Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Amenorrhoe

Eine Frau leidet unter Amenorrhoe und liegt im Bett

Der Zyklus auf Standby

Der weibliche Zyklus ist ein zentraler Bestandteil der weiblichen Gesundheit. Er spiegelt das fein abgestimmte Zusammenspiel von Hormonen, Stoffwechsel, Psyche und Lebensstil wider. Bleibt die Regelblutung aus, handelt es sich daher nicht nur ein „Zyklus-Problem“, sondern um einen wichtigen Hinweis des Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein Ausbleiben der Periode kann unterschiedliche Ursachen haben, von einer Schwangerschaft über Wechseljahre bis hin zu funktionellen Ursachen wie Stress, Gewichtsverlust oder intensivem Sport. Unabhängig vom vermuteten Grund sollte eine ausbleibende Menstruation immer ärztlich abgeklärt werden. Bei einer Amenorrhoe liegt häufig ein Östrogenmangel oder eine Störung im hormonellen Regelkreis vor. Sie kann in verschiedenen Lebensphasen auftreten, von der Pubertät bis ins Erwachsenenalter, und erfordert eine individuell angepasste Betrachtung. 

In unserem Beitrag werden Ursachen, Diagnose und Behandlung erläutert, ebenso die Frage, was Betroffene selbst tun können und wie sich einer Amenorrhoe vorbeugen lässt.

Wussten Sie schon, dass...

  • Amenorrhoe ein Symptom, aber keine eigenständige Krankheit ist?
  • wir viele Untersuchungen zur Früherkennung übernehmen?
  • der weibliche Zyklus um ein paar Tage schwanken kann?

Wenn der Zyklus Pause macht

Von einer Amenorrhoe spricht man, wenn die Regelblutung vollständig ausbleibt oder sich deutlich verzögert, in der Regel über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten. Diese Definition betrifft insbesondere die sekundäre Amenorrhoe. Ausgeschlossen sind dabei natürliche Lebensphasen wie:

Eine junge Frau lässt sich auf Amenorrhoe untersuchen
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • Pubertät
  • Wechseljahre

In diesen Fällen ist das Ausbleiben der Menstruation Teil eines normalen Prozesses. Bei einer Amenorrhoe ist die Fruchtbarkeit häufig eingeschränkt, wobei das Ausmaß stark von der zugrunde liegenden Ursache abhängt. Medizinisch relevant sind vor allem krankhafte Formen, wobei grundsätzlich in zwei Hauptformen unterschieden wird.

Der häufigste Grund für eine Amenorrhoe ist eine Fehlfunktion des hormonellen Regelkreises zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcken. In der Folge werden keine Eizellen freigesetzt (Ovulationsstörung).

Kein Zyklus, zwei Formen: Primäre und sekundäre Amenorrhoe

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Amenorrhoe: die primäre und die sekundäre Amenorrhoe.

  • Primäre Amenorrhoe

    Von einer primären Amenorrhoe spricht man, wenn bei Mädchen bis zum 16. Lebensjahr noch keine Regelblutung eingesetzt hat. Da die erste Menstruation, die sogenannte Menarche, üblicherweise zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr auftritt, gilt ein deutliches Ausbleiben als abklärungsbedürftig. 

    Die Ursachen sind in vielen Fällen meist angeboren oder entwicklungsbedingt. Dazu zählen Chromosomenstörungen, bei denen die Eierstöcke nicht angemessen auf hormonelle Signale aus dem Gehirn reagieren, ebenso wie Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, eine unzureichende Entwicklung oder das Turner-Syndrom. 

    Auch funktionell nicht oder kaum vorhandene Eizellen, Varianten der Geschlechtsentwicklung sowie Störungen der Schilddrüse oder Nebennierenrinde können eine Rolle spielen. Darüber hinaus können Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder rheumatoide Arthritis den hormonellen Regelkreis beeinflussen und so das Einsetzen der Menstruation verhindern.

  • Sekundäre Amenorrhoe

    Eine sekundäre Amenorrhoe liegt vor, wenn die Regelblutung länger als drei Monate ausbleibt, obwohl zuvor ein normaler Zyklus bestand. Hier spielen Lebensstil und äußere Belastungsfaktoren eine besonders große Rolle. Chronischer Stress, seelischer Druck, emotionale Krisen, Depressionen, aber auch starke Veränderungen durch Reisen oder Zeitdruck können den Zyklus regelrecht abschalten. 

