Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Winterdepression

Eine Frau mit Winterdepression sitzt auf dem Sofa

Winterblues adé: Wie Sie die dunkle Jahreszeit gut überstehen

Macht sich die Sonne rar und das Grau bestimmt den Alltag, kann die eigene Stimmung sinken. Das können Anzeichen einer Winterdepression sein – eine saisonale depressive Störung, die überwiegend in der dunklen Jahreszeit, also Herbst und Winter, auftritt. Sie kann in allen Altersgruppen auftreten, kommt jedoch besonders bei jungen Erwachsenen und doppelt so oft bei Frauen wie bei Männern vor. Je weiter man vom Äquator entfernt wohnt, desto höher ist das Risiko, zu erkranken. Eine Winterdepression wird maßgeblich durch den Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit und die damit sinkende Serotoninproduktion verursacht. Typische Anzeichen sind eine erhöhte Müdigkeit, ein gestörter Biorhythmus, Antriebs- und Energielosigkeit, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme. Die Symptome treten mindestens zwei Jahre in Folge zur ähnlichen Jahreszeit auf und klingen meist wieder im Frühling ab. 

Erfahren Sie, welche Auslöser und weiteren Symptome auftreten, wie die Diagnose erfolgt und welche bewährten Strategien gegen Winterdepression helfen. Zusätzlich erhalten Sie Tipps zur positiven Wirkung einer nährstoffreichen Ernährung.

Wussten Sie schon, dass...

  • auch Tiere von der Winterdepression betroffen sein können?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine ambulante Psychotherapie übernimmt?
  • Sachsen-Anhalt zu den lichtärmsten Regionen Deutschlands zählt?
Ein müder Pendler leidet am Winterblues

Was ist eine Winterdepression?

Die in der Medizin verwendete Bezeichnung für Winterdepression lautet Winter-Onset Seasonal Affective Disorder (SAD) und ist eine Form der Depression. Sie tritt typischerweise jedes Jahr im Herbst und Winter in den gleichen Monaten von Oktober bis Dezember auf und ebbt in der Regel im Frühling wieder ab. Auslöser sind vor allem der Mangel an natürlichem Tageslicht. 

Faktoren wie eine genetische Veranlagung oder bestehende psychische Erkrankungen spielen ebenfalls eine Rolle. Fehlendes Sonnenlicht beeinflusst den Biorhythmus und die Hormonproduktion im Gehirn. Die Winterdepression unterscheidet sich so von anderen depressiven Störungen, die unabhängig von Jahreszeiten auftreten. 

Gut zu wissen: Einige Menschen sind auch von der Sommer-Variante, der sogenannten Summer-Onset Seasonal Affective Disorder (SAD), betroffen. Sie tritt meist auf, wenn die Tage länger und heller werden. Als Ursachen gelten Hitze, zu viel Sonnenlicht und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.

Ursachen und Symptome

Hauptursache einer Winterdepression ist der Lichtmangel während der dunklen Jahreszeit. Der Körper produziert weniger vom Glückshormon Serotonin durch zunehmend fehlendes Sonnenlicht. Gleichzeitig steigt die Melatoninproduktion, was zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führt. Weitere begünstigende Faktoren sind:

  • gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus durch kürzere Tage
  • genetische Veranlagung
  • Vitamin-D-Mangel durch fehlende Sonneneinstrahlung
  • psychosoziale Belastungen in der kalten Jahreszeit wie Isolation und Bewegungsmangel
Eine junge Frau verspürt Symptome einer Winterdepression

Typische Symptome für Winterdepression sind: 

  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung
  • Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit
  • erhöhter Schlafbedarf
  • gesteigerter Appetit, besonders auf Kohlenhydrate und Süßes
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • sozialer Rückzug
  • Interessenverlust

Die Symptome verschwinden in der Regel mit dem Frühling beziehungsweise wenn die Tage wieder länger und heller werden. 

