Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Zähneknirschen

Ein älterer Mann verspürt aufgrund von Zähneknirschen Schmerzen im Kiefer

Was hilft gegen Zähneknirschen?

Unter Zähneknirschen, medizinisch Bruxismus, versteht man das unbewusste Aufeinanderpressen und Reiben der Zähne. In Deutschland sind hiervon bis zu 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Zum Zähneknirschen kommt es dabei meist im Schlaf (Schlafbruxismus), aber auch tagsüber (Wachbruxismus). Die Betroffenen bemerken es nicht und wachen am nächsten Tag mit unerklärlichen Schmerzen im Kiefer auf. Am häufigsten sind dafür Stress und psychische Belastungen die Ursache. Eine Behandlung kann unter anderem mit Knirscherschienen erfolgen und ist wichtig, um Zahnschäden zu verhindern. 

Im Beitrag erfahren Sie, welche Ursachen und Folgen Zähneknirschen haben kann. Außerdem zeigen wir, welche Behandlungs- und Vorsorgemöglichkeiten es gibt.

Wussten Sie schon, dass…

  • beim Zähneknirschen das zehnfache des normalen Kaudrucks auf die Zähne wirken kann?
  • Zähneknirschen eine Art Stressabbau sein kann?
  • die AOK Sachsen-Anhalt zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung bezuschusst?

Ursachen: Warum knirscht man mit den Zähnen?

Zähneknirschen kann verschiedene Ursachen haben:

Stress und psychische Probleme

Zähneknirschen (Bruxismus) entsteht meist durch Stress, innere Anspannung oder psychische Belastung, kann aber auch durch Zahnfehlstellungen, Schlafstörungen oder ungünstige Bisslagen ausgelöst werden.

Gestörter Zusammenbiss

Ein gestörter Zusammenbiss bedeutet, dass die Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht optimal zusammenpassen. An einigen Stellen kommt es dann zu ungünstigen Kontakten mit dem Gegenkiefer. Oder ein Zahn wächst zu weit aus dem Kiefer heraus, weil im Gegenkiefer ein Zahn fehlt und somit der Gegenbiss nicht vorhanden ist.

Eine Zahnärztin untersucht einen Patienten, der unter Zähneknirschen leidet

Nikotin, Alkohol, Koffein und Medikamente

Ein zu hoher Konsum von Koffein, Nikotin, Alkohol und anderen stimulierenden Substanzen verstärkt das Zähneknirschen. Sie aktivieren das zentrale Nervensystem und erhöhen die Muskelspannung.

Auch Medikamente wie bestimmte Antidepressiva (wie SSRI) oder ADHS-Medikamente (wie Methylphenidat) können Bruxismus begünstigen.

Fehlerhafter Zahnersatz

Wenn Kronen, Füllungen, Brücken oder Prothesen nicht korrekt sitzen oder zu hoch sind, kann das Zähneknirschen begünstigen.

Erkrankungen

Einige Erkrankungen können das Zähneknirschen begünstigen. Dazu zählen:

Folgen von Zähneknirschen

Beim Zähneknirschen werden die Zähne unbewusst mit großem Druck aufeinander gerieben. Dieser Druck ist beim Schlafen besonders stark, da die muskuläre Kontrolle durch das Bewusstsein entfällt. Dadurch wird die Gesichtsmuskulatur stark belastet und der Zahnschmelz, die Schutzschicht der Zähne, wird mit der Zeit durch den Abrieb geschädigt.

Ein Mann leidet unter Verspannungen der Kiefrrmuskulatir aufgrund von Zähneknirschen

Mögliche Folgen von Zähneknirschen sind:

  • Verspannungen der Kiefermuskulatur
  • Kopf-, Nacken- oder Gesichtsschmerzen
  • zurückgehendes Zahnfleisch und freie Zahnhälse, häufig im Zusammenhang mit Paradontitis
  • Absplitterungen an Schneidekanten der Front- und Eckzähne
  • schwere Zahnschäden, im schlimmsten Fall Brechen der Zähne und Zahnverlust

Woran erkenne ich, dass ich mit den Zähnen knirsche?

Beim Wachbruxismus sind sich die Betroffenen dem Zähneknirschen meist bewusst. Schlafbruxismus bemerken die Betroffenen meist nicht von selbst. Oft machen andere Personen sie auf die Knirschgeräusche aufmerksam.

Erste Anzeichen von Zähneknirschen sind:

  • Schmerzen im Bereich der Wangen, Schläfen und vor den Ohren
  • Schläfenkopfschmerzen und migräneartige Beschwerden
  • Zahnschmerzen ohne ersichtlichen Grund wie Karien oder Zahnfleischentzündung
  • deutlich ausgeprägte Kaumuskeln
  • Knacken oder Knirschen im Kiefergelenk beim Kauen
  • Zahnabdrücke auf der Zunge
  • glatte Schlifflächen auf gegenüberliegenden Zahnflächen
  • wiederholte Schäden am Zahnersatz
  • überempfindliche Zähne

Diagnose und Behandlung bei Zähneknirschen

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verhindert ernsthafte Zahnschäden und Folgeerkrankungen. Suchen Sie bei ersten Anzeichen deshalb zeitnah einen Zahnarzt auf. Dieser kann anhand der Zahnabnutzung die Ausprägung des Zähneknirschens feststellen und eine Behandlung einleiten.

Die Behandlung von Zähneknirschen erfolgt je nach Ursache:

  • Knirscherschiene

    Die sogenannte Aufbissschiene fertigt der Zahnarzt individuell für Sie und passt sie an Ihr Gebiss an. Die Schiene aus Kunststoff müssen Sie nachts tragen. Dadurch wird der Kontakt der Zähne zueinander verhindert und so die Zahnsubstanz und der Kiefer geschützt. Ob eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung stattfinden kann, muss individuell geprüft werden. 

