Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Lichtverschmutzung

Eine etwa 25-jähriger Frau liegt nachts im Bett wach. Licht von draußen scheint in das Schlafzimmer und in ihr Gesicht.

Wenn die Nacht zum Tag wird

Nachts ist es durch Sterne und Mond nie völlig dunkel. Künstliches Licht überstrahlt vielerorts jedoch die natürliche Dunkelheit. Besonders in großen Ballungsräumen hellt Lichtverschmutzung den Nachthimmel auf und stört ökologische Zusammenhänge sowie den biologischen Rhythmus. Häufige Ursachen sind zu helle, falsch ausgerichtete oder dauerhaft eingeschaltete Beleuchtungen. Das betrifft nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch uns: Der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus kann Schlafprobleme fördern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Mit gezielter Beleuchtung und Bewegungsmeldern lässt sich Lichtverschmutzung wirksam verringern.

Hier erfahren Sie, was Lichtverschmutzung bedeutet, welche Folgen auftreten und wie Sie gezielt vorbeugen.

Wussten Sie schon, dass...

  • die Aktion “Earth Night - Licht aus” jedes Jahr im September auf die Lichtverschmutzung aufmerksam macht?
  • insbesondere helles und blaues Licht nachweislich krank machen kann?
  • wir die Kosten vieler wichtiger Vorsorgeuntersuchungen übernehemn?

Was ist Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung, die auch als „Lichtmüll“ oder „Lichtsmog“ bezeichnet wird, beschreibt die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Das Bundesimmissionsschutzgesetz führt sie als Umwelteinwirkung, die unter bestimmten Bedingungen schädlich sein kann. Häufig entsteht Lichtverschmutzung durch zu helle, falsch ausgerichtete oder dauerhaft eingeschaltete Beleuchtung. Sie belastet Umwelt, Tiere und auch unsere Gesundheit.

Ein etwa 45-jähriger Mann sitzt auf seiner stark beleuchteten Terrasse, schaut auf sein Smartphone und trinkt aus einer Tasse.

Typische Quellen sind:

  • Werbebeleuchtung
  • Skybeamer, also starke Scheinwerfer, die weit in den Himmel strahlen
  • Zierbeleuchtung an Gebäuden oder im Garten
  • beleuchtete Innenräume in der Nacht ohne Abschirmung nach außen
  • Straßenbeleuchtung
  • Licht mit hohem Blauanteil, das sich besonders stark in der Atmosphäre verteilt

Auch Oberflächen in der Umgebung verstärken den Effekt. Wasserflächen, helle Fassaden oder nasse Straßen streuen Licht zusätzlich und hellen die Nacht weiter auf.

Welche Auswirkungen hat Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung sorgt dafür, dass Sie in vielen Städten den Sternenhimmel kaum noch sehen. Gleichzeitig stört sie wichtige natürliche Abläufe bei Tieren, Pflanzen und auch beim Menschen.

  • Tagaktive Menschen und Tiere

    Menschen und viele Tiere sind tagsüber aktiv und schlafen nachts. In dieser Zeit erholt sich der Körper. Zu viel Licht in der Nacht stört den Rhythmus. Das kann zu Müdigkeit, Erschöpfung und langfristig zu Krankheiten führen.

  • Nachtaktive Tiere

    Viele Tiere sind nachts aktiv. Sie suchen Nahrung, bestäuben Pflanzen oder nutzen Lichtsignale (wie beispielsweise Glühwürmchen) zur Fortpflanzung. Künstliches Licht blendet und irritiert sie. Das verändert ihr Verhalten und bringt ökologische Abläufe aus dem Gleichgewicht, wie beispielsweise die Verschiebungen von Räuber-Beute-Beziehungen.

    Besonders Insekten werden von Lichtquellen mit hohem UV-Anteil angezogen. Sie können an Lampen verbrennen oder durch das ständige Umkreisen vor Erschöpfung sterben. Dadurch fehlen Bestäuber für Pflanzen und zugleich Nahrung für andere Tiere. Auch Zugvögel geraten durch Beleuchtung aus dem Rhythmus, verlieren die Orientierung oder prallen gegen beleuchtete Gebäude. Bei Fischen können helle Brücken den Weg zu Laichgebieten blockieren.

  • Pflanzen

    Auch Pflanzen reagieren auf Licht und Dunkelheit. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist wichtig für ihre Photosynthese. Die Lichtverschmutzung stört jedoch den natürlichen Rhythmus und die Produktion von Duft oder Nektar. Außerdem verschiebt sich der Vegetationsrhythmus. Das kann bedeuten, dass Pflanzen früher blühen, Laub zu spät abgeworfen wird und dadurch Frostschäden entstehen können, insbesondere direkt in der Nähe der Beleuchtung.