Diagnose einer Winterdepression

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung – meist durch den Hausarzt, Psychiater oder Psychotherapeut. Die Diagnose basiert nicht nur auf einzelnen Tests, sondern ruht auf einer gründlichen Befragung mehrerer Kriterien.

Ärztliches Gespräch 

Im Mittelpunkt steht ein ausführliches Gespräch über Beschwerden und deren Beginn. Der Arzt erkundigt sich, ob die Anzeichen regelmäßig im Herbst beziehungsweise Winter auftreten und im Frühjahr wieder abklingen. Zudem wird geklärt, wie stark die Symptome Ihren Alltag, Ihren Beruf und Ihr Sozialleben beeinflussen.

Diagnostische Kriterien

Laut DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Handbuch psychischer Störungen, 5. Auflage) müssen für eine gesicherte Diagnose folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Depressive Episoden treten wiederholt in bestimmter Jahreszeit auf.
  • Zwischenzeitlich erfolgt eine vollständige Genesung in anderen Jahreszeiten.
  • Es bestand ein Muster in mindestens den letzten zwei Jahren, ohne dass außerhalb der Saison Episoden auftraten.
  • Saisonale Episoden überwiegen im Vergleich zu nicht-saisonalen Depressionen im Lebensverlauf.
  • Zusätzlich müssen typische Depressionssymptome vorliegen wie gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Erschöpfung.
Eine Ärztin befragt eine junge Frau nach Symptomen einer Winterdepression

Häufig erfolgen zum Ausschluss anderer Ursachen ergänzende Untersuchungen, um sicherzugehen, dass Symptome nicht körperlich oder medikamentös bedingt sind. Dazu gehören:

  • Blutuntersuchung zur Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion, Untersuchung des Blutbildes sowie Bestimmung des Eisenstatus und Vitamin D.
  • Die Überprüfung von Medikamenten, da einige von ihnen depressive Symptome auslösen können. Dazu gehören unter anderem Beta-Blocker, bestimmte Antikonvulsiva, Steroide sowie einige Antihistaminika.
  • Es erfolgt die Abklärung anderer psychischer Erkrankungen wie bipolare Störung sowie Angst- oder Anpassungsstörung.

Was hilft gegen Winterdepression?

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Ihre Stimmung seit Wochen gedrückt ist und Sie Schwierigkeiten haben, morgens aus dem Bett zu kommen. Nehmen Sie auch das Gefühl von Antriebslosigkeit und dauerhafter Erschöpfung ernst. Verspüren Sie kein Interesse mehr an Dingen, die Ihnen sonst Freude bereitet haben, ist eine ärztliche Abklärung ebenfalls ratsam.

  • Lichttherapie

    Die Lichttherapie ist die wirksamste Behandlung. Betroffene werden täglich 20 bis 30 Minuten einer speziellen Lampe ausgesetzt, die natürliches Tageslicht imitiert. Die Therapie hilft, Ihren Serotoninspiegel zu stabilisieren und Ihre Stimmung zu verbessern.

  • Bewegung an der frischen Luft

    Selbst an grauen Tagen ist natürliches Licht im Freien stärker als künstliches. Regelmäßige Spaziergänge, vor allem am Vormittag, fördern die Glückshormonausschüttung und unterstützen Ihren Kreislauf. 

  • Soziale Kontakte pflegen

    Gemeinsame Aktivitäten helfen, Isolation und Rückzug zu verhindern. Denn soziale Bindungen stärken Ihr emotionales Wohlbefinden. 

  • Strukturierter Tagesablauf

    Feste Routinen und kleine tägliche Ziele helfen, Struktur und Stabilität in Ihren Alltag zu bringen.

  • Professionelle Hilfe

    Nehmen Sie bei stark ausgeprägten Symptomen ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. In manchen Fällen ist auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll.

Ein glückliches Pärchen beugt dem Winterblues mit gesundem Essen vor

Welchen Einfluss hat eine gesunde Ernährung?

Eine ausgewogene Ernährung kann Ihre Stimmung positiv beeinflussen und Symptome mildern. Wichtige Aspekte dabei sind folgende:

Vitamin D 

Im Winter gibt es weniger Tages- beziehungsweise Sonnenlicht. Daher ist eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel wichtig.

