Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Schlafhygiene

Älterer Mann mit Schlafmaske hält Schlafhygiene ein

Gesunder Schlaf durch Schlafhygiene

Laut einer Studie des RKI leiden in Deutschland 16,3 Prozent der Erwachsenen unter Einschlafstörungen und 31,7 Prozent unter Durchschlafstörungen. Hier kann die sogenannte Schlafhygiene weiterhelfen. Darunter versteht man Verhaltensweisen, die einen erholsamen Schlaf fördern und Schlafstörungen vorbeugen. Förderlich für einen guten Schlaf sind zum Beispiel ausreichend Bewegung tagsüber, eine angenehme Schlafumgebung und der Verzicht auf die Nutzung von Smartphones in der Stunde vor dem Schlafengehen. Allerdings können auch Umstände, die wir nicht beeinflussen können, wie eine Schwangerschaft oder Wechseljahre, die Schlafqualität beeinträchtigen. Eine schlechte Schlafhygiene kann ursächlich für Insomnie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.

In unserem Artikel beschäftigen wir uns mit den Schlafphasen und gehen der Frage auf den Grund, warum Schlaf überhaupt so wichtig ist. Außerdem geben wir zehn Tipps für eine gute Schlafhygiene.

Wussten Sie schon, dass...

  • unregelmäßiger Schlaf das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen kann?
  • man etwa drei Stunden vor dem Schlafengehen keine großen Mahlzeiten mehr essen sollte?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Ihnen bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr bezuschusst?
Kleiner Junge fühlt sich mit richtiger Schlafhygiene ausgeschlafen.

Was passiert beim Schlafen im Körper?

Schlaf ist wichtig für das psychische und körperliche Wohlbefinden. Während wir schlafen, erholen sich Körper und Geist, Energiespeicher werden aufgefüllt und Stoffwechsel- und Reparaturprozesse laufen. Die Hirnanhangsdrüse schüttet Wachstumshormone aus, die neben dem Körperwachstum bei Kindern auch für die Erholung von Knochen, Muskeln und inneren Organen wichtig sind. Zudem verarbeitet das Gehirn Informationen und das Erlebtes des Tages. Ausreichender Schlaf unterstützt außerdem die Funktion des Immunsystems.

Welche Schlafphasen gibt es und wie lange dauern sie?

Ein Schlafzyklus dauert 90 bis 110 Minuten und besteht aus vier Schlafphasen. Diese wiederholen sich vier- bis sechsmal während des gesamten Schlafs. Gegen Ende werden die Tiefschlafphasen kürzer und die REM-Phasen länger. Ein typischer Ablauf sieht in etwa so aus: Einschlafen – leichter Schlaf – Tiefschlaf – leichter Schlaf – REM-Schlaf und so weiter.

  • Einschlafphase

    Dauer: 5 bis 10 Minuten

    Der Körper geht vom Wach- in den Schlafzustand über. Wir entspannen uns und Atmung und Puls werden ruhiger. Die Wahrnehmung von Geräuschen und Berührungen nimmt langsam ab.

  • Leichtschlafphase

    Dauer: etwa 20 bis 25 Minuten

    Die Muskelspannung lässt nach. Da das Gehirn und die Muskeln unterschiedlich schnell zur Ruhe kommen, kann es zu plötzlichen Muskelzuckungen kommen. Auch der Herzschlag und die Atmung verlangsamen sich weiter.

  • Tiefschlafphase

    Dauer: 20 bis 40 Minuten, wird im Verlauf kürzer

    Herzschlag und Atmung verlangsamen sich weiter, Blutdruck und Körpertemperatur sinken. Das Gehirn ruht, während der Körper regeneriert. Es kommt zur Zellteilung und Zellregeneration und die Organe erholen sich. Bei Kindern und Jugendlichen werden zudem Wachstumshormone ausgeschüttet. In der Tiefschlafphase können außerdem Schlafstörungen wie Schlafwandeln, Zähneknirschen oder Albträume auftreten.

