Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Laktoseintoleranz

Verschiedene Milchprodukte wie Käse, Quark und Milch stehen auf einem Tisch.

Laktoseunverträglichkeit im Alltag

Wird ein Eis oder ein Glas Milch zur Herausforderung für Ihre Verdauung, kann eine Laktoseintoleranz die Ursache sein. Dabei handelt es sich um eine weit verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose), der vor allem in Milch und Milchprodukten vorkommt. Im Gegensatz zu einer Allergie ist Laktoseintoleranz keine Reaktion des Immunsystems und lässt sich in der Regel gut behandeln.

Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Entscheidend ist unter anderem, wie viel des Enzyms Laktase der Körper noch bildet. 
Erfahren Sie mehr über die Ursachen der Laktoseintoleranz, typische Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem erhalten Sie praktische Tipps für den Alltag sowie Informationen zu Unterstützungsangeboten der AOK Sachsen-Anhalt.

Wussten Sie schon, dass...

  • nur ein Drittel der Menschheit das ganze Leben lang Laktose gut verträgt?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Ernährungskurse bezuschusst?
  • der Laktosegehalt von Molkepulver im Vergleich zu Milch zehnmal höher ist?

Wie entsteht Laktoseintoleranz?

Eine angeborene Laktoseintoleranz ist sehr selten. In den meisten Fällen entwickelt sich die Unverträglichkeit erst im Laufe des Lebens.

  • Vererbte oder primäre Laktoseintoleranz

    Die primäre Laktoseintoleranz ist die häufigste Form. Säuglinge produzieren zunächst ausreichend Laktase, um die Laktose in der Muttermilch zu verdauen. Bei vielen Menschen nimmt die Produktion des Enzyms nach dem Säuglingsalter genetisch bedingt schrittweise ab.

    Laktase wird benötigt, um Laktose im Dünndarm in die Einfachzucker Glukose und Galaktose zu spalten. Geschieht dies nicht ausreichend, gelangt die Laktose in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien vergoren. Dabei entstehen Gase und andere Stoffwechselprodukte, die typische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall verursachen können.

  • Erworbene oder sekundäre Laktoseintoleranz

    Diese Form entwickelt sich infolge anderer Erkrankungen oder Schädigungen der Dünndarmschleimhaut. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Morbus Crohn, Magen-Darm-Infektionen, Zöliakie oder andere Erkrankungen des Darms.

    Da die geschädigte Darmschleimhaut weniger Laktase produziert, kann die Verdauung von Milchzucker beeinträchtigt sein. Wird die zugrunde liegende Ursache erfolgreich behandelt, kann sich die Laktoseverträglichkeit wieder verbessern.

     

Großvater sieht seinem etwa 5-jährigen Enkel dabei zu, wie er Butter auf ein Brot schmiert.

Symptome: Typische Anzeichen im Alltag


Die Beschwerden treten meist 30 Minuten bis zwei Stunden nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auf. Sie können mehrere Stunden anhalten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Typische Symptome sind:

  • Blähbauch und Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Völlegefühl
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen

Darüber hinaus berichten manche Betroffene über unspezifische Beschwerden wie:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • allgemeines Unwohlsein
  • Konzentrationsprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Behandlung und Umgang im Alltag

Laktoseintoleranz ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber in der Regel gut kontrollieren. Die individuelle Verträglichkeitsgrenze unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Daher ist ein vollständiger Verzicht auf laktosehaltige Lebensmittel meist nicht erforderlich. Viele Betroffene vertragen kleine Mengen Milchzucker problemlos. Es kann hilfreich sein, die persönliche Toleranzgrenze vorsichtig auszutesten. Zudem werden laktosehaltige Lebensmittel häufig besser vertragen, wenn sie gemeinsam mit anderen Speisen oder über den Tag verteilt verzehrt werden.

Ernährung bei Laktoseintoleranz

Eine Frau trinkt ein Glas Milch.

Wer unter Laktoseintoleranz leidet, sollte seine Ernährung an die persönliche Verträglichkeit anpassen

Lebensmittel mit vergleichsweise geringen Mengen Laktose sind beispielsweise:

  • gereifte Käsesorten wie Parmesan, Bergkäse oder Tilsiter
  • Camembert
  • Butter und Butterschmalz
  • Feta
  • Bitterschokolade

Auch fermentierte Milchprodukte wie Naturjoghurt oder Kefir werden von vielen Betroffenen besser vertragen als Milch.

 

Wie erkenne ich, ob in einem Produkt Laktose ist?

Beim Einkauf lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Hinweise wie „laktosefrei“, „LACtosefrei“ oder „lactosefrei“ erleichtern die Orientierung. Achten Sie außerdem auf Begriffe wie Milchzucker oder Laktosemonohydrat.

Nicht verunsichern lassen sollten Sie sich von Bezeichnungen wie Laktat, Laktit, Milcheiweiß oder Milchsäurebakterien. Diese Stoffe enthalten keine relevante Laktose und sind für Menschen mit Laktoseintoleranz in der Regel unbedenklich.

Welche Lebensmittel sind laktosefrei?
Ein Lebensmittel gilt als laktosefrei, wenn es weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthält. Beträgt der Laktosegehalt bis zu einem Gramm pro 100 Gramm Lebensmittel, wird es von vielen Betroffenen ebenfalls noch gut vertragen. 

