etwa bei 1 von 10.000 bis 1 von 50.000 Menschen auftritt. Etwa ein Drittel der Betroffenen eines chronischen Offenwinkelglaukoms entwickelt ein Normaldruckglaukom. Beim sekundären Glaukom hingegen sind andere Augen- oder Allgemeinerkrankungen die Ursache wie beispielsweise Diabetes mit Gefäßverschlüssen der Netzhaut oder Netzhautveränderungen, Entzündungen, Verletzungen oder Fehlbildungen der Augen.

Hoher Augeninnendruck führt zu Sehstörungen

Die häufigste Ursache eines Glaukoms ist ein zu hoher Augeninnendruck. Dieser liegt normalerweise zwischen 10 und 21 mmHg, während Werte über 21 mmHg als erhöht gelten. Der Augeninnendruck entsteht durch das Kammerwasser im Inneren des Auges. Dieses fließt von der hinteren in die vordere Augenkammer und wird anschließend über den Schlemmschen Kanal wieder abgeleitet, wodurch ein konstanter Druck aufrechterhalten und das Auge mit Nährstoffen versorgt wird. Ist der Abfluss des Kammerwassers jedoch behindert, steigt der Augeninnendruck an. Dadurch wird der Sehnerv belastet und je nach Widerstandsfähigkeit sterben Nervenzellen ab, was schließlich zu Sehstörungen führt.

Grüner Star: Diagnose und Behandlung

Die frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig. Das Voranschreiten kann aufgehalten werden. Bestehende Sehschäden können aber nicht rückgängig gemacht werden. Eine vollständige Erblindung ist dank moderner Behandlungsmöglichkeiten heute selten.

  • Diagnose

    Die Untersuchung erfolgt beim Augenarzt. Dabei wird im Rahmen eines „Sehnerv-Checks“ nach möglichen Schäden am Sehnerv gesucht, unter anderem mithilfe eines Ophthalmoskops, einer Spaltlampe und gegebenenfalls einer optischen Kohärenztomographie (OCT). Zusätzlich wird der Augeninnendruck durch die Applanations-Tonometrie überprüft. Besteht der Verdacht auf ein Glaukom, wird außerdem das Gesichtsfeld mithilfe der Perimetrie gemessen.

  • Behandlung

    Zur Behandlung werden meist Augentropfen eingesetzt, die den Augeninnendruck senken und je nach Präparat einmal oder mehrmals täglich angewendet werden müssen. Dabei ist zu beachten, dass Augentropfen mit dem Wirkstoff Brimonidin bei Kindern nicht verwendet werden dürfen, da lebensbedrohliche Nebenwirkungen auftreten können. 

    Wenn Augentropfen nicht ausreichend helfen oder nicht vertragen werden, kommen weitere Maßnahmen infrage. Dazu zählt eine Laserbehandlung, die den Abfluss des Kammerwassers verbessert. Außerdem gibt es operative Verfahren wie die Trabekulektomie, bei der ein neuer Abflusskanal für das Kammerwasser geschaffen wird. Die chirurgische Iridektomie, bei der eine kleine Öffnung in der Regenbogenhaut (Iris) angelegt wird sowie die Ventiloperation, bei der die Kammerflüssigkeit über einen dünnen Schlauch aus der vorderen Augenkammer unter die Bindehaut abgeleitet wird, sind weitere operative Eingriffe.

Eine Seniorin mit Grünem Star nutzt Hilfsmittel

Alltag mit Glaukom

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt sind weiterhin erforderlich. Durch die Sehstörungen kann es zu Einschränkungen im Alltag kommen. Daher sollten Sie Ihr Wohnumfeld entsprechend anpassen durch zum Beispiel zusätzliche Lichtquellen und das Beseitigen von Stolperfallen. Auch Bewegung bleibt grundsätzlich wichtig für Ihre Gesundheit. Bestimmte Sportarten, etwa solche mit starkem Pressen oder extremen Kopfpositionen, sollten Sie jedoch vermeiden. Hilfsmittel erleichtern Ihren Alltag zusätzlich und werden bei medizinischer Notwendigkeit unter Umständen von der Krankenkasse übernommen.

Glaukom vorbeugen: Früherkennung beim Augenarzt

Die Früherkennung beim Augenarzt ist wichtig– insbesondere für Risikogruppen wie:

  • Personen ab 40 Jahren, da das Risiko mit zunehmendem Alter steigt
  • Personen mit Gefäß- und Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetiker
  • starke Kurzsichtigkeit ab minus vier Dioptrien
  • Migräne-Patienten
  • Patienten mit familiärer Vorbelastung
  • Personen, die Kortisonpräparate einnehmen

Der Augenarzt kann ein Glaukom häufig schon vor dem Auftreten erster Symptome mithilfe der optischen Kohärenztomographie (OCT) erkennen und frühzeitig eine Behandlung einleiten. Ein Glaukom-Screening gehört jedoch nicht zu den regulären Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Kosten werden in der Regel nur übernommen, wenn ein begründeter Verdacht auf ein Glaukom besteht oder ein erhöhtes Risiko vorliegt. Dazu zählen beispielsweise Augenschäden durch Diabetes im Rahmen spezieller Programme wie dem AOK-Curaplan Diabetes.

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