Omega-3-Fettsäuren

Die gesunden Fette fördern die Gehirnfunktion und können depressive Verstimmungen lindern. Omega-3-Fettsäuren finden Sie unter anderem in Lachs, Walnüssen oder Leinsamen.

Komplexe Kohlenhydrate

Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte liefern komplexe Kohlenhydrate, sorgen für eine gleichmäßige Energieversorgung und verhindern Stimmungsschwankungen.

B-Vitamine

B-Vitamine unterstützen die Bildung von Neurotransmittern, die für Ihre Stimmung wichtig sind.

Zucker und Alkohol  meiden

Zucker und Alkohol können zwar kurzfristig Energie liefern, führen aber langfristig zu Stimmungseinbrüchen und Schlafstörungen.

Winterdepression in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt spielt die Jahreszeit ebenfalls eine entscheidende Rolle für das seelische Wohlbefinden. Aufgrund der geografischen Lage Deutschlands sind die Tage zwischen November und Februar besonders kurz. In Magdeburg oder Halle sinkt die Tageslichtdauer im Dezember oft auf unter acht Stunden. Zudem verbringen viele Menschen den Großteil ihres Tages in künstlich beleuchteten Innenräumen. Die geringe Sonneneinstrahlung in Kombination mit dem kalten, trüben Wetter führt zu saisonalen Stimmungstiefs.

  • Versorgungsangebote in Sachsen-Anhalt

    Sind Sie von einer Winterdepression betroffen, finden Sie Unterstützung bei Ihrem Hausarzt oder Facharzt für Psychotherapie. Auch psychotherapeutische Praxen und Kliniken in Sachsen-Anhalt sind gute Anlaufstellen.

  • Universitätsklinikum Halle (Saale)

    Die Uniklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bietet für Betroffene hilfreiche Angebote zur Diagnostik und Behandlung depressiver Verstimmungen.

  • Universitätsklinikum Magdeburg

    Das Universitätsklinikum Magdeburg bietet spezialisierte Depressionssprechstunden und Tageskliniken an.

  • Psychiatrische Tageskliniken

    Tageskliniken finden Sie zum Beispiel in Dessau-Roßlau, Stendal oder Wernigerode. Oft handelt es sich um multimodale Programme wie Lichttherapie, Bewegung und Psychotherapie.

  • Regionale Selbsthilfegruppen

    Zusätzlich können Sie auch über die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen-Anhalt e.V. einen Austausch und Unterstützungsangebote finden.

  • Sonnenlicht aktiv nutzen

    Besonders in nördlichen Regionen lohnt es sich, kurze Lichtphasen bewusst zu nutzen. Einfache, aber wirksame Maßnahme gegen das „Wintertief“ sind ausgiebige Spaziergänge in den Elbauen, im Harz oder entlang der Saale. So kurbeln Sie Ihren Kreislauf an und heben Ihre Stimmung. 

Eine Pärchen im Seniorenalter beugt einer SAD mit Wintersport vor

Lichtblicke im Winter: So trotzen Sie der Winterdepression

Eine Winterdepression ist eine ernstzunehmende, aber behandelbare Depressionsform. Licht- und Bewegungsmangel sowie Vitamin-D-Defizite spielen dabei zentrale Rollen bei der Entstehung. 

Mit bestimmten Maßnahmen wie einer gezielten Lichttherapie, Bewegung, gesunder Ernährung und sozialen Aktivitäten können Sie effektiv gegen eine Winterdepression entgegenwirken. Wer Körpersignale ernst nimmt und rechtzeitig handelt, kann die dunkle Jahreszeit besser überstehen.

Schon gewusst? Wir unterstützen verschiedene Formen der Prävention und der Behandlung einer psychischen Erkrankung. Dazu gehören unter anderem die ambulante und stationäre Psychotherapie, die Gruppentherapie und die digitale Psychotherapie. 

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