Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Geschlechtssensible Medizin

Eine Frau sortiert ihre Medikamente am Küchentisch.

Warum Frauen und Männer Krankheiten unterschiedlich erleben

Lange Zeit galt in der Medizin das Prinzip: eine Behandlung für alle – unabhängig vom Geschlecht. Die Gendermedizin krempelt diese Auffassung um und ist ein neuer medizinischer Ansatz, der sowohl biologische als auch soziokulturelle Geschlechterunterschiede bei der Behandlung von Krankheiten berücksichtigt. Denn Krankheiten können sich bei Frauen und Männern unterschiedlich manifestieren.

Das Geschlecht mit seinen biologischen und sozialen Unterschieden hat großen Einfluss auf Gesundheit, Krankheitsverläufe und Therapien. Gendermedizin soll die gesundheitliche Versorgung gerechter gestalten sowie Prävention und Therapie effektiver wirken lassen. Die individuelle Anpassung der Behandlung hilft besonders Fehl- und Unterdiagnosen zu vermeiden.

Für einen genaueren Überblick erfahren Sie bei uns, was geschlechtssensible Medizin bedeutet, welche Rolle Geschlecht, Erkrankungen und Medikamente spielen und welche Folgen das Ignorieren der Gendermedizin haben kann. Zudem werfen wir einen Blick auf die Studienlage und geben Ihnen Hinweise, worauf Sie bei Untersuchungen selbst achten können.

Wussten Sie schon, dass...

  • Frauen lange Zeit aus klinischen Studien ausgeschlossen waren?
  • Männer tendenziell anfälliger für Infekte sind?
  • wir die Kosten für viele Früherkennungsuntersuchungen übernehmen?

Was ist geschlechtssensible Medizin?

Geschlechtssensible Medizin bedeutet, dass der behandelnde Arzt bei der Vorsorge, Diagnose und Behandlung biologische sowie soziale Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt.

Beide Ebenen wirken zusammen und haben einen Einfluss auf die Entstehung, die Diagnose und die Behandlung von Krankheiten.

Zur biologischen Ebene gehören:

  • Hormonhaushalt
  • Körpergröße
  • Fett- und Muskelanteil
  • Stoffwechsel
  • Enzymaktivität

Bei der sozialen Ebene werden berücksichtigt:

  • Beruf
  • Stress im Alltag und Beruf
  • Rollenbilder
  • Zugang zum Gesundheitssystem
  • Ernährung
  • Bewegung
Zwei Frauen arbeiten im Labor.

Studienlage

Früher wurden Frauen meist aus klinischen Studien ausgeschlossen, beispielsweise wegen ihrer hormonellen Schwankungen. Folglich basieren viele Leitlinien auf den Daten von Männern. Erst in den letzten Jahren sind verstärkt beide Geschlechter in Studien vertreten. Dennoch gibt es viele Datenlücken hinsichtlich auf beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamentendosierungen oder chronischen Erkrankungen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in Symptomen und Risiken

  • Herzinfarkt

    Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Männern meist mit klassischen Brustschmerzen. Frauen haben dagegen eher atypische Symptome wie Übelkeit, Rückenschmerzen, Atemnot oder extreme Müdigkeit. Häufig wird der Infarkt bei Frauen übersehen oder zu spät erkannt.

  • Osteoporose

    Die Skeletterkrankung gilt als „Frauenkrankheit“, kommt aber auch bei Männern vor. Die Folge: Bei Männern wird die Erkrankung oft erst spät erkannt.

  • Autoimmunerkrankungen

    Zum Beispiel betreffen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder rheumatoide Arthritis häufiger Frauen. Als Ursache gilt das aktivere weibliche Immunsystem, da es stärker zur Bildung von Östrogen und Autoantikörpern neigt. Männer sind durch Testosteron etwas „geschützt“, dafür aber tendenziell anfälliger für Infekte.

