Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Vulvodynie

Eine Frau mit Vulvodynie krümmt sich vor Schmerzen

Chronischer Schmerz im äußeren Intimbereich

Als Vulvodynie bezeichnet man chronische Schmerzen im Bereich der Vulva, also des äußeren weiblichen Intimbereichs, die über längere Zeit bestehen oder immer wieder auftreten. Typisch ist, dass keine äußerlich sichtbaren Veränderungen vorliegen, die Beschwerden aber dennoch stark ausgeprägt und belastend sein können. Die Schmerzen äußern sich häufig als Brennen, Stechen oder Reizung und können Alltag, Sport und Sexualität deutlich beeinträchtigen. Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt, weshalb die Diagnose oft erst nach längerer Zeit gestellt wird.

Im Beitrag klären wir, woran man Vulvodynie erkennt, welche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen und was Betroffenen im Alltag helfen kann.

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Was steckt hinter Vulvodynie?

Die Schmerzen können den gesamten äußeren Intimbereich betreffen – also Venushügel, Schamlippen oder Klitoris – oder auch nur einzelne, klar begrenzte Bereiche. Von Vulvodynie spricht man, wenn die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen und damit als chronisch gelten.

Primäre Vulvodynie

Bei der primären Vulvodynie lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Als mögliche Einflussfaktoren werden unter anderem Veränderungen oder Reizungen des Nervengewebes, eine genetische Veranlagung, eine überempfindliche Reaktion von Immunsystem oder Schleimhaut, eine verspannte oder geschwächte Beckenbodenmuskulatur sowie psychosozialer Stress, Depressionen oder Angststörungen diskutiert.

Sekundäre Vulvodynie

Bei der sekundären Vulvodynie liegt dagegen ein klar erkennbarer Auslöser vor. Dazu zählen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Ekzeme oder Lichen sclerosus, Unverträglichkeitsreaktionen, hormonelle Veränderungen (Wechseljahre), Infektionen durch Pilze, Viren oder Bakterien sowie Verletzungen oder Entzündungen am Nervengewebe.

Da die Ursachen sehr unterschiedlich sein können, ist eine sorgfältige Abklärung anderer möglicher Erkrankungen besonders wichtig.

Eine Frau spürt Schmerzen im Intimbereich

Symptome einer Vulvodynie

Die Beschwerden einer Vulvodynie können sich in Intensität, Ort und Dauer sehr unterschiedlich zeigen. Typisch sind brennende, juckende oder stechende Schmerzen im Bereich der Vulva. Viele Betroffene berichten zudem über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Auch alltägliche Bewegungen wie Sitzen oder Gehen können die Beschwerden verstärken. 

Charakteristisch ist, dass in den meisten Fällen keine sichtbaren Veränderungen der äußeren Genitalien vorliegen. Gelegentlich kann es zu leichten Rötungen, minimalen Entzündungen oder Schwellungen kommen, insbesondere im Bereich des Scheidenvorhofs, ausgeprägte äußere Veränderungen fehlen jedoch in der Regel. Auch Brennen beim oder nach dem Wasserlassen sowie ein erschwertes Wasserlassen können als Begleitsymptom auftreten.

Neben den körperlichen Beschwerden können auch psychische Begleitsymptome auftreten. Dazu zählen Grübeln, Angststörungen oder Panikattacken sowie depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen.

Hilfe bei Vulvodynie: Diagnose und Behandlung

Die Abklärung beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch zur Krankengeschichte, der sogenannten Anamnese. Es folgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der häufig auch der sogenannte Q Tip Test eingesetzt wird. Dabei wird mit einem Wattestäbchen gezielt Druck auf verschiedene Bereiche der Vulva ausgeübt, um die Schmerzregionen zu lokalisieren. Ergänzend kann ein Abstrich mit mikrobiologischer Untersuchung sinnvoll sein, etwa bei Verdacht auf Infektionen durch Pilze oder andere Erreger. Je nach Beschwerdebild kann zudem die Einbindung weiterer Fachrichtungen wie Neurologie, Physiotherapie, Osteopathie sowie Psychologie oder Psychiatrie erforderlich sein.

Die Behandlung erfolgt meist im Rahmen einer multimodalen Therapie und richtet sich nach Ursache und Ausprägung der Beschwerden.

