Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Biopsie

Ein Facharzt erklärt einer Patientin den Ablauf einer Biopsie

Sicherung der Diagnose bei Krebsverdacht

Um Veränderungen im Körper eindeutig einordnen zu können, kann die Biopsie oft entscheidende Antworten liefern. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und anschließend im Labor untersucht. In der Regel liegt das Ergebnis innerhalb weniger Tage vor. Eingesetzt wird die Biopsie meist bei Krebsverdacht oder bei infektiösen oder unklaren Veränderungen und hilft zu klären, ob es sich um harmlose Gewebeveränderungen oder eine bösartige Erkrankung handelt. Die Ergebnisse helfen, die bestmögliche Behandlung auszuwählen. Ernsthafte Komplikationen oder Nebenwirkungen treten nach einer Biopsie nur selten auf.

Welche Methoden der Biopsie eingesetzt werden, wie der Eingriff abläuft und welche Beschwerden eintreten können, erfahren Sie in unserem Beitrag. 

Wussten Sie schon, dass...

  • eine Biopsie häufig ambulant mit lokaler Betäubung erfolgen kann?
  • wir die Kosten für die Gebärmutterhalskrebsvorsorge übernehmen?
  • Biopsien häufig bei Brustkrebs oder Prostatakrebs durchgeführt werden?
Eine Krebspatientin unterzieht sich einer Biopsie

Was ist eine Biopsie? 

Eine Biopsie ist die Entnahme von Gewebe durch einen Arzt mit anschließender Untersuchung im Labor durch einen Pathologen. Die entnommene Gewebeprobe wird als Biopsat oder Bioptat bezeichnet. Eine Biopsie wird vor allem bei verdächtigen Gewebeveränderungen oder Krebsverdacht durchgeführt, etwa bei auffälligen Tastbefunden, unklaren Hautveränderungen oder Auffälligkeiten in bildgebenden Untersuchungen. Die Untersuchung dient dazu, die Diagnose zu sichern und die weitere Therapie zu planen.

Die Aussagekraft der Biopsie hängt davon ab, ob die Gewebeveränderung erfasst wurde und ausreichend Gewebe entnommen werden konnte. Im Verlauf einer Krebsbehandlung kann in manchen Fällen eine erneute Biopsie, auch Rebiopsie genannt, notwendig sein.

Biopsie-Methoden: Wie werden Gewebeproben entnommen?

Ärzte entscheiden individuell, welche Entnahmetechnik sich am besten eignet – abhängig von der Lage und Größe der zu entnehmenden Gewebeprobe sowie vom gesundheitlichen Zustand des Patienten. Grundsätzlich wird in zwei Hauptarten unterschieden. Bei der Inzisionsbiopsie wird nur ein Teil des verdächtigen Gewebes entnommen. Dagegen wird bei der Exzisionsbiopsie das gesamte auffällige Gewebe entfernt, etwa bei dem Verdacht auf Hautkrebs.

Eine weitere Unterscheidung erfolgt nach den angewendeten Methoden.

  • Nadelbiopsien

    Bei der Nadelbiopsie handelt es sich um eine minimalinvasive Entnahme von Gewebe mithilfe einer Hohlnadel. Dabei werden drei Arten unterschieden.

    Die Feinnadelaspirationsbiopsie beziehungsweise Feinnadelpunktion dient der zytologischen Untersuchung. Dabei werden einzelne Zellen mit einer dünnen Hohlnadel (Punktionskanüle) angesaugt, ohne dass die Gewebearchitektur erhalten bleibt. Sie wird beispielsweise in der Lunge oder an der Schilddrüse durchgeführt. Bei der Entnahme von Knochenmark werden sowohl eine Aspirationspunktion als auch eine Knochenmarkstanze durchgeführt.

    Bei der Stanzbiopsie wird eine Biopsienadel durch eine Führungskanüle eingeführt. Anschließend wird eine zylinderförmige Gewebeprobe ausgestanzt. Diese Methode wird unter anderem bei Untersuchungen der Brust, Leber, Prostata oder Haut angewendet.

    Die Vakuumbiopsie erfolgt mithilfe eines Vakuums, durch das Gewebe in eine Hohlnadel eingesaugt und anschließend abgetrennt wird. Sie kommt vor allem bei Untersuchungen der Brust zum Einsatz.

  • Knipsbiopsie / Zangenbiopsie

    Die Gewebeprobe wird mit einer kleinen Zange entnommen, zum Beispiel aus dem Gebärmutterhals.

