Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Scharfes Essen

Eine Frau greift nach einer Chilischote, welche noch an der Pflanze hängt.

Auch in Deutschland wird gern scharf gegessen

Wer schon einmal nach Indien, Thailand oder Mexiko verreist ist, kam um scharfes Essen wahrscheinlich nicht herum. Doch auch in unserer Heimat sind Pfeffer, Chili und Curry beliebte Gewürze. Viele Menschen schwören beim Verzehr von pikanten Speisen auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen. Andere verbinden mit der Aufnahme von scharfen Gerichten jedoch nur negative Erlebnisse. Wir informieren Sie im folgenden Artikel darüber, ob die Gewürze tatsächlich einen Einfluss auf unsere Gesundheit haben und geben Ihnen Tipps, was im Falle einer brennenden Zunge sofort Abhilfe verschafft.

Wussten Sie schon, dass…

  • Cayenne-Pfeffer aus getrockneten Chilis hergestellt wird?
  • unsere Gesundheit von scharfem Essen profitieren kann?
  • die Schärfe im Mund durch Milch besser gelindert wird als durch Wasser?

Die Scharfmacher in Gewürzen

Eine Frau hält in ihren Händen einige Chilischoten.

Im Pfeffer sorgt Piperin für die bekannte Schärfe, im Meerrettich ist es das Senföl und im Knoblauch das Allicin. Welche Frucht jedoch zum Würzen verschiedener Speisen immer beliebter bei uns wird, sind Chilischoten. Allerdings gehen die meisten Menschen bei der Schärfe, die sie beim Essen verursachen, wohl kaum von Früchten aus. Die 3.000 bis 4.000 Chilisorten unterscheiden sich jedoch in Farbe, Aroma, Größe und Schärfe. So existieren neben extrem scharfen Arten auch solche, die mild-fruchtig schmecken. Capsaicin nennt sich der Stoff, der die scharfen Sorten auf der Zunge brennen lassen. Er erregt die Nerven der Mundschleimhaut, die für die Wahrnehmung von Schmerz- und Wärmereizen verantwortlich ist. Es handelt sich bei Schärfe also um keine Geschmacksart, sondern um eine Schmerzreaktion. Übrigens besteht auch Cayenne-Pfeffer aus getrockneten Chilis und gehört somit nicht zum Pfeffer, wie die meisten Menschen vermuten.

Messung der Schärfe

Eine etwa 30 jährige Frau steht in der Küche und schneidet Paprika und Chilischoten.

Mittels der Einheit „Scoville Heat Units“ (SHU) lässt sich der Schärfegrad von Chilis oder Chilierzeugnissen messen. Diese Einheit gibt an, wie viel Milliliter Wasser wir benötigen, um die Konzentration so zu verdünnen, dass sie gerade noch scharf schmeckt. Das klingt zunächst etwas verwirrend, weshalb wir hier ein Beispiel für Sie haben: Um einen Milliliter Tabasco-Soße (4.500 SHU) zu neutralisieren, benötigen wir 4,5 Liter Wasser.

Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, die Schärfe zu messen und zwar durch die Bestimmung des Capsaicingehaltes. Ein Milligramm Capsaicin pro Kilogramm entspricht dabei 16,1 SHU.

Die unterste Wahrnehmungsschwelle des Menschen für Schärfe liegt bei etwa 16 SHU. Handelsübliche Peperonis bringen es auf 100 - 500 SHU, die beliebte Würzsoße „Sambal Oelek“ auf 1.000-10.000 SHU und Jalapeños auf 2.500 - 8.000 SHU. Als schärfste Chili der Welt gilt die Sorte „Carolina Reaper“ mit 2.200.000 SHU.

Wie gesund ist scharfes Essen?

Eine Familie steht in der Küche und kocht gemeinsam. Die kleine Tochter füttert den Vater mit einem großen Holzlöffel.

