Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Nachtblindheit

Eine Frau mit Nachtblindheit liest ein Buch bei schlechten Lichtverhältnissen

Wenn das nächtliche Sehen zur Herausforderung wird

Nachtblindheit ist für viele Betroffene eine schleichende, zunächst kaum bemerkte Einschränkung, die den Alltag jedoch erheblich beeinflussen kann. Während das Sehen bei Tageslicht oft völlig normal erscheint, treten bei Dämmerung, nachts oder in dunkler Umgebung deutliche Probleme auf. Besonders häufig fällt dies beim Autofahren auf: Hindernisse, Personen oder Straßenverläufe werden undeutlich wahrgenommen, Blendungen durch Scheinwerfer nehmen zu. Nachtblindheit kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln, etwa durch Erkrankungen der Netzhaut, Nährstoffmängel, Linsentrübungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.

Im Folgenden erfahren Sie, was Nachtblindheit genau ist, welche Ursachen und Symptome auftreten, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungs- und Vorbeugungsmöglichkeiten es gibt.

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Was steckt hinter Nachtblindheit? 

Bei Nachtblindheit, medizinisch „Nyktalopie“, handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um eine Funktionsstörung des Sehens bei schwachen Lichtverhältnissen. Typisch ist, dass Betroffene tagsüber kaum oder keine Sehprobleme haben, während das Sehen in der Dämmerung oder Dunkelheit stark eingeschränkt ist.

Die Ursache liegt in einer eingeschränkten oder vollständigen Schädigung des sogenannten Stäbchenapparates der Netzhaut (Retina). Je nach Auslöser bleibt die Sehbeeinträchtigung lebenslang stabil oder verschlechtert sich langsam. Erworbene Formen treten häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr erstmals auf.

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Funktion der Sinneszellen im Auge 

In der Netzhaut befinden sich zwei Arten von Fotorezeptoren:

  • Zapfen: verantwortlich für das Farbsehen und das scharfe Sehen bei Tageslicht
  • Stäbchen: ermöglichen das Hell-Dunkel-Sehen, besonders bei Nacht

Die Anpassung des Auges an veränderte Lichtverhältnisse nennt man Dunkeladaption. Sie dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten.

Nachtblindheit „erkennen“

In den meisten Fällen entwickelt sich Nachtblindheit schleichend. Betroffene gewöhnen sich zunächst unbewusst an die Einschränkung, meiden nächtliche Aktivitäten oder fühlen sich beim Autofahren zunehmend unsicher. Oft wird die Problematik erst dann bewusst, wenn das Sehen im Dunkeln deutlich schlechter ist als früher. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte eine augenärztliche Untersuchung erfolgen, um die Ursache abzuklären.

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Symptome

Typische Symptome der Nachtblindheit sind ein eingeschränktes oder fehlendes Sehvermögen bei Dunkelheit sowie Schwierigkeiten, Gegenstände oder Personen zu erkennen. Viele Betroffene berichten zudem über eine erhöhte Blendempfindlichkeit und nachlassende Sehschärfe.

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Den Ursachen der Nachtblindheit auf der Spur 

Allen Formen der Nachtblindheit ist gemeinsam, dass die Funktion der Stäbchen in der Netzhaut beeinträchtigt ist. Diese spezialisierten Sinneszellen sind vor allem für das Sehen bei Dämmerung und Dunkelheit verantwortlich. 

Die Gründe für ihre eingeschränkte Leistungsfähigkeit können jedoch sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen erblich bedingten Ursachen, die bereits angeboren sind, und erworbenen Formen, die sich erst im Laufe des Lebens entwickeln.

Erblich bedingte Ursachen

Bei erblichen Formen machen sich die Symptome häufig schon im Kindes- oder Jugendalter bemerkbar. Eine bekannte Form ist die kongenitale stationäre Nachtblindheit, bei der eine genetisch bedingte Funktionsstörung der Netzhaut vorliegt. Ebenfalls erblich ist die Retinitis pigmentosa, eine fortschreitende Netzhauterkrankung, bei der zunächst die Stäbchen und später auch die Zapfen zerstört werden. Nachtblindheit ist hier oft eines der ersten Symptome.

Weitere seltene genetische Erkrankungen sind der Morbus Oguchi. Er ist durch eine auffällige Verfärbung des Augenhintergrundes gekennzeichnet und geht mit einer lebenslangen Nachtblindheit einher, die bereits im Kindesalter besteht. Beim Fundus albipunctatus ist die Dunkeladaption deutlich verlangsamt; zudem zeigt die Netzhaut zahlreiche helle, weißlich-gelbe, punktförmige Ablagerungen. Die sogenannte Lebersche kongenitale Amaurose zählt zu den schwersten angeborenen Formen und führt meist schon im Säuglingsalter zu einer erheblichen Sehbehinderung oder Erblindung.

Auch ein Vitamin-A-Mangel kann Nachtblindheit verursachen, da Vitamin A für die Bildung von Rhodopsin unerlässlich ist. Hierbei handelt es sich um eine erworbene Ursache, die durch Mangelernährung, Resorptionsstörungen im Darm oder bei Leberzirrhose entsteht. Der Körper speichert Vitamin A in der Leber. Ein ausgeprägter Mangel tritt weltweit vor allem in Entwicklungsländern auf, kann aber auch bei schweren Resorptionsstörungen oder einseitiger Ernährung vorkommen.

