Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Blutzucker

Eine Person hält ein Blutzuckermessgerät und ein Handy mit der dazugehörigen App in den Händen.

Die Bedeutung des Blutzuckers und die empfohlenen Normalwerte

Der Begriff Blutzucker fällt in Gesprächen überwiegend in Verbindung mit der Zuckerkrankheit oder Diabetes. Doch auch für Menschen, die nicht von einer Form von Diabetes betroffen sind, ist es wichtig, den Zuckerwert regelmäßig überprüfen zu lassen. Ab wann sollte der Blutzucker beobachtet werden? Wie wirkt Zucker im Blut? Und wie wird der Wert berechnet? Dieser Artikel beantwortet alle wichtigen Fragen zum Thema.

Wussten Sie schon, dass…

  • es zwei gültige Einheiten für die Blutzuckermessung gibt?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für Ihr Blutzuckermessgerät übernimmt?
  • die AOK Sachsen-Anhalt ab dem 35. Lebensjahr die Kosten für Ihren Check-Up übernimmt?

Was ist der Blutzuckerwert und warum ist er wichtig?

Der Blutzuckerwert gibt an, wie hoch der Glucosegehalt im Blut ist. Glucose ist der Energielieferant für die Zellen des Körpers und wird über die Nahrung aufgenommen. Deshalb variiert der Wert über den Tag verteilt immer etwas. Morgens, nachdem in der Nacht nichts gegessen wurde, ist der Zuckerwert meist am niedrigsten. Kurz nach dem Essen steigt er schnell an. Dieses Auf und Ab ist ganz normal. 

Problematisch wird es, wenn die Werte im Blut stark abfallen oder ansteigen. Denn dann fehlt die Energie genau da, wo sie gebraucht wird, in den Zellen. Ein erhöhter Zuckerspiegel kann auf Dauer zu Schäden in Organen und Blutgefäßen führen. So eine Situation kann verschiedene Gründe haben.

Blutzuckerwerte – Messeinheiten und Normalwerte

Der Blutzuckerwert kann in zwei verschiedenen Einheiten angegeben werden. Beide sind allgemein gültig. Deshalb ist es wichtig, bei der Messung immer genau zu schauen, in welcher der beiden Einheiten der Wert angegeben ist. So vermeiden Sie, dass Sie zum Beispiel die falsche Menge Insulin zuführen, wenn eine solche Behandlung notwendig ist. 

 

So werden die Werte angegeben:

  • in Milligramm pro Deziliter, abgekürzt ist das mg/dl
  • oder Millimol pro Liter, angezeigt als mmol/l

Blutzuckermessgeräte nutzen immer nur eine der beiden Einheiten, um zu vermeiden, dass benutzende Personen die Anzeige aus Versehen umschalten und den errechneten Wert missverstehen. Trotzdem ist es wichtig, beide Messeinheiten zu kennen. Denn obwohl Millimol pro Liter die international verbreitete Wertangabe ist, wird in manchen Regionen noch die Angabe Milligramm pro Deziliter genutzt.


Für die Umrechnung zwischen den beiden Werten gelten diese Gleichungen:

Eine Rechenhilfe: Teilen Sie den Wert in mg/dl durch zwei. Das Ergebnis teilen Sie dann noch einmal durch zehn und notieren sich diesen Wert. Dann teilen Sie den Wert noch einmal durch zehn. Dieses Ergebnis addieren Sie dann zu dem Wert, den Sie vorher notiert haben.

Umrechnung mg/dl in mmol/l

1 mg/dl = 0,0555 mmol/l 

mg/dl x 0,0555 = mmol/l

Zum Umrechnen von Millimol pro Liter in Milligramm pro Deziliter nehmen Sie zunächst den mmol/l-Wert mal zwei. Dieses Ergebnis multiplizieren Sie dann noch einmal mit zehn. Davon ziehen Sie dann den eben verdoppelten Wert ab und Sie haben den richtigen Wert.