Chili und anderen scharfen Gewürzen wird nachgesagt, dass sie glücklich machen. Das liegt daran, dass unser Körper durch den Schmerzreiz beim Essen Endorphine ausschüttet. Besonders in warmen Regionen und auch bei uns an heißen Sommertagen wird scharfes Essen empfohlen. Scharfstoffe regen nämlich die Schweißbildung an, wodurch die Körpertemperatur sinkt und sich der Körper abkühlt. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel angeregt, was die Gewürze zu einer sinnvollen Ergänzung beim Wunsch nach einer Gewichtsabnahme machen.

Die Magenmotorik wird ebenfalls angeregt und somit vermehrt Magensaft produziert. Die Verdauung wird dadurch angekurbelt und der Magen kann fettreiche Speisen besser verarbeiten. Durch die gefäßerweiternde Wirkung beim Essen von pikanten Speisen profitiert auch unsere Zahngesundheit. Der Speichelfluss wird angeregt und der Mundraum besser durchblutet. So wird auch das allgemeine Geschmacksempfinden verbessert.

Eine Frau steht in einem Supermarkt am gemüseregal und schaut sich eine große Ingwerknolle an.

Scharfstoffe wirken zudem antibakteriell und entzündungshemmend. Das kommt nicht nur der Haltbarkeit der Speisen zugute, sondern auch der Person, die sie zu sich nimmt. So kann bei ersten Erkältungsanzeichen ein Getränk mit scharfem Ingwer wahre Wunder bewirken. Langfristig führt der Verzehr zu einer Stärkung des Immunsystems und zur Linderung von Entzündungen und Schmerzen. Bei Muskelverspannungen lässt sich die wärmende Wirkung der Chili außerdem nutzen. Auf Pflastern oder in einer selbst gemachten Chili-Salbe sorgt die Schärfe für ein Wärmegefühl auf der Haut und kann schnell Abhilfe verschaffen.

Trotz der zahlreichen Vorteile eignet sich scharfes Essen jedoch nicht für jeden. Personen mit einem empfindlichen Magen sollten solche Speisen mit Vorsicht genießen, da sie zu Magenschmerzen und Durchfall führen können. Durch die anregende Wirkung der Magensaftproduktion kann außerdem Sodbrennen verstärkt werden. Forscher vermuten zudem, dass ein Zusammenhang zwischen einem dauerhaften Verzehr von sehr scharfen Speisen und Krebserkrankungen der oberen Verdauungsorgane wie der Speiseröhre besteht. Andere Forscher behaupten wiederum, dass scharfes Essen Krebserkrankungen vorbeuge. Hier scheiden sich also die Geister. Schwangere und Kinder reagieren oft besonders empfindlich auf solche Gewürze, müssen jedoch nicht gänzlich darauf verzichten. Generell gilt hier, auf sein Wohlbefinden zu vertrauen.

Wie Sie dem Brennen ein Ende bereiten

Ein etwa 5 jähriges Mädchen sitzt in der Küche und hat vor sich ein großes Glas Milch stehen.

Da die meisten Scharfstoffe nicht wasserlöslich sind, hilft es nicht, Wasser zu trinken, wenn es im Mund unangenehm brennt. Allerdings sind sie gut fettlöslich. Stärkehaltige Lebensmittel wie Brot oder fetthaltige Flüssigkeiten wie Milch verschaffen in diesem Fall eine Linderung. Auch bei der Zubereitung gibt es etwas zu beachten: Damit es nicht zu Augenreizungen kommt, sollten Sie nach dem Kontakt mit Chilis Ihre Hände waschen oder währenddessen Handschuhe tragen.

Wer seinen Körper langsam an scharfe Gerichte gewöhnt und diese in Maßen genießt, kann also von vielen gesundheitlichen Vorteilen profitieren. Gewürze wie Ingwer enthalten zudem auch wertvolle Vitamine, die gleichzeitig unser Immunsystem stärken. So sind Sie perfekt gegen die nächste Erkältungswelle gewappnet.

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