Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Schaden Tattoo-Farben der Gesundheit?

Ein etwa 30 jähriger Mann sitzt mit seiner Tochter gemeinsam am Wohnzimmertisch. Er bemalt ihre Fingernägel mit Nagellack für Kinder. Seinen Arm zieren mehrere Tattoos.

Zwischen Körperkunst und Gesundheitsrisiko 

Schwarz oder knallbunt: Der Trend für Tattoos hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Rund 17 Prozent der Deutschen sind tätowiert und die Tendenz steigt. Tätowierfarben werden in die Haut eingebracht und können sich anschließend im Körper verteilen. Tätowiermittel sind in Deutschland seit 2009 durch die Tätowiermittel-Verordnung rechtlich geregelt. Dennoch sind die gesundheitlichen Langzeitwirkungen der verwendeten Stoffe bislang nicht vollständig geklärt.

Seit Anfang 2022 gelten aufgrund einer EU-weiten Beschränkung strengere Vorgaben für zahlreiche Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln. Dadurch dürfen bestimmte Stoffe nicht mehr oder nur noch in begrenzten Konzentrationen verwendet werden. Welche Regelungen aktuell für Tattoo-Farben gelten, welche gesundheitlichen Risiken Tätowierungen mit sich bringen und was bei einer Tattooentfernung zu beachten ist, erfahren Sie im Artikel.

Wussten Sie schon, dass…

  • Tattoo-Farben seit 2022 EU-weit strengeren Vorgaben unterliegen?
  • sich bestimmte Tattoo-Pigmente durch UV-Licht verändern können?
  • die AOK Sachsen-Anhalt bereits vor Ihrem 35. Geburtstag alle zwei Jahre einen Hautcheck bezuschusst?

Was steckt in Tattoo-Farben?

Tattoo-Farben sind Gemische aus verschiedenen Einzelsubstanzen. Ihre Hauptbestandteile sind Pigmente und eine Trägerflüssigkeit. Hinzu kommen je nach Produkt beispielsweise Polymere, Konservierungsstoffe, Entschäumer und pH-Regulatoren. Die genaue Zusammensetzung kann sich von Produkt zu Produkt unterscheiden.

Junge Frau hält eine Tätowier-Maschine in der Hand und sticht einer anderen jungen Frau ein Tattoo auf dem Oberarm.


Tattoo-Farben enthalten organische oder anorganische Pigmente. 

  • Zu den organischen Pigmenten gehören unterschiedliche chemische Pigmentgruppen, darunter beispielsweise Azopigmente. 
  • Zu den anorganischen Pigmenten zählen unter anderem Ruß, Titandioxid und Eisenoxide.

Problematisch können unter anderem Verunreinigungen mit Schwermetallen oder anderen unerwünschten Stoffen sein. Auch bestimmte Konservierungsstoffe oder Farbstoffe können gesundheitlich bedenklich sein.

Welche gesundheitlichen Risiken haben Tattoos?

Beim Tätowieren wird die Haut verletzt. Dadurch können Keime in den Körper gelangen und Infektionen verursachen, insbesondere bei mangelnder Hygiene, nicht sterilen Geräten oder verunreinigten Tätowiermitteln. Weitere mögliche Folgen sind:

  • Hautreizungen und Fremdkörperreaktionen: Das Immunsystem kann auf die eingebrachten Pigmente reagieren.
  • Allergische Reaktionen: Sie können beispielsweise durch Nickel, bestimmte Farbstoffe oder Konservierungsmittel ausgelöst werden.
  • Narbenbildung: Wird die Haut beim Tätowieren oder während der Heilung stärker geschädigt, können Narben entstehen.

Was Tattoo-Farben unter der Haut bewirken

Bunte Tattoo-Tinte wird in kleine Behältnisse gefüllt.

Beim Tätowieren werden die Farbpigmente mit vielen kleinen Nadelstichen in die mittlere Hautschicht, die sogenannte Dermis, eingebracht. Die Haut beziehungsweise das Immunsystem reagieren während und nach dem Stechen mit einer Entzündungsreaktion.

Ein Teil der Pigmente bleibt dauerhaft in der Haut. Die meist unlöslichen Pigmente können von Abwehrzellen aufgenommen und über das Lymphsystem in nahegelegene Lymphknoten transportiert werden. Dort können sie sich ablagern und beispielsweise zu einer Verfärbung der Lymphknoten führen. Die löslichen Bestandteile der Trägerflüssigkeit können dagegen in den Körper gelangen und verstoffwechselt werden.

Wie sich Tätowiermittel und ihre Bestandteile langfristig auf den Körper auswirken, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine 2025 veröffentlichte klinische Studie des BfR zeigte, dass im Durchschnitt etwa ein Fünftel der verwendeten Farbe in die Haut gelangte. Ein großer Teil wurde über die heilende Wunde wieder ausgeschieden.

Unklar ist weiterhin, ob und in welchem Umfang bestimmte Inhaltsstoffe erbgutverändernd, krebserzeugend oder fruchtbarkeitsschädigend wirken können.

Wie sicher sind Tattoo-Farben heute?

Für Verbraucher ist nicht immer leicht zu beurteilen, welche Inhaltsstoffe und Zusatzstoffe ein Tätowiermittel enthält und wie diese gesundheitlich zu bewerten sind.

REACH-Verordnung
Seit 2022 gelten EU-weit strengere Vorgaben für bestimmte Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln. Rund 4.200 Stoffe dürfen nicht mehr oder nur noch in begrenzten Konzentrationen verwendet werden.

Wichtig ist außerdem: REACH-konform bedeutet nicht automatisch gesundheitlich unbedenklich. Eine umfassende Sicherheitsbewertung für jedes einzelne Tätowiermittel gibt es bislang nicht.
Tätowiermittel-Verordnung
In Deutschland gilt sie bereits seit 2009. Sie regelt, dass Tätowiermittel die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Die Kennzeichnung muss unter anderem über die Inhaltsstoffe und relevante Sicherheitshinweise informieren.

Worauf sollte ich beim Tätowieren achten?

Damit Ihr Tattoo sicher heilt, sind Hygiene und die richtige Pflege entscheidend.

  • Seriöses Tattoo-Studio

    Achten Sie auf ein professionelles Tattoostudio, das Wert auf Hygiene legt und die geltenden Hygieneanforderungen einhält. Lassen Sie sich bei Bedarf die verwendeten Tätowiermittel und deren Hersteller zeigen.

  • Aufklärung

    Der Tätowierer sollte Sie über mögliche Risiken, die Wundheilung und die richtige Nachsorge informieren. Informieren Sie den Tätowierer über bekannte Allergien und Hauterkrankungen.

  • Hygiene

    Um das Infektionsrisiko zu verringern, sind beim Tätowieren wichtige Hygienemaßnahmen einzuhalten. Dazu gehören Einmalhandschuhe, sterile Nadeln und eine fachgerechte Desinfektion der Haut. Auch Arbeitsflächen und andere abwaschbare Oberflächen müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Zum Verdünnen von Tätowierfarben sollte ausschließlich steriles Wasser verwendet werden.

  • Nach dem Tatowieren

    Schützen Sie die frische Tätowierung vor Sonne und Fremdkörpern wie Sand. UV-Licht kann tätowierte Haut reizen und bestimmte Pigmente verändern. Befolgen Sie außerdem die Pflegehinweise des Tattoo-Studios und verwenden Sie empfohlene Pflegeprodukte. Eine sorgfältige Nachsorge unterstützt die Wundheilung und kann dazu beitragen, Infektionen zu vermeiden.

Tattoo in Schwangerschaft und Stillzeit?

Das BfR empfiehlt, während der Schwangerschaft und Stillzeit auf Tätowierungen zu verzichten. Begründet wird dies mit dem Infektionsrisiko sowie die noch nicht vollständig geklärten gesundheitlichen Auswirkungen von Tätowiermitteln.

Was passiert bei einer Tattoo-Entfernung?

Entfernung Tattoo mit Lasergerät

Die gepulste Lasertechnik ist heute das gängige Verfahren zur Entfernung von Tattoos, da sie als schmerzärmer und hautschonender gilt. Je nach Größe, Farbe und Tiefe der Pigmentierung können mehrere Sitzungen notwendig sein.

Die Entfernung durch Laser darf nur durch approbierte Ärzte mit entsprechender ärztlicher Weiterbildung oder Fortbildung durchgeführt werden. Eine Garantie für eine vollständige Entfernung gibt es nicht.

Wichtig: Die Tattoo-Entfernung ist eine kosmetische Behandlung. Die Kosten werden nicht von der gesetzlichenKrankenkasseübernommen.

  • Ablauf

    Bei der Tattoo-Entfernung zerstört die Energie der Laserstrahlung die Farbpigmente des Tattoos. Die dabei entstehenden kleineren Partikel können anschließend vom Körper abtransportiert werden. Dafür muss die Wellenlänge des Lasers zum jeweiligen Pigment passen. Nach der Behandlung kann die Haut gekühlt werden. Bei Bedarf können Sie auch schmerzlindernde Cremes anwenden.

  • Nebenwirkungen

    Nebenwirkungen des Eingriffs können unter anderem sein:

    • Narbenbildung
    • Verbrennungen
    • Vorübergehende oder bleibende Haut- und Pigmentveränderungen
    • Entzündungen

    Bei der Behandlung bestimmter Pigmente können zudem gesundheitlich bedenkliche Spaltprodukte entstehen. In Untersuchungen wurden unter anderem Benzol und Blausäure nachgewiesen.

  • Weitere Möglichkeiten zur Tattoo-Entfernung

    Dermabrasion
    Die Dermabrasion ist eine operative Methode, bei der mit einer sich schnell drehenden Diamantfräse die oberste Hautschicht abgetragen wird. Die Behandlung ist schmerzhaft und wird unter einer lokalen Narkose durchgeführt.

    Waterjet Cutting
    Der operative Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Ein hochkonzentrierter Wasserstrahl schneidet die Hautschichten, die die farbtragende Hautschicht überdecken, auf. Die Farbpigmente werden mit dem Wasserstrahl herausgespült. Eine Narbenbildung ist möglich.

    Exzision (Chirurgische Entfernung)
    Unter lokaler Betäubung wird das tätowierte Hautareal chirurgisch entfernt. Die Operation wird meist bei kleineren Tattoos durchgeführt, ist allerdings nicht an jeder Körperstelle möglich. Eine Narbenbildung ist ebenfalls möglich.

    Alternative zur Entfernung: Cover-up
    Dabei wird das bestehende Tattoo mit einem neuen, meist größeren und dunkleren Motiv überstochen. Das Tattoo wird dadurch nicht entfernt, sondern optisch überdeckt.

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