Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

X-Beine und O-Beine

Frau mit X-Beinen begutachtet ihr Bein auf einem Sessel

Fehlstellungen der Beinachsen

Ob X- oder O-Beine: Unsere Beine haben großen Einfluss auf unsere Körperhaltung und Bewegung. Bei einer normalen Beinachse liegen Hüftgelenk, Kniegelenk und Fuß auf einer geraden Linie. Dadurch wird die Belastung gleichmäßig auf das Kniegelenk verteilt. Bei X- und O-Beinen steht das Knie dagegen nach innen beziehungsweise außen, wodurch sich die Belastungsverteilung im Knie verändert. Außen- oder Innenmeniskus werden dadurch stärker beansprucht.

Die elastischen Knorpelscheiben im Knie wirken unter anderem als Stoßdämpfer und tragen dazu bei, das Gelenk zu schützen. Beschwerden wie Knieschmerzen treten häufig erst nach einigen Jahren auf. X- und O-Beine zählen zu den Risikofaktoren für eine Kniearthrose. Diese kann durch Schmerzen zu deutlichen Einschränkungen im Alltag und beim Sport führen. Eine geeignete Behandlung ist deshalb wichtig. Je nach Ausprägung kommen Physiotherapie oder eine operative Knochenumstellung infrage.

Erfahren Sie mehr über Ursachen, Beschwerden und mögliche Folgen von X- und O-Beinen. Außerdem lesen Sie, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wussten Sie schon, dass...

  • Frauen häufiger X-Beine als Männer haben?
  • unbehandelte X- und O-Beine häufig zu Kniearthrose führen?
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Was sind X-Beine und O-Beine?

Bei X-Beinen und O-Beinen handelt es sich um Fehlstellungen der Beinachsen im Kniegelenk. Das kann sowohl einseitig als auch bei beiden Beinen auftreten. 

X-Beine

Medizinisch wird die Fehlstellung als Genu valgum oder Valgusfehlstellung bezeichnet. Dabei stehen die Knie zusammen, während die Knöchel auseinanderstehen. Die Beine bilden dadurch ein „X“. Die äußeren Bereiche des Kniegelenks werden stärker belastet. Eine mögliche langfristige Folge ist eine laterale (äußere) Kniearthrose. X-Beine treten häufiger bei Frauen auf. Sie haben häufig ein breiteres Becken, wodurch der Oberschenkelknochen etwas stärker nach innen ausgerichtet sein kann.

O-Beine

Die medizinische Bezeichnung ist Genu varum oder Varusfehlstellung. Dabei stehen die Knie auseinander, während die Knöchel zusammenstehen. Die Beine bilden dadurch ein „O“. Die inneren Bereiche des Kniegelenks werden stärker belastet. Eine mögliche langfristige Folge ist eine mediale (innere) Kniearthrose.

Eine starke sportliche Belastung, insbesondere beim Fußball, kann ein Risikofaktor für die Entwicklung von O-Beinen sein. Dabei können bestimmte Muskelgruppen unterschiedlich stark beansprucht werden, was zu einem muskulären Ungleichgewicht beitragen kann. Bei Kindern und Jugendlichen können zusätzlich die noch offenen Wachstumsfugen am Knie belastet werden. Dadurch können die Knochen möglicherweise ungleichmäßig wachsen.

Wie entstehen X-Beine und O-Beine?

Verschiedene Faktoren können die Fehlstellungen der Beine begünstigen. Bei Erwachsenen sind sie entweder angeboren oder erworben. Mögliche Ursachen sind:

Ein kleiner Junge mit O-Beinen erhält Orthesen
  • Vitamin-D-Mangel (Rachitis) im Säuglingsalter
  • Übergewicht
  • Fehlhaltung
  • Fehlstellungen, angeboren oder durch Krankheiten bedingt
  • insbesondere Fußfehlstellungen
  • rheumatoide Arthritis
  • in Einzelfällen: Tumore, Metastasen oder Stoffwechselstörungen
  • selten: Schädigung der Wachstumsfuge nach Frakturen oder Infektionen

Hinzu kommen mögliche spezifische Ursachen, je nach Fehlstellung.

  • Ursachen von X-Beinen
    • Knick-Senkfuß
    • Knochendysplasie (Veränderung der Knochensubstanz)
    • Wachstumsstörung
    • Adduktionskontraktur der Hüfte
    • Hüftgelenkluxation bei einseitiger Fehlstellung
  • Ursachen von O-Beinen
    • Störung im Bereich der Wachstumsfuge (Bereich zwischen Knochenende und Knochenschaft, der das Längenwachstum ermöglicht)
    • Blount-Krankheit (Verformung des Schienbeins durch lokale Wachstumsstörung)
    • Hüftarthrodese in abgespreizter Stellung
    • neurologische Erkrankungen
    • Klumpfuß
    • Fehlbelastung durch Sport wie Fußball und vor allem während der Wachstumsphase

Symptome und Folgen von X-Beinen und O-Beinen

Zu Beginn treten meist keine Beschwerden auf. Erst im späteren Verlauf, häufig nach einigen Jahren, kann die einseitige Abnutzung der Gelenkflächen im Knie zu Beschwerden führen. Dazu gehören:

  • Fehlbelastung der Gelenke und Arthrose im Kniegelenk (Gonarthrose)
  • Schädigung des Meniskus
  • Knieschmerzen außen (X-Beine) und innen (O-Beine), vor allem bei langem Stehen oder Gehen
  • Gelenkschmerzen beim Loslaufen
  • Schmerzen bei kaltem Wetter
  • Fußfehlstellungen und Arthrose in Fuß- und Sprunggelenken
  • Veränderungen des Gangbilds, Fehlbelastungen und Schonhaltung
Arzt erklärt Patientin eine Röntgenaufnahme der Knie

Diagnose von X- und O-Beinen

Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, klinische Untersuchung, Röntgenaufnahmen und eine dynamische Ganganalyse. Bei der klinischen Untersuchung kann der Arzt eine Fehlstellung der Beinachse häufig bereits durch eine Blickdiagnose feststellen. Bei X-Beinen stehen die Knie zusammen, während zwischen den Knöcheln ein Abstand besteht und die Unterschenkel nach außen gedreht sind. Bei O-Beinen bleiben die Knie auseinander, während die Knöchel bei zusammenstehenden Füßen aneinanderliegen. Die Unterschenkel sind dabei nach innen gedreht.

Bei ausgeprägten Fehlstellungen oder Beschwerden kann eine Röntgenuntersuchung erfolgen. Dabei werden die Beinachsen beurteilt und vermessen. Die Aufnahmen können außerdem zur Planung einer möglichen Operation genutzt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei X- und O-Beinen

Die Fehlstellung sollte medizinisch behandelt werden, um weitere Folgeschäden wie Arthrose zu verhindern.

Im frühen Stadium kommen überwiegend konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz. Die möglichen Behandlungsmaßnahmen können je nach Ursache und Ausprägung der Fehlstellung unterschiedlich sein. Orthopädische Schuhe oder Einlagenkönnen dabei unterstützen, die Beinachse zu korrigieren. Bei X-Beinen kann beispielsweise ein erhöhter Innenrand und bei O-Beinen ein erhöhter Außenrand zum Einsatz kommen.

Joggerin hat Knieschmerzen aufgrund von Fehlstellungen

Auch Bandagen oder Knieorthesen können die Gelenke unterstützen und entlasten. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für diese ärztlich verordneten Hilfsmittel. Geeignete Hilfsmittel können Sie über die Hilfsmittelsuche finden.

Eine gezielte Physiotherapie kann helfen, die Knie-, Oberschenkel- und Hüftmuskulatur zu stärken und die Beinachse zu stabilisieren. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für die ärztlich verordnete Physiotherapie.

Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion die Kniegelenke entlasten. Zudem ist es sinnvoll, eine zugrunde liegende Erkrankung wie einen Vitamin-D-Mangel zu behandeln.

Fortgeschrittene Fehlstellungen

Bei fortgeschrittenen Fehlstellungen oder wenn konservative Methoden nicht ausreichen, kann eine operative Knochenumstellung (Osteotomie) infrage kommen. Dabei werden die Knochen durchtrennt und in die richtige Stellung gebracht. In schweren Fällen kann die Implantation einer Knie- oder Hüftgelenksprothese infrage kommen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, wie zum Beispiel:

  • individueller Gelenkzustand
  • starkes Übergewicht
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Rheuma
  • Alter über 60 Jahre

Nach der Operation erfolgt zur Unterstützung des Heilungsprozesses und zum Erhalt der Beweglichkeit meist Physiotherapie. Nach einer Osteotomie ist in der Regel für etwa sechs Wochen das Gehen mit Unterarmgehstützen erforderlich. Nach rund zwölf Monaten kann ein weiterer Eingriff erfolgen, bei dem die zur Stabilisierung eingesetzte Platte entfernt wird.

Ärztin behandelt die X-Beine eines kleinen Mädchens

X-Beine und O-Beine bei Kindern

O-Beine und X-Beine sind bei Kindern keine Seltenheit. So haben Säuglinge leichte O-Beine und Kleinkinder entwickeln zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr leichte X-Beine. In der Regel wachsen sich diese Fehlstellungen aus. Sie müssen nicht behandelt werden, wenn keine erkennbare Ursache vorliegt und sie idiopathisch sind. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt vom Ausmaß und Verlauf der Fehlstellung, der Ursache, den Beschwerden und dem Alter des Kindes ab.

Mögliche Behandlungsmethoden können Physiotherapie und orthopädische Schuheinlagen sein. Bei der wachstumslenkenden Chirurgie werden kleine Metallplättchen an den Wachstumsfugen eingesetzt. Sie bremsen das Wachstum auf einer Seite des Knies vorübergehend und wodurch die Beinachsen korrigiert werden können.

Zunächst ist Ihr Hausarzt bei Beschwerden die erste Anlaufstelle. Bei Bedarf kann eine Überweisung zu einer orthopädischen Praxis oder Spezialklinik erfolgen. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es verschiedene Anlaufstellen für eine mögliche Operation. Dazu zählen zum Beispiel:

Nutzen Sie die AOK-Arztsuche und -Krankenhaussuche. So können Sie spezialisierte Ärzte und Krankenhäuser in Ihrer Nähe finden und erhalten Informationen über die Behandlungsqualität der Kliniken.

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