Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Burn-on

Eine Krankenschwester leidet aufgrund hohem Arbeitsdruck unter Burn-on

Wenn Dauerstress zum Normalzustand wird

„Ich bin müde, aber mache trotzdem weiter“ – bei einem schleichenden Burn-out funktionieren Betroffene weiterhin in Alltag und Beruf. Innerlich fühlen sie sich aber ausgebrannt, erschöpft und emotional leer. Hauptursache für diesen sogenannten Burn-on ist Dauerstress ohne echte Erholung. Symptome wie chronische Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder innere Unruhe sind dabei individuell unterschiedlich und können in verschiedenen Kombinationen auftreten. Mithilfe einer Psychotherapie und Anpassung des Lebensstils lernen die Betroffenen Grenzen zu setzen und bewusst Pausen einzulegen.

Erfahren Sie in unserem Beitrag, wie sich ein Burn-on zeigt, welche Ursachen er haben kann und was der Unterschied zu einem Burn-out ist. Außerdem zeigen wir, wie die chronische Erschöpfung behandelt wird und wo Betroffene Hilfe finden.

Wussten Sie schon, dass...

  • wir die Kosten für Ihre ambulante Psychotherapie übernehmen?
  • Menschen mit Burn-on als besonders leistungsfähig gelten
  • schon kleine strukturelle Veränderungen verhindern können, dass sich Burn-on zu einer ernsthaften Erkrankung entwickelt?
Ein alleinerziehender Vater leidet unter Burn-on

Was bedeutet Burn-on?

Vereinfacht gesagt bedeutet „Burn-on“, dass man erschöpft ist, aber trotzdem über mehrere Monate oder Jahre hinweg funktioniert. Die Betroffenen erledigen ihren Alltag weiterhin, allerdings auf Kosten von Erholung, Gesundheit und Lebensfreude. Burn-on ist keine offizielle medizinische Diagnose nach dem ICD-Katalog. Es beschreibt eher einen Risikozustand, der eine Vorstufe für psychische Erkrankungen sein kann, wie Depressionen, Angststörungen, Anpassungsstörungen oder stressbedingte Beschwerden.

Ursachen und Symptome

Zu den Ursachen eines Burn-ons zählen:

  • Dauerstress ohne echte Pausen: ständige Erreichbarkeit, enge Taktung, Multitasking
  • hoher innerer Anspruch und Perfektionismus
  • Doppel- und Mehrfachbelastung: Job, Care-Arbeit und organisatorische Verantwortung (auch als „Second Shift“ bezeichnet)
  • ungünstige Arbeitsbedingungen: Überstunden, Personalmangel, wenig Einfluss

Ein Burn-on entwickelt sich oft schleichend. Typische Symptome sind:

Psychische Symptome

  • Erschöpfung, Antriebseinbruch
  • Schlafprobleme, innere Unruhe, Gereiztheit
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

Körperliche Symptome

Körperliche Stresszeichen wie Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Verspannungen.

Alltagsfolgen

Rückzug, weniger Freunde oder eine „Egal“-Haltung.

Holen Sie sich möglichst früh professionelle Hilfe, wenn diese Anzeichen länger anhalten oder schlimmer werden.

Ein Mann lässt sein Burn-on diagnositizieren

Wie wird Burn-on diagnostiziert?

Da es keinen offiziellen Diagnoseschlüssel gibt, läuft die Abklärung in der Praxis in etwa wie folgt ab:

Der Hausarzt oder Psychotherapeut führt zunächst ein Anamnese-Gespräch durch. Dabei stellt er Fragen zu Belastungen, Schlaf, Stimmung, Arbeits- und Lebenssituation sowie möglichen Warnsignalen.

Anschließend werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um körperliche Ursachen auszuschließen, wie Schilddrüsenprobleme, Anämie oder Entzündungen.

Die Symptome werden dann in passende Bereiche eingeordnet. Dazu zählen Stressfolgeerkrankungen, depressive Episoden oder Angststörungen. Bei „Ausgebrannt-sein“ oder Überforderung werden im Kontext Faktoren dokumentiert, die die Gesundheit beeinflussen (sogenannte „Z-Codes“). Hierunter fällt zum Beispiel Z73, womit Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung beschrieben werden.

Wie wird Burn-on behandelt?

Die Behandlung eines Burn-ons richtet sich nach den konkreten Beschwerden und Ursachen. Häufige Bausteine dabei sind:

  • Ärztliche Begleitung

    Symptome wie Schlafprobleme oder körperliche Stressfolgen werden ärztlich behandelt. Falls nötig, stellt der Arzt auch eine Krankschreibung aus.

  • Psychotherapie

    Bei der Psychotherapie geht es vor allem um Stressbewältigung, die eigenen Grenzen zu erkennen, Perfektionismus zu reduzieren, Konflikte anzugehen und die Selbstfürsorge in den Fokus zu rücken.

  • Arbeitsbezogene Veränderungen

    Bei arbeitsbezogenem Stress gilt es, Aufgaben zu priorisieren, Stunden zu reduzieren, klare Erreichbarkeitsregeln zu setzen oder gegebenenfalls sogar einen Arbeitsplatzwechsel in Betracht zu ziehen.

  • Regeneration planbar machen

    Ausreichend Erholung ist jetzt und in Zukunft besonders wichtig für Ihre Gesundheit. Hierzu zählen eine gute Schlafhygiene, Bewegung, soziale Kontakte oder digitale Pausen. Auch der Besuch von Selbsthilfegruppen kann die Genesung unterstützen.

  • Akutstrategien

    Bei Überlastung können eine kurze Entspannung, Atemtechniken oder kleine Pausen Abhilfe schaffen. Auch Stress-Coachings können hierbei helfen. Diese Strategien sind kurzzeitig wichtig. Eine langfristige Besserung gelingt aber nur mit strukturellen Veränderungen.

Wichtig: Wenn bereits Depressionen oder starke Angst- oder Paniksymptome vorliegen, kann zusätzlich eine fachärztliche Behandlung sinnvoll sein.

Abgrenzung zu Burn-out

Beim Burn-on ist man innerlich erschöpft, funktioniert aber weiter. Ein sichtbarer Einbruch bleibt aus. Bei einem Burn-out macht sich irgendwann ein deutlicher Leistungsabfall bzw. ein Zustand, an dem es nicht mehr geht, bemerkbar.

Eine junge Mutter mit Burn-on aufgrund von Care-Arbeit

Wo finde ich Hilfe?

Ihr Hausarzt nimmt einen ersten medizinischen Check vor. In der Regel kommt es anschließend zu einer weiteren Überweisung und Koordination der Behandlung.

Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist telefonisch unter der 116 117 oder online zu erreichen und unterstützt Sie bei der Suche nach einem Termin beim Arzt oder Psychotherapeuten. 

Zusätzlich können Sie sich anonym, kostenlos und rund um die Uhr an die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222 wenden. Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder einer akuten Krise wählen Sie bitte unbedingt den Notruf 112.

Umfassend versorgt in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es verschiedene niedrigschwellige Anlaufstellen in Wohnortnähe:

Die Sozialpsychiatrischen Dienste sind bei den Landkreisen und kreisfreien Städten angesiedelt. Sie bieten kostenlose Beratung und Hilfe für Betroffene und Angehörige an.

Eine Beratung erhalten Sie auch bei verschiedenen Landes- und Kommunalangeboten, die auch zu medizinischen und psychosozialen Maßnahmen vermitteln.

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden