Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Antihormontherapie

Eine Krebspatientin nimmt eine Antihormontherapie in Form von Tabletten ein.

Behandlung von hormonabhängigen Tumoren

Hormone steuern eine Vielzahl lebenswichtiger Funktionen im Körper – doch manchmal können sie auch das Wachstum bestimmter Tumoren begünstigen. Bei hormonabhängigen Krebsarten setzt deshalb die Antihormontherapie an: eine bewährte Behandlungsmethode, die den Einfluss der Hormone gezielt reduziert und so die Ausbreitung des Tumors bremst.

Diese Therapieform spielt besonders bei Brustkrebs, Prostatakrebs und anderen hormonabhängigen Krebsarten eine zentrale Rolle. Sie kann als Ergänzung zu Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt werden und hilft, das Tumorwachstum zu verlangsamen und das Risiko einer Metastasierung zu senken.

Wie jede medizinische Behandlung kann auch die Antihormontherapie Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen unter anderem Hitzewallungen, Osteoporose oder körperliche Schwäche.

In unserem Artikel erfahren Sie, wie eine Antihormontherapie funktioniert, wann sie zum Einsatz kommt und welche weiteren Nebenwirkungen möglich sind.

Wussten Sie schon, dass...

  • eine Antihormontherapie das Rückfallrisiko bei Krebs verringern kann?
  • wir Sie mit dem AOK-Curaplan Brustkrebs unterstützen?
  • der AOK Familiencoach Krebs Angehörige von Krebspatienten hilft, besser mit der neuen Alltagssituation umzugehen?
Ein Krebspatient sitzt beim Arzt. Sie besprechen eine Antihormontherapie.

Was ist eine Antihormontherapie?

Die Antihormontherapie (auch endokrin-basierte Therapie genannt) setzt dort an, wo bestimmte Hormone das Wachstum von Tumoren fördern. Viele Krebsarten reagieren sensibel auf Hormone wie Östrogen, Progesteron oder Testosteron. Sind Tumorzellen hormonrezeptor-positiv, besitzen sie spezielle Bindestellen, über die Hormone das Wachstum der Krebszellen anregen.

Die Antihormontherapie durchbricht diesen Mechanismus. Je nach Wirkstoff kann sie:

  • die Produktion bestimmter Hormone reduzieren,
  • die Wirkung der Hormone blockieren, oder
  • verhindern, dass Hormone an die Rezeptoren der Tumorzellen andocken.

In der Praxis wird die Antihormontherapie häufig ergänzend zu Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt. Zwar kann sie den Krebs nicht vollständig heilen, doch sie unterstützt die Gesamtbehandlung und senkt das Rückfallrisiko, insbesondere bei hormonabhängigen Tumoren wie Brust- oder Prostatakrebs. Die Therapie erstreckt sich meist über fünf bis zehn Jahre, abhängig von Krebsart, Krankheitsstadium und individueller Verträglichkeit.

Wichtig zu wissen: Die Antihormontherapie verfolgt ein ganz anderes Ziel als die Hormonersatztherapie. Während die Antihormontherapie die Wirkung körpereigener Hormone hemmt, werden bei der Hormonersatztherapie Hormone zugeführt, um Beschwerden, zum Beispiel in den Wechseljahren, zu lindern. Beide Formen gehören zwar zur Hormontherapie, wirken aber in entgegengesetzte Richtungen.

Eine Person hält Antihormontabletten in der linken Hand. In der rechten Hand hält sie ein Glas Wasser.

Formen der Antihormontherapie

In der Regel gibt es zwei mögliche Ansätze bei der Antihormontherapie. 

Während der medikamentösen Therapie werden Präparate in Form von Tabletten oder Spritzen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Medikamente wie Antiöstrogene oder Antiandrogene, die die Bindestellen (Rezeptoren) blockieren. Sie reduzieren oder verhindern die Hormonmenge beziehungsweise die Produktion im Körper. Dazu gehören Aromatasehemmer oder GnRH-Analoga. Bei einem operativen Eingriff werden die Drüsen entfernt, die Hormone bilden.

Wann wird eine Antihormontherapie eingesetzt?

Bei hormonabhängigen Tumoren zielt die Antihormontherapie darauf ab, das Wachstum der Krebszellen zu verlangsamen und eine Streuung zu verhindern. Nach einer erfolgreichen Behandlung oder Operation kann sie außerdem dazu beitragen, das Rückfallrisiko deutlich zu senken.

Ob eine Antihormontherapie infrage kommt und welche Wirkstoffe sich am besten eignen, entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten. Grundlage dafür ist die Hormonempfindlichkeit des Tumors. Sie wird in der Regel durch eine feingewebliche Untersuchung ermittelt, bei der geprüft wird, ob die Tumorzellen Hormonrezeptoren aufweisen.

Besonders wirksam ist die Antihormontherapie bei Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs und Prostatakrebs, da diese Tumorarten häufig durch Sexualhormone wie Östrogen, Progesteron oder Testosteron beeinflusst werden.

  • Prostatakrebs

    Die Antiandrogentherapie kann als begleitende Therapie (zur Chemo- oder Strahlentherapie) beim nicht-metastierenden Prostatakarzinom eingesetzt werden beziehungsweise als alleinige oder begleitende Therapie bei metastasiertem Prostatakarzinom. Es bedarf der Abklärung, ob es sich um ein hormonsensitives oder kastrationsresistentes Prostatakarzinom handelt.

  • Brust- und Gebärmutterkörperkrebs

    Die Entstehung der Tumore ist sehr häufig hormonabhängig. In den meisten Fällen wird eine Operation, eine Strahlen- und Chemotherapie mit der Antihormontherapie begleitet.

  • Schilddrüsenkrebs

    Diese Tumore sind in der Regel nicht hormonempfindlich. Nach Entfernung der Schilddrüsen schüttet die Hirnanhangsdrüse aber das Steuerhormon Thyreotropin (TSH) aus, um den entstandenen Mangel auszugleichen. Dadurch ist das Wachstum von Krebszellen weiterhin möglich. Die Antihormontherapie unterdrückt die Produktion von TSH und senkt das Rückfallrisiko.

  • Sonderfall Neuroendokrine Tumore

    Neuroendokrine Tumore gelten als seltenere Krebsart. Die Tumore produzieren selbst Hormone und die Beschwerden zeigen sich durch den Hormonüberschuss. Die Antihormontherapie wird sowohl zur Wachstumshemmung als auch zur Symptomkontrolle eingesetzt, insbesondere wenn eine operative Entfernung des Tumors nicht möglich ist.

  • Eierstockkrebs

    Auch Eierstockkrebs gilt als hormonabhängig, zeigt jedoch meist nur eine geringe Hormonempfindlichkeit. Daher wird eine Antihormontherapie bei dieser Tumorart nur in einzelnen, speziell ausgewählten Fällen eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen hat eine Antihormontherapie?

Regelmäßige Kontrollen sind während der Antihormontherapie wichtig, um Wirkung und mögliche Nebenwirkungen engmaschig zu überwachen. Welche Begleiterscheinungen auftreten können, hängt vom eingesetzten Medikament, vom allgemeinen Gesundheitszustand sowie von der jeweiligen Krebsart ab. Je nachdem, welches Hormon gehemmt wird, zeigen sich unterschiedliche Symptome.

Eine Krebspatientin liest sich einen Beipackzettel zu ihrer Antihormontherapie durch.

Nebenwirkungen bei Östrogenblockade

Wird die Wirkung von Östrogen unterdrückt, ähneln viele Beschwerden den typischen Symptomen der Wechseljahre. Dazu gehören:

  • Hitzewallungen
  • Schlafstörungen
  • Ausbleiben des Eisprungs
  • unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutungen

Je nach Wirkstoff können weitere Nebenwirkungen auftreten:

  • Antiöstrogene erhöhen das Thromboserisiko und können zu Blutungen der Gebärmutterschleimhaut führen.
  • Aromatasehemmer können Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden oder eine verminderte Knochendichte verursachen, was langfristig das Risiko für Osteoporose erhöht.

