Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Toxische Beziehung

Junges Paar streitet sich im Freien

Psychische Gewalt in der Partnerschaft

Eine Beziehung steht im Idealfall für Nähe, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. Sie soll Sicherheit geben, stärken und Entwicklung ermöglichen. Doch manchmal kippt diese Dynamik. Wenn eine Beziehung dauerhaft mehr Kraft raubt, als sie gibt, spricht man von einer toxischen Beziehung. Betroffene erleben häufige anhaltende Belastung, innere Erschöpfung und das Gefühl, emotional ausgelaugt zu sein. Toxische Beziehungen beschränken sich nicht nur auf Partnerschaften, sondern können ebenso in Freundschaften, innerhalb der Familie oder im Arbeitsumfeld auftreten. Wer Warnsignale kennt, kann toxische Muster früher erkennen, Grenzen setzen und sich rechtzeitig Unterstützung holen.

Im Artikel lesen Sie, woran Sie toxische Menschen erkennen, wie Sie sich aus solchen Beziehungen lösen können und wo Ihnen geholfen werden kann.

 

Wussten Sie schon, dass…

  • Personen, die in einer Krise stecken, besonders anfällig für toxische Beziehungen sind?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine ambulante Psychotherapie übernimmt?
  • sich eine gesunde Psyche auch positiv auf den Körper auswirkt?

Was macht eine toxische Beziehung aus?

Ein etwa 40 jähriges Pärchen sitzt auf dem Sofa. Die Frau hat sich von dem Mann weg gedreht, die Augen geschlossen und die Finger an der Stirn. Der Mann sitzt im Hintergrund und gestikuliert mit den Händen.


Toxische Beziehungen sind geprägt von ungesunden Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen. Charakteristisch ist ein deutliches Ungleichgewicht: Eine Person übernimmt die dominante Rolle, während die andere sich anpasst, eigene Bedürfnisse zurückstellt und zunehmend an Selbstbestimmung verliert.

Studien zeigen, dass Frauen insbesondere in Partnerschaften häufiger betroffen sind. Grundsätzlich können jedoch alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter oder sozialem Hintergrund, Opfer toxischer Beziehungen werden.

Typische Merkmale toxischer Beziehungen

  • Manupulation

    Eine Person versucht gezielt, das Denken oder Verhalten der anderen zu beeinflussen. Dies geschieht etwa durch Schuldumkehr, emotionale Erpressung oder sogenanntes Gaslighting. Betroffene beginnen, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, übernehmen Verantwortung für Konflikte, die sie nicht verursacht haben, und verlieren zunehmend Vertrauen in ihr eigenes Urteilsvermögen.

  • Kontrolle

    Kontrollverhalten äußert sich in der Überwachung von Kontakten, Entscheidungen oder persönlichen Freiheiten. Häufig werden soziale Beziehungen eingeschränkt, Aufenthaltsorte ständig hinterfragt oder Misstrauen geschürt. Nicht selten wird diese Kontrolle als Fürsorge oder besondere Verbundenheit dargestellt.

  • Abwertung und emotionale Gewalt

    Beleidigungen, Herabsetzungen und ständige Kritik untergraben das Selbstwertgefühl. Grenzen werden ignoriert, Gefühle abgesprochen und das Gegenüber gezielt „klein gemacht“. Die Folge sind Verunsicherung, Scham und das Gefühl, nie zu genügen.

  • Abhängigkeit und Angst

    Viele Betroffene fühlen sich emotional, finanziell oder sozial gefangen. Sie glauben, ohne die Bezugsperson nicht leben zu können. Ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz verstärkt die emotionale Abhängigkeit. Angst vor Verlust, Ablehnung oder Konflikten hält viele Menschen in einer Beziehung, die ihnen schadet.

     

Nicht jede schwierige Phase oder Auseinandersetzung ist toxisch. In gesunden Beziehungen sind Konflikte von gegenseitiger Achtung, Kommunikation und Lernbereitschaft geprägt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob Konflikte zu persönlicher Entwicklung führen oder ob sie dauerhaft Energie rauben und zerstörerisch wirken.