  • REM-Schlafphase (Traumschlaf)

    Dauer: 10 bis 20 Minuten, später auch 30 bis 60 Minuten

    REM steht für Rapid Eye Movement. Typisch für diese Schlafphase sind nämlich schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Augen. Die Hirnaktivität ist sehr hoch und es kommt zu intensiven Träumen. Währenddessen regenerieren sich das Nervensystem und die Psyche. Übrigens: Wir träumen auch in anderen Schlafphasen, nicht nur in der REM-Schlafphase.

Frau erlebt guten Schlaf dank Schlafhygiene

Wie viele Stunden Schlaf braucht ein Mensch pro Nacht?

Die Schlafdauer ist sehr individuell. Sie ist unter anderem abhängig von Alter und Person. Die Einschlafphase verlängert sich geringfügig, je älter wir werden. Ab einem Alter von 60 Jahren verkürzt sich die REM-Phase.

Schlafdauer nach Alter:

  • Neugeborene und Säuglinge: 12 bis 16 Stunden
  • Kleinkinder: 11 bis 14 Stunden
  • Kindesalter (6 bis 12 Jahre): 9 bis 12 Stunden
  • Teenager: 8 bis 10 Stunden
  • Erwachsene: 7 bis 9 Stunden

Schläft man deutlich länger oder kürzer, kann dies auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

Was sind die Folgen schlechter Schlafqualität?

Schlechter Schlaf und Schlafmangel können auf Dauer Risiken für verschiedene Krankheiten erhöhen.

Folgen von Schlafmangel:

  • Erschöpfung
  • verminderte Leistungsfähigkeit und geringere Belastbarkeit
  • erhöhte Reizbarkeit
  • schwächeres Immunsystem und höhere Infektanfälligkeit

Schlafmangel erhöht das Risiko für:

Zu viel Schlaf (mehr als zehn Stunden bei Erwachsenen) führt zu:

  • erhöhte Triglyzeridwerte
  • möglicherweise zu niedrige HDL-Cholesterinwerte
  • erhöhte Blutzuckerwerte
  • Verschlechterung depressiver Symptome
  • Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit: wirkt ähnlich wie Schlafmangel auf das Gehirn

Zehn Regeln für einen guten Schlaf

Die Regeln zur Schlafhygiene sind leicht umgesetzt und können bei Schlafproblemen helfen. Sollten die Schlafprobleme jedoch länger anhalten, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Personen, die in Schichtarbeit oder nachts arbeiten sowie Insomnie-Patienten, müssen die Tipps gegebenenfalls individuell anpassen. Die zehn wichtigsten Regeln für einen guten Schlaf:

  • 1. Angenehme Schlafumgebung

    Gestalten Sie Ihr Schlafzimmer mit angenehmen Farben. Eine chaotische Umgebung wirkt sich auf Dauer auf die Psyche aus. Damit der Kopf zur Ruhe kommen kann, sollten Sie ihr Schlafzimmer ordentlich halten. Entfernen Sie also Dinge, die Sie vom Schlaf ablenken wie Fernseher, Radio oder PC.

    Die ideale Schlafzimmertemperatur liegt zwischen 16 und 18 Grad. Lüften Sie vor dem Schlafen noch einmal kräftig durch. Im Sommer sollten Sie dafür am besten warten, bis die Temperaturen draußen etwas gesunken sind.

  • 2. Gemütliches Bett

    Das Bett sollte ausreichend groß und mit einer angenehmen Matratze ausgestattet sein. Passen Sie Ihre Bettdecke an die Jahreszeit beziehungsweise an die Temperatur an. Idealerweise verbinden Sie Ihr Bett vor allem mit Schlaf und Erholung; auch Sexualität gehört zu den wenigen Aktivitäten, die mit dem Bett verbunden sein können. Ihr Gehirn verknüpft es damit und Sie kommen schneller zur Ruhe. Essen, Arbeiten oder Handy im Bett sind also tabu. Sie können zum Einschlafen aber etwas entspanntes Lesen.

  • 3. Ruhiger Schlaf

    Mit dunklen Vorhängen oder Rollos können Sie das Licht, so gut es geht, aussperren Ihr Schlafzimmer sollte aber nicht vollkommen dunkel sein, damit Sie am Morgen durch die Helligkeit besser aufwachen. Bei Lärm, störenden Geräuschen oder einem schnarchenden Partner empfehlen sich Ohrstöpsel.

