Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Peptide

Eine Frau setzt auf Peptide als Anti-Aging-Substanz

Risiken leistungssteigernder Peptid-Substanzen

Kleinste Moleküle sorgen für große Schlagzeilen, aber auch Bedenken: Peptide. Sie ähneln Proteinen, bestehen jedoch aus kürzeren Aminosäureketten und können Einfluss auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Zellregeneration haben. Peptide finden Einsatz in der Forschung, Medizin und Kosmetik und erleben einen besonderen Hype in der Fitnessszene und bei Bodybuildern, da sie eine leistungssteigernde Wirkung versprechen. Aber: Peptide sind nicht zur Leistungssteigerung zugelassen und werden häufig illegal und missbräuchlich wie im Bodybuilding genutzt, denn sie haben gefährliche Nebenwirkungen. Zugelassen sind sie lediglich für Medikamenten wie in Insulin. 

Erfahren Sie, was Peptide sind, wie sie Einsatz in der Kosmetik, im Sport und in der Forschung finden und welche Nebenwirkungen Peptide haben können. 

Wussten Sie schon, dass...

  • die Wirkung von Peptiden noch erforscht wird?
  • einige Peptide starke Nebenwirkungen haben können?
  • Ihnen bei Fragen zur Wirkung von Medikamenten unser AOK-Clarimedis-Servicetelefon weiterhilft?
Eine Diabetes-Patientin spritzt sich Peptide in Form von Insulin

Was sind Peptide? 

Peptide sind organische Moleküle aus kurzen Aminosäureketten, die über Peptidbindungen verknüpft sind. Proteine bestehen dagegen aus langen Ketten mit meist mehr als 100 Aminosäuren. Polypeptide umfassen etwa zehn bis 100 Aminosäuren, Oligopeptide weniger als zehn. Einige Peptide kommen natürlich im Körper vor und unterstützen wichtige Prozesse. Auch bestimmte Toxine und Antibiotika zählen dazu. Es gibt zahlreiche zugelassene Peptid-Medikamente wie Insulin, aber auch illegale Präparate sind im Umlauf. Sie sind nicht zugelassen, werden dennoch verkauft und oft unter dem Vorwand „für Forschungszwecke“ vertrieben.

Funktion von körpereigenen Peptiden

Zu den körpereigenen Peptiden zählen zum Beispiel Hormone, Neurotransmitter und Wachstumsfaktoren, die Teil wichtiger Prozesse sind. Dazu gehören Insulin und Glucagon, die den Blutzucker regulieren, sowie Leptin, das den Appetit steuert. Bei der Immunabwehr unterstützen Defensine und Thymosin die Abwehr von Krankheitserregern. Bestimmte Peptide fördern die Regeneration von Gewebe, etwa Zellwachstum, Wundheilung und Muskelaufbau. Endorphine können außerdem Schmerzen lindern und die Stimmung heben. Das Peptid Angiotensin steuert die Gefäßspannung und reguliert so den Blutdruck.

Straffe Haut mit Peptiden?

Bestimmte Peptide sind Bestandteil vieler Kosmetika wie Hautcremes, Lippenpflegeprodukte oder Gesichtsseren, da sie die Haut unterstützen, Feuchtigkeit speichern und die Hautbarriere stärken. Kollagenpeptide können die Haut regenerieren. Sie unterstützen den Anti-Aging-Effekt, da sie die Kollagenproduktion anregen.

Kupferpeptide sind Antioxidantien und wirken entzündungshemmend, da sie Rötungen schneller abklingen lassen, Hautunreinheiten verbessern und ebenfalls die Kollagenproduktion anregen.

Aber: Die Wirkung ist umstritten, da Peptide nur oberflächlich wirken und nicht ausreichend in die gesunde Haut eindringen, um den vollen Effekt zu entfalten.

Ein Wissenschaftler forscht an Peptiden

Einsatz in Medizin und Forschung

Besonders im Zusammenhang mit Medikamenten wird an Peptiden intensiv geforscht. Die orale Einnahme ist meist nicht möglich beziehungsweise nicht wirksam, da Magensäure und Proteasen im Darm Peptide zerstören. Peptidbasierte Medikamente werden in der Regel als Injektionen, Augentropfen oder Infusionen verabreicht. Zu den bekanntesten Anwendungen zählen Insulinspritzen bei Diabetes. Zu Test- und Forschungszwecken kommen sie außerdem zum Einsatz bei:

  • Krebserkrankungen
  • akutem Lungenversagen
  • Kurzdarmsyndrom

Peptide zur Selbstoptimierung

Peptide zur Selbstoptimierung sind in vielen Fällen nicht zugelassen. Einige gelten sogar als Dopingmittel, wie TB 500, HGH-Fragment oder BPC-157, und werden trotzdem häufig im Bodybuilding oder beim Biohacking als Spritzen benutzt.

Beworben werden die Produkte vor allem als leistungssteigernd. Sie versprechen eine schnellere Erholung nach dem Training oder nach Verletzungen und sollen den Stoffwechsel sowie die Fettverbrennung aktivieren. Die Wirkung ist jedoch noch nicht wissenschaftlich bestätigt, da es bisher kaum Studien mit Menschen gibt und die Wirkungsweise lediglich auf Tierexperimenten beruht.

Nebenwirkungen von Peptiden

Nebenwirkungen von Peptiden sind insgesamt noch nicht umfassend erforscht, da die Datenlage begrenzt ist. Grundsätzlich lassen sich Peptid-Produkte jedoch in zwei Gruppen einteilen: Zum einen zugelassene Medikamente wie GLP-1-Analoga oder Insulin, deren Nebenwirkungen gut untersucht und dokumentiert sind. Zum anderen nicht zugelassene Substanzen wie sogenannte Biohacking-Peptide, Bodybuilding-Produkte oder „Research Chemicals“, bei denen mögliche Nebenwirkungen bislang kaum erforscht sind und meist nur auf Tierstudien oder Erfahrungsberichten beruhen. Bei Medikamenten mit Peptiden werden teilweise gefährliche Nebenwirkungen vermutet.

  • BPC-157 & TB 500

    Aus medizinischer Sicht gibt es Bedenken, dass Peptide das Zellwachstum fördern und dadurch das Krebsrisiko erhöhen oder einen erneuten Krebsbefund begünstigen könnten, da Peptide Wachstumsprozesse auch bei Krebszellen anregen können.

  • HGH-Fragment 176-191

    Eine längere unkontrollierte Einnahme kann zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führen. Bei hoher HGH-Anwendung können zudem Krankheitsbilder auftreten, die denen von Patienten mit erhöhter HGH-Sekretion ähneln (Akromegalie). Mögliche Folgen sind ein krankhaftes Wachstum von Organen wie Herz, Leber oder Knochen sowie ein überproportionales Wachstum von Händen, Füßen, Kinn, Nase oder Ohren. Darüber hinaus können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten.

  • Thymosin-Alpha 1 & TB 500

    Dieses Mittel kann bei zu starker Aktivierung des Immunsystems schädliche Autoimmunreaktionen hervorrufen. Werden zeitgleich mehrere Peptid-Präparate eingenommen, sind Wechselwirkungen möglich. Das Langzeitrisiko ist nicht abschätzbar, und auch bei kurzzeitigem Gebrauch kann es möglicherweise schädlich sein. Daher ist die Einnahme nicht zu empfehlen, insbesondere nicht in Eigenregie, sondern nur unter ärztlicher Aufsicht.

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