Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Infektionskrankheiten 
bei Kindern

Kleinkind mit seiner Mutter beim Kinderarzt

Masern, Windpocken & Co. – Typische Kinderkrankheiten

Erkältungen und andere Infektionen sind im Kindesalter häufig. Einige Infektionskrankheiten, die früher besonders oft bei Kindern auftraten, sind durch Impfungen deutlich seltener geworden. Dazu zählen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Andere Erkrankungen wie Keuchhusten können insbesondere für Säuglinge gefährlich sein. Impflücken können dazu beitragen, dass sich vermeidbare Infektionskrankheiten wieder stärker ausbreiten.

Erfahren Sie, welche Risiken diese Krankheiten mit sich bringen und wie Impfungen vor bestimmten Infektionen und schweren Krankheitsverläufen schützen können.

Wussten Sie schon, dass…

  • die AOK Sachsen-Anhalt auch Reiseschutzimpfungen über das GESUNDESKONTO bezuschusst?
  • alle Impfungen im Impfausweis dokumentieren lassen sollten?
  • manche Kinderkrankheiten nach überstandener Infektion eine lebenslange Immunität hinterlassen?
Ein Mutter untersucht ihr Kleinkind auf Windpocken.

Was sind Kinderkrankheiten?

Der Begriff „Kinderkrankheit“ bezeichnet umgangssprachlich Infektionskrankheiten, die besonders häufig im Kindesalter auftreten. Viele davon sind ansteckend, können aber auch Erwachsene betreffen. Nach einer Infektion kann eine Immunität entstehen, deren Dauer je nach Erkrankung unterschiedlich ist. Impfungen schützen vor bestimmten Infektionen und können schwere Krankheitsverläufe verhindern.

Welche Kinderkrankheiten gibt es?

Folgende Erkrankungen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Erreger, Symptome und möglichen Komplikationen. Nicht alle sind durch Impfungen vermeidbar.
 

  • Masern

    Der Erreger ist das Masernvirus. Die Erkrankung beginnt häufig mit hohem Fieber, Husten, Schnupfen und einer Bindehautentzündung. Typisch sind außerdem kleine weiße Flecken an der Mundschleimhaut. Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein großfleckiger Hautausschlag. Masern sind hochansteckend und können unter anderem zu Lungen- oder Gehirnentzündungen führen und das Immunsystem über längere Zeit schwächen. Es gibt keine spezifische Therapie. Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und möglichen Komplikationen. Erkrankte sollten sich viel ausruhen und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. 

  • Mumps

    Mumps wird durch das Mumpsvirus verursacht. Typisch ist eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, die sich vor den Ohren und an den Wangen zeigt. Häufig treten zusätzlich Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Appetitlosigkeit auf. Mumps kann auch andere Organe betreffen und beispielsweise eine Hirnhautentzündung verursachen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann es außerdem zu einer Hodenentzündung kommen. Die Behandlung lindert die Beschwerden, da es keine spezifische Therapie gegen das Virus gibt. 

  • Röteln

    Röteln werden durch das Rötelnvirus verursacht. Häufig verläuft die Erkrankung mild und äußert sich durch leichtes Fieber, geschwollene Lymphknoten und einen feinfleckigen, hellroten Hautausschlag, der meist im Gesicht beginnt. Die Infektion kann auch ohne erkennbare Symptome verlaufen. Besonders gefährlich sind Röteln während der Schwangerschaft, da sie schwere Schäden beim ungeborenen Kind verursachen können. Eine spezifische Behandlung gegen das Virus gibt es nicht. Die Therapie beschränkt sich daher auf die Linderung der Beschwerden.

  • Windpocken

    Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht. Anzeichen sind häufig leichtes Fieber und ein stark juckender Hautausschlag. Typisch ist das gleichzeitige Auftreten von roten Flecken, flüssigkeitsgefüllten Bläschen und verkrusteten Stellen. Die Erkrankung ist sehr ansteckend. Nach der Infektion können die Viren im Körper verbleiben und später eine Gürtelrose auslösen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Wichtig ist, die Bläschen nicht aufzukratzen, um Hautinfektionen und Narbenbildung vorzubeugen. 

  • Keuchhusten

    Keuchhusten wird durch Bakterien ausgelöst. Symptome wie Husten und Schnupfen ähneln einer Erkältung. Später kommen krampfartige Hustenanfälle, vor allem nachts und Atemnot dazu. Besonders für Babys ist Keuchhusten sehr gefährlich, da sie meist noch nicht richtig sitzen können und ihre Atmung nicht gezielt regulieren können. Sie werden daher bei einer Infektion meist im Krankenhaus behandelt. Größere Kinder sollten sich schonen und regelmäßig an der Luft spazieren gehen. Inhalieren, Brustwickel und ausreichend Flüssigkeit unterstützen die Genesung.