Krank durch Lichtverschmutzung?

Der Körper braucht Dunkelheit, um sich im Schlaf zu erholen. Licht in der Nacht stört diesen Prozess. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin. Es steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus und unterstützt die Regeneration. Außerdem schützt es die Zellen.

Zu viel Licht am Abend oder in der Nacht hemmt die Melatoninproduktion. Dadurch gerät der natürliche Rhythmus aus dem Gleichgewicht. Das kann Schlafprobleme verstärken und langfristig die Gesundheit belasten.

Ein etwa 35-jähriger Mann sitzt auf einem Stuhl und schaut müde aus dem Fenster.

Mögliche Folgen sind zum Beispiel:

Auch der regelmäßige Griff zu Schlafmitteln kann damit zusammenhängen.

Wie kann ich Lichtverschmutzung reduzieren?

Mit der richtigen Beleuchtung sorgen Sie für Sicherheit und sparen gleichzeitig Energie. Das schont Ihren Geldbeutel und entlastet die Umwelt. Viele Maßnahmen lassen sich einfach zu Hause umsetzen.

  • Licht gezielt einsetzen

    Richten Sie Licht nach unten und vermeiden Sie Streulicht zur Seite oder nach oben. Offene Kugelleuchten sind ungeeignet, da sie das Licht in alle Richtungen verteilen.

  • Weniger Beleuchtung

    Beleuchten Sie gezielt Wege und Eingänge. Verzichten Sie auf zusätzliche Beleuchtung im Garten, zum Beispiel an Bäumen, Rasenflächen, Teichen oder Pools.

  • Helligkeit dimmen

    Wählen Sie die Lichtstärke so niedrig wie möglich. Das verringert Blendung und schont Ihre Augen. Nutzen Sie dimmbare Lampen oder Leuchtmittel mit geringer Helligkeit (etwa 100 bis 300 Lumen). Mehrere schwache Lichtquellen sind oft sinnvoller als eine sehr helle.

  • Licht nur bei Bedarf nutzen

    Setzen Sie Bewegungsmelder ein und schalten Sie Licht nachts automatisch aus, zum Beispiel ab 22 Uhr. So vermeiden Sie unnötige Dauerbeleuchtung.

  • Leuchten niedrig anbringen

    Installieren Sie Lichtquellen möglichst niedrig. Für Wege reicht oft eine Montage auf Knie- oder Hüfthöhe. Das reduziert Blendung, spart Energie und verringert die Lichtstreuung.

  • Farbe der Beleuchtung

    Bevorzugen Sie warmweißes Licht mit niedriger Farbtemperatur (bis etwa 2.700 Kelvin). Es wirkt angenehmer und streut weniger stark als blauhaltiges Licht.

  • Vorhänge und Rollladen schließen

    Das Licht bleibt im Raum und strahlt nicht nach außen in die Umgebung ab. Ein positiver Nebeneffekt dieser Maßnahmen ist, dass weniger Insekten angelockt werden.

Schlafen mit Licht – unbedenklich oder gesundheitsschädlich?

Viele Menschen schlafen nicht gern in völliger Dunkelheit und nutzen ein kleines Licht. Grundsätzlich gilt: Je dunkler Ihr Schlafzimmer, desto besser kann sich Ihr Körper erholen. Besonders helles und blauhaltiges Licht in der Nacht hemmt die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Ein schwaches Nachtlicht ist aber meist unproblematisch, wenn Sie sich daran gewöhnt haben. Es sollte jedoch möglichst gedimmt und warmweiß sein.

Auch Licht von außen kann Ihren Schlaf stören. Für Wohngebiete gilt ein Richtwert von maximal einem Lux im Schlafzimmer. Straßenbeleuchtung fällt jedoch nicht immer darunter.

Mit einfachen Maßnahmen verbessern Sie Ihre Schlafumgebung:

  • Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer mit Rollos oder Vorhängen.
  • Melden Sie störende Straßenbeleuchtung bei Ihrer Stadt oder den Stadtwerken.
  • Vermeiden Sie ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen helles und blaues Licht, etwa durch Smartphones, Fernseher oder Tablets.
  • Nutzen Sie bei Bedarf einen Blaulichtfilter auf Ihren Geräten.

So schaffen Sie gute Voraussetzungen für erholsamen Schlaf.

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