  • Kürettage (Ausschabung)

    Das betroffene Gewebe, zum Beispiel die Schleimhaut des Gebärmutterhalses oder Gebärmutterkörpers, wird mit einem scharfen Löffel (Kürette) ausgeschabt

  • Zellabstrich / Bürstenbiopsie

    Bei der Bürstenbiopsie werden Schleimhautzellen mit einer kleinen Bürste abgestrichen. Es handelt sich dabei um ein zytologisches Verfahren, bei dem keine eigentliche Gewebeentnahme erfolgt. Die Methode wird beispielsweise in der Mundhöhle, in der Lunge oder im Magen-Darm-Trakt angewendet. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt für diese Untersuchung die Kosten

  • Endoskopische Biopsie 

    Durch einen Schlauch oder ein dünnes Rohr (Endoskop) können verschiedene Instrumente wie kleine Zangen oder Biopsienadeln eingeführt und Gewebeproben entnommen werden. Angewendet wird das Verfahren bei der Entnahme im Magen-Darm-Trakt, den Atemwegen oder der Bauchspeicheldrüse.

  • Bildgestützte Biopsie

    Dieses Verfahren wird eingesetzt, wenn Gewebeveränderungen nicht sichtbar oder tastbar sind. Je nach Lage der Gewebeveränderung oder Organ kommen Ultraschall, Röntgenstrahlen, CT oder MRT zum Einsatz

  • Stereotaktische Biopsie

    Die stereotaktische Biopsie ist eine bildgestützte Gewebeentnahme mithilfe eines computergesteuerten Zielführungssystems. Dabei werden die Instrumente durch den Computer möglichst präzise an die gewünschte Stelle geführt, um gezielt Gewebe entnehmen zu können. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei Eingriffen am Gehirn oder bei der Vakuumbiopsie der Brust angewendet.

  • Liquid Biopsy

    Dieses Verfahren ist keine klassische Biopsie, sondern ein modernes ergänzendes Verfahren und gehört nicht zur Standarddiagnostik. Bei der Flüssigbiopsie werden Blut oder andere Körperflüssigkeiten entnommen, um freischwimmende Krebszellen oder Erbgutabschnitte von Krebszellen zu untersuchen.

Gewebeentnahme bei einer Biopsie

Ablauf einer Biopsie

Vor der Biopsie informiert der Arzt über den Ablauf der Untersuchung sowie mögliche Risiken. Zudem wird besprochen, welche Vorbereitungen vor dem Eingriff notwendig sind.

Gewebeentnahme

Die Biopsie wird entweder vom behandelnden Arzt selbst durchgeführt oder erfolgt nach Überweisung an Fachärzte wie Chirurgen oder an spezialisierte Zentren. In den meisten Fällen wird der Eingriff ambulant durchgeführt. Bei Biopsien innerer Organe oder bei einem schlechten allgemeinen Gesundheitszustand erfolgt die Behandlung jedoch im Krankenhaus. Das Verfahren kann minimalinvasiv oder operativ erfolgen. Je nach Situation wird eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose eingesetzt. 

Die Durchführung erfolgt entweder ohne Sichtkontrolle (palpatorisch) oder mithilfe bildgebender Verfahren beziehungsweise computergestützter Systeme. Insbesondere wenn die Gewebeveränderung von außen nicht sichtbar oder tastbar ist. Je nach Krebsart werden Gewebeproben an mehreren Stellen entnommen, beispielsweise bei Prostata- oder Blasenkrebs. So erhält der Arzt ein möglichst umfassendes Bild der Gewebeveränderungen im Organ.

Laboruntersuchung

Die entnommene Probe wird anschließend im Labor untersucht. Das Ergebnis liegt in der Regel nach zwei bis fünf Tagen vor. Bei speziellen Untersuchungen kann es jedoch auch mehrere Wochen dauern. Eine Ausnahme stellt die Schnellschnittdiagnostik dar. Dabei werden Eigenschaften und Ausbreitung eines Tumors bereits während der Operation bestimmt., um eine erste Einschätzung zu ermöglichen. Das Gewebe wird entnommen und schockgefroren, geschnitten und gefärbt, um eine schnelle Untersuchung zu ermöglichen. Dennoch erfolgt meist zusätzlich eine ausführlichere Untersuchung im Labor zur weiteren Absicherung. Gewebeproben werden in der Regel über viele Jahre, häufig mindestens zehn Jahre, aufbewahrt.

Ein Facharzt erklärt einer Patientin den Ablauf einer Biopsie

Komplikationen bei Biopsien

Ob es nach der Biopsie zu Beschwerden kommt, ist abhängig von der Entnahmestelle und Entnahmetechnik. Im Allgemeinen ist das Risiko für Komplikationen gering. Bei schwer zugänglichen oder empfindlichen Körperregionen wie der Lunge sind größere Risiken möglich. Der Arzt informiert Sie über mögliche Nachwirkungen vor dem Eingriff. 

Allgemeine Komplikationen, die nach einer Biopsie auftreten können, sind Blutungen und