Von Natur aus laktosefrei sind unter anderem: Reis, Nudeln und Kartoffeln, Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Eier, Nüsse und Samen, Getreideprodukte, Wasser, Tee und Fruchtsäfte

Vegan hergestellte Alternativprodukte wie Pflanzenmilch oder Käsealternativen auf Mandelbasis enthalten ebenfalls keine Laktose.
Ein Mann schneidet Gemüse

Auf Kalziumzufuhr achten

Da Milch und Milchprodukte wichtige Kalziumlieferanten sind, sollten Menschen mit Laktoseintoleranz auf eine ausreichende Kalziumzufuhr achten. Das Mineral ist wichtig für den Erhalt gesunder Knochen und Zähne.

Geeignete Kalziumquellen sind beispielsweise:

  • gut verträgliche Käsesorten
  • Sauermilchprodukte
  • kalziumreiches Mineralwasser
  • Brokkoli und Grünkohl
  • kalziumangereicherte Pflanzendrinks

FAQ zum Thema Laktoseintoleranz

  • Worauf sollte ich bei Laktoseintoleranz verzichten?

    Dank des großen Angebots an laktosefreien Produkten lässt sich eine laktosearme Ernährung heute problemlos umsetzen. Dennoch sollten Sie beachten, dass auch Medikamente Laktose enthalten können. Ein Blick in den Beipackzettel oder eine Nachfrage in der Apotheke schafft Klarheit.

    Besonders häufig Beschwerden verursachen:

    • Milch
    • Schmelzkäse
    • Eiscreme
    • Milchschokolade
    • Frischkäse
    • Mascarpone
    • Mozzarella

    Außerdem kann sich Laktose in verarbeiteten Lebensmitteln verstecken. Dazu gehören beispielsweise:

    • Backwaren
    • Wurstwaren und Aufstriche
    • Fertiggerichte
    • Fisch- und Gemüsekonserven
    • Gewürzmischungen
    • Salatdressings
    • Pesto
    • Mayonnaise
    • Müsli und Cerealien
    • Schafs- und Ziegenmilch
  • Sind laktosefreie Produkte sinnvoll?

    Für Menschen mit Laktoseintoleranz sind laktosefreie Produkte häufig besser verträglich, da der Milchzucker während der Herstellung bereits in seine Bestandteile aufgespalten wird.

    Verfügbar sind unter anderem:

    • laktosefreie Milchprodukte
    • Butter
    • Frischkäse
    • Camembert und Schnittkäse
    • Joghurt, Quark und Sahne
    • Speiseeis
  • Wie wird Laktoseintoleranz ärztlich festgestellt?

    H₂-Atemtest
    Der Patient trinkt eine Milchzuckerlösung. Anschließend wird mehrfach der Wasserstoffgehalt der Atemluft gemessen. Erhöhte Werte sprechen für eine Laktoseintoleranz.

    Laktose-Toleranz-Test
    Dabei wird der Blutzuckerspiegel vor und nach der Einnahme einer Milchzuckerlösung kontrolliert.

    Auslassungstest
    Zunächst werden laktosehaltige Lebensmittel für einen bestimmten Zeitraum gemieden. Anschließend werden sie schrittweise wieder eingeführt, um die individuelle Verträglichkeit zu beurteilen.

  • Entsteht durch Laktoseintoleranz immer ein Kalziummangel?

    Ein Kalziummangel kann entstehen, wenn Milchprodukte dauerhaft gemieden werden und keine geeigneten Alternativen auf dem Speiseplan stehen. Deshalb sollte auf eine ausreichende Kalziumzufuhr geachtet werden.

    Bei Bedarf können Kalziumpräparate sinnvoll sein. Dies sollte insbesondere bei Kindern mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Eine ausreichende Kalziumversorgung unterstützt die Knochengesundheit und kann helfen, Osteoporose vorzubeugen.

  • Können Babys und Kinder laktoseintolerant sein?

    Eine angeborene Laktoseintoleranz ist im Säuglingsalter sehr selten. Häufiger liegt eine Kuhmilcheiweißallergie vor. Mögliche Beschwerden sind:

    • anhaltender Durchfall
    • Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe
    • Übelkeit
    • ausgeprägte Unruhe

    Bei Verdacht auf eine Unverträglichkeit sollten Eltern immer den Kinderarzt aufsuchen. Ob eine spezielle Säuglingsnahrung notwendig ist, sollte individuell abgeklärt werden.

Abgrenzung zur Milcheiweißallergie

Ein Vater hält sein neugeborenes Baby auf dem Arm und füttert es mit dem Fläschchen.


Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie können ähnliche Beschwerden verursachen, beruhen jedoch auf unterschiedlichen Mechanismen.

Bei der Milcheiweißallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweißbestandteile der Milch, insbesondere Casein oder Molkenproteine. Der Körper bildet dabei Antikörper gegen diese Eiweiße.

Die Allergie tritt vor allem im Kindesalter auf und verschwindet häufig bis zum Schulalter wieder. Besteht sie im Erwachsenenalter fort oder entwickelt sich neu, ist meist eine dauerhafte Ernährungsumstellung erforderlich.

So unterstützt die AOK Sachsen-Anhalt

Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst eine individuelle Ernährungsberatung bei Laktoseintoleranz, sofern eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung vorliegt. Die Beratung unterstützt Sie dabei, Ihre Ernährung an die persönliche Verträglichkeit anzupassen, Beschwerden zu reduzieren und den Alltag mit Laktoseintoleranz leichter zu bewältigen.

Weitere Informationen und eine Übersicht aller qualifizierten Ernährungsberater in Sachsen-Anhalt finden Sie auf unserer Seite zur individuellen Ernährungsberatung.

 

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