Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Restless-Legs-Syndrom

Eine etwa 25-jährige Frau macht auf ihrem Bett eine Dehnungsübung für die Beine.

Wenn die Beine nicht zur Ruhe kommen

Kommen Ihre Beine nachts nicht zur Ruhe, leiden oft der Schlaf und damit auch das allgemeine Wohlbefinden. Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung. Typisch sind Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder Brennen in den Beinen sowie ein starker Bewegungsdrang, der vor allem abends und nachts auftritt.

Das Restless-Legs-Syndrom ist weit verbreitet, wird jedoch häufig unterschätzt. Schätzungen zufolge sind etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Die Erkrankung verläuft chronisch, wobei Art und Intensität der Beschwerden individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Wussten Sie schon, dass…

  • die AOK Sachsen- Anhalt Bewegungs- und Entspannungskurse bezuschusst?
  • Bewegung und Dehnübungen die Beschwerden von RLS lindern können?
  • erste Symptome häufig um das 30. Lebensjahr herum erstmals auftreten?

Typische Symptome erkennen

Nahaufnahme: Eine Person sitzt auf dem Sofa und legt die Hand über dem rechten Knöchel auf das Bein.

Das Leitsymptom des Restless-Legs-Syndroms ist ein starker, kaum zu unterdrückender Bewegungsdrang in den Beinen. Die Beschwerden treten vor allem in Ruhephasen auf und verstärken sich häufig am Abend oder in der Nacht. In seltenen Fällen können auch die Arme betroffen sein. Typisch ist außerdem, dass Bewegung die Symptome zumindest vorübergehend lindert.

Weitere Anzeichen sind:

  • unangenehme Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Brennen oder Jucken
  • Verstärkung der Beschwerden beim Sitzen oder Liegen
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme infolge des gestörten Schlafs

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass Veränderungen im Dopamin- und Eisenstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen.

Dopamin ist ein Botenstoff, der Bewegungsabläufe im Gehirn steuert. Ist seine Funktion beeinträchtigt, kann dies die typischen Beschwerden des RLS begünstigen. Auch Eisen spielt eine wichtige Rolle, da es für die Bildung von Dopamin benötigt wird. Ein Eisenmangel oder ein gestörter Eisenstoffwechsel im Gehirn kann daher Symptome auslösen oder verstärken.

Eine etwa 35-jährige Schwangere hat die Beine hochgelegt und massiert ihren linken Oberschenkel.

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die das Risiko für ein Restless-Legs-Syndrom erhöhen können:

  • Schwangerschaft: Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel treten Beschwerden häufiger auf. Sie bilden sich nach der Geburt meist wieder zurück.
  • Chronische Nierenerkrankungen: Sie erhöhen das Risiko für RLS deutlich.
  • Nervenschäden: Beispielsweise im Rahmen einer Polyneuropathie können Missempfindungen und den Bewegungsdrang verstärken.
  • Vitaminmangel: Vor allem ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure kann bestehende Beschwerden verschlimmern oder das Risiko für RLS erhöhen.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Beschwerden. Häufig besteht sie aus einer Kombination von Lebensstilmaßnahmen und, sofern erforderlich, einer medikamentösen Therapie.

  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen

    Regelmäßige Bewegung kann die Beschwerden lindern. Geeignet sind beispielsweise Spaziergänge, Gymnastik oder Dehnübungen.

    Ebenso wichtig ist eine gute Schlafhygiene. Regelmäßige Schlafzeiten, eine ruhige Schlafumgebung sowie der Verzicht auf stimulierende Einflüsse wie die Nutzung von Smartphone, Tablet oder Fernseher kurz vor dem Schlafengehen können dazu beitragen, die Schlafqualität zu verbessern.

    Auch Wechselduschen, Fußbäder oder Massagen werden von vielen Betroffenen als angenehm empfunden. Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder Achtsamkeitstraining können zudem helfen, Stress abzubauen.

  • Medikamentöse Therapie

    Liegt ein Eisenmangel vor, können Eisenpräparate eingesetzt werden. Darüber hinaus können Ärzte Dopaminagonisten wie Pramipexol oder Ropinirol verordnen. In bestimmten Fällen kommen auch weitere Medikamente, beispielsweise bestimmte Antikonvulsiva, zum Einsatz.

    Hinweis: Eine medikamentöse Therapie sollte immer ärztlich begleitet und an die individuelle Situation angepasst werden.

Ernährung bei Restless Legs: Was hilft wirklich?

Eine ausgewogene Ernährung kann die medizinische Behandlung sinnvoll unterstützen. Insbesondere dann, wenn ein Nährstoffmangel vorliegt.

Wichtige Nährstoffe sind:

  • Eisen: wichtig für die Dopaminproduktion
  • Magnesium: unterstützt Muskel- und Nervenfunktionen
  • Folsäure und Vitamin B6: wichtig für Nervenfunktion und Blutbildung
Frau schneidet buntes Gemüse auf einem Holzbrett

Um die Versorgung mit diesen Nährstoffen zu fördern, können folgende Lebensmittel sinnvoll sein:

  • Fleisch, insbesondere rotes Fleisch und Leber, enthält viel Eisen.
  • Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen liefern Eisen, Folsäure und Magnesium.
  • Nüsse, beispielsweise Mandeln oder Cashewkerne, sind gute Magnesiumquellen.
  • Grünes Gemüse wie Spinat oder Brokkoli enthält Folsäure, Magnesium und weitere wertvolle Mikronährstoffe.
  • Vitamin-C-reiche Lebensmittel können die Eisenaufnahme verbessern.

Alkohol und koffeinhaltige Getränke können die Beschwerden verstärken und sollten insbesondere in den Abendstunden möglichst vermieden werden. Einige Betroffene berichten zudem, dass stark zuckerhaltige Lebensmittel ihre Symptome verschlimmern können.

Das können Sie selbst tun

Menschen reagieren unterschiedlich auf Maßnahmen gegen das Restless-Legs-Syndrom. Was der einen Person hilft, muss nicht zwangsläufig bei einer anderen wirken. Probieren Sie aus, welche Maßnahmen Ihnen persönlich guttun und Ihre Beschwerden lindern.

  • Ausreichende Eisenzufuhr

    Eine ausgewogene Ernährung mit eisenreichen Lebensmitteln und Vitamin-C-reichen Zutaten kann die Eisenaufnahme unterstützen. Lassen Sie Ihre Eisenwerte bei Bedarf ärztlich kontrollieren.

  • Wechselduschen und Bewegung

    Abwechselnde Warm-Kalt-Duschen, Fußbäder, kalte oder warme Wickel sowie Massagen können vielen Betroffenen Erleichterung verschaffen. Auch Gymnastik, Spaziergänge oder Dehnübungen können helfen, die Beschwerden zu reduzieren.

  • Schlafhygiene

    Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt einen erholsamen Schlaf. Wenn ein Mittagsschlaf Ihren Nachtschlaf beeinträchtigt, sollten Sie ihn möglichst vermeiden. Weitere Tipps für einen gesunden Schlaf finden Sie hier.

     

  • Ruhephase vor dem Zubettgehen

    Vermeiden Sie vor dem Schlafengehen möglichst alles, was Ihren Körper zusätzlich belastet oder aktiviert. Dazu zählen intensive körperliche Anstrengung, Stress, Nikotin, Alkohol und koffeinhaltige Getränke.

    Sprechen Sie zudem mit Ihrem Arzt darüber, welche Maßnahmen Ihnen helfen und welche nicht. So kann die Behandlung optimal auf Ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden.

  • Darüber reden

    Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr entlastend sein. Es gibt zum Beispiel Selbsthilfegruppen für Betroffene. Über die Selbsthilfe-Kontaktstellen von Sachsen-Anhalt finden Sie Gruppen in Ihrer Region, zum Beispiel in Magdeburg.

Teilen Sie auch Ihrem Arzt mit, wie Sie Ihre Beschwerden erleben, was Sie ausprobieren und wie Ihnen die Maßnahmen helfen oder auch nicht helfen. Auf diese Weise kann die Behandlung nur gewinnen.

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