Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Myositis

Frau mit Myositis hat schmerzende Schulter.

Entzündung der Skelettmuskulatur

Was passiert, wenn der eigene Körper die Muskulatur angreift? Eine seltene, aber folgenschwere Erkrankung ist die Myositis. Der Begriff leitet sich von Myo (Muskel) und itis (Entzündung) ab und bezeichnet verschiedene entzündliche Muskelerkrankungen, die häufig durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst werden. Die Erkrankung hat viele Facetten und kann neben der Muskulatur auch die Haut, die Gelenke sowie innere Organe betreffen. Eine genaue Diagnose ist daher für eine zielgerichtete Behandlung wichtig. Je früher die Therapie beginnt, desto besser lassen sich die Muskelentzündung und der damit einhergehende Muskelschwund kontrollieren.

Erfahren Sie mehr über die Muskelerkrankung, ihre Ursachen und Formen sowie über Diagnose und Behandlung.

Wussten Sie schon, dass...

  • Myositis auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten kann?
  • Muskelschwäche und Schmerzen typische Symptome bei Myositis sind?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine Physiotherapie übernimmt?
Ältere Frau hat Rückenschmerzen wegen Myositis.

Was ist Myositis?

Myositis gehört zur Gruppe der seltenen, entzündlichen, aber nicht ansteckenden Muskelerkrankungen. Sie betrifft etwa fünf bis zehn Menschen pro eine Million Einwohner. Typisch sind Muskelschwäche und Schmerzen, die einzelne oder mehrere Muskelgruppen betreffen können. Myositis kann akut verlaufen oder chronisch werden und ist häufig auf eine fehlgeleitete Immunreaktion zurückzuführen. Die genaue Ursache ist bislang jedoch unklar. Bei einigen Formen besteht der Verdacht auf eine genetische Veranlagung. Die Lebenserwartung ist unterschiedlich und hängt davon ab, ob und welche Organe betroffen sind. Sind Lunge und Herz beteiligt, kann sie deutlich eingeschränkt sein.

Formen der Myositis

Der Verlauf und die Symptome unterscheiden sich je nach Form. Zu den Hauptformen der Myositis gehören:

  • Dermatomyositis (DM)

    Die Dermatomyositis ist die häufigste Form der Myositis und tritt meist im Erwachsenenalter auf. Kinder sind seltener betroffen. In diesen Fällen spricht man von der juvenilen Dermatomyositis. Diese Form zählt zu den rheumatischen beziehungsweise chronisch entzündlichen Bindegewebserkrankungen. Sie wird durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst, bei der Autoantikörper wie Anti Mi 2 eine Rolle spielen. Außerdem kann sie mit anderen Autoimmunerkrankungen oder auch mit Krebserkrankungen einhergehen. Neben der Muskulatur ist häufig auch die Haut betroffen.

  • Einschlusskörpermyositis (IBM)

    Die Einschlusskörpermyositis verläuft chronisch und betrifft vor allem Menschen ab dem 45. Lebensjahr. Charakteristisch ist eine langsam fortschreitende Muskelschwäche, insbesondere an den Oberschenkeln und Unterarmen. Der Verlauf ist meist asymmetrisch. Das bedeutet, dass die Erkrankung beispielsweise nicht gleichzeitig an beiden Unterarmen beginnt. Es kommt sowohl zu entzündlichen als auch zu degenerativen Veränderungen der Muskulatur. Besonders betroffen sind zunächst die Oberschenkelstrecker und die Fingerbeuger. Im weiteren Verlauf können weitere Muskelgruppen hinzukommen. Der Begriff „Einschlusskörpermyositis“ leitet sich davon ab, dass in den Muskelzellen charakteristische Eiweißablagerungen nachweisbar sind.

  • Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (IMNM)

    Die immunvermittelte nekrotisierende Myopathie ist eine schwere Form der Erkrankung. Sie äußert sich durch eine ausgeprägte Muskelschwäche und Muskelnekrosen. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Toxine oder Medikamente. Die Erkrankung führt zu schweren Muskelschäden, da zahlreiche Muskelzellen absterben. Dabei greift das Immunsystem Muskelfasern an und zerstört sie. Typische Autoantikörper sind unter anderem Anti-SRP und Anti-HMGCR. Häufig betroffen sind vor allem die Oberschenkel- und Schultermuskulatur.