  • 4. Entspannt einschlafen

    Melatonin ist das körpereigene Schlafhormon. Es reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Man kann es kurzfristig bei Schlafproblemen einnehmen. Halten diese jedoch länger an, ist ein Arztbesuch angebracht.

  • 5. Keine Bildschirme vorm Schlafengehen

    Handy, Fernseher oder PC sind ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen tabu. Das blaue Licht der Bildschirme stört die Melanin-Produktion und hält wach.

  • 6. Optimale Einschlaf- und Aufwachzeit

    Es hilft, wenn Sie eine Schlafroutine entwickeln und immer zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufwachen. Wann dieser Zeitpunkt ist, kann sehr individuell sein: Einige schlafen lieber früh und wachen auch früh auf, andere sind länger aktiv und wachen später auf. Fühlen Sie sich nach dem Aufwachen und tagsüber trotz ausreichend langen Schlafs nicht erholt, variieren Sie Ihre Einschlaf- und Aufwachzeit etwas. Stehen Sie beispielsweise 30 Minuten früher oder später auf.

  • 7. Ausreichend Bewegung am Tag

    Sport und Bewegung am Tag fördern Entspannung und helfen beim Einschlafen. Kommen Sie aber spätestens drei Stunden vor dem Schlafen zur Ruhe.

  • 8. Richtig Essen und Trinken

    Koffein, Teein, Alkohol, Nikotin und bestimmte Medikamente oder die hervorgerufenen Entzugserscheinungen können den Schlaf stören. Wichtig ist es, abends nicht mehr zu viel zu trinken, sonst stören nächtliche Toilettengänge. Essen Sie zum Abendbrot, etwa drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen, nur etwas Leichtes. Auch koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Tabak sollten dann nicht mehr konsumiert werden. Grummelt der Bauch doch mal vor Hunger, entscheiden Sie sich am besten für einen kohlenhydratarmen Snack.

  • 9. Entspannt bleiben, wenn man nachts aufwacht

    Wenn Sie nachts aufwachen, bleiben Sie entspannt liegen und schauen Sie nicht auf die Uhr. Sind Sie seit etwa 15 bis 20 Minuten wach und können nicht einschlafen, verlassen Sie das Bett und warten Sie im Nebenraum, bis Sie wieder müde werden. Lesen Sie zum Beispiel etwas.

  • 10. Mittagsschlaf und Naps

    Wenn Sie sich tagsüber müde fühlen, ist ein kleiner Powernap oder Mittagsschlaf okay. Der ideale Zeitpunkt hierfür ist zwischen 12 und 15 Uhr, ein zu später Mittagsschlaf kann den Nachtschlaf stören.

    Machen Sie entweder einen Powernap für maximal 20 Minuten, denn dann ist die Tiefschlafphase noch nicht erreicht. Oder einen Mittagsschlaf für etwa 90 Minuten, dann ist ein kompletter Schlafzyklus vergangen. In beiden Fällen wachen Sie entspannt auf.

Frau hält Schlafhygiene im Bett ein.

Welche Hausmittel helfen beim Einschlafen?

Entgegen der weit verbreiteten Annahme sorgt Alkohol nicht für einen guten Schlaf. Alkohol kann zwar zunächst müde machen und das Einschlafen erleichtern, beeinträchtigt aber die Schlafqualität, denn der Alkoholabbau und der „Absetzeffekt“ stören den Schlaf. Auch Schlaftabletten sind auf Dauer nicht geeignet: Sie können süchtig machen und haben Nebenwirkungen. Natürliche Schlafmittel können bei Schlafproblemen eine unterstützende Möglichkeit sein, ersetzen aber keine gesunde Schlafroutine.

Baldrian und Passionsblume

Baldrian und Passionsblume haben kaum Nebenwirkungen und können auch die Schlafqualität verbessern. Die Präparate wirken entspannend und entkrampfend. Personen mit Leberproblemen und Schwangere sollten jedoch keinen Baldrianextrakt einnehmen.

Kräutertee

Tee aus Kräutern wie Kamille und Zitronenmelisse wirken beruhigend und helfen beim Einschlafen.

