Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Empty-Nest-Syndrom

Eine Mutter bringt ihre kleine Tochter in die Kita

Leeres Nest: Wenn die Kinder ausziehen

Wenn Vogelkinder flügge werden, verlassen sie ihr Nest und machen sich auf den Weg in die Welt. Ähnlich ist es bei Menschen: Auch Kinder werden irgendwann selbstständig und ziehen aus. Was sich zunächst nach Freiheit anhört, kann auch beängstigend und emotional belastend für Eltern sein – insbesondere dann, wenn das jüngste oder letzte Kind auszieht. Viele Eltern, besonders Mütter und Alleinerziehende, können zunehmend niedergeschlagen sein und das sogenannte Empty-Nest-Syndrom entwickeln. Regelmäßige Videoanrufe mit den Kindern können dabei helfen, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig kann es guttun, neue Hobbys zu entdecken und mehr Zeit mit dem Partner oder Freunden zu verbringen. Bei einer anhaltenden oder zunehmenden Belastung kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein.

Erfahren Sie mehr über Anzeichen des Empty-Nest-Syndroms und darüber, was Ihnen bei der Bewältigung des neuen Lebensalltags helfen kann.

Wussten Sie schon, dass...

  • man sich schon seit über 100 Jahren mit dem Empty-Nest-Syndrom beschäftigt?
  • in Sachsen-Anhalt 2025 rund 105.000 volljährige Kinder bei ihren Eltern lebten?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für die ambulante Psychotherapie übernimmt?

Was ist das Empty-Nest-Syndrom?

Empty Nest bedeutet übersetzt “leeres Nest”. Das Empty-Nest-Syndromi st keine Erkrankung, sondern vielmehr eine psychische Reaktion auf das Ausziehen der meist erwachsenen Kinder aus dem Elternhaus. Besonders ausgeprägt kann es sein, wenn das einzige oder letzte Kind auszieht. Eltern sind dann oft von „heute auf morgen“ allein oder bleiben zu zweit in Wohnung oder Haus. Das Empty-Nest-Syndrom kann auch bei älteren Personen (erneut) auftreten, wenn zum Beispiel kaum noch Kontakt zu den Kindern besteht. Trauer, Sorge und das Gefühl von Einsamkeit sind zunächst normale Reaktionen auf die veränderte Lebenswelt. Sie können jedoch stärker werden und im schlimmsten Fall bis hin zu einer Depression führen. 

Ein Mann am Laptop leidet unter dem Empty-Nest-Syndrom

Das Empty-Nest-Syndrom kann auch bei älteren Personen (erneut) auftreten, wenn zum Beispiel kaum noch Kontakt zu den Kindern besteht. Trauer, Sorge und das Gefühl von Einsamkeit sind zunächst normale Reaktionen auf die veränderte Lebenswelt. Sie können jedoch stärker werden und im schlimmsten Fall bis hin zu einer Depression führen. 

Für Eltern kann sich der Alltag erst einmal leer anfühlen, da sie das eigene Kind nicht mehr täglich sehen. Eltern müssen sich daran gewöhnen, dass ihr Kind nun selbstständiger lebt. Gleichzeitig entsteht mehr freie Zeit für sich selbst, die man nutzen kann und darf. Auch gemeinsame Gespräche über die Kinder und den Familienalltag mit dem Partner nehmen ab und müssen durch neue Gesprächsthemen und gemeinsame Aktivitäten ersetzt werden.

Risikofaktoren für das Empty-Nest-Syndrom

Das Syndrom kann einige Eltern unvorbereitet treffen. Bei manchen Eltern klingt die Trauer schnell wieder ab, während andere deutlich länger brauchen, um sie zu verarbeiten.

Als mögliche Ursachen und Risikofaktoren für das Syndrom gelten eine starke Identifikation mit der Elternrolle und eine unzureichende Vorbereitung auf die neue Lebensphase. Auch wenige soziale Kontakte oder Hobbys außerhalb der Familie können eine Rolle spielen. Partnerschaftsprobleme können die Situation zusätzlich belasten. Ebenso kann der Auszug des Kindes mit weiteren einschneidenden Lebensereignissen, etwa den Wechseljahren oder dem Renteneintritt, zusammenfallen.

Symptome: Wie äußert sich das Empty-Nest-Syndrom?

Die Anzeichen können unterschiedlich sein und sind unter anderem abhängig von der Beziehung zum Kind, der eigenen Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit beziehungsweise der Fähigkeit zur Bewältigung herausfordernder Situationen. Typische Anzeichen und Symptome sind:

Ein Vater hilft seinem Sohn beim Umzug
  • Traurigkeit und Leeregefühl
  • Einsamkeit, Verlustgefühle bis hin zu Hoffnungslosigkeit
  • Sinnkrise oder Identitätsfragen
  • Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit
  • Schlafprobleme und Unruhe
  • Appetitverlust
  • ungewohnte Stimmungsschwankungen
  • partnerschaftliche Krisen
  • in manchen Fällen: depressive Verstimmung

Die Symptome halten meist einige Wochen oder Monate an. Dann folgt zunehmend das Gefühl der Entlastung, die Freude über die Selbstständigkeit des Kindes und frei gewordene Zeit.

Alltag neu gestalten: Tipps zur Bewältigung

Eltern sollten sich am besten schon vor dem Auszug ihres Kindes damit auseinandersetzen. So kann die Umstellung leichter fallen. Diese Tipps können bei der Trauerbewältigung helfen:

  • Regelmäßiger Kontakt

    Der Kontakt muss nicht ausschließlich persönlich sein. Ein Austausch ist auch per Telefonat, Videoanruf oder im Familienchat möglich.

  • Über Gefühle reden

    Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner, Freunden oder anderen Eltern über Ihre Gefühle und Ängste. Gehen Sie in den Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder in bestimmten Internetforen. 

  • Treffen mit Freunden

    Lassen Sie alte Freundschaften wieder aufleben und knüpfen Sie neue Kontakte. 

  • Pläne mit dem Partner

    Die Beziehung zum Partner kann neu aufleben und Raum dafür schaffen, sich noch einmal neu kennenzulernen. Gemeinsame Hobbys, neue Aktivitäten oder Reisen können die Partnerschaft stärken und für schöne gemeinsame Erlebnisse sorgen. 

  • Zeit für Hobbys

    Die neu gewonnene freie Zeit eignet sich perfekt für Freizeitaktivitäten wie Sport und Kulturveranstaltungen. Jetzt ist Zeit für neue Hobbys und Dinge, die Sie schon immer ausprobieren wollten, wie ein Instrument zu lernen oder zu häkeln.

  • Selbstfürsorge

    Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf sowie Sport und regelmäßige Bewegung fördern Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Bewusst eingeplante Ruhezeiten, Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation und Yoga können helfen, zur Ruhe zu kommen und die frei gewordene Zeit sinnvoll zu genießen.

  • Ehrenamtliches Engagement

    Ein Ehrenamt schafft neue Kontakte. Anlaufstellen in Sachsen-Anhalt finden Sie unter Nachbarschaftshilfe und dem Portal für Engagierte.

  • Räume neu einrichten

    Geben Sie den ehemaligen Kinderzimmern eine neue Funktion als Sportraum, Kreativwerkstatt oder Entspannungsraum für Yoga. 

Glückliche Eltern machen ein Videotelefonat mit dem Laptop

Anhaltende Trauer: Hilfe für Eltern

Erleben Sie eine starke oder langanhaltende psychische Belastung oder leiden unter einer Depression, suchen Sie sich eine professionelle Beratungsstelle beziehungsweise psychologische Hilfe. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für eine medizinisch notwendige Psychotherapie. Bei dem Verdacht auf Depressionen übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine digitale Psychotherapie. 

Für die Terminvermittlung eines Psychotherapeuten in Ihrem Wohnort steht der Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es weitere Beratungsangebote wie das Elterntelefon “Nummer gegen Kummer”, die Sie unter 0800 111 0550 kostenfrei und anonym erreichen. Die bke-Elternberatung bietet ebenfalls Unterstützung und ein Elternforum zu verschiedenen Themen an.

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