Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Synkope (Ohmacht)

Der Puls einer ohnmächtigen Frau wird kontrolliert

Wenn der Kreislauf aussetzt – bis zur kurzen Bewusstlosigkeit

Ein kurzer Filmriss und dann ist alles wieder da: Synkopen, umgangssprachlich auch als „Ohnmacht“ bekannt, beschreiben die kurzzeitige Bewusstlosigkeit. Auslöser sind eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns, die oft von Blässe, Schweiß und Übelkeit begleitet wird. Eine Synkope hält Sekunden bis wenige Minuten an und Betroffene erholen sich meist rasch und spontan, ohne dass eine Behandlung nötig wird. Treten Synkopen vermehrt auf oder halten länger an, sollte schnell die Ursache gefunden werden. Die Diagnose hierfür umfasst Blutdruckmessung, EKG, Langzeit-EKG, Kipptischuntersuchung, Echokardiografie und Labordiagnostik. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann unter anderem Kompressionstrümpfe, medikamentöse Therapien sowie einen Herzschrittmacher oder Defibrillator bedeuten

Erfahren Sie, welche Symptome auf eine Synkope hindeuten, welche Ursachen ihnen zugrunde liegen und wie Diagnose und Behandlung aussehen. Frischen Sie Ihr Wissen zu Erster Hilfe erneut auf und erfahren Sie, wie Sie eine Synkope verhindern können.

Wussten Sie schon, dass...

Ein junger Mann hilft einer ohnmächtigen Seniorin

Was sind Ursachen einer Synkope?

Eine Synkope kann viele Auslöser haben. Dabei wird in drei Hauptgruppen unterschieden.

Reflexsynkopen (neurokardiogene Synkopen)

Reflexsynkopen sind die häufigste Form. Sie entstehen durch eine akute Fehlregulation des autonomen Nervensystems. In bestimmten Situationen kommt es plötzlich zu einer Erweiterung der Blutgefäße und/oder zu einer Verlangsamung der Herzfrequenz. Der Blutdruck fällt abrupt ab, das Gehirn wird kurzfristig zu wenig mit Sauerstoff versorgt.

Typische Auslöser sind akute Reize, zum Beispiel:

  • langes Stehen
  • Hitze oder schlechte Luft
  • emotionaler Stress, Schmerzen oder Angst
  • schnelles Aufstehen
  • sehen von Blut oder medizinischen Eingriffen
Eine älterer Mann erleidet eine Synkope

Orthostatische Synkopen

Orthostatische Synkopen entstehen, wenn der Blutdruck beim Aufstehen oder bei längerem Stehen zu stark abfällt. Dabei versackt Blut in den Beinen, während die Herzfrequenz und die Kreislaufregulation nicht schnell genug ansteigen, um die ausreichende Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns sicherzustellen.

  • schnelles Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen
  • langes Stehen
  • hohe Temperaturen oder schlecht belüftete, warme Räume
  • Austrocknung bzw. Flüssigkeitsmangel
  • generell niedriger Blutdruck
  • Medikamente wie Blutdrucksenker
  • Störungen des autonomen Nervensystems

Kardiale Synkopen (herzbedingte Synkopen)

Kardiale Synkopen sind gefährlich und entstehen durch Herzrhythmusstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen wie:

  • Herzklappenerkrankungen
  • Kardiomyopathien
  • Koronare Herzkrankheit, die in einem Herzinfarkt münden kann
  • angeborene Herzfehler

Weitere mögliche Auslöser können sein:

  • Stoffwechselstörungen
  • Medikamente oder Alkohol
  • starke Schmerzen
  • Veränderungen des Kreislaufs während Schwangerschaft
Eine Frau leidet unter Schwindel

Welche Symptome treten auf?

Eine Synkope kündigt sich oft durch Vorboten an. Dazu zählen:

  • Schwindel
  • Schwarzwerden vor Augen
  • Übelkeit
  • Schwitzen, Blässe
  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Ohrensausen
  • Schwächegefühl in den Beinen

Während einer Synkope erleben Betroffene häufig einen kompletten Kontrollverlust. Sie fallen plötzlich hin und ihre Bewusstlosigkeit hält für Sekunden bis maximal ein bis zwei Minuten an. Die Ohnmacht wird meist von einer flachen Atmung und einem schwachem, aber noch tastbarem Puls begleitet. Nach der Synkope können Erschöpfung, Benommenheit, leichte Verwirrtheit und Kopfschmerzen auftreten. Auch Verletzungen durch den Sturz sind möglich. 

Hinweis: 

Dauert eine Ohnmacht länger als zwei Minuten oder geht sie mit Krämpfen einher, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch kurze Bewusstlosigkeiten sind ernst zu nehmen. Treten Synkopen häufiger ohne erkennbaren Auslöser auf oder werden sie von Krämpfen, Brustschmerzen, Herzrasen oder einer verzögerten Erholung begleitet, ist eine medizinische Abklärung dringend empfohlen. Beobachten Sie diese Anzeichen bei anderen, wählen Sie sofort den Notruf.

Wie wird eine Synkope diagnostiziert?

Die Diagnose dient vor allem dazu festzustellen, ob es sich um eine harmlose oder ernsthafte Ursache handelt. 

  • Ärztliches Gespräch

    Der Arzt klärt mit Ihnen im Vorfeld wichtige Fragen wie:

    • In welcher Situation trat Synkope auf?
    • Ist sie das erste Mal aufgetreten?
    • Treten begleitende Symptome auf wie Schwindel, Schmerzen, Krämpfe oder Herzrasen?
    • Gibt es Herzprobleme in der Familie?
    • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Körperliche Untersuchung

    Dabei werden Ihr Blutdruck und Ihr Puls im Liegen und im Stehen gemessen (sogenannter Schellong-Test). Zusätzlich beurteilt der Arzt Ihren Allgemeinzustand sowie die Herzgeräusche. Ergänzend erfolgt eine neurologische Untersuchung.

