Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Care-Arbeit

Eine Frau pflegt ihre Mutter zuhause

Unsichtbare Arbeit: Versorgen, pflegen, begleiten

Sachsen-Anhalt hat die älteste Bevölkerung in Deutschland: Während die Lebenserwartung steigt und der Bedarf an pflegenden Menschen zunimmt, geht die Geburtenrate zurück. Gleichzeitig findet ein deutlicher Wandel der Lebens- und Familienmodelle statt, wodurch auch bei der Kinderbetreuung neue Herausforderungen entstehen. Diese Aufgaben der Pflege von Angehörigen und der Erziehung von Kindern werden unter dem Begriff Care-Arbeit zusammengefasst. Um Betroffene zu entlasten, sind neue Strategien notwendig – sowohl in der Berufswelt als auch im privaten Umfeld.

In unserem Beitrag beschäftigen wir uns näher mit dem Thema Care-Arbeit und wie sie sich auf die Gesundheit auswirken kann. Außerdem zeigen wir, wie Sie Care-Arbeit gesund gestalten können und welche Unterstützungsangebote es gibt.

Wussten Sie schon, dass...

  • der 29. Oktober der Internationale Tag der Betreuung und Unterstützung ist?
  • wir Sie und Ihren Arbeitgeber mit unserem betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützen?
  • es mehr als 200.000 Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt gibt?
Eine Frau fühlt sich von Care-Arbeit für ihr Kind erschöpft

Zwischen Fürsorge und Erschöpfung: Was ist Care-Arbeit?

Als Care-Arbeit oder Sorgearbeit bezeichnet man Tätigkeiten von Menschen, die für andere Menschen in unterschiedlichen Lebensbereichen sorgen, sowie bezahlte und unbezahlte Arbeit zur Fürsorge für abhängige Personen. Sie umfasst vor allem Erziehungs-, Haushalts-, Betreuungs-, Versorgungs- und Pflegetätigkeiten. Aber auch Hilfe unter Freunden, Altenpflege, Organisation, Planung und Familienmanagement gehören dazu. Care-Arbeit wird überwiegend von Frauen geleistet, die dabei vor allem Angehörige pflegen und einen Großteil der Kindererziehung übernehmen.

Laut Statistischen Bundesamt sind Personen, die Sorgearbeit leisten, im Durchschnitt zwischen 50 und 60 Jahre alt und meist noch berufstätig. Von den 40- bis 59-Jährigen üben 78 Prozent noch einen Beruf aus, davon 30 Prozent in Teilzeit. Etwa ein Drittel der Hauptpflegepersonen reduzieren ihre Arbeitszeiten, 15 Prozent geben ihren Beruf sogar ganz auf.

Was Care-Arbeit mit Körper und Psyche macht

Die Pflege von Angehörigen kann eine emotionale, psychische, körperliche und soziale Herausforderung sein. Während der Kinderbetreuung kommt es vor allem im Kleinkindalter zu verschiedenen Belastungen wie:

  • Kinder heben und tragen
  • lange Wachphasen und Schlafunterbrechungen
  • körperlich unterstützende Tätigkeiten im Alltag
  • organisatorisch bedingte Erschöpfung, auch durch Dauerbelastung

Körperliche Beschwerden, die durch Heben, Lagern oder Stützen entstehen können, sind:

  • Muskelverspannungen
  • Rücken- und Gelenkbeschwerden
  • Schulter- und Nackenschmerzen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hautprobleme
  • erhöhte Müdigkeit, Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Verdauungsbeschwerden, Gewichtsschwankungen

Psychische Folgen für Pflegende und in der Elternschaft:

  • Scham, Trauer, Wut, Hilflosigkeit insbesondere bei Pflegenden
  • soziale Isolation
  • leicht erhöhtes Risiko für Depression
  • Antriebs- und Rastlosigkeit
  • Unruhe, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten
  • erhöhtes Risiko für vermehrten Konsum von Alkohol, Tabak, Medikamenten, Betäubungsmitteln
Ein berufstätiger Vater leistet Care-Arbeit für seinen kleinen Sohn

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt und das überwiegend privat. Dadurch entsteht eine doppelte Belastung von Angehörigen, die zusätzlich berufstätig sind. Auch Kinderbetreuung und Arbeit sind nicht immer leicht zu vereinbaren. Für die Kinder und den Haushalt sind immer noch überwiegend die Mütter zuständig. Männer übernehmen zwar zunehmend mehr Sorge, Verantwortung und Tätigkeiten im Haushalt, statistisch gesehen besteht trotzdem noch ein deutliches Ungleichgewicht. Hier spricht man deshalb auch vom sogenannten Gender-Care-Gap.

