Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Blutverdünner

Ein Arzt verschreibt einem älteren Patienten Blutverdünner

Blutungsrisiko: Wie gefährlich sind Blutverdünner?

Verletzen wir uns, kommt es oft auf die Blutgerinnung an: Die Blutplättchen (Thrombozyten) lagern sich an der verletzten Gefäßwand an und Gerinnungsfaktoren (Eiweiße) werden aktiviert. Dadurch bildet sich ein Pfropf über der Wunde, sodass kein weiteres Blut austritt. Bei bestimmten Erkrankungen ist die Blutgerinnung gestört, wodurch lebensgefährliche Blutgerinnsel entstehen können. In solchen Fällen kommen oft Blutverdünner zum Einsatz, die dieses Risiko minimieren, aber auch die Blutgerinnung bei Wunden stark einschränken. Bei der Einnahme von Blutverdünnern ist es deshalb wichtig, für den Notfall vorzusorgen und Ärzte zu informieren, um weitere gesundheitliche Risiken zu minimieren.

Im Beitrag erfahren Sie, wer Blutverdünner verschrieben bekommt und welche Wirkstoffgruppen es gibt. Außerdem geben wir wichtige Tipps für den Alltag.

Wussten Sie schon, dass...

  • es 13 Gerinnungsfaktoren im Blut gibt? 
  • wir Sie bei Ihrem regelmäßigen Check-up unterstützen?
  • es in Sachsen-Anhalt jährlich circa 10.000 Schlaganfälle gibt?
Blutverdünner in Tablettenform in einer Box

Was sind Blutverdünner?

Blutverdünner sind Medikamente, die die Blutgerinnung beziehungsweise die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) verzögern oder verhindern. Medizinisch werden sie als Antikoagulantien bezeichnet, was sich vom lateinischen „anti“ für „gegen“ und „coagulare“ für „gerinnen“ ableitet. Eine weitere Gruppe der Blutverdünner sind die Thrombozytenaggregationshemmer.

Der Begriff Blutverdünner ist umgangssprachlich und kann missverständlich sein. Die Medikamente machen das Blut nicht flüssiger. Stattdessen verringern sie die Fähigkeit des Blutes, Gerinnsel zu bilden. Fachlich treffender sind daher Bezeichnungen wie "Plättchenhemmer" oder "Gerinnungshemmer".

Ziel der Behandlung ist es, die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern und damit das Risiko für Gefäßverschlüsse zu senken. Blutverdünner wirken, indem sie die Zusammenlagerung von Blutplättchen hemmen oder die Gerinnungsprozesse im Blut verlangsamen. 

Je nach Wirkstoff greifen die Medikamente an unterschiedlichen Stellen in die Gerinnung ein. So hemmen einige Präparate die Funktion der Blutplättchen, während andere, zum Beispiel Vitamin K Antagonisten oder Heparine, die Gerinnungsprozesse im Blut verlangsamen. Sie werden beispielsweise eingesetzt, um venöse Gerinnsel wie Lungenembolien zu behandeln oder bei Vorhofflimmern das Risiko für einen Schlaganfall zu senken. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente wie Blutverdünner bei entsprechender medizinischer Indikation.

Risikofaktoren für eine Blutgerinnungsstörung

  • über 65 Jahre alt
  • unbehandelter Bluthochdruck
  • schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • bestehende oder kürzlich aufgetretene Blutungen
  • vorherige Schlaganfälle, insbesondere Hirnblutungen
  • Einnahme weiterer Arzneimittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Schwangere mit Blutungsneigung oder generell auftretenden Blutungen

Welche Wirkstoffe gibt es?

Unterschiedliche Wirkstoffe werden als Blutverdünner eingesetzt:

  • Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine)

    Vitamin-K-Antagonisten gehören zu den klassischen Gerinnungshemmern. Zu der Wirkstoffklasse zählen zum Beispiel Phenprocumon oder Warfarin (heute kaum noch eingesetzt). Sie hemmen die Vitamin-K-abhängige Bildung von Blutgerinnungsfaktoren in der Leber und senken dadurch das Risiko für die Entstehung neuer Blutgerinnsel.

