Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Norovirus

Eine Frau mit Norovirus-Infektion hält sich den Bauch vor Schmerzen

Was ist das Norovirus?

Das Norovirus ist ein hochansteckendes Virus, das Magen-Darm-Infektionen mit Erbrechen, Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfen verursacht (Norovirus-Gastroenteritis). Es ist weltweit verbreitet und macht etwa 30 Prozent der nicht-bakteriellen Magen-Darm-Infektionen bei Kindern sowie 50 Prozent bei Erwachsenen aus. Die Symptome dauern meist 12 bis 48 Stunden an. Besonders in Umgebungen mit vielen Menschen auf engem Raum wie Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kreuzfahrtschiffen verbreitet sich das Norovirus schnell. Da es keine Impfung gibt, ist der beste Schutz gegen das Norovirus gute Hygiene – besonders im Herbst und Winter, wenn Hochsaison ist.

In unserem Beitrag erfahren Sie mehr zu den Symptomen und Übertragungswegen des Norovirus. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Behandlung und wie Sie einer Infektion am besten vorbeugen können.

Wussten Sie schon, dass…

  • der wirksamste Schutz vor Noroviren regelmäßiges Händewaschen ist?
  • Noroviren bis zu zwei Wochen nach überstandener Erkrankung ausgeschieden werden können?
  • wir nicht-rezeptpflichtige Medikamente mit bis zu 40 Euro bezuschussen?
Ein Mann fühlt sich aufgrund des Norovirus nicht wohl

Welche Symptome verursacht Norovirus?

Die ersten Symptome treten meist sechs bis 50 Stunden nach der Ansteckung auf und halten etwa ein bis drei Tage an (akute Phase). Typische Symptome bei Norovirus sind:

  • schwallartige Übelkeit und Erbrechen
  • starker Durchfall (Diarrhö)
  • heftige Bauchkrämpfe
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Schwächegefühl
  • Dehydration (Flüssigkeitsmangel)
  • gelegentlich leichtes Fieber

Übertragungswege: Warum ist Norovirus so hochansteckend?

Noroviren werden über den Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden. Bereits eine minimale Menge von 10 bis 100 Viruspartikeln reicht aus, um eine Infektion auszulösen. Die Übertragung von Noroviren erfolgt auf vier Hauptwegen:

  • Schmierinfektion von Mensch zu Mensch

    Schon kleinste Spuren von Erbrochenem oder Stuhlreste an den Händen einer infizierten Person können ausreichen, um das Virus auf einen anderen Menschen zu übertragen.

    Wenn die infizierten Hände dann den Mund berühren, gelangen die Erreger schnell in den Körper. Die Übertragung kann zudem auch durch infektiöse virushaltige Tröpfchen in der Luft während des Erbrechens erfolgen.

  • Tröpfcheninfektion

    Beim Erbrechen bilden sich Aerosole: winzige Tröpfchen in der Luft, die das Virus enthalten und hochansteckend sind.

  • Über verunreinigte Flächen

    Noroviren können mehrere Tage bis Wochen auf trockenen Oberflächen überleben. Hierzu gehören Türgriffe, Handläufe, Armaturen und andere häufig berührte Oberflächen. Zudem sind sie resistent gegen viele alkoholbasierte Desinfektionsmittel. Durch einfachen Hautkontakt können die Erreger dann aufgenommen werden.

  • Über verunreinigte Nahrungsmittel

    Seltener kommt es zu einer Infektion mit dem Norovirus über verunreinigte Lebensmittel, insbesondere Salate, Obst und Meeresfrüchte, aber auch durch verunreinigtes Wasser.

Ansteckend noch nach überstandener Erkrankung

Während der akuten Phase sind erkrankte Personen hochansteckend, da das Erbrochene und der Stuhl eine hohe Viruslast haben. Nach der akuten Phase, wenn die Symptome bereits abgeklungen sind, sind Betroffene jedoch noch weitere 48 Stunden infektiös. 

Das Virus kann hier weiterhin ausgeschieden werden. Auch nach der Genesung, etwa ein bis zwei Wochen nach der Erkrankung, können sich immer noch Noroviren im Stuhl befinden.

