Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

KiSS-Syndrom

Ein Vater spielt mit seinem Baby mit KiSS-Syndrom.

Was ist die Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung?

Das KiSS-Syndrom, eine Abkürzung für Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung, betrifft insbesondere Babys und Kleinkinder. Das Syndrom bezeichnet die Fehlstellung beziehungsweise die Blockierung der oberen Halswirbelsäule. Es kann infolgedessen zu Entwicklungs- und Funktionsstörungen des gesamten Organismus kommen. Als wahrscheinlichste Ursache des KiSS-Syndroms gilt der starke Zug oder Druck auf den Kopf und die obere Halswirbelsäule des Kindes während des Geburtsvorgangs. Insbesondere Kinder, bei deren Geburt eine Saugglocke oder Zange eingesetzt wurde, leiden unter dem KiSS-Syndrom. Auch sind häufiger Babys betroffen, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind.

Erfahren Sie, welche Anzeichen auf ein KiSS-Syndrom hindeuten und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Lesen Sie auch, weshalb das KiSS-Syndrom aktuell noch als umstritten gilt.

Wussten Sie schon, dass…

  • der Mensch genau so viele Halswirbel hat wie die Giraffe?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Osteopathie bezuschusst?
  • Kinder mit einem möglichen KiSS-Syndrom den Kopf entweder zur linken oder zur rechten Seite abknicken?
Mann hält sein Baby mit KiSS-Syndrom.

Mögliche Ursachen des Syndroms

Die Geburt ist für Mutter, aber auch für das Kind, eine große körperliche Anstrengung. Zur Diagnose des KiSS-Syndroms ist daher der Geburtsverlauf entscheidend. Denn die genaue Ursache des KiSS-Syndroms ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Angenommen werden traumatische Ereignisse während der Geburt wie

  • Einsatz von Saugglocke oder Zange
  • Kaiserschnitt
  • Querlage des Kindes im Mutterleib

Welche Symptome treten bei Säuglingen auf?

Häufig ist die Fehlhaltung einige Tage nach Geburt oder erst später im Laufe des zweiten Lebensmonats feststellbar. Die Fehlstellung kann zu verschiedenen Symptomen führen, darunter Asymmetrien im Erscheinungsbild und Bewegungseinschränkungen. Typisch sind Anzeichen wie  

  • Schiefhaltung des Kopfes und Rumpfes
  • Überstrecken des Körpers
  • einseitiger Abrieb der Haare
  • Kopfhalte- und Kopfdrehschwäche
  • ungleiche beziehungsweise einseitige Bewegung von Armen und Beinen
  • Druckempfindlichkeit im Nacken
  • Schlafstörungen
Eine Heilpraktikerin behandelt ein Baby mit KiSS-Syndrom.

Folgen des 
KiSS-Syndroms

Unbehandelt sind aufgrund der Fehlhaltung Spätfolgen für das Kind möglich. In Betracht kommen beispielsweise Auffälligkeiten wie

  • Kopfverformung
  • Verschiebung der Gesichtszüge
  • Koordinationsschwierigkeiten
  • Sprachschwierigkeiten
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Haltungsschwäche
  • motorische und vokale Tics

Das Auftreten der Symptome wird unter dem Begriff Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie und Dysgnosie, als sogenanntes KiDD-Syndrom zusammengefasst. Dabei stehen die Bezeichnungen Dysgnosie für die Störung der Wahrnehmung und Dyspraxie für eine gewisse motorische Ungeschicklichkeit. Umstritten ist aktuell, ob ein unbehandeltes KiSS-Syndrom generell Spätfolgen hat. Aktuell basieren Behandlungserfolge nur auf Erfahrungen von Ärzten und Heilpraktikern.

Wie wird die Fehlstellung behandelt?

Frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um rechtzeitig geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten. Dennoch benötigen viele Neugeborene einige Zeit, um sich von der Geburt zu erholen und sich an das Leben außerhalb des Mutterleibs zu gewöhnen. Besteht bei Eltern der Verdacht einer Fehlhaltung auch nach mehreren Wochen fort, sollten sie sich ärztlichen Rat einholen. Verschiedene Therapiemöglichkeiten kommen zur Behandlung des KiSS-Syndroms infrage.

  • Atlastherapie

    Die behandelnde Therapeutin bzw. der behandelnde Therapeut konzentriert sich hierbei auf den Atlaswirbel. Ein schneller und präziser Druck sorgt dafür, dass das Gelenk wieder in die korrekte Form gebracht wird. Die Behandlung dauert nur wenige Sekunden.

  • HIO

    Das Ziel der HIO ist es ebenfalls, das Gelenk wieder in eine korrekte Position zu bringen. Dabei wird ein stärkerer Druck auf das Gelenk als im Vergleich zur Atlastherapie ausgeübt. Die Therapiemaßnahme wird nur durch qualifizierte Therapeutinnen und Therapeuten oder eine Kinderärztin bzw. einen Kinderarzt ausgeführt. Die Behandlung dauert wenige Minuten. In den meisten Fällen sind zwei Sitzungen notwendig.

  • Therapie nach Biedermann

    Diese Therapieform behandelt die obere Halswirbelsäule von der Schädelbasis bis zum unteren Halswirbel C3. Die Stimulation erfolgt dreidimensional. Das heißt, dass nicht nur Abweichungen von links nach rechts und von vorne nach hinten berücksichtigt werden, sondern auch Rotationsabweichungen der betroffenen Wirbel.

  • Craniosacrale Therapie

    Ziel der Therapie ist es, dass die Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung korrigiert und Bewegungseinschränkungen behoben werden. Dabei wird sanfter Druck auf die betroffenen Stellen ausgeübt, um Einschränkungen und Blockaden zu lösen und die Selbstheilungskräfte des Immunsystems anzuregen. Die Therapie ist eine osteopathische Behandlungsform. Osteopathische Leistungen werden von der AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst.

Ein Baby mit KiSS-Syndrom wird von einem Arzt behandelt.

KiSS-Syndrom: Nicht ganz unumstritten

Kritiker diskutieren, dass die Symptome der Fehlstellung weit verbreitet und häufig auch zu unspezifisch sind. Auftretende Beschwerden müssen nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem KiSS-Syndrom stehen. Aktuell gibt es keine anerkannten wissenschaftlichen Studien dazu. Ärztinnen und Ärzte warnen davor, die empfindliche Halswirbelsäule von Babys zu behandeln. Umstritten ist auch, ob ein unbehandeltes KiSS-Syndrom Folgen hat.

Stellen Sie Auffälligkeiten bei Ihrem Neugeborenem fest, klären Sie den Verdacht mit der behandelnden Kinderärztin bzw. dem behandelnden Kinderarzt ab. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich eine manuelle Therapie positiv auf Kinder mit Fehlhaltungen auswirkt.

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