    Die Wirkstoffe werden in der Regel zur Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen und Embolien eingesetzt oder zur Langzeitbehandlung nach einem Herzinfarkt.

    Vitamin-K-Antagonisten haben eine lange Wirkungsdauer. Daher sollten sie frühzeitig vor chirurgischen Eingriffen abgesetzt werden, um Blutungskomplikationen zu vermeiden. Sprechen Sie auch bei kleineren Eingriffen wie beim Zahnarzt ihre Gerinnungshemmer an.

    Durch ihre Wirkung auf mehrere Gerinnungsfaktoren gleichzeitig sind sie schlechter steuerbar, wodurch ihre Bedeutung in der modernen Therapie sinkt. Sie werden zunehmend durch direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) ersetzt.

  • Heparine

    Heparine sind körpereigene beziehungsweise synthetisch hergestellte Polysaccharide. Sie hemmen zentrale Schritte der Blutgerinnung und wirken dadurch gerinnungshemmend. Heparine werden meist als Spritze unter die Haut oder als Infusion verabreicht und kommen zum Einsatz bei:

    • akutem Herzinfarkt
    • Venenthrombosen
    • Lungenembolie
    • Thromboseprophylaxe nach Operationen oder bei Bettlägerigkeit wegen schwerer Krankheiten

    Heparine haben eine starke, aber relativ kurze Wirkdauer. Auch sie sind schlechter steuerbar, da sie in mehrere Schritte der Gerinnung gleichzeitig eingreifen.

  • Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK/NOAK)

    Direkte orale Antikoagulanzien sind neuere Wirkstoffe. Hierzu zählen zum Beispiel Apixaban, Dabigatran, Edoxaban oder Rivaroxaban. Sie hemmen gezielt einzelne Gerinnungsfaktoren und greifen dadurch spezifisch in die Blutgerinnung ein.

Eine Ärztin erstellt gemeinsam mit einem Patienten einen Medikamentionsplan

Anwendungsgebiete:

  • Prophylaxe von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei Erwachsenen mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und mindestens einem weiteren Risikofaktor, zum Beispiel Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Alter ab 75 Jahren, Diabetes mellitus oder bereits durchgemachtem Schlaganfall beziehungsweise transitorischer ischämischer Attacke (TIA)
  • Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien sowie zur Vorbeugung wiederkehrender TVT und Lungenembolien

DOAKs werden als Tabletten oder Kapseln nach einem festgelegtem Dosierungsregime eingenommen. Im Gegensatz zu älteren Gerinnungshemmern sind keine routinemäßigen Kontrollen der Blutgerinnungswerte erforderlich. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte geprüft werden, ob die Dosierung angepasst werden kann oder ungeeignet ist, da die Wirkstoffe teilweise über die Niere ausgeschieden werden.

Mögliche Nebenwirkungen sind, wie bei Vitamin-K-Antagonisten und Heparinen, spontane Blutungen oder Hämatome.

Thrombozytenaggregationshemmer

Diese Wirkstoffe hemmen das Zusammenlagern von Blutplättchen und damit die Entstehung von Blutgerinnseln. Sie werden meist dauerhaft in niedriger Dosierung eingesetzt, insbesondere bei koronarer Herzkrankheit zur Vorbeugung oder Behandlung nach einem Herzinfarkt sowie nach einer Stentimplantation.

Eine Frau verabreicht ihrem Mann Blutverdünner

Auch bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) können Thrombozytenaggregationshemmer eingesetzt werden. Ebenso kommen sie nach einem Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls infrage, sofern eine entsprechende Risikokonstellation vorliegt.

Die Medikamente sind in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind Magenschmerzen sowie Blutergüsse, die zum Beispiel nach Stößen oder Stürzen auftreten können.

Wer erhält Blutverdünner?

Je nachdem, welche Erkrankung vorliegt, sind unterschiedliche Wirkstoffe geeignet.