Eine Mutter reicht ihrer Tochter mit Norovirus Flüssigkeit

Risikogruppen: Welche Personen sind bei Norovirus besonders gefährdet?

Zu den Risikogruppen einer Norovirus-Infektion zählen:

  • Kinder unter 5 Jahren
  • Schwangere
  • Senioren über 70 Jahre
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Der Flüssigkeitsverlust und die Begleiterscheinungen wirken sich bei diesen Personengruppen stärker aus, weshalb eine Infektion lebensbedrohlich sein kann. Todesfälle durch das Norovirus sind aber selten und treten meist indirekt auf, beispielsweise durch Kreislaufversagen.

Der Flüssigkeitsverlust und die Begleiterscheinungen wirken sich bei diesen Personengruppen stärker aus, weshalb eine Infektion lebensbedrohlich sein kann. Todesfälle durch das Norovirus sind aber selten und treten meist indirekt auf, beispielsweise durch Kreislaufversagen.

Bei starken Symptomen, anhaltendem Erbrechen, Zeichen von Austrocknung oder bei Risikogruppen sollten Sie daher sofort einen Kinder- oder Hausarzt aufsuchen. In einigen Fällen kann sogar eine Krankenhausbehandlung notwendig sein, bei der Flüssigkeit und Elektrolyte intravenös verabreicht werden, bis die Erkrankung überwunden und der Patient stabil ist.

Wie wird Norovirus behandelt?

Die Symptome einer Norovirus-Infektion ähneln denen einer bakteriellen Magen-Darm-Infektion. Bei schweren Verläufen führt der Arzt deshalb eine Stuhlprobe auf Noroviren durch. Da es gegen Noroviren kein spezifisches Medikament gibt, liegt der Fokus auf der Linderung der Symptome und der Unterstützung des Körpers:

Viel trinken

Eine Norovirus-Infektion führt zu einem hohen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten durch häufiges Erbrechen und Durchfall (Dehydration). Deshalb sollten Sie – auch wenn es schwerfällt – ausreichend trinken. Besonders empfehlenswert sind hier:

  • stilles Wasser
  • ungesüßter Kräutertee wie Anis-, Fenchel- und Kümmeltee: wirkt magenberuhigend und krampflösend
  • Pfefferminztee: kann Übelkeit hemmen
  • Kamillentee: entzündungshemmend, beruhigt Verdauungsorgane
  • Elektrolytlösungen aus der Apotheke

Bekömmliche Kost

Wenn das Erbrechen und der Durchfall abklingen, können Sie langsam wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Am besten eignen sich hier leichte, gut verdauliche Kohlenhydrate wie Toast, Zwieback oder Haferschleim. Klare Suppen wie Gemüse- oder Hühnerbrühe sind leicht verdaulich und können zudem den Elektrolythaushalt unterstützen.

Verzicht auf säurehaltige Lebensmittel, Süßes und Fettiges

Säurehaltige Getränke und Lebensmittel können den Magen zusätzlich reizen. Süßigkeiten und fettiges Essen belasten den Magen-Darm-Trakt ebenfalls. Auch Koffein und Alkohol sollten Sie vermeiden.

Schmerzmittel

Noroviren rufen mitunter starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber hervor. Für ein besseres Wohlbefinden können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente wie Paracetamol einnehmen.

Eine Mutter hilft ihrer Tochter bei der Handhygiene

Wie schütze ich mich vor dem Norovirus?

Noroviren sind hochansteckend und breiten sich schnell aus, was einen wirkungsvollen Schutz schwer macht. Es gibt keine Impfung und auch nach überstandener Erkrankung besteht keine langanhaltende zuverlässige Immunität. Das Norovirus gehört nämlich zur Familie der RNA-Viren, die häufig mutieren, weshalb es viele unterschiedliche Typen gibt. Bestimmte Schutzmaßnahmen können eine Ansteckung verhindern und die Ausbreitung eindämmen:

Konsequente Handhygiene

Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich mit Seife für mindestens 20 Sekunden und verwenden Sie anschließend Händedesinfektionsmittel

Kein gemeinsames Benutzen von Hygieneartikeln

Handtücher, Waschlappen und Zahnbürsten sollten nicht gemeinsam genutzt werden, um eine Übertragung der Noroviren zu verhindern.