Nebenwirkungen bei Testosteronblockade

Wird die Wirkung von Testosteron gehemmt, kann dies eine Reihe von körperlichen Veränderungen auslösen. Häufig treten auf:

Auch Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes sind möglich. Dazu gehören:

  • Abnahme der Haardichte und des Haarvolumens
  • Veränderungen der Gesichts- und Körperbehaarung
  • Verkleinerung von Penis und Hodensack
  • Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie), die zu einem sichtbaren Brustwachstum führt

Therapie nach der Schilddrüsenentfernung

Nach einer Entfernung der Schilddrüse ist eine hormonelle Ersatztherapie notwendig, um den Stoffwechsel stabil zu halten. Kommt es zu einer Überdosierung, können Beschwerden auftreten, die einer Schilddrüsenüberfunktion ähneln. Dazu gehören:

  • Nervosität und Stimmungsschwankungen
  • Hitzewallungen
  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Schlaflosigkeit

Eine regelmäßige Kontrolle der Hormonwerte ist daher wichtig, um die Dosierung optimal anzupassen.

Therapie bei Neuroendokrinen Tumoren

Bei neuroendokrinen Tumoren werden häufig Medikamente eingesetzt, die die Ausschüttung von Hormonen und hormonähnlichen Substanzen reduzieren. Dies kann das allgemeine Wohlbefinden deutlich verbessern und Symptome der Krankheit lindern.

Allerdings können, vor allem bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt, auch Nebenwirkungen auftreten, darunter:

  • Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • niedriger Blutzuckerspiegel
  • Gallensteine

Wichtig

Informieren Sie bei auftretenden Nebenwirkungen immer Ihren behandelnden Arzt. Viele Beschwerden lassen sich medizinisch begleiten oder durch eine Anpassung der Therapie lindern. Auch ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Entspannungstechniken können unterstützen und Ihr allgemeines Wohlbefinden verbessern.

So unterstützt Sie die AOK Sachsen-Anhalt

Wir unterstützen Sie mit unseren kostenfreien Vor- und Nachsorgeangeboten:

  • AOK-Curaplan Brustkrebs

    Das Programm bietet eine umfassende und optimale ärztliche Betreuung während der gesamten Behandlungszeit. Ihr behandelnder Gynäkologe koordiniert alle notwendigen Facharzttermine und sorgt so für einen reibungslosen Ablauf der Therapie.

    Zusätzlich steht Ihnen psychosoziale und psychologische Unterstützung zur Verfügung, um Sie auch emotional und im Alltag bestmöglich zu begleiten. Darüber hinaus erhalten Sie Hilfe bei der Nachsorge, sodass der weitere Verlauf engmaschig überwacht und frühzeitig auf Veränderungen reagiert werden kann.

    Weitere Informationen zu den Voraussetzungen und der Teilnahme finden Sie hier.

  • Vertrag familiärer Brust- und Eierstockkrebs

    Bei einem genetisch erhöhten Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs erfolgt eine besonders engmaschige Beobachtung, um Veränderungen möglichst früh zu erkennen. Betroffene erhalten zudem eine Versorgung in universitären Zentren, die auf erbliche Tumorerkrankungen spezialisiert sind.

    Lesen Sie hier mehr zum Vertrag bei familiären Brust- und Eierstockkrebs.

  • AOK Familiencoach Krebs

    Der AOK Familiencoach Krebs ist ein Online‑Selbsthilfeprogramm, das sich an Angehörige von Krebspatienten richtet. Es bietet umfangreiche Informationen, praktische Unterstützung und alltagsnahe Hilfestellungen, um besser mit der belastenden Situation umgehen zu können. Ziel ist es, Angehörige emotional zu entlasten, zu stärken und ihnen konkrete Wege aufzuzeigen, wie sie sich selbst und ihre erkrankten Familienmitglieder unterstützen können.

    Den Zugang zum AOK Familiencoach Krebs und einen Überblick zu allen weiteren AOK Online-Coachs finden Sie hier.

  • Vorsorgeleistungen der AOK Sachsen-Anhalt

    Zusätzlich übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt weitere wichtige Vorsorgeuntersuchungen, die in diesem Zusammenhang relevant sind und dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.

    Erhalten Sie hier einen Überblick aller Vorsorgeleistungen der AOK Sachsen-Anhalt.

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