Eine Statistik des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zeigt: An einem normalen Wochentag verbringen Frauen im Durchschnitt zwei Stunden pro Tag oder mehr als 13 Stunden pro Woche mit Haushalt, alltäglichen Arbeiten und Organisation wie Kochen, Aufräumen, Putzen, Kinderfürsorge oder Waschen. Im Vergleich dazu sind es bei Männern im Durchschnitt weniger als eine Stunde pro Tag und 6,5 Stunden pro Woche. Dadurch sind Frauen stärker von den Folgen der Care-Arbeit betroffen:

  • weniger Zeit für Erwerbsarbeit oder Karriere
  • geringeres Einkommen durch Teilzeit und dadurch niedrigere Renten
  • stärkere Doppelbelastung bei Beruf und Familie
  • ungleiche Verteilung von Verantwortung im Alltag, dadurch häufiger Frust, Streit und Erschöpfung

Pflege braucht Gesundheit

Gesundheitsfördernde Maßnahmen sollen die Gesundheit pflegender Angehöriger langfristig erhalten.

Private Maßnahmen

Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt zudem die Kosten für Mutter-Kind-Vorsorgemaßnahmen bei medizinsicher Notwendigkeit. Soziale Kontakte und Erfahrungsaustausch können ebenfalls mental entlasten und helfen bei der Bewältigung des Alltags. Eine Übersicht zu entsprechenden Selbsthilfegruppen in Sachsen-Anhalt finden Sie hier.

Nutzen Sie auch Pflegehilfsmittel wie eine Drehscheibe, Positionswechselhilfe, Gleitmatte, Rutschbrett oder Personenlifte. Hilfsmittel wie Rollatoren, Gehilfen und Hygieneprodukte können ebenfalls sinnvoll sein. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten von Hilfsmitteln bei medizinischer Verordnung.

Pflege braucht Gesundheit

Gesundheitsfördernde Maßnahmen sollen die Gesundheit pflegender Angehöriger langfristig erhalten.

  • Private Maßnahmen

    Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt zudem die Kosten für Mutter-Kind-Vorsorgemaßnahmen bei medizinsicher Notwendigkeit. Soziale Kontakte und Erfahrungsaustausch können ebenfalls mental entlasten und helfen bei der Bewältigung des Alltags. Eine Übersicht zu entsprechenden Selbsthilfegruppen in Sachsen-Anhalt finden Sie hier.

    Nutzen Sie auch Pflegehilfsmittel wie eine Drehscheibe, Positionswechselhilfe, Gleitmatte, Rutschbrett oder Personenlifte. Hilfsmittel wie Rollatoren, Gehilfen und Hygieneprodukte können ebenfalls sinnvoll sein. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten von Hilfsmitteln bei medizinischer Verordnung.

  • Berufliche Maßnahmen
    • Konzept „New Work“ mit dem Arbeitgeber besprechen
    • Job-Crafting angehen
    • gegebenenfalls Reduzierung der Arbeitsstunden (Teilzeit)
    • bewegte Pausen und Sportangebote: Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt mit Angeboten zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
    • gesundheitsförderliche Maßnahmen wie höhenverstellbare Schreibtische
    • finanzielle Vorsorge

    Bei reduzierter oder keiner Arbeitszeit können Sie außerdem die Pflegezeit anrechnen lassen. Hilfreiche Informationen und die Beantragung finden Sie hier.

Eine Familie informiert sich über Unterstützungsangebote hinsichtlich Care-Arbeit

Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie

Für eine gute Pflege sind körperliche und mentale Gesundheit wichtig. Achten Sie auf erste Anzeichen von Überforderung und holen Sie sich rechtzeitig Hilfe. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie dabei mit verschiedenen Angeboten:

Weitere Angebote:

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