Blutverdünner kommen zum Einsatz bei:

  • Menschen mit angeborener Neigung zu erhöhter Blutgerinnung (Hinweis: kein automatischer Leistungsanspruch in der GKV)
  • vor, nach und während chirurgischen Eingriffen
  • längerer Liegezeit eines Patienten, um Thrombosen vorzubeugen
  • ergänzend zur Therapie bei atherosklerotischen Erkrankungen wie koronarer Herzkrankheit (KHK) oder „Schaufensterkrankheit“ (pAVK), insbesondere nach Herzinfarkten und Schlaganfällen
  • Patienten, die Thrombosen und /oder Embolien hatten
  • Patienten mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern / Vorhofflattern aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos

Welche Ansprechpartner gibt es in Sachsen-Anhalt?

Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Dieser kann bei Bedarf an Fachärzte wie Angiologen, Kardiologen oder Hämatologen überweisen. Bei speziellen Fragestellungen zu Gerinnungsstörungen erfolgt die weitere Abklärung häufig in entsprechenden Fachambulanzen oder spezialisierten Zentren.

Eine Übersicht über geeignete Einrichtungen und spezialisierte Behandlungsstellen in Sachsen-Anhalt finden Sie auf den jeweiligen Informationsseiten der ärztlichen Selbstverwaltung oder Fachgesellschaften. 

Risiken und Vorsichtsmaßnahmen im Alltag

Die größte Nebenwirkung von Blutverdünnern ist das erhöhte Blutungsrisiko. Bestimmte Maßnahmen können Betroffene schützen. Außerdem muss der Wirkstoff individuell und ärztlich gefunden und verordnet werden.

  • Die richtige Dosis einnehmen

    Nehmen Sie die Medikamente regelmäßig und genau in der verordneten Dosis ein. Vor allem bei älteren Patienten können hier Medikamenten-Boxen hilfreich sein. Ausnahme: CAVE Dabigatran, da dieses zwingend im Blister aufbewahrt werden muss. Außerdem sollten Sie die Medikamente nie ohne ärztliche Rücksprache absetzen oder Selbstmedikation betreiben.

    Auch eine Teilnahme am AOK-Hausarztprogramm ist sinnvoll, da dies die Überweisung zu einem Facharzt vereinfachen kann.

  • An Wechselwirkungen denken

    Beachten Sie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie Ibuprofen und lassen Sie diese immer ärztlich oder in der Apotheke abklären.

  • Medizinisches Personal informieren

    Informieren Sie Ärzte vor operativen Eingriffen und Zahnbehandlungen. Blutverdünner müssen gegebenenfalls mit ausreichender Vorlaufzeit abgesetzt werden, da eine Gefahr von Blutungen besteht, die nur schwer gestillt werden können.

  • Für den Notfall vorsorgen

    Tragen Sie Ihren Medikamentenausweis oder Notfallausweis „Blutverdünner“ stets bei sich. Diesen können Sie kostenlos bei der Deutschen Herzstiftung e. V. bestellen.

    Außerdem kann helfen:

    • digitale Patienten- oder Medikationsapps, in denen Sie Notfalldaten abspeichern
    • Notfallarmband, medizinischer Schmuck: erkennen Rettungsdienste und Ärzte schnell
    • Notfalldaten auf eGK und ePA von Arzt speichern lassen

    Viele hilfreiche Maßnahmen und Tipps für die gesundheitliche Vorsorge finden Sie zudem hier.

Vitamin K und seine Rolle bei der Blutgerinnung

Vitamin K kann die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente einschränken. Bei konstanter Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten wird deshalb von einer Ernährung mit stark Vitamin-K-haltigen Nahrungsmitteln abgeraten. Ein grundsätzlicher Verzicht ist allerdings nicht notwendig. Nehmen Sie es stattdessen eher regelmäßig, ausgewogen und dosiert zu sich und halten Sie bei Unsicherheiten immer Rücksprache mit Ihrem Arzt. Vitamin-K-reiche Lebensmittel sind unter anderem:

  • Kohlgemüse
  • Nüsse
  • Grünes Gemüse
  • Speiseöle wie Olivenöl und Maiskeimöl
  • Kichererbsen, getrocknete Linsen

Gut zu wissen

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