Der Kreislauf toxischer Beziehungen 

Toxische Beziehungen folgen häufig einem ähnlichen Muster:

Idealisierung: Zu Beginn wirkt die Beziehung intensiv, leidenschaftlich und nahezu perfekt. Die toxische Person überschüttet das Gegenüber mit Aufmerksamkeit und Zuneigung („Love Bombing“) und erzeugt so eine starke emotionale Bindung.

Entwertung: Nach der Anfangsphase kippt die Dynamik. Kritik, emotionale Distanz oder Abwertung nehmen zu. Die betroffene Person versucht oft, durch Anpassung oder besondere Leistung die frühere Nähe zurückzugewinnen.

Instabilität: Ein ständiger Wechsel zwischen Nähe und Ablehnung sorgt für emotionale Verwirrung. Dieses Auf und Ab kann eine starke Abhängigkeit erzeugen und erschwert es, die Beziehung zu verlassen.

Wo können toxische Beziehungen auftreten?

Geschäftskollegen, die in einem modernen Büro eine ernsthafte Meinungsverschiedenheit habe

Partnerschaft: Der häufigste Bereich. Typische Merkmale sind Eifersucht, emotionale Erpressung, Kontrolle und Schuldzuweisungen. Häufige Folgen sind Isolation und der Verlust von Selbstvertrauen.

Freundschaft: Toxisch wird eine Freundschaft, wenn sie auf Ungleichgewicht und Abhängigkeit beruht. Ständige Kritik, Neid oder Rivalität sowie das Gefühl, sich permanent beweisen zu müssen, sind Warnsignale.

Familie: Emotionale Erpressung, Kontrolle oder Schuldgefühle können familiäre Beziehungen belasten. Eltern, die das Leben ihrer Kinder manipulieren, oder Geschwister, die sich gegenseitig abwerten, schaffen ein toxisches Umfeld.

Arbeitsumfeld: Hier äußern sich toxische Beziehungen oft durch Machtmissbrauch, Mobbing, Kontrolle, Einschüchterung oder Manipulation durch Vorgesetzte oder Kollegen. Fehlende Wertschätzung und permanenter Konkurrenzdruck verstärken die Belastung.

Warum gerät man in eine toxische Beziehung?

 Frau wartet Nachricht am Telefon

Psychologische Muster:
Bestimmte Persönlichkeits- und Beziehungsmuster erhöhen das Risiko, in toxische Beziehungen zu geraten oder in ihnen zu bleiben. Co-abhänge Menschen fühlen sich stark für das Wohl des anderen verantwortlich und versuchen, deren Probleme zu lösen. Ein geringes Selbstwertgefühl begünstigt es, Respektlosigkeit, Kontrolle oder Grenzverletzungen zu akzeptieren.

Soziale Einflüsse:
Grundlagen für Beziehungsmuster entstehen häufig bereits in der Kindheit. Wer emotionale Kälte, Kontrolle oder Gewalt erlebt hat, übernimmt solche Dynamiken häufig unbewusst und verwechselt Instabilität mit Liebe oder Normalität. Auch frühere toxische Beziehungen erhöhen ohne Aufarbeitung das Risiko, ähnliche Strukturen erneut einzugehen.

Wege aus der toxischen Beziehung

  • Der erste und wichtigste Schritt ist das Erkennen des toxischen Musters. Eine ehrliche Selbstreflexion, etwa die Frage „Wie fühle ich mich in dieser Beziehung?“ kann dabei helfen. Darauf folgt die Abgrenzung auf emotionaler und mentaler Ebene. Klare Grenzen und Selbstschutz sind zentral: Was ist für mich nicht mehr akzeptabel? Gespräche sollten reduziert werden, wenn sie regelmäßig in Manipulation oder Streit münden.
  • Unterstützung von außen ist oft unverzichtbar. Psychologische Beratung oder Therapie hilft, Erlebtes aufzuarbeiten und den Selbstwert zu stärken. Freunde und Familie können emotionalen Rückhalt geben. Bei gemeinsamen finanziellen oder rechtlichen Verflechtungen ist professionelle Beratung sinnvoll.
  • Selbstfürsorge spielt eine entscheidende Rolle. Ausreichender Schlaf, ausgewogene Ernährung, Bewegung und das Wiederaufnehmen sozialer Kontakte stärken die eigene Stabilität. Ein Tagebuch kann helfen, Muster besser zu verstehen und Gedanken zu ordnen.

