Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Hypnobirthing

Eine Schwangere übt Hypnobirthing-Techniken zu Hause

Selbsthypnose zur Linderung von Geburtsschmerzen

Hypnobirthing ist eine geburtsvorbereitende Methode, die auf Entspannung und Vertrauen setzt und sich gezielt auf Schwangerschaft und Geburt konzentriert. Während häufig Methoden wie örtliche Betäubung oder eine Periduralanästhesie eingesetzt werden, um den Geburtsprozess zu erleichtern, versteht sich Hypnobirthing als sanfte Alternative mit dem Ziel einer möglichst natürlichen und schmerzarmen Geburt.

Im Mittelpunkt steht ein psychologischer Ansatz, der mithilfe von Selbsthypnose eine angst- und schmerzarme Geburt unterstützen soll. Die Methode hat eine lange Tradition und war bereits vor über 100 Jahren als „angstfreie Geburt“ bekannt. Autosuggestion, Selbstaffirmationen und Entspannungstechniken bilden die Grundlage. Wissenschaftliche Belege sind bislang begrenzt, viele positive Erfahrungsberichte sprechen jedoch für die Methode.

Entdecken Sie mit uns, wie Hypnobirthing funktioniert und was werdende Eltern dabei beachten sollten.

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Was ist Hypnobirthing?

Hypnobirthing wird auch als „Hypnoreflexogene Geburtsvorbereitung“ oder „geburtsbegleitende Selbsthypnose“ bezeichnet und ist eine spezielle Methode der Geburtsvorbereitung. Die Idee stammt vom Gynäkologen Grantley Dick-Read, der das Konzept Ende der 1910er Jahre entwickelte. Populär wurde „Hypnobirthing“ durch die Hypnotherapeutin Marie F. Mongan in den 1980ern. 

Der Hintergrund des Konzepts ist die Annahme, dass Angst vor der Geburt dazu führt, dass das Blut von der Gebärmutter weggeleitet wird. Somit ist es nicht dort, wo es eigentlich benötigt wird. Dadurch verkrampft sich der Gebärmutterhals, öffnet sich langsamer und die gebärenden Frauen verspüren stärkere Schmerzen. Nach Dick-Read kommt es zum „Angst-Verkrampfung-Schmerz-Syndrom“. Der Angstzustand regt außerdem die Ausschüttung von Stresshormonen an. 

Eine Frau testet Selbsthypnose als Bestandteil des Hypnobirthings aus

Mithilfe der Selbsthypnose und bestimmten Entspannungstechniken können sich Frauen selbst in einen tiefen Entspannungszustand oder Trance bei der Geburt versetzen. Dadurch lösen sich Ängste und Schmerzen. Frauen können selbstbestimmt und vor allem mit Freude ihr Baby zur Welt bringen. Ein weiterer Vorteil besteht auch darin, dass mögliche Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle oder ein niedriger Blutdruck durch beispielsweise eine PDA ausbleiben. Hypnobirthing hilft ebenso Frauen, die unter der Angst vor der Geburt, der sogenannten Tokophobie leiden.

Wie funktioniert Hypnobirthing?

Im Hypnobirthing-Kurs werden den Schwangeren beziehungsweise Paaren bestimmte Techniken vermittelt, um sie bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten. Die Kurse erstrecken sich meist über mehrere Wochen und umfassen Theorie, praktische Übungen und die mentale Vorbereitung. Die erlernten Methoden können dann beim Einsatz der Wehen und der Geburt selbstständig angewandt werden. Verschiedene Bestandteile werden in den Kursen vermittelt:

  • Ängste lösen

    Ängste werden schrittweise vor der Geburt visualisiert und aufgelöst. Durch gezielte Übungen lernen die werdenden Mütter, ihre Ängste zu erkennen und mit positiven Bildern zu ersetzen, was ihr Vertrauen in den Geburtsprozess stärkt und eine beruhigende, entspannte Haltung fördert.

  • Affirmationen

    Der Begriff „Wehe“ wird hier positiv als Kontraktion oder Geburtswelle bezeichnet. Ziel ist es, die Geburt so nicht mit Schmerzen zu verbinden beziehungsweise sie nicht negativ zu konnotieren. Frauen sollen die Angst vor Schmerzen verlieren und sich mit positiven Leitgedanken tragen wie: „Ich vertraue meinem Körper“.

  • Geburt wird „geübt“

    Der Ablauf der Geburt wird mit den erlernten Techniken im Hypnosezustand immer wieder durchgespielt. Es erleichtert das Abrufen während der Geburt. Die Technik können Schwangere auch zu Hause weiter üben. 

  • Techniken der Tiefenentspannung

    Durch eine langsame und bewusste Bauchatmung werden die Wehen unterstützt. Der Ablauf unterteilt sich in drei Phasen: Atmen zur Öffnung, Atmen während der Pressphase und Atmen zur Entspannung. Während der Übungen zur progressiven Muskelentspannung führt der Partner eine entspannende Berührungsmassage aus. Dabei wird das „Wohlfühlhormon“ Oxytocin freigesetzt, das zusätzlich den Geburtsprozess fördert.

  • Visualisierungen

    Der Geburtsprozess wird mit Bildern unterlegt, der sogenannten Regenbogenentspannung. Ein Beispiel: Gleitet das Baby durch den Geburtskanal, wird dies mit dem Bild einer sich öffnenden Blüte verglichen.

  • Unterstützung durch den Partner

    Der Partner spielt beim Hypnobirthing eine wichtige Rolle. Er kann die Gebärende beruhigen, ihr bei den Techniken helfen oder sie anleiten.

Was gilt es beim Hypnobirthing zu beachten?

Während der Hypnose sind Sie nicht vollkommen willenlos. Sie behalten jederzeit die Kontrolle, und der Zustand kann selbstständig unterbrochen werden. Ziel ist, den Trancezustand zu erreichen und die Umgebung auszublenden. Allerdings funktioniert Hypnose nicht bei jedem: Bei manchen geht es einfacher, bei anderen weniger oder gar nicht. Wichtig ist vor allem, dass sich Teilnehmerinnen insbesondere auf die Entspannungstechniken einlassen.

Eine Schwangere wird von ihrem Partner mit Hypnobirthing-Techniken unterstützt

Beim Hypnobirthing kann es zudem gelegentlich vorkommen, dass die Rückholung aus dem Zustand der Trance nur verlangsamt gelingt. Interessiert Sie das Thema Hypnose, finden Sie hier viele interessante und wichtige Fakten. Eine in Deutschland durchgeführte wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass die Geburt bei Erstgebärenden mit Hypnobirthing im Durchschnitt zwei Stunden kürzer dauert. Nur 50 Prozent der Teilnehmerinnen empfinden „fürchterlich starke Schmerzen“ im Vergleich zu sonst üblichen 80 Prozent. Versuchen Sie gelassen auf die Geburt zu blicken und sich mental auf mögliche Eventualitäten vorzubereiten. Nehmen Sie Ihren Körper und seine Signale bewusst wahr und vermeiden Sie traumatische Geburtsberichte von anderen.

Wo kann ich Hypnobirthing erlernen?

Hypnobirthing können Sie in speziellen Geburtsvorbereitungskursen beziehungsweise in Hypnobirthing-Kursen erlernen. Wichtig: Der Kurs sollte von einem dafür qualifizierten Trainer oder einer qualifizierten Hebamme durchgeführt werden. Die Teilnahme am Kurs ist meist in Einzel- oder Gruppenkursen möglich. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 300 und 500 Euro. Am besten starten Sie mit dem Kurs zwischen der 20. und 32. Schwangerschaftswoche, jedoch spätestens drei Wochen vor dem Geburtstermin. So haben Sie ausreichend Zeit zur Vorbereitung und Verinnerlichung. 

Auch Hypnotherapeuten können Ihnen die richtigen Techniken in Sitzungen vermitteln. Wichtig: Lassen Sie sich vor Beginn der Einheiten das Zertifikat einer seriösen Hypnosegesellschaft zeigen. 

Keine Kostenübernahme durch die AOK Sachsen-Anhalt

Hypnobirthing-Kurse gehören nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt werdende Eltern jedoch umfassend im Rahmen der regulären Geburtsvorbereitung. Wir bezuschussen den Geburtsvorbereitungskurs sowie die Teilnahme einer Begleitperson und ermöglichen damit eine solide, fundierte Vorbereitung auf die Geburt. Viele dieser Kurse beinhalten bereits wertvolle Entspannungs- und Atemtechniken, die helfen, mit Ruhe und Vertrauen in die Geburt zu gehen. Darüber hinaus profitieren unsere Versicherten von weiteren starken Leistungen wie Hebammenhilfe, Schwangerschaftsvorsorge und Angeboten zur frühen Förderung, die wir vollständig übernehmen oder bezuschussen.

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