    Ebenso relevant sind hormonelle Schwankungen, intensives sportliches Training, insbesondere im Leistungssport, sowie starker Gewichtsverlust oder ein dauerhaft niedriges Körpergewicht. Essstörungen wie Bulimie oder Binge-Eating, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, das polizystische Ovarialsyndrom, Schilddrüsenerkrankungen oder das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel zählen ebenfalls zu den häufigen Ursachen. 

    Auch medizinische Therapien, wie etwa Chemotherapien, vorzeitige Wechseljahre oder bestimmte Medikamente wie Antidepressiva können den Zyklus beeinflussen. Seltener liegen schwerwiegende Erkrankungen wie Tumorerkrankungen, HIV, das Cushing-Syndrom, Erkrankungen der Nebennieren oder Vernarbungen der Gebärmutter vor. 

Welche Folgen hat Amenorrhoe?

Eine länger bestehende Amenorrhoe kann verschiedene Folgen für die Gesundheit haben. Neben Zyklusstörungen selbst können hormonelle Veränderungen zu vermehrter Körperbehaarung, Hautproblemen wie Akne, Gewichtsveränderungen, Kopfschmerzen oder Sehstörungen führen. Häufig berichten Betroffene über eine verminderte Libido oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Auch milchige Absonderungen aus den Brustwarzen können auftreten. 

Bleibt die Menstruation über einen längeren Zeitraum aus, steigt das Risiko für typische Östrogen-Mangelfolgen wie Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Knochendichteverlust bis hin zu Osteoporose sowie für Herz- und Gefäßerkrankungen.

Eine Frau leidet unter den Schmerzen einer Amenorrhoe

Amenorrhoe erkennen: Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Amenorrhoe erfolgt immer schrittweise. Eine gynäkologische Abklärung ist insbesondere dann notwendig, wenn die erste Regelblutung bis zum 16. Lebensjahr ausbleibt oder keine Pubertätszeichen bis zum 13. Lebensjahr auftreten. Auch wenn die Menstruation länger als drei Monate aussetzt, obwohl der Zyklus zuvor regelmäßig war, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.

Auch nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel oder bei Einnahme bestimmter Medikamente sollte ein ausbleibender Zyklus abgeklärt werden.

Diagnose

Zur Diagnostik gehören eine ausführliche Anamnese mit Fokus auf den Zyklusverlauf, eine gynäkologische Untersuchung mit Ultraschall, Hormonanalysen sowie weitere Funktionstests oder bildgebende Verfahren. In einigen Fällen kann auch eine Hysteroskopie, also das Einführen eines Beobachtungsschlauch durch die Scheide und den Gebärmutterhals in das Innere der Gebärmutter, oder eine Hysterosalpingografie, ein Röntgenverfahren mit Kontrastmittel, bei dem Gebärmutter und Eileiter untersucht werden, notwendig sein. Ziel ist es, die hormonelle Situation, die Funktion der Eierstöcke sowie mögliche organische Ursachen genau zu beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung einer Amenorrhoe richtet sich konsequent nach der Ursache. Wenn eine bestehende Krankheit für das Ausbleiben der Periode verantwortlich ist, erfolgt die medikamentöse Therapie entsprechend der zugrunde liegenden Erkrankung. Liegen organische Veränderungen, Fehlbildungen oder Tumore vor, können operative Maßnahmen erforderlich sein. Bei psychisch bedingten Auslösern spielt die psychologische Unterstützung eine zentrale Rolle.

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Den Zyklus stärken: Amenorrhoe vorbeugen 

Neben der medizinischen Therapie ist auch die Vorbeugung entscheidend.

  • Psyche stärken

    Da Amenorrhoe häufig mit seelischer Belastung zusammenhängt, ist die Stärkung der psychischen Gesundheit ein wichtiger Ansatz. Entspannungstechniken, Stressmanagement und moderate Bewegung können helfen, das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren. 

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  • Auf das Gewicht achten

    Starkes Untergewicht oder extreme Diäten können den Zyklus stoppen, da Fettgewebe eine wesentliche Rolle bei der Östrogenbildung spielt. In solchen Fällen sollte eine Gewichtsanpassung immer ärztlich begleitet werden, insbesondere bei Essstörungen.

  • Mit Ernährung unterstützen

    Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium ist vor allem bei Östrogenmangel wichtig, um die Knochengesundheit zu schützen. Ob eine Ergänzung über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist, sollte individuell entschieden werden. 

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