Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Schwitzen

Ein etwa 30 jähriger Mann liegt mit geschlossenen Augen auf einer Hängematte in der Natur. Er hat die Arme hinter seinem Kopf verschränkt.

Schwitzen: Was ist normal?

Schwitzen ist die natürliche Klimaanlage des Körpers. Bei Hitze, körperlicher Anstrengung oder Fieber hilft Schweiß dabei, die Körpertemperatur zu regulieren und den Organismus vor Überhitzung zu schützen. Der Schweiß wird in den Schweißdrüsen der Haut gebildet und gelangt über kleine Ausgänge an die Hautoberfläche. Dort verdunstet er und entzieht der Haut Wärme. Der Körper kühlt ab.

Gesteuert wird die Schweißbildung über das vegetative Nervensystem. Der Hypothalamus, ein Bereich im Gehirn, fungiert dabei als „Temperaturregler“ und aktiviert bei Bedarf die Schweißdrüsen. Manche Menschen schwitzen jedoch ungewöhnlich stark oder ohne erkennbaren Anlass. Dann stellt sich oft die Frage: Was gilt noch als normal und wann sollte Schwitzen ärztlich abgeklärt werden?

Wussten Sie schon, dass…

  • eine Rasur das feuchtwarme Klima unter der Achsel mindert?
  • die AOK Sachsen-Anhalt zwei Gesundheitskurse im Jahr bezuschusst?
  • Entspannungsübungen und Ausdauersport wirksame Mittel sind, um schnelles Schwitzen zu reduzieren?

Warum schwitzen wir eigentlich?

Das Schwitzen ist essentiell wichtig für unseren Körper. Es sorgt für die Wärmeregulation und schützt uns vor Überhitzung, denn der Schweiß hilft dem Körper bei einer zu hohen Temperatur herunter zu kühlen. Gesteuert durch das autonome Nervensystem, sondern die sogenannten ekkrinen Schweißdrüsen dabei ein wässriges Sekret ab, den Schweiß. Diese Schweißdrüsen sind überall im Körper in der Haut verteilt. An der Hautoberfläche angekommen, bildet dieser einen dünnen Film und verdunstet. Dabei entsteht Kälte, die der Haut und den Blutgefäßen darin überschüssige Wärme entzieht. Der Körper kühlt ab und die Kerntemperatur steigt trotz Sommerhitze nicht an.

Mann Ende 40 kommt zu Atem nach dem Joggen

In welchen Situationen wir schwitzen

Normales Schwitzen tritt vor allem bei Hitze sowie bei Sport und anderen körperlichen Aktivitäten auf. Auch Stress oder Anspannung im Alltag können die Schweißproduktion steigern.

Daneben gibt es das sogenannte emotionale Schwitzen. Dabei reagieren die Schweißdrüsen besonders empfindlich auf Gefühle wie Nervosität, Aufregung oder Angst, etwa vor Prüfungen, Präsentationen oder wichtigen Gesprächen. Häufig betroffen sind dabei Hände, Füße, Gesicht und Achseln.

Wann ist Schwitzen nicht mehr normal?

Die Stärke des Schwitzens ist individuell unterschiedlich und kann von Person zu Person stark variieren. Es gibt jedoch Anzeichen, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Dazu gehören:

  • Plötzlich deutlich stärkeres Schwitzen als früher
  • starkes Schwitzen ohne erkennbaren Auslöser sein
  • nächtliches Schwitzen mit durchnässter Kleidung oder Bettwäsche
  • Schwitzen in Kombination mit Fieber, Schmerzen oder Gewichtsverlust
  • Starkes Schwitzen in Ruhephasen ohne körperliche Belastung

Bei solchen Anzeichen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Ursachen für starkes Schwitzen

Bei anhaltendem starkem Schwitzen ohne eine erkennbare Ursache ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

  • Harmlose Ursachen

    Für übermäßiges Schwitzen sind in den allermeisten Fällen harmlose Ursachen verantwortlich, beispielsweise

    • Hitze oder hohe Außentemperaturen
    • Körperliche Anstrengung und Sport
    • Stress oder Aufregung
    • scharfes Essen, Alkohol oder Kaffee
  • Hormonelle Ursachen

    Auch hormonelle Ursachen können eine Rolle spielen wie:

     

  • Medizinische Ursachen

    Medizinische Ursachen können sein

    • Infektionen wie zum Beispiel Fieber
    • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes
    • neurologische Erkrankungen
    • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente

     

Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zur Belastung wird

Als Hyperhidrose bezeichnen Fachleute übermäßiges Schwitzen, bei dem die Schweißdrüsen überaktiv angesteuert werden. Betroffene produzieren deutlich mehr Schweiß, als für die Regulation der Körpertemperatur notwendig wäre.

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose.

Eine Frau hebt ihren linken Arm. An ihrem T-Shirt zeichnet sich unter der Achsel ein Schweißfleck ab.