Ashwaganda

Ashwagandha (auch als Schlafbeere bekannt) wird traditionell zur Entspannung eingesetzt. Einige Studien deuten darauf hin, dass es möglicherweise die Stresswahrnehmung beeinflussen kann. Seien Sie jedoch vorsichtig bei Präparaten aus dem Internet: Diese fallen oft mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen und Schwindel auf. Kinder, Schwangere, Stillende und Personen mit einer Lebererkrankung sollten Ashwaganda nicht einnehmen.

Junge Frau atmet für dem Schlafengehen tief durch.

Ätherische Öle

Lavendelöl und Melissenöl sind ätherische Essenzen, die entspannend und angstlösend wirken. Mischen Sie Wasser und ein paar Tropfen Ihres Lieblingsöls in einer Spritzflasche. Bevor Sie ins Bett gehen, zerstäuben Sie ein wenig über Ihrem Bett. Kinder und Allergiker sollten es jedoch nicht anwenden.

Melatonin

Melatonin-Präparate gibt es in verschiedenen Formen wie Kapseln und Sprays. Niedrig dosierte Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst OTC-Arzneimittel mit bis zu 40 Euro.

FAQ – Häufige Fragen zur Schlafhygiene

  • Was ist eine chronische Schlafstörung und wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Wenn Einschlaf- oder Durchschlafprobleme mehrmals pro Woche über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten auftreten, spricht man von einer chronischen Schlafstörung (Insomnie). Einen Arzt sollten Sie aufsuchen, wenn Schlafprobleme länger als ein Monat auftreten, ihren Alltag beeinträchtigen oder sich Symptome wie Depressionen oder Herzprobleme zeigen. In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als zehn Schlaflabore. Die Unikliniken Magdeburg und Halle haben verschiedene schlafmedizinische Angebote, insbesondere zur Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen.

  • Was hilft wirklich beim Einschlafen?

    Beim Einschlafen helfen: Feste Schlafenszeiten, ein kühles, dunkles Schlafzimmer (16-18 Grad), blaues Licht mindestens eine Stunde vor dem Schlafen vermeiden, Koffein ab 14 Uhr vermeiden und Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung.

  • Wie funktioniert Melatonin und sollte ich es als Schlafmittel nehmen?

    Melatonin ist das körpereigene Schlafhormon. Es reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Man kann es kurzfristig bei Schlafproblemen einnehmen. Halten diese jedoch länger an, ist ein Arztbesuch angebracht.

  • Was ist der Unterschied zwischen Schlafhygiene und Schlaftherapie?

    Schlafhygiene umfasst Verhaltensmaßnahmen, die einen guten Schlaf fördern und Schlafproblemen vorbeugen können. Schlaftherapie wird bei chronischen Schlafstörungen eingesetzt. Dazu kann zum Beispiel auch eine kognitive Verhaltenstherapie gehören.

  • Sind Schlaf-Apps und Schlaftracker sinnvoll?

    Schlaf-Apps und Tracker können die Schlafdauer und Schlafmuster grob erfassen und das Bewusstsein für Schlafgewohnheiten schärfen. Die Genauigkeit ist jedoch begrenzt, weshalb sie kein Ersatz für eine medizinische Schlafanalyse sind. Übermäßiges Tracking (Orthosomnie) kann sogar eine Schlafangst verstärken oder hervorrufen.

  • Warum schläft man im Sommer schlechter?

    Durch die längeren Tage wird die Melatoninproduktion gehemmt und der Schlafrhythmus verschiebt sich. Zudem stört vorkommende Hitze einen guten Schlaf.

  • Was ist die 10-3-2-1-0-Regel?

    Die 10-3-2-1-0-Regel besagt: 10 Stunden vor dem Schlafengehen kein Koffein, 3 Stunden vor dem Schlafengehen kein Alkohol und nichts mehr essen, 2 Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr arbeiten, 1 Stunde vor dem Schlafengehen keine Bildschirme mehr und wenn der Wecker klingelt, den „Snooze“-Knopf „null-mal“ drücken (direkt aufwachen, nicht weiterschlafen).

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden