Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Blutzucker

Junge Diabetikerin macht Dehnübungen vor einer AußentreppeJunge Diabetikerin macht Dehnübungen vor einer Außentreppe

Was sagt der Blutzuckerwert über die Gesundheit aus?

Der Blutzuckerwert gibt an, wie hoch der Glukosegehalt im Blut ist. Glukose ist der Energielieferant für die Zellen des Körpers und wird über die Nahrung aufgenommen. Der Wert schwankt über den Tag verteilt: Morgens ist er auf nüchternen Magen meist niedriger, da in der Nacht keine Nahrungsaufnahme stattgefunden hat. Kurz nach dem Essen steigt er an und nimmt dann nach und nach wieder ab. Problematisch wird es, wenn die Blutzuckerwerte stark abfallen, ansteigen oder dauerhaft vom Normalwert abweichen. Das kann ein Hinweis auf Diabetes sein. Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WidO) hatten 2023 rund 13,6 Prozent der Menschen ab 20 Jahren in Sachsen-Anhalt einen diagnostizierten Typ-2-Diabetes. Damit lag das Bundesland über dem bundesweiten Durchschnitt von 11,0 Prozent.

In unserem Beitrag bekommen Sie eine Übersicht über die Blutzuckerwerte. Wir zeigen, was bei einer Über- und Unterzuckerung passiert. Außerdem erfahren Sie, wie Sie den Blutzucker ohne Medikamente senken können.

Wussten Sie schon, dass…

  • Diabetes die häufigste Ursache für erhöhten Blutzucker ist?
  • Bewegung die Insulin-Ausschüttung anregt und den Blutzucker senkt?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Sie mit dem AOK-Curaplan-Diabetes unterstützt?

Welcher Blutzuckerwert ist normal und ab wann wird es gefährlich?

Die Blutzuckermessung erfolgt meist mit einem Blutzuckermessgerät. Hierzu sticht man sich in die Fingerspitze und gibt den Bluttropfen auf den Teststreifen. Das Gerät zeigt dann den Wert an. Eine Labormessung erfolgt meist erst, wenn der Verdacht auf Diabetes besteht.

Ein Junge kontrolliert seinen Blutzuckerspiegel

Blutzuckerwerte bei Kindern

1. Lebenstag: Normalwerte zwischen 34 und 99 mg/dl

2. Lebenstag: Normalwerte zwischen 46 und 81 mg/dl

Ab dem dritten Lebenstag nähern sich die Werte zunehmend denen von älteren Kindern und Erwachsenen an.

Blutzuckerwerte bei Erwachsenen: nüchtern

Für den Nüchternwert wird der Blutzucker morgens direkt nach dem Aufstehen gemessen.

Normal: unter 100 mg/dl | unter 5,6 mmol/l

Erhöht (Prädiabetes): 100 bis 126 mg/dl | 5,6 bis 7,0 mmol/l

Diabetes: über 126 mg/dl | über 7,0 mmol/l

Blutzuckerwerte bei Erwachsenen: zwei Stunden nach dem Essen

Normal: unter 140 mg/dl | unter 7,8 mmol/l

Erhöht (Prädiabetes): 140 bis 200 mg/dl | 7,8 bis 11,1 mmol/l

Diabetes: über 200 mg/dl | über 11,1 mmol/l

Schwangere Frau injiziert sich Insulin

Normale Blutzuckerwerte bei Schwangeren

Nüchtern: 65 bis 95 mg/dl | 3,6 bis 5,3 mmol/l

Eine Stunde nach dem Essen: unter 140 mg/dl | unter 7,8 mmol/l

Zwei Stunden nach dem Essen: unter 120 mg/dl | unter 6,7 mmol/l

Ein hoher Blutzucker in der Schwangerschaft oder Schwangerschaftsdiabetes kann für die Schwangere und ihr Kind gefährlich werden. Deshalb gelten hier strengere Werte als normalerweise bei Erwachsenen.

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge beim Gynäkologen übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für die Überprüfung auf Schwangerschaftsdiabetes (Zuckerbelastungstest).

In Deutschland ist in der Regel die Einheit „Milligramm pro Deziliter“ (mg/dl) gebräuchlich. Bei „Millimol pro Liter“ (mmol/l) handelt es sich um die international anerkannte SI-Einheit. Im Urlaub kann es deshalb für Diabetiker nötig sein, den Blutzuckerwert in die jeweils andere Einheit umzurechnen.

So können Sie den Blutzuckerwert selbst mit dem Taschenrechner umrechnen:

  • mg/dl in mmol/l

    1 mg/dl = 0,0555 mmol/l

    Rechnung: mg/dl x 0,0555 = mmol/l

  • mmol/l in mg/dl

    1 mmol/l = 18,0182 mg/l

    Rechnung: mmol/l x 18,0182 = mg/dl

    Alternativ können Sie auch eine der vielen Umrechnungshilfen im Internet nutzen, wie den der Deutschen Diabetes Hilfe.

Ärztin berät Frau zum Thema Blutzucker

Was passiert bei zu hohen Blutzuckerwerten?

Bei zu hohen Blutzuckerwerten spricht man von einer Überzuckerung (Hyperglykämie).

Erhöht ist der Blutzuckerwert, wenn er nüchtern über 125 mg/dl und ein bis zwei Stunden nach dem Essen über 180 mg/dl liegt. Hier handelt es sich bereits um einen Hinweis auf Diabetes.

Stark erhöht: ein bis zwei Stunden nach dem Essen über 250 mg/dl

Diabetische Ketoazidose (Diabetes Typ 1): 400 bis 700 mg/dl

Hyperosmolares Koma (Diabetes Typ 2): 600 bis 1.200 mg/dl

Ursachen zu hoher Blutzuckerwerte:

  • Diabetes mellitus
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Hormonstörungen durch Tumore im Nebennierenmark oder an der Hirnanhangsdrüse
  • Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
  • Erbkrankheiten
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente

Bei Diabetes kann es zur Überzuckerung kommen durch:

  • Infektionen
  • Fieber
  • Entzündungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten wie Cortison
  • Unterversorgung mit Insulin

Symptome bei zu hohen Blutzuckerwerten:

  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Durstgefühl
  • häufiger Harndrang
  • Sehstörungen
  • auf Dauer schädigt zu hoher Blutzucker die Blutgefäße

Folgen und Folgeerkrankungen:

  • Arteriosklerose
  • Schlaganfall und Herzinfarkt
  • Nierenschwäche
  • Sehstörungen bis hin zu schweren Sehbeeinträchtigungen
  • „Schaufensterkrankheit“ (pAVK)
  • diabetisches Koma
  • diabetische Ketoazidose: unter anderem Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atem riecht fruchtig

Was passiert bei zu niedrigen Blutzuckerwerten?

Bei zu niedrigen Blutzuckerwerten spricht man von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Diese tritt ab einem Blutzuckerwert von weniger als 70 mg/dl (3,9 mmol/l) ein.

Ein Paar kocht gesund für einen gesunden Blutzuckerwert

Ursachen zu niedriger Blutzuckerwerte:

  • Insulinüberdosierung (bei Diabetes)
  • Überproduktion von Insulin durch Tumore in der Bauchspeicheldrüse
  • Störungen des Hormonhaushalts
  • schwere körperliche Arbeit oder viel Sport und geringe Nahrungszufuhr
  • Mangelernährung
  • schwere Leberschäden
  • Alkoholkonsum auf nüchternen Magen

Symptome bei zu niedrigen Blutzuckerwerten:

  • Heißhunger
  • Schwindel und Verwirrtheit
  • Sprachstörungen
  • Müdigkeit
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • erhöhter Herzschlag

Wenn eine Hypoglykämie zu lange unbehandelt bleibt, hat das Folgen wie:

  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit
  • Koma, schwere Bewusstseinsstörungen
  • im schlimmsten Fall Tod

Niedriger Blutzucker wird zunächst durch die Zufuhr von Glukose in Form von Traubenzucker behandelt. Wenn die Symptome bereits weiter fortgeschritten sind oder Bewusstlosigkeit eingetreten ist, wird Glukose intravenös verabreicht.

Arztbesuch bei erhöhten Blutzuckerwerten

Ein Blutzuckermessgerät haben die wenigsten einfach so zu Hause. In der Regel geben Symptome wie ein starkes Durstgefühl, häufiger Harndrang, Müdigkeit und schlecht heilende Wunden Hinweise auf erhöhte Blutzuckerwerte. Suchen Sie in diesem Fall einen Arzt auf.

Der Arzt führt dann verschiedene Untersuchungen zur Diagnose von Diabetes durch, unter anderem einen Oralen Glukosetoleranztest (oGTT), auch Zuckerbelastungstest genannt. Hierfür wird zunächst der Nüchtern-Blutzuckerwert gemessen. Dann trinken Sie eine Zuckerlösung. Nach zwei Stunden wird der Wert wieder gemessen und es wird beobachtet, wie schnell er wieder abfällt. Wenn die gemessenen Blutzuckerwerte den Diabetes-Verdacht bestätigen, werden Behandlungsschritte eingeleitet.

Was hilft bei erhöhten Blutzuckerwerten?

Bei erhöhtem Blutzucker (Prädiabetes), aber auch begleitend zur Diabetes-Therapie, können schon kleine Veränderungen im Alltag dabei helfen, den Blutzucker zu senken. Diabetes Typ 2 kann dadurch sogar wieder verschwinden.

  • Regelmäßige Bewegung

    Bewegung verbessert die Insulinwirkung und die Aufnahme von Insulin in die Muskeln. Ausdauersport wie Walking, Radfahren oder Schwimmen stärkt gleichzeitig das Herz-Kreislauf-System. Krafttraining baut Muskeln auf und verbessert so die Insulinsensibilität. Das bedeutet, dass mehr Glukose in die Zellen aufgenommen werden kann und sich weniger im Blut befindet.

    Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst Ihre Mitgliedschaft im Fitnessstudio sowie bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr.

  • Ausgewogene Ernährung

    Einige Lebensmittel erhöhen den Blutzuckerspiegel stärker als andere. Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, die alle wichtigen Nährstoffe beinhaltet, können Sie erst einmal wenig falsch machen. Auch eine Ernährung nach der Mittelmeerdiät wirkt sich nachweislich positiv auf die Blutzuckerwerte aus.

    Achten Sie vor allem auf:

    Als Orientierungshilfe können Sie auch den glykämischen Index heranziehen.

  • Gewichtsreduktion

    Übergewicht zählt zu den häufigsten Ursachen für erhöhte Blutzuckerwerte und Diabetes. Mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung lässt sich eine Gewichtsreduktion gut umsetzen.

  • Stressreduktion

    Das Stresshormon Cortisol erhöht den Blutzuckerspiegel. Entschleunigen Sie Ihren Alltag deshalb so gut wie möglich. Praktiken wie Yoga, autogenes Training und Meditation reduzieren Stress und sorgen für Entspannung. Nutzen Sie auch unsere kostenfreie AOK Yogaschule – vor Ort oder ganzjährlich digital.

FAQ – Häufige Fragen zu Blutzuckerwerten

  • Ab welchem Blutzuckerwert hat man Diabetes?

    Liegt der Blutzuckerwert an zwei verschiedenen Tagen nüchtern über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) und zwei Stunden nach dem Essen über 200 mg/dl (11,1 mmol/l), gilt dies als Diabetes.

  • Was sind Symptome von zu hohem Blutzucker?

    Typische Symptome einer Überzuckerung (Hyperglykämie) sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Sehstörungen.

  • Was sind Symptome von zu niedrigem Blutzucker?

    Typische Symptome einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) sind Heißhunger, Zittern, Schweißausbrüche, Herzrasen, Konzentrationsprobleme und Schwindel. Bei starker Unterzuckerung kann es zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit kommen.

  • Wie misst man Blutzucker richtig?

    Für den Nüchternwert misst man meist morgens vor der ersten Mahlzeit. Diabetiker überprüfen ihren Blutzucker meist vor oder nach einer Mahlzeit. Dazu stechen Sie mit einer Lanzette in die Fingerkuppe. Den ersten Bluttropfen wischen Sie ab, den zweiten tragen Sie auf den Teststreifen des Blutzuckermessgerätes auf. Dann können Sie das Ergebnis ablesen.

  • Was ist Prädiabetes und welche Blutzuckerwerte sind typisch?

    Prädiabetes ist die Vorstufe von Diabetes mellitus. Nüchtern liegen die Blutzuckerwerte hier zwischen 100 und 126 mg/dl (5,6 bis 7,0 mmol/l). Zwei Stunden nach dem Essen liegen sie zwischen 140 und 200 mg/dl (7,8 bis 11,1 mmol/l).

  • Welche Lebensmittel erhöhen den Blutzucker stark?

    Lebensmittel mit hohem glykämischem Index oder viel Kohlenhydraten führen zu einem starken Blutzuckeranstieg. Dazu gehören Weißbrot, Süßigkeiten, Limonaden, Fruchtsäfte, Cornflakes und Kartoffeln.

  • Übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für ein Blutzuckermessgerät?

    Ja, die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für ein Blutzuckermessgerät, wenn Ihr Arzt Ihnen ein Rezept mit der Diagnose „insulinpflichtiger Diabetes mellitus“ ausstellt. Sind Sie über 18 Jahre alt, müssen Sie eine Zuzahlung von mindestens 5 und höchstens 10 Euro leisten.

  • Wo bekomme ich schnell Hilfe bei erhöhten Blutzuckerwerten?

    Die erste Anlaufstelle ist meist der Hausarzt. Sie können sich aber auch an Schwerpunktpraxen und Diabetesberatungsstellen wenden. In Sachsen-Anhalt unterstützt auch die Diabetes Gesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. mit verschiedenen Angeboten.

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