Umrechnung mmol/l in mg/dl 

1 mmol/l = 18,0182 mg/dl

mmol/l x 18,0182 = mg/dl

Im Internet finden Sie auch viele Umrechnungs-Tools, mit denen Sie den richtigen Blutwert berechnen können.

Wie hoch sind die Normalwerte?

Der „normale“ Blutzuckerwert variiert über den Tag verteilt, je nachdem wie „nüchtern“ Sie sind. Nüchtern ist hier im Sinne von Nahrungsaufnahme gemeint. In der Regel gilt: Am Morgen ist der Blutzuckerwert am niedrigsten. Ungefähr zwei Stunden nach einer Mahlzeit kann er seine Höchstwerte erreichen. 


In folgender Tabelle können Sie einsehen, welche Normalwerte Ihrem Alter entsprechen:

ZielgruppeNormalwertbereich in mg/dlNormalwertbereich in mmol/l
Kinder ab dem 3. Lebenstag
  • nüchtern: 65 – 100
  • 2h nach dem Essen: 80 – 126
  • nüchtern: 3,6 – 5,6
  • 2h nach dem Essen: 4,5 – 7,0
Erwachsene 18–35 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8
Erwachsene 36–50 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8
Erwachsene 50–60 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8
Erwachsene 61–65 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8
Erwachsene 66–70 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8
Erwachsene 71 Jahren
  • nüchtern: < 100
  • 2h nach dem Essen: < 140
  • nüchtern: < 5,6
  • 2h nach dem Essen: < 7,8

Eine Blutzuckermessung gibt immer eine Momentaufnahme wieder und kann je nach Messmethode variieren.

Blutzucker-Normalwerte und Toleranzgrenzen

Mit den Jahren nimmt die Toleranzgrenze für den Zuckerwert stetig ab. Bei gesunden Erwachsenen sollte er nicht höher sein als für Menschen ab 50 oder Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Daher gilt: Wenn Sie dauerhaft einen höheren Wert messen, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. So kann geprüft werden, ob in Ihrem Fall ein erhöhter Wert akzeptabel ist. Bei dieser Entscheidung spielen Faktoren wie Vorerkrankungen, Ihr Körpergefühl und Ihre Fitness eine Rolle.

Liegt ein Verdacht nahe, dass Ihre Blutzuckerwerte den Normalwert über- oder unterschreiten, wird in Ihrer Hausarztpraxis ein HbA1c-Test gemacht. Damit erhält das medizinische Fachpersonal einen Überblick über Ihren Langzeitblutzuckerwert. Im Labor wird ermittelt, wie sich Ihr Blutzucker in den letzten acht bis 12 Wochen entwickelt hat. So kann eine Diabeteserkrankung ausgeschlossen oder diagnostiziert werden oder die medikamentöse Einstellung angepasst werden.

Wenn der Blutzucker nicht dem Normalwert entspricht

Schwankungen im Blutzuckerwert können neben der Nahrungsaufnahme auch durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Dabei handelt es sich um bekannte Nebenwirkungen der Arzneien.

Ein etwa 60-jähriger Mann liest die Angaben auf seinem Medikament.

Wenn die Werte jedoch darüber hinaus ungewöhnlich hoch oder tief sind, können verschiedene Erkrankungen die Ursache dafür sein. Aus diesem Grund ist der Blutzuckerwert ein wichtiger Faktor für die Diagnose und wird bei folgenden Vorsorgeuntersuchungen oder Verdachtsfällen gemessen:

  • Zuckerkrankheit oder Diabetes mellitus: zur Diagnose im Verdachtsfall, bei erhöhtem Risiko oder zur Kontrolle der Therapie
  • bei Beschwerden, die auf Diabetes hinweisen können: wie Gewichtsverlust, Durst, häufiges Wasserlassen oder abfallende Belastbarkeit
  • bei Schwangeren und Neugeborenen
  • bei Verdacht auf Unterzucker oder Überzucker
  • bei Bewusstlosigkeit ohne erklärbare Ursache
  • bei Fehl- oder Mangelernährung
  • bei bekannten Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, zum Beispiel durch Enzymmangel

