Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Schlafwandeln

Kleiner Junge von ca 5 Jahren legt im bett und schläft

Was ist Schlafwandeln?

Schlafwandeln, medizinisch Somnambulismus, zählt zu den Schlafstörungen und Aufwachstörungen. Betroffene richten sich im Schlaf auf, laufen umher, sprechen oder führen sogar Tätigkeiten aus, ohne es bewusst wahrzunehmen und sich danach daran zu erinnern. Das Gehirn erwacht dabei nur teilweise aus dem Tiefschlaf: Während das Bewegungszentrum aktiv ist, befinden sich Bewusstsein und Erinnerung noch im Schlafzustand. Zum Schlafwandeln kommt es meist im ersten Drittel des Nachtschlafs, also etwa 30 bis 90 Minuten nach dem Einschlafen. Der Vorgang dauert meist maximal 15 Minuten, kann aber auch bis zu einer Stunde anhalten. 

Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. schlafwandeln 15 bis 30 Prozent aller Kinder. Nach dem zehnten Lebensjahr nimmt die Häufigkeit ab und ab dem Erwachsenenalter schlafwandeln nur noch ein Prozent aller früheren Betroffenen. In der Regel ist Somnambulismus harmlos. Tritt es jedoch erstmalig im Jugend- und Erwachsenenalter auf, kann auch eine Krankheit dahinterstecken.

Im Beitrag beschäftigen wir uns mit den Ursachen und Risikofaktoren beim Schlafwandeln. Außerdem geben wir Tipps zum Umgang mit Schlafwandlern und wie Sie aktiv vorbeugen können.

Wussten Sie schon, dass...

  • Schlafwandeln früher als „Mondsucht“ bezeichnet wurde?
  • Sie Schlafwandler am besten ruhig ins Bett zurückführen?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Ihnen bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr bezuschusst?
Eine Frau steht schlafwandeln in ihrem Schlafzimmer vor dem Bett. Dabei hat sie die Augen geschlossen.

Was passiert beim Schlafwandeln im Gehirn?

Forscher nehmen an, das Schlafwandeln durch einen Weckreiz im Tiefschlaf ausgelöst wird, wie ein Geräusch oder Schlafapnoe. Das Gehirn bleibt dann größtenteils im Tiefschlaf und nur bestimmte Areale wachen auf. Deswegen kann man sich bewegen oder sprechen, aber sich später nicht daran erinnern. Warum Kinder häufiger von Schlafwandeln betroffen sind, ist noch nicht vollständig geklärt. Ein möglicher Grund ist, dass das Nervensystem noch nicht vollständig entwickelt ist und Kinder daher „anfälliger“ sind.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie kommt es zum Schlafwandeln?

Faktoren, die Schlafwandeln begünstigen sind:

  • Schlafwandler in der Familie: 80 Prozent der Betroffenen haben Schlafwandler im Familienkreis. Ein bestimmtes Gen ist dafür mitverantwortlich.
  • Nachtschreck (Pavor nocturnus): Nächtliches Aufschrecken kann in Schlafwandeln übergehen.
  • Alkoholkonsum
  • Schlafmangel und unregelmäßiger Schlafrhythmus
  • Stress
  • Atemaussetzer während des Schlafens (Schlafapnoe)
  • Medikamente wie Herzmedikamente, Beruhigungs- und Schlafmittel, Psychopharmaka, Antibiotika, Antihistaminika, Medikamente gegen Epilepsie und Parkinson

Tritt Schlafwandeln erstmal im Jugend- oder Erwachsenenalter auf, kann auch eine Erkrankung dahinterstecken wie:

Ein Mann schlafwandelt und schaut nachts starrend in den Kühlschrank.

Wie gefährlich ist Schlafwandeln wirklich?

Schlafwandeln an sich ist nicht gefährlich. Es geht aber mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher:

  • verminderte Reaktionsfähigkeit und Balance
  • reduzierte Schmerzwahrnehmung
  • Desorientierung
  • Hungergefühl, dadurch unkontrolliertes Essen und Vergiftungsrisiko
  • Gefahren durch unbewusste Tätigkeiten wie Autofahren, Kochen, Aussperren

Was tun bei Schlafwandlern?

Schlafwandler sind erkennbar an:

  • offenen Augen
  • ausdruckslosen, starren Blick
  • geringe Reaktion auf äußere Reize
  • können reden, reagieren auf Fragen aber oft aggressiv

Das können Sie bei Schlafwandlern tun:

Wecken Sie Schlafwandler nur im Notfall auf. Die Person kann in Panik geraten, sich wehren und andere oder sich selbst verletzen. Sprechen Sie die Person stattdessen ruhig an und geleiten Sie sie behutsam zurück ins Bett. Oft finden Schlafwandler aber auch von allein wieder ins Bett.

Sicherheitsmaßnahmen in Haus und Wohnung:

  • ungenießbare Lebensmittel außer Reichweite legen
  • Fenster und Türen abschließen, die in Küche, Hobbyraum oder auf die Straße führen
  • Treppen sichern, zum Beispiel mit einem Gitter
  • Schutzkappen auf Möbelecken anbringen
  • gefährliche Gegenstände außer Reichweite aufbewahren
  • Stolperfallen wie Teppiche und Läufer aus dem Weg räumen
  • Glocke an Schlafzimmertür anbringen, um Angehörige aufmerksam zu machen 

Bei Kindern: Legen Sie eine Alarmmatte vors Bett. Das Signal weckt die Angehörigen auf.

Behandlung von Schlafwandeln

Schlafwandeln selbst ist nicht heilbar. Besonders wenn es erstmalig im Erwachsenenalter auftritt, kann dies ein Hinweis auf eine Grunderkrankung sein. Diese kann in der Regel behandelt werden, wie Epilepsie oder psychische Erkrankungen.

Wenden Sie sich in jedem Fall an den Kinder- oder Hausarzt. Dieser überweist Sie gegebenenfalls an einen Facharzt für Schlafmedizin, der weitere Untersuchungen vornimmt, wie ein EEG oder auch im Schlaflabor mit Langzeit-EEG und Videoüberwachung. Medikamente gegen Schlafwandeln werden nur bei starker Ausprägung oder hoher Verletzungsgefahr verschrieben.

Ein Kind schläft im Bett. Ein kleines Nachtlicht ist im Hintergrund angeschaltet.

Tipps gegen Schlafwandeln

Einige Maßnahmen können das Risiko für Schlafwandeln senken und eine gute Schlafhygiene fördern:

  • Blaues Bildschirmlicht vermeiden: Blaues Licht hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Vermeiden Sie es deshalb mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen.
  • regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Schlafumgebung: am besten ist ein dunkles, ruhiges und kühles Zimmer (etwa 18 Grad)
  • Alkohol vermeiden und bestimmte Medikamente in Rücksprache mit dem Arzt nicht einnehmen
  • Alltag entschleunigen für weniger Stress
  • Entspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Meditation oder Yoga können den Schlaf verbessern. Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst Ihnen bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr.

FAQ – Häufige Fragen zu Schlafwandeln

  • Was ist Schlafwandeln und wie entsteht es?

    Schlafwandeln (Somnambulismus) ist eine Aufwachstörung, bei der das Gehirn nicht vollständig aus dem Tiefschlaf erwacht. Die Bewegungsbereiche sind aktiv, während Bewusstsein und Erinnerung schlafen. Betroffen sind hauptsächlich Kinder, da vermutlich ihr zentrales Nervensystem noch nicht ausgereift ist.

  • Wie gefährlich ist Schlafwandeln für Kinder?

    Schlafwandeln kann gefährlich werden, da Betroffene verminderte Reaktionsfähigkeit und Balance haben. Wichtige Sicherheitsmaßnahmen sind beispielsweise Treppen absichern, Fenster und Türen verschließen, Stolperfallen entfernen und gefährliche Gegenstände wegräumen.

  • Warum sollte man Schlafwandler nicht aufwecken?

    Schlafwandler sollten niemals abrupt geweckt werden, da sie in Panik geraten und sich oder andere verletzen können. Reden Sie stattdessen ruhig auf die Person ein und führen Sie sie behutsam zurück ins Bett.

  • Wie kann man Schlafwandeln vorbeugen?

    Eine gute Schlafhygiene hilft gegen Schlafwandeln: Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, blaues Bildschirmlicht vor dem Schlafen vermeiden, Stress reduzieren, Entspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung oder Yoga.

  • Wann hört Schlafwandeln bei Kindern auf?

    Bei den meisten Kindern nimmt Schlafwandeln etwa bis zum zehnten Lebensjahr ab. Nur bei etwa ein Prozent der Betroffenen setzt sich Schlafwandeln auch im Erwachsenenalter fort.

  • Ist Schlafwandeln erblich bedingt?

    Ja, Schlafwandeln ist oft erblich. 80 Prozent der Schlafwandler haben weitere betroffene Personen im Familienkreis. Schweizer Forscher haben ein spezifisches Gen identifiziert, das mitverantwortlich ist.

  • Was kann Schlafwandeln bei Erwachsenen auslösen?

    Bei Erwachsenen können Stress, emotionale Belastungen, Schlafmangel, Alkohol, bestimmte Medikamente oder Erkrankungen wie Depression, Epilepsie oder Restless-Legs-Syndrom das Schlafwandeln auslösen.

  • Wann sollte man wegen Schlafwandeln zum Arzt?

    Wenn Sie im Jugend- oder Erwachsenenalter erstmals schlafwandeln, ist ein Arztbesuch sinnvoll, um Erkrankungen als Ursache auszuschließen. Bei Kindern ist meist kein Grund zur Sorge, außer bei sehr häufigen oder gefährlichen Episoden.

Gut zu wissen

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