  • Anti-Synthetase-Syndrom (ASyS)

    Das Anti-Synthetase-Syndrom nimmt meist einen schweren Verlauf. Die Symptome können gleichzeitig, nacheinander oder unabhängig voneinander auftreten. Typische Anzeichen sind entzündliche Muskelerkrankungen, Hautveränderungen, eine interstitielle Lungenerkrankung (ILD) sowie Gelenkbeschwerden. Charakteristisch sind Autoantikörper, zum Beispiel Anti-Jo-1, gegen Aminoacyl-tRNA-Synthetasen, die die Herstellung körpereigener Eiweißstrukturen beeinträchtigen. Die Erkrankung ist häufig schwer zu diagnostizieren, da sie mit vielfältigen Symptomen einhergeht, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

  • Overlap-Myositis

    Die Overlap-Myositis tritt gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, beispielsweise mit systemischem Lupus (Lupus erythematodes), systemischer Sklerose, dem Sjögren-Syndrom, rheumatoider Arthritis oder einer Mischkollagenose (Polymyositis in Kombination mit einer weiteren Autoimmunerkrankung).

Weitere Formen

  • Infektiöse Myositis

    Die infektiöse Myositis tritt meist vorübergehend auf und verschwindet nach der Behandlung der zugrunde liegenden Infektion. Ausgelöst wird sie meist durch:

  • Sarkoidose induzierte Myositis

    Die Sarkoidose betrifft meist die Lunge und die Lymphknoten, seltener jedoch die Muskulatur.

  • Paraneoplastische Myositis

    Die paraneoplastische Myositis tritt als Begleiterkrankung einer Krebserkrankung auf und kommt besonders häufig bei Lungen oder Brustkrebs vor.

  • iR-Myositis (Immune Related Myositis)

    Die iR-Myositis tritt nur sehr selten im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren auf.

  • Polymyositis (PM)

    Die Polymyositis kommt eher selten vor und betrifft hauptsächlich Erwachsene. Dabei greift das Immunsystem die Skelettmuskulatur an. In der Folge kommt es häufig zu Muskelschwund, da sich das geschädigte Gewebe nicht ausreichend regenerieren kann.

Mann mit Kopfhörer hat Muskelschmerzen im Rücken.

Symptome: Wie macht sich Myositis bemerkbar? 

Der Verlauf der Erkrankung ist je nach Form unterschiedlich. Er kann sich über Monate bis Jahre langsam entwickeln oder auch akut auftreten. Zu Beginn zeigt sich häufig ein unspezifisches Krankheitsgefühl mit Symptomen wie Fieber und Müdigkeit.

Zu den typischen allgemeinen Symptomen gehören Muskelschwäche und ein fortschreitender Kraftverlust. Häufig treten außerdem Muskelschmerzen, ein muskelkaterähnliches Gefühl sowie eine Druckempfindlichkeit der Muskulatur auf. Im weiteren Verlauf kann es zu Muskelschwund kommen, insbesondere an Armen, Beinen und am Rumpf. Dadurch entstehen zunehmend Bewegungseinschränkungen, die sich vor allem beim Treppensteigen, Aufstehen oder Heben bemerkbar machen. Je nach Form können folgende Beschwerden auftreten:

Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie (IMNM)

Typisch ist eine rasch fortschreitende, ausgeprägte Muskelschwäche an Armen und Beinen. Sind zusätzlich andere Organe betroffen, können weitere Beschwerden auftreten. Dazu gehören:

  • Gelenkschmerzen
  • Atemprobleme und Atemnot
  • Herzbeschwerden wie Herzrasen

Polymyositis

Typisch sind beidseitige Muskelbeschwerden an Oberarmen, Schultern, Hüfte und Oberschenkeln.