  • EKG/Langzeit-EKG

    Im EKG kann der Arzt mögliche Herzrhythmusstörungen erkennen.

  • Echokardiografie

    Diese Untersuchung hilft, die Herzstruktur und -funktion genauer zu beurteilen.

  • Kipptisch-Test

    Hier wird ein Lagewechsel simuliert und die Kreislaufreaktion überprüft. Der Test ist besonders hilfreich bei dem Verdacht auf reflex- oder orthostatische Synkopen.

  • Blutuntersuchungen

    Im Labor werden bestimmte Werte überprüft. Dazu zählen: 

    • Blutzucker
    • Elektrolyte
    • Anämie
    • Entzündungswerte
    • Schilddrüsenwerte/Nierenwerte
  • Weitere Verfahren

    Bei unklaren Fällen kann ein MRT oder CT des Kopfes, ein EEG oder ein sogenannter Event-Recorder zur Rhythmusüberwachung Aufschluss zur Ursache geben. 

Ein junger Mann beugt eine Synkope mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr vor

Wie wird eine Synkope behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Zur Behandlung reflexbedingter Synkopen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • ausreichend Trinken
  • regelmäßige Bewegung
  • vermeiden langer Standphasen
  • physikalische Gegenmanöver wie Beinüberkreuzungen oder Faustschluss

Behandlung orthostatischer Synkopen

Bei einer vorliegenden orthostatischen Synkope empfiehlt der Arzt Ihnen: 

  • langsamen Aufstehen
  • Kompressionsstrümpfe
  • Anpassung der Medikamente
  • Flüssigkeitszufuhr erhöhen
  • Ausdauersport zur Gefäßstärkung

Behandlung kardialer Synkopen

Bei kardialen Synkopen werden spezifische Therapien durchgeführt. Dazu zählen:

  • Medikamente zur Rhythmusstabilisierung
  • Herzschrittmacher
  • Defibrillator 
  • Behandlung von Herzklappenerkrankungen

Behandlung durch Lebensstilmaßnahmen

  • Ausreichend Schlaf
  • Ausgewogene Ernährung
  • Stressreduktion
  • Körperliches Training
  • Vermeiden von Überhitzung

Erste Hilfe bei Ohnmacht

Wird eine Person plötzlich ohnmächtig, bewahren Sie zunächst Ruhe und legen Sie die Person vorsichtig hin. Überprüfen Sie Atmung und Puls. Ist die Atmung vorhanden, belassen Sie die Person möglichst in Rückenlage und lagern Sie die Beine hoch, um die Hirndurchblutung zu verbessern.

Erbricht die betroffene Person oder besteht die Gefahr des Verschluckens, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Lösen Sie enge Kleidung, öffnen Sie Kragen oder Gürtel und sichern Sie die Umgebung, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Eine ältere Frau wählt den Notruf für ihren ohnmächtigen Mann

Sobald die Person wieder bei Bewusstsein ist, setzen Sie sie langsam auf, lassen Sie sie nicht sofort aufstehen, bieten Sie etwas Wasser an und sorgen Sie für eine Ruhepause.

Hinweis: Alarmieren Sie umgehend den Rettungsdienst, wenn die Atmung fehlt, die Bewusstlosigkeit länger anhält, Krämpfe auftreten, die Synkope ohne erkennbaren Auslöser erfolgt, bekannte Herzprobleme bestehen oder es zu Verletzungen beim Sturz gekommen ist.

Kann man einer Synkope vorbeugen?

Reflex- und orthostatische Synkopen lassen sich meist gut verhindern. Die kardinale Synkope bedarf einer ursachenspezifischen Behandlung. Entsprechende Maßnahmen sind:  

  • Trinken Sie ausreichend – mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich.
  • Essen Sie salzreich, unter der Voraussetzung, dass keine Herz- oder Nierenerkrankung besteht.
  • Vermeiden Sie einen zu schnellen Lagewechsel.
  • Bewegen Sie sich, insbesondere wenn Sie viel stehen müssen.
  • Vermeiden Sie eine zu hohe Wärmebelastung.
  • Ausdauer- und Krafttraining unterstützen Ihren Kreislauf und Ihr Herz.
  • Reduzieren Sie Stress.
  • Meiden Sie Alkohol.

Gut versorgt in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es vielfältige Versorgungsangebote für Menschen mit Synkopen. 

  • Spezialisierte Kliniken

    Magdeburg und Halle/ Saale verfügen über große Herz- und Gefäßzentren.

  • Uniklinik Magdeburg

    Die Uniklinik bietet Spezialsprechstunden für Herzrhythmusstörungen an. Dort werden zur Diagnostik unter anderem der Kipptisch-Tests, Langzeit-EKG oder ein Echokardiografie durchgeführt.

  • Uniklinik Halle (Saale)

    Hier besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Neurologie und Kardiologie, sodass Ursachen für eine Synkope schnell gefunden werden können. 

  • Regionale Fachärzte

    In Städten wie Dessau, Stendal oder Halberstadt finden Betroffene kardiologische Praxen, Gefäßspezialisten und neurologische Einrichtungen.

  • Rettungsdienste und Prävention

    Sachsen-Anhalt verfügt über gut organisierte Rettungsstrukturen und Erste-Hilfe-Schulungen, die zum Beispiel durch die DRK, Johanniter, Malteser oder Feuerwehrschulen durchgeführt werden. Zusätzlich bieten die Organisationen Kurse zur Erkennung und Erstversorgung von Ohnmachtszuständen an.

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