Wenn der Blutzuckerwert zu hoch ist

Ein erhöhter Blutzucker zeigt sich in verschiedenen Symptomen. Das sind zum Beispiel Durstgefühl, Sehstörungen und starker Harndrang. Wird der Überzucker nicht behandelt, kann er langfristig zu einer Verkalkung der Blutgefäße, einer Nierenschwäche oder einem Schlaganfall führen. Ist Ihr Zuckerwert des Öfteren über dem Normalwert, kann das auf folgende Erkrankungen hinweisen:

  • Diabetes mellitus
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Hormonstörungen durch Tumore im Nebennierenmark oder der Hirnanhangsdrüse
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
  • bestimmte Erbkrankheiten

Bei Diabetes mellitus Typ 2 ist es zum Beispiel so: Betroffene weisen meist einen erhöhten Blutzuckerwert auf. Nüchtern liegt der Wert bei circa 126 mg/dl oder 7 mmol/l und steigt nach dem Essen auf bis zu 180 mg/dl oder 10 mmol/l an. Wenn ein Verdacht auf Diabetes mellitus vorliegt, werden weitere Werte wie das Ergebnis eines HbA1c-Tests geprüft. Dabei arbeitet eine Person im hausärztlichen Dienst mit einer Fachperson für Diabetologie zusammen.

 Eine schwangere Frau unterhält sich mit ihrer Frauenärztin.

Bei einer Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes, wird in den Vorsorgeuntersuchungen getestet. Die Schwangere macht dafür einen oralen Glukosebelastungstest, bei dem drei verschiedene Werte ermittelt werden. Der Test läuft folgendermaßen ab: Zunächst wird der Nüchternwert der Patientin ermittelt. Dann nimmt sie Zucker zu sich und der Blutzucker wird jeweils eine Stunde danach und erneut zwei Stunden danach gemessen. Für diese Messungen gelten folgende Norm- und Grenzwerte:

  • Nüchternzucker: 90 mg/dl (5,1 mmol/l)
  • nach einer Stunde: 180 mg/dl (10 mmol/l)
  • nach zwei Stunden: 155 mg/dl (8,5 mmol/l)

Liegt einer der drei Werte über dem Grenzwert, liegt sehr wahrscheinlich eine Schwangerschaftsdiabetes vor. 

Wenn der Blutzuckerwert zu niedrig ist

Der Zuckerwert wird als zu niedrig eingestuft, wenn er bei unter 70 mg/dl oder 3,9 mmol/l liegt. Sinkt der Blutzuckerspiegel ab, können Symptome wie Hunger, Müdigkeit, Schwindel und Schweißausbrüche auftreten. Ein sehr niedriger Blutzuckerspiegel kann folgende Ursachen haben:

  • Insulinüberdosierung während einer Diabetestherapie
  • Überproduktion von Insulin ausgelöst durch Tumore in der Bauchspeicheldrüse
  • Störungen des Hormonhaushalts
  • übermäßige körperliche Arbeit und geringe Nahrungszufuhr
  • Mangelernährung durch Alkohol, Fasten oder Nahrungsverweigerung
  • schwerer Leberschaden, beispielsweise Leberzirrhose
  • Alkoholkonsum auf nüchternen Magen

Wenn Sie die Symptome eines Unterzuckers bemerken, sollten Sie das Defizit schnellstmöglich durch die Aufnahme von Nahrung ausgleichen. Unter Umständen kann ein länger andauernder niedriger Blutzucker einen Kreislaufkollaps, Krampfanfälle oder sogar einen Schockzustand auslösen. Sollte es Ihnen oder einer Person in Ihrer Umgebung einmal so gehen, wählen Sie auf jeden Fall den Notruf und holen Sie Hilfe.

Der Blutzuckerwert hat einen starken Einfluss auf Ihr Körpergefühl. Schwankungen des Zuckerspiegels können durch verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden oder ein Anzeichen für Diabetes sein. Sie sollten Ihre Werte regelmäßig von Ihrem Arzt überprüfen lassen, um eventuelle Beschwerden frühzeitig zu erkennen.

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