Primäre Hyperhidrose: 
Hier zeigt sich übermäßiges Schwitzen ohne erkennbare körperliche Ursache. Sie beginnt meist schon im Jugendalter und betrifft oft Hände, Füße, Achseln oder Gesicht. Das Schwitzen tritt häufig symmetrisch, beispielsweise an beiden Händen, auf.

Sekundäre Hyperhidrose:
Die sekundäre Hyperhidrose entsteht als Folge anderer Erkrankungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente. 

Für Betroffene kann starkes Schwitzen sehr belastend sein. Sichtbare Schweißflecken oder dauerhaft feuchte Hände führen häufig zu Unsicherheit oder Schamgefühlen. Manche Menschen ziehen sich deshalb aus sozialen Situationen zurück oder fühlen sich im Beruf und Alltag eingeschränkt.

Hyperhidrose ist eine medizinisch anerkannte Erkrankung und grundsätzlich behandelbar.

Professionelle Hilfe kann Betroffene entlasten. Spezialisierte Behandlungsangebote bietet zum Beispiel das MVZ Klinikum Magdeburg

Was hilft gegen übermäßiges Schwitzen?

Frau, die morgens im Schlafzimmer Antitranspirant unter den Achseln aufträgt

 

Für Ihren Alltag gibt es einige einfache Sofort-Tipps, die helfen können, übermäßiges Schwitzen besser in den Griff zu bekommen.

Luftige Kleidung tragen: Atmungsaktive Stoffe wie Baumwolle oder Leinen unterstützen die Luftzirkulation und können das Schwitzen angenehmer machen. Für unterwegs kann Wechselkleidung hilfreich sein.

Regelmäßig lüften: Kühle Räume und regelmäßiges Lüften helfen dabei, hohe Temperaturen in Wohn- oder Arbeitsräumen zu vermeiden. 

Übergewichtiger Mann bereitet sich einen Salat zu.


Stress ausbremsen: Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Meditation können helfen, stressbedingtes Schwitzen

Auf Hygiene achten: Tägliches Duschen und gründliches Abtrocknen der Haut können Geruchsbildung reduzieren. Auch das Rasieren der Achselhaare kann helfen.

Leichte Ernährung: Scharfes Essen, Alkohol und koffeinhaltige Getränke können die Schweißproduktion zusätzlich anregen. Leichte und ausgewogene Mahlzeiten werden oft besser vertragen.

Medizinische Behandlungen: Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen, kommen verschiedene Therapien infrage:

  • Antitranspiranten sind spezielle Mittel mit Aluminiumsalzen und blockieren die Schweißdrüsen.
  • Die sogenannte Iontophorese ist eine Schwachstrombehandlung und eignet sich besonders gut für Hände und Füße.
  • Botox-Injektionen hemmen die Schweißproduktion für mehrere Monate.
  • Die Einnahme bestimmter Medikamente kann helfen und wird ärztlich verordnet.
  • In schweren Fällen können operative Eingriffe wie die Entfernung von Schweißdrüsen helfen. Eine Operation erfolgt selten und nur, wenn die bisherigen Behandlungen ausgeschöpft sind und keinen Erfolg zeigen.

Wichtig: Welche Behandlung geeignet ist, entscheidet ihr behandelnder Arzt mit Blick auf Ursache und Ausmaß Ihrer Beschwerden. Einige angebotene Methoden gelten als kosmetische Eingriffe und sind privat zu zahlen. Ihre Arztpraxis wird Sie entsprechend informieren und aufklären. 

Fakten und Mythen zum Thema Schwitzen

  • Schwitzen in der Sauna ist gesund

    Saunagänge gelten als bewährte Methode zur Förderung der Gesundheit. Sie regen die Durchblutung an, stärken Ihr Immunsystem und trainieren die Temperaturregulation Ihres Körpers. Gleichzeitig unterstützen sie Ihren Körper dabei, überschüssige Wärme effektiv abzugeben.

  • Viel trinken hilft gegen Schwitzen

    Das ist ein Mythos. Ausreichend trinken ist natürlich wichtig, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen. Das Schwitzen selbst verhindert Trinken jedoch nicht, da der Körper weiterhin seine Temperatur regulieren muss.

  • Schweiß riecht immer unangenehm

    Ebenfalls ein Mythos. Frischer Schweiß ist tatsächlich geruchlos. Erst durch Bakterien auf der Haut entsteht der typische Körpergeruch. Besonders betroffen sind Bereiche wie Achselhöhlen, Füße und die Leistengegend, da sich dort viele Schweiß- und Duftdrüsen befinden.

  • Nervosität oder Angst kann Schwitzen auslösen

    Ja. Emotionen wie Aufregung oder Stress können die Schweißproduktion deutlich anregen, insbesondere an Händen, Füßen und im Gesicht. Dieses sogenannte emotionale Schwitzen tritt häufig plötzlich auf und ist unabhängig von Temperatur oder körperlicher Bewegung.

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