Textilien häufig wechseln und hygienisch reinigen

Bettwäsche, Waschlappen und Handtücher während und nach einer Norovirus-Erkrankung häufig wechseln und bei mindestens 60°C waschen, um Viren abzutöten.

Erbrochenes und Stuhl zügig beseitigen

Eventuelle Reste sofort mit Einmalhandschuhen und Einmaltüchern beseitigen, um eine Übertragung an weitere Oberflächen zu verhindern.

Eine Frau reinigt eine Arbeitsfläche zum Schutz vor Noroviren

Oberflächen mehrfach täglich desinfizieren

Flächen in der Nähe von erkrankten Personen, wie Toiletten, Waschbecken, Türgriffe und Lichtschalter, sollten mehrmals täglich gründlich desinfiziert werden. 

Dazu eignen sich am besten Desinfektionsmittel mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.

Richtig kochen

Frische Lebensmittel gut waschen und insbesondere Meeresfrüchte gut durchgaren.

FAQ – Häufige Fragen zu Norovirus

Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um das Norovirus – von Ansteckung und Symptomen bis hin zu Schutzmaßnahmen und Verhalten im Krankheitsfall.

  • Was ist der Unterschied zwischen Noroviren und Rotaviren?

    Beide verursachen Brechdurchfälle, aber Rotaviren betreffen überwiegend Kleinkinder und führen im Schnitt zu noch heftigerem Durchfall als Noroviren. Zudem entwickeln Kinder nach Rotavirus-Infektionen meist dauerhafte Immunität (z. B. durch Impfung), während bei Noroviren nach überstandener Erkrankung nur ein kurzfristiger Schutz besteht.

  • Wie lange muss ich bei Norovirus zu Hause bleiben?

    Bei Norovirus wird empfohlen, mindestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zu Hause bleiben, da auch weiterhin eine hohe Ansteckungsgefahr besteht.

  • Wann sollte ich mit Norovirus zum Arzt?

    Suchen Sie einen Arzt auf bei Symptomen, die länger als zwei bis drei Tage anhalten, Zeichen von starker Dehydrierung, hohem Fieber über 38,5°C oder wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören.

  • Was tun, wenn mein Kind Norovirus in der Kita hat?

    Suchen Sie sofort einen Kinderarzt auf und informieren Sie die Kitaleitung. Das Kind darf erst 48 Stunden nach Symptomende wieder in die Einrichtung.

  • Gibt es Medikamente oder einen Impfstoff gegen Noroviren?

    Es existiert weder ein zugelassener Impfstoff noch ein spezifisches Medikament gegen Noroviren. Die Behandlung ist ausschließlich symptomorientiert durch Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich.

  • Muss Norovirus dem Gesundheitsamt gemeldet werden?

    Ja, werden Noroviren im Stuhl nachgewiesen, muss der Arzt dies melden. Häufen sich akute Magen-Darm-Infektionen, müssen öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime dies ebenfalls melden.

  • Welche Desinfektionsmittel helfen gegen Norovirus?

    Gegen Norovirus wirken nur Desinfektionsmittel mit viruzider Wirkung. Alkoholbasierte Desinfektionsmittel sind nur eingeschränkt wirksam. Verwenden Sie Mittel mit Natriumhypochlorit oder anderen viruziden Wirkstoffen. Achten Sie auf die Aufschrift „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.

  • Wie reinige ich nach Norovirus richtig?

    Verwenden Sie viruzide Desinfektionsmittel für alle Oberflächen und waschen Sie Textilien bei mindestens 60°C. 

  • Bin ich nach Norovirus immun gegen weitere Infektionen?

    Nein. Da es viele verschiedene Norovirus-Stämme gibt, können Sie sich immer wieder mit dem Norovirus infizieren.

  • Kann man Norovirus durch Händewaschen verhindern?

    Gründliches Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden reduziert das Ansteckungsrisiko erheblich, bietet aber keinen vollständigen Schutz. Zusätzliche Hygienemaßnahmen sind wichtig, um das Risiko möglichst gering zu halten.

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