    Im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung ist eine Kostenübernahme durch die AOK Sachsen-Anhalt in der Regel über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) möglich.

  • Psychotherapie

    Bei psychischen Ursachen wie Angststörungen oder Stress kann der Besuch beim Psychotherapeuten helfen. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten einer Psychotherapie bei medizinischer Notwendigkeit.

  • Kronen oder Füllungen anpassen

    Sitzen Kronen oder Füllungen nicht richtig, kann Ihr Zahnarzt sie durch Abschleifen korrigieren und das Zähneknirschen dadurch lindern.

  • Zahnspange

    Bei einem gestörten Zusammenbiss oder Zahnfehlstellungen kann eine Zahnspange helfen. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung bis zum 18. Geburtstag. Im Erwachsenenalter erfolgt in der Regel keine Kostenübernahme.

  • Physiotherapie

    Durch verschiedene Übungen können verspannte Muskeln gelockert und das Kiefergelenk gedehnt werden. Die Kostenübernahme erfolgt durch die AOK Sachsen-Anhalt, wenn eine Physiotherapie notwendig ist.

  • Medikamente

    Schmerzlindernde Medikamente können entstehende Schmerzen lindern und muskuläre Beschwerden reduzieren. Bitte besprechen Sie dies vorab mit Ihrem Hausarzt.

    Nehmen Sie Medikamente ein, die Zähneknirschen auslösen, reden Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.

Ein Mädchen bei der zahnärztlichen Vorsorge, um Zähneknirschen vorzubeugen

Was kann ich selbst gegen Zähneknirschen tun?

Verschiedene Maßnahmen können zusätzlich zur ärztlichen Behandlung beim Zähneknirschen helfen:

Entspannungsübungen

Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Meditation oder Yoga können helfen. Nutzen Sie dazu unsere Gesundheitskurse oder besuchen Sie unsere AOK Yogaschule.

Pausen bei der Arbeit

Besonders aktive Pausen wie Spaziergänge können Stress lindern.

Verzicht auf regelmäßiges Kaugummikauen

Kaugummikauen belastet Kiefer und Zähne zusätzlich.

Verzicht auf Nikotin, Alkohol und Koffein am Abend

So gehen Sie entspannter ins Bett und finden einen ruhigeren Schlaf. Gleichzeitig wird Ihr Körper weniger angeregt und kann besser zur Ruhe kommen.

Regelmäßige Vorsorge

Der Zahnarzt kann erste Symptome und leichte Schädigungen der Zähne frühzeitig erkennen. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für die halbjährliche Zahnvorsorge bei Kindern und Erwachsenen.

FAQ – Häufige Fragen zum Zähneknirschen

  • Wie erkenne ich, ob ich nachts mit den Zähnen knirsche?

    Typische Anzeichen sind Kieferschmerzen am Morgen und Kopfschmerzen nach dem Aufwachen. Eventuell weist Sie auch Ihr Partner oder Ihre Partnerin auf Knirschgeräusche hin.

  • Was ist der Grund für Zähneknirschen?

    Zu den häufigsten Ursachen zählen Stress und psychische Belastungen. Zahnfehlstellungen, falsch sitzender Zahnersatz oder der Konsum von Alkohol oder Nikotin können Zähneknirschen begünstigen.

  • Kann Zähneknirschen von selbst wieder aufhören?

    Bei Kindern hört das Zähneknirschen nach der Entwicklung der bleibenden Zähne wieder auf. Bei Erwachsenen verschwindet es selten ohne Behandlung, besonders wenn Stress die Ursache ist. Eine möglichst frühzeitige Behandlung ist daher wichtig, um bleibende Zahnschäden zu verhindern.

  • Kann Zähneknirschen gefährlich sein?

    Ja. Bleibt Zähneknirschen unbehandelt, kann es erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Der Zahnschmelz wird nach und nach abgetragen, wodurch die Zähne keinen Schutz mehr vor Bakterien haben. Im schlimmsten Fall können die Zähne sogar brechen oder ausfallen.

  • Ist Zähneknirschen bei Kindern normal?

    Bei Babys und Kleinkindern ist Zähneknirschen normal und hilft beim Einschleifen der Milchzähne. Problematisch wird es bei Schulkindern, wenn Stress oder Ängste die Ursache ist oder bleibende Zähne betroffen sind. Dann sollten Eltern einen Zahnarzt aufsuchen.

  • Wann sollte ich bei Zähneknirschen zum Arzt gehen?

    Bei bereits sichtbaren Zahnschäden, aber auch schon ersten Anzeichen wie morgendlichen Kiefer-, Gesichts- und Kopfschmerzen, sollten Sie zeitnah einen Zahnarzt aufsuchen.

  • Hilft eine Knirscherschiene wirklich?

    Eine Knirscherschiene schützt die Zahnsubstanz vor dem Abrieb und beugt somit ernsthafte gesundheitliche Folgen vor. Das Zähneknirschen beziehungsweise die unbewussten Bewegungen des Kiefers werden dadurch aber nicht verhindert.

  • Wie lange dauert die Behandlung von Zähneknirschen?

    Die Behandlungsdauer variiert je nach Ursache, welche behoben werden sollte. Eine Knirscherschiene wirkt sofort schützend, muss aber dauerhaft getragen werden. Bei stressbedingtem Zähneknirschen kann die Therapie mehrere Monate dauern. Wichtig ist die kontinuierliche zahnärztliche Kontrolle.

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