Trennung und Lösung

Ist eine Veränderung der Beziehung nicht möglich, kann eine Trennung notwendig sein. Sie erfordert Mut, Planung und emotionale Stabilität. Häufig ist ein klarer Kontaktabbruch hilfreich, um Rückfälle aus Mitleid oder Schuldgefühl zu vermeiden.

Nach dem Ausstieg beginnt ein Prozess der Heilung: eigene Identität stärken, Erfahrungen reflektieren, neue Grenzen definieren und Lebensfreude wieder aufbauen.

Wenn Trennung nicht (sofort) möglich ist: Strategien & Selbstschutz

Paar, das sich auf dem Sofa streitet, hat einen Beziehungskonflikt


Ist eine Trennung aus praktischen, emotionalen oder finanziellen Gründen nicht sofort umsetzbar, steht der Selbstschutz an erster Stelle. Ziel ist es, innerlich Distanz aufzubauen und schrittweise Kontrolle über die eigene Lebenssituation zurückzugewinnen.

Dazu gehören emotionale Abgrenzung, das Nicht-Reagieren auf Manipulationen und die Reduktion des Kontakts auf das Nötigste. Klare Grenzen sollten konsequent umgesetzt werden, etwa durch das Abbrechen verletzender Gespräche. Eigene Rückzugsorte bieten Schutz und Entlastung. 

  • Notfallstrategien sind essenziell: Wichtige Dokumente, Geld, Ersatzschlüssel und Notfallkontakte sollten griffbereit sein. Verletzendes Verhalten, Drohungen oder Übergriffe sollten dokumentiert werden, da dies bei rechtlichen Schritten relevant sein kann.
  • Schutz der Kinder hat oberste Priorität. Kinder sollten nicht in Konflikte einbezogen oder als „Verbündete“ genutzt werden. Feste Tagesstrukturen, Stabilität und das Ernstnehmen von Rückzugs- oder Angstsignalen sind entscheidend. Bei anhaltender Belastung ist professionelle Hilfe, etwa durch Familienberatung oder das Jugendamt, ratsam.

Wo gibt es Hilfe?

Unterstützung durch die AOK Sachsen-Anhalt

  • Ambulante und stationäre Psychotherapie 

    Wir übernehmen die Kosten einer ambulanten und einer stationären Psychotherapie. Voraussetzung ist eine Behandlung durch einen zugelassenen Psychotherapeuten. Die Abrechnung erfolgt über die Praxis beziehungsweise die Klinik, in der die Behandlung stattfindet. Verordnete Medikamente wie Antidepressiva können währenddessen die Behandlung unterstützen. 

  • Videoberatung zu psychiatrischen Anfragen

    Wir bieten Ihnen und Ihren Angehörigen eine Videoberatung bei psychiatrischen Anfragen. 
    Sie sprechen per Video-Call mit erfahrenen Ärzten des Universitätsklinikums Halle. Dabei erhalten Sie eine individuelle Beratung zu verschiedenen Themen aus dem Psychiatriebereich, die Ihnen Sicherheit im Alltag gibt.

Fazit: Toxische Beziehungen rauben Energie, schwächen den Selbstwert und können das Vertrauen zerstören. Erkennen ist erste Schritt, um diesem Teufelskreis zu entfliehen. Abgrenzung, Selbstschutz und Unterstützung helfen, sich aus toxischen Beziehungen zu lösen und dem Körper, zu heilen.

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