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Erworbene Ursachen

Erworbene Nachtblindheit entwickelt sich meist im Erwachsenenalter und ist häufig ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Eine wichtige Ursache ist die diabetesbedingte Netzhauterkrankung (diabetische Retinopathie), bei der Gefäßschäden die Funktion der Netzhaut beeinträchtigen. Auch entzündliche Erkrankungen wie die Chorioretinitis, bei der sowohl Aderhaut als auch Netzhaut betroffen sind, können zu Nachtblindheit führen.

Beim Grünen Star (Glaukom) handelt es sich um eine ernsthafte Augenerkrankung, bei der der Sehnerv geschädigt wird und die unbehandelt bis zur Erblindung führen kann. Ein akuter Glaukomanfall ist ein augenärztlicher Notfall und geht mit plötzlich auftretenden Augenschmerzen, Sehverschlechterung, Übelkeit und Erbrechen einher. Daneben gibt es Sehstörungen, die keine echte Nachtblindheit darstellen, sondern das Dämmerungssehen betreffen. Dazu zählt die sogenannte Nachtkurzsichtigkeit. Sie kann sowohl bei normalsichtigen als auch bei fehlsichtigen Menschen auftreten und äußert sich darin, dass entfernte Objekte bei schlechten Lichtverhältnissen unscharf erscheinen. In solchen Fällen kann eine speziell angepasste Brille das Sehen beim Autofahren in der Nacht verbessern.

Weitere mögliche Auslöser sind altersbedingte Veränderungen wie eine Verengung der Pupille, Linsentrübungen im Rahmen eines Grauen Stars, Kurz- oder Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmungen, hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion sowie bestimmte Infektionskrankheiten.

Nachtblindheit: Diagnose und Befund

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der gezielt nach Sehproblemen im Dunkeln gefragt wird. Anschließend kommen verschiedene Untersuchungsverfahren zum Einsatz. Mit der Adaptometrie lässt sich messen, wie gut und wie schnell sich das Auge an Dunkelheit anpasst. Die Elektroretinografie prüft die Funktion von Stäbchen und Zapfen, indem elektrische Reaktionen der Netzhaut gemessen werden.

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Ergänzend kann eine Nyktometrie durchgeführt werden, um das Dämmerungssehen sowie die Blendempfindlichkeit objektiv zu beurteilen. Mithilfe der Perimetrie wird das Gesichtsfeld geprüft: Dabei fixiert der Patient mit unbewegtem Auge einen Punkt, während die Wahrnehmung von Lichtreizen im gesamten Sichtfeld gemessen wird. Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, darunter die automatische statische Perimetrie, die kinetische Perimetrie oder die einfache Fingerperimetrie. Auf diese Weise lassen sich Gesichtsfeldausfälle erkennen, die unter anderem auf Erkrankungen wie eine Retinitis pigmentosa hindeuten können.

Eine Ophthalmoskopie ermöglicht die Untersuchung des Augenhintergrundes und liefert wichtige Informationen über den Zustand von Netzhaut, Sehnerv und Blutgefäßen. Ergänzend können weitere Untersuchungen wie Sehschärfen- und Farbsehtests sowie eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Vitamin-A-Spiegels durchgeführt werden, um die Diagnose abzusichern.

Das Sehen erhalten und rechtzeitig handeln 

Die Behandlung der Nachtblindheit richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache. Für erblich bedingte oder angeborene Formen gibt es derzeit keine heilende Therapie. Die Forschung arbeitet jedoch an neuen Ansätzen wie Gentherapien oder Stammzelltransplantationen, die in Zukunft neue Perspektiven eröffnen könnten.

Bei erworbenen Ursachen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Ein Grauer Star kann beispielsweise operativ behandelt werden, indem die getrübte Linse durch eine künstliche ersetzt wird. Bei Nachtkurzsichtigkeit können spezielle, vollständig entspiegelte Nachtfahrbrillen das Sehen im Dunkeln deutlich verbessern. Getönte Gläser sind dabei nicht geeignet, da sie das ohnehin knappe Licht zusätzlich reduzieren.

Übrigens: Wir zahlen einen Zuschuss für Sehhilfen. Mehr zur Kostenübernahme und anderen Leistungen finden Sie hier

In schweren Fällen kann es notwendig sein, das Autofahren bei Dunkelheit einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. Das dient nicht nur dem Schutz anderer Verkehrsteilnehmer, sondern auch dem Selbstschutz der Betroffenen.

  • Vitamin-A-Mangel vorbeugen 

    Ein wichtiger Aspekt der Vorbeugung ist die ausreichende Versorgung mit Vitamin A. Eine ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln wie Fisch, Eiern, Karotten, Tomaten oder Paprika trägt dazu bei, die Vitamin-A-Speicher aufzufüllen. Bei einem nachgewiesenen Mangel können ergänzend Vitamin-A-Präparate sinnvoll sein, jedoch immer nur nach ärztlicher Absprache.

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolle 

    Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind entscheidend, insbesondere bei bekannten Sehproblemen seit der Kindheit, bei Diabetes oder im höheren Lebensalter. Ab dem 60. Lebensjahr wird eine jährliche Untersuchung empfohlen. Bei Kindern und Jugendlichen werden Sehauffälligkeiten im Rahmen der U- und J-Untersuchungen erfasst, sodass frühzeitig reagiert werden kann.

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