Dermatomyositis

Charakteristisch sind rosa bis violette Hautveränderungen, die vor allem an der Augenpartie, den Wangen, der Nase und im Dekolleté auftreten. Außerdem können sich rosa bis violette Knötchen an den Fingern, sogenannte Gottron-Papeln, bilden. Häufig ist auch die Haut über den Gelenken gerötet.

Anti-Synthetase-Syndrom

Typische Anzeichen sind Fieber, kalte und blasse Finger infolge eines Raynaud-Syndroms sowie rissige, raue Haut an den Händen.

Einschlusskörpermyositis

Betroffenen fallen das Gehen, längeres Stehen und das Schließen der Faust schwer. Außerdem treten häufig Schluckbeschwerden und ein sichtbarer Muskelschwund auf.

Mann mit Myositis wird in CR geschoben.

Diagnose einer Myositis

Die Diagnostik einer Myositis ist sehr komplex, da die ersten Symptome häufig unspezifisch sind und auch bei anderen entzündlichen Muskelerkrankungen auftreten können. Eine genaue Diagnose ist jedoch wichtig, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Je nach Verdachtsdiagnose erfolgt eine Überweisung an einen Facharzt für Neurologie oder Rheumatologie.

Zu Beginn erfolgt in der Regel eine ausführliche Anamnese mit Fragen zu Beschwerden, Krankheitsverlauf und Vorerkrankungen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei werden unter anderem Muskelkraft, Reflexe, Berührungsempfindlichkeit und das Gangbild überprüft. Der Arzt tastet außerdem Muskeln und Gelenke ab und hört Herz und Lunge ab.

Eine Laboruntersuchung mittels Bluttests kann zusätzliche Hinweise liefern. Dabei werden unter anderem Entzündungswerte und Muskelenzyme bestimmt. Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunreaktion, erfolgt außerdem eine Untersuchung auf spezifische Autoantikörper wie Anti-SRP, Anti-Mi-2 und Anti-Jo-1. Bei Verdacht auf eine infektiöse Ursache werden ergänzend direkte oder indirekte Erregernachweise durchgeführt.

Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann dabei helfen, entzündungsbedingte Wassereinlagerungen in der Muskulatur sichtbar zu machen. Auch eine Elektromyografie (EMG) sowie eine Muskelbiopsie können zur weiteren Abklärung eingesetzt werden.

Ein Mann mit Myositis wird behandelt.

Behandlung von Myositis: Immunsuppressiva und Physiotherapie

Eine Myositis verläuft häufig chronisch und kann ohne Behandlung weiter fortschreiten. Eine vollständige Heilung ist vor allem bei autoimmun bedingten Formen meist nicht möglich. Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden zu lindern, die Entzündungsreaktion zu unterdrücken und eine dauerhafte Muskelschwäche zu verhindern. Liegt eine infektiöse Myositis vor, wird die zugrunde liegende Infektion behandelt. In der Regel sind mehrere Fachärzte an der Therapie beteiligt, da unterschiedliche Bereiche des Körpers betroffen sein können.

Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung werden häufig Glukokortikoide (Kortison) eingesetzt. Ergänzend können Immunsuppressiva verordnet werden, um die fehlgeleitete Immunreaktion abzuschwächen. In bestimmten Fällen kommt auch eine Immunglobulintherapie mit Antikörpern aus Blutspenden zum Einsatz. Zur Linderung von Schmerzen können außerdem Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol [HH8] eingesetzt werden.

Unterstützende Maßnahmen

Physiotherapie und Ergotherapie können dabei helfen, die Muskelkraft zu erhalten und die Beweglichkeit zu verbessern. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt für beide Maßnahmen nach ärztlicher Verordnung die Kosten.

Bei Schluckbeschwerden kann eine logopädische Therapie sinnvoll sein. Zusätzlich können Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle sowie Greif- oder Schreibhilfen eingesetzt werden. Wir als Gesundheitskasse unterstützen Sie bei der Suche nach geeigneten Hilfsmitteln und übernehmen ebenfalls nach ärztlicher Verordnung die Kosten. Eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Therapie sind wichtig, um den Krankheitsverlauf bestmöglich zu begleiten.

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