  • Scharlach

    Scharlach wird durch bestimmte Streptokokken verursacht. Anzeichen sind häufig plötzlich auftretendes Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Im weiteren Verlauf kommen eine rote Himbeerzunge und feinfleckiger Hautausschlag hinzu. Eine erneute Erkrankung ist möglich. Unbehandelt kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen. Daher ist eine ärztliche Diagnose wichtig, um die Erkrankung gezielt zu behandeln. Bei entsprechender Indikation können Antibiotika verordnet werden. 

  • Ringelröteln

    Ursache der Ringelröteln ist das Parvovirus B19. Die Infektion bleibt häufig unbemerkt. Typische Anzeichen sind girlandenförmiger Hautausschlag, der oft an den Wangen beginnt. Ringelröteln sind nicht mit Röteln zu verwechseln. Eine Infektion kann insbesondere während der Schwangerschaft problematisch sein. Eine spezifische Behandlung ist meist nicht erforderlich, da die Erkrankung in der Regel von selbst abklingt. 

  • Rotaviren

    Diese Erkrankung wird durch Rotaviren verursacht. Es tritt plötzlich ein wässriger Durchfall auf und einhergehend mit Erbrechen, Bauchschmerzen oder Fieber. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet und können durch den Flüssigkeitsverlust auszutrocknen. Es ist wichtig, den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten auszugleichen. Bei schweren Krankheitsverläufen ist eine ärztliche Behandlung erforderlich. Eine Schluckimpfung kann vor einer Rotavirus-Infektion schützen.

  • Hand-Fuß-Mund-Krankheit

    Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird durch verschiedene Enteroviren ausgelöst. Typische Symptome sind Fieber, Halsschmerzen und Appetitlosigkeit. Im weiteren Verlauf können schmerzhafte Bläschen im Mund sowie Hautveränderungen an Händen und Füßen auftreten. Die Erkrankung ist ansteckend, verläuft aber meist mild. Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern. Besonders wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. 

  • RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)

    RSV steht für Respiratorische Synzytial-Virus und verursacht Atemwegsinfektionen. Häufige Symptome sind Schnupfen und Husten. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern kann die Infektion auch die unteren Atemwege betreffen und schwer verlaufen. Warnzeichen sind Atemnot, Atemaussetzer oder eine deutliche Trinkschwäche. Die Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsverlauf und zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Bei Atemnot ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. 

     

Welche Kinderkrankheiten sind durch Impfungen vermeidbar?

ErkrankungImpfung oder ProphylaxeBesonderheit
MasernjaNachweispflicht nach dem Masernschutzgesetz für bestimmte Einrichtungen
MumpsjaIn der Regel als MMR-Kombinationsimpfung
RötelnjaBesonders wichtig zum Schutz ungeborener Kinder
WindpockenjaSchützt vor Windpocken; Viren können nach einer Infektion später Gürtelrose verursachen
KeuchhustenjaBesonders wichtig zum Schutz von Säuglingen
RotavirenjaSchluckimpfung im Säuglingsalter
Scharlachnein 
Ringelrötelnnein 
Hand-Fuß-Mund-Krankheitnein 
RSVjaFür Neugeborene und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison
für Kinder bis 24 Monate, die während ihrer zweiten RSV-Saison weiterhin ein erhöhtes Risiko für eine schwere RSV-Erkrankung haben

Impfstatus prüfen

  • Der Impfkalender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) zeigt an, welche Impfungen wann notwendig sind. 
  • Alle erfolgten Impfungen werden im Impfausweis dokumentiert. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt alle Impfungen aus der Schutzimpfungsrichtlinie. Grundlage sind die Empfehlungen der STIKO.
Grafische Darstellung eines Impfstoffes in einer Spritze.

Mein Kind hat Fieber oder Ausschlag – wann zum Arzt?

In den meisten Fällen sind Fieber und Ausschlag Anzeichen einer Infektabwehr. Ob eine ärztliche Untersuchung nötig ist, hängt vor allem vom Alter, dem Allgemeinzustand und den Begleitsymptomen ab.

Hinweis: Bei Verdacht auf eine hochansteckende Krankheit wie zum Beispiel Windpocken, Masern oder Scharlach sollten Eltern vor dem Besuch beim Arzt der Praxis telefonisch Bescheid geben.

 

Measure Temperature On Sick Child covid -19 concept
  • Fieber: Lassen Sie Ihr Kind ärztlich untersuchen, wenn das Fieber länger als zwei bis drei Tage anhält, wiederkehrt oder weitere Beschwerden hinzukommen. Bei Säuglingen unter drei Monaten sollte eine Körpertemperatur von 38 °C oder mehr umgehend ärztlich abgeklärt werden.
  • Schlechter Allgemeinzustand: Ihr Kind ist auffällig teilnahmslos, spielt nicht mehr oder verweigert die Flüssigkeitsaufnahme.
  • Atemprobleme: Eine schnelle, flache Atmung, Einziehungen am Brustkorb oder pfeifende Atemgeräusche können auf Atemprobleme hinweisen.
  • Auffälliger Hautausschlag: Der Ausschlag breitet sich rasch aus, bildet Blasen oder tritt zusammen mit Fieber und einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand auf.

 

Wann ist es ein Notfall?

Bei Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung zählt jede Minute. Rufen Sie sofort den Notruf, wenn Ihr Kind eines der folgenden Symptome zeigt:

  • Schwere Atemnot: Ihr Kind bekommt kaum Luft, die Lippen färben sich bläulich oder es treten Atemaussetzer auf.
  • Bewusstseinsstörungen: Ihr Kind ist nicht richtig weckbar, reagiert kaum oder verliert das Bewusstsein.
  • Krampfanfall: Ihr Kind krampft erstmals, der Anfall dauert länger als fünf Minuten oder mehrere Anfälle treten hintereinander auf.
  • Schwere Erkrankung mit auffälligem Hautausschlag: Ihr Kind wirkt sehr krank und entwickelt beispielsweise punktförmige, dunkelrote oder violette Hautflecken, die sich unter Druck nicht aufhellen.

Bei dringenden Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, hilft außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie kann ich mein Kind vor Infektionen schützen?

Mutter zeugt ihren kleinen Kindern, wie man richtig Hände wäscht.

Impfungen: Ein vollständiger, altersgerechter Impfschutz nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) schützt vor verschiedenen Infektionskrankheiten und möglichen Komplikationen.

Regelmäßiges Händewaschen: Die Hände sollten regelmäßig und gründlich mit Seife gewaschen werden, insbesondere vor dem Essen, nach dem Toilettengang und nach dem Naseputzen.

Regelmäßiges Lüften: In geschlossenen Räumen können sich Krankheitserreger in der Luft anreichern. Mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten Stoßlüften hilft dabei, die Raumluft auszutauschen.

Abstand zu Erkrankten: Kontakte zu Personen mit akuten Erkältungssymptomen sollten möglichst vermieden werden, um das Ansteckungsrisiko zu verringern.

Was gilt für Kita und Schule?

Eine Person trägt die Impfung für Masern im Impfpass ein.

Seit März 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr müssen bei der Aufnahme in eine Kita oder Schule einen ausreichenden Masernschutz nachweisen. Dies gilt auch für bestimmte Beschäftigte, etwa in Kitas, Schulen und medizinischen Einrichtungen. Der Nachweis kann in der Regel durch den Impfausweis oder ein ärztliches Zeugnis über eine bestehende Immunität erfolgen. Für schulpflichtige Kinder gelten besondere Regelungen: Fehlt der Nachweis, wird das Gesundheitsamt informiert. Es kann weitere Maßnahmen veranlassen.

Ansteckende Erkrankungen: Bei bestimmten Infektionen dürfen Kinder vorübergehend nicht in die Kita oder Schule. Welche Regeln gelten, hängt von der Erkrankung ab. Im Zweifel hilft Ihnen das Gesundheitsamt mit Informationen weiter. 

Kinderkrankheiten bei Erwachsenen

Auch Erwachsene können an Kinderkrankheiten erkranken, wenn kein ausreichender Immunschutz vorhanden ist. Je nach Erkrankung sind im Erwachsenenalter besondere Risiken oder Komplikationen möglich. Lassen Sie Ihren Impfstatus regelmäßig überprüfen – insbesondere bei Kinderwunsch und vor einer Schwangerschaft.

Kinderkrankheiten und Schwangerschaft

Bestimmte Kinderkrankheiten stellen für Schwangere und das Ungeborene eine besondere Gefahr dar, da sie Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen auslösen können. Dazu gehören:

  • Röteln

    Eine Rötelninfektion kann insbesondere in der Frühschwangerschaft schwere Schäden beim ungeborenen Kind verursachen, darunter Hörschäden, Herzfehler und Entwicklungsstörungen. Lassen Sie Ihren Impfschutz möglichst vor einer Schwangerschaft überprüfen und gegebenenfalls vervollständigen.

  • Ringelröteln

    Eine Ringelrötelninfektion kann die Blutbildung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und eine schwere Blutarmut verursachen. Eine Impfung gibt es nicht. Schwangere sollten nach einem möglichen Kontakt mit Erkrankten zeitnah ärztlichen Rat einholen. Bei Bedarf sind weitere Untersuchungen und engmaschige Kontrollen möglich.

  • CMV (Zytomegalievirus)

    CMV ist eine häufige Ursache angeborener Infektionen. Kleinkinder können das Virus über Speichel und Urin ausscheiden. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann beim ungeborenen Kind unter anderem Hörschäden und Entwicklungsstörungen verursachen.

Fazit: Kinderkrankheiten verlaufen oft mild, können aber auch zu ernsthaften Komplikationen führen. Achten Sie deshalb auf den Allgemeinzustand Ihres Kindes und lassen Sie auffällige Symptome ärztlich abklären. Ein altersgerechter Impfschutz hilft, bestimmte Infektionskrankheiten und schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Prüfen Sie den Impfstatus Ihres Kindes regelmäßig gemeinsam mit Ihrer Kinderarztpraxis.

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