  • Medikamente

    Zur Behandlung können Schmerzmittel wie NSAR oder lokale Betäubungsmittel eingesetzt werden, die die Beschwerden lindern und teilweise auch muskelentspannend wirken. Auch bestimmte Antidepressiva kommen bei chronischen Schmerzen unterstützend zum Einsatz. In Einzelfällen ist zusätzlich eine Hormontherapie möglich. Verschreibungspflichtige Medikamente können im Rahmen der Versorgung über die AOK Sachsen-Anhalt ärztlich verordnet und erstattet werden. Als Gesundheitskasse unterstützen wir unsere Versicherten dabei im Rahmen der medizinischen Notwendigkeit.

  • Körperliche Behandlungen

    Ein zentraler Bestandteil ist die Physiotherapie, insbesondere zur Behandlung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur. Ergänzend können Triggerpunktmassagen  eingesetzt werden. Weitere Verfahren wie Stoßwellentherapie, TENS oder Biofeedback können ebenfalls hilfreich sein, zählen jedoch in der Regel nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Physiotherapeutische Maßnahmen können bei entsprechender Verordnung über die AOK Sachsen-Anhalt übernommen werden.

  • Psychologische Maßnahmen

    Psychotherapeutische Verfahren, insbesondere Verhaltenstherapie, können helfen, besser mit chronischen Schmerzen umzugehen. Auch eine Sexualberatung, beispielsweise bei spezialisierten Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt wie pro familia, kann unterstützend sein. Bei entsprechender medizinischer Indikation können wir als Gesundheitskasse psychotherapeutische Behandlungen im Rahmen der Versorgung unterstützen und übernehmen.

  • Operative Eingriffe

    Operative Maßnahmen kommen nur in Einzelfällen infrage. Dazu zählen Botox Injektionen zur Muskelentspannung, die in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung sind, sowie die sogenannte Vestibulektomie, bei der schmerzhaftes Gewebe entfernt wird.

  • Lebensstil

    Auch der Lebensstil kann einen Einfluss haben. Ausreichend Schlaf und gute Schlafhygiene, eine ausgewogene Ernährung sowie sanfte Bewegungsformen wie Yoga oder Tanzen können zur Linderung beitragen. Zusätzlich bieten viele Krankenkassen Zuschüsse oder Programme für Gesundheitskurse im Bereich Entspannung und Stressreduktion an.

Ärztliches Beratungsgespräch zur Vulvodynie

Was kann bei Vulvodynie helfen?

Grundsätzlich sollte bei anhaltenden Beschwerden immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um die Ursache sicher einzuordnen und andere Erkrankungen auszuschließen. In akuten Phasen können kühlende Auflagen oder lauwarme bis kühle Sitzbäder als angenehm und lindernd empfunden werden.

Hygiene

Im Alltag empfiehlt sich eine besonders schonende Intimpflege. Die Vulva sollte möglichst nur mit klarem Wasser gereinigt werden. Auf Seifen, Cremes oder parfümierte Produkte sollte verzichtet werden, da sie die empfindliche Haut reizen können. Auch Verhütungscremes können beim Geschlechtsverkehr ungünstig sein. Die Blase sollte regelmäßig und vollständig entleert werden. Bei Binden oder Tampons sind atmungsaktive Materialien wie Baumwolle sinnvoll. Unterwäsche sollte ohne Weichspüler gewaschen und gut ausgespült werden, um Rückstände zu vermeiden.

Kleidung

Im Alltag wird atmungsaktive Baumwollunterwäsche empfohlen. Weite Hosen oder Röcke helfen, Reibung im Intimbereich zu vermeiden. Nasse Badesachen sollten möglichst schnell gewechselt werden, um zusätzliche Reizungen zu verhindern.

Vorsorge

Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen, in der Regel einmal jährlich, sind ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann für Betroffene hilfreich sein. Spezialisierte Sprechstunden gibt es unter anderem im Klinikum Magdeburg sowie an der Universitätsklinik Halle.

Sport und Alltag

Bei längeren Sitzphasen ist es sinnvoll, regelmäßig aufzustehen und sich zu bewegen. Sportarten mit starker Reibung wie Radfahren sowie sehr enge Kleidung können Beschwerden verstärken. Eine individuelle Anpassung im Alltag kann helfen, die Reizbelastung zu reduzieren.

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