  • Endometriose

    Endometriose betrifft ausschließlich Frauen und wird häufig erst nach vielen Jahren diagnostiziert. Beschwerden wie starke Regelschmerzen und starke oder unregelmäßige Blutungen werden meist verharmlost.

Eine Frau liest sich einen Beipackzettel eines Medikaments durch.

Medikamente und Nebenwirkungen: Was bei Männern und Frauen anders wirkt

Bei der Behandlung mit Medikamenten ergeben sich zwischen den Geschlechtern deutliche Unterschiede. Frauen haben meist einen höheren Wirkstoffspiegel im Blut, weil das Arzneimittel langsamer abgebaut wird. Somit treten einige Nebenwirkungen bei Frauen deutlich häufiger auf, werden jedoch in Studien nicht erfasst.

Folgen fehlender Gendermedizin

Werden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht berücksichtigt, ist die medizinische Versorgung weniger sicher und teilweise auch weniger wirksam. Zum Beispiel sind Fehldiagnosen, wie Herzinfarkte bei Frauen, ein bekanntes Problem. Spätdiagnosen wie Endometriose zeigen, dass die Diagnostik oft stark verzögert erfolgt. Eine Über- oder Unterdosierung von Medikamenten kann ein unbekanntes Risiko darstellen.

Ein Mann spricht mit einem Arzt über geschlechtssensible Medizin.

Worauf kann ich selbst bei der Untersuchung achten?

Sie selbst können dazu beitragen, dass Unterschiede berücksichtigt werden.

  • Nehmen Sie Ihre eigenen Symptome ernst – auch wenn Ihre Beschwerden nicht klassisch erscheinen.
  • Stellen Sie Ihrem behandelnden Arzt Fragen, um mögliche Unterschiede zwischen Mann und Frau bei Medikamenten oder Erkrankungen zu erfahren.
  • Behalten Sie Ihre Medikamente im Blick. Beachten und benennen Sie klar auftretende Nebenwirkungen.
  • Frauen sollten ihren Zyklus dokumentieren, da er wichtige Hinweise geben kann.
  • Männer sollten, trotz seltener Erkrankung, das Risiko beispielsweise einer Osteoporose nicht unterschätzen.
  • Gehen Sie regelmäßig zum Check-up bei Ihrem Hausarzt. Die AOK Sachsen-Anhalt bietet zusätzlich bei der Teilnahme am AOK Hausarztprogramm den Check-up Plus an.
  • Unsere Übersicht zu den Vorsorgeleistungen, geordnet nach Alter und Geschlecht, hilft Ihnen alles im Blick zu behalten. So können Sie sich gut mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Fazit: Warum „One-Size-Fits-All“ nicht funktioniert

Die Gendermedizin macht Behandlungen sicherer und genauer. Sie berücksichtigt, dass Frauen und Männer unterschiedliche Risiken, Symptome und Bedürfnisse haben und ist für die moderne, gerechte Medizin unverzichtbar geworden. Unterm Strich kann sie Leben retten.

#GoRed-Day Frauenherzen schlagen anders

Jedes Jahr am ersten Freitag im Februar setzen Tausende Menschen ein sichtbares Zeichen: Sie tragen etwas Rotes und teilen ihre Fotos unter den Hashtags #GoRed und #frauenherzenschlagenanders. Damit rücken sie ein wichtiges Thema in den Fokus: die geschlechtsspezifischen Symptome eines Herzinfarkts. Denn in Deutschland sterben jährlich rund 20.000 Frauen an einem Herzinfarkt – oft, weil die Anzeichen anders aussehen als bei Männern und daher leicht übersehen werden. 

Typische Symptome bei Frauen:

  • Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauch- und Rückenschmerzen
  • Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Müdigkeit

Typische Symptome bei Männern:

  • plötzliche starke Brustschmerzen, die in andere Körperregionen ausstrahlen können
  • Engegefühl in der Brust

Auch die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt den #GoRed-Day. Wir möchten Frauen dazu ermutigen, für ihre Herzgesundheit einzustehen und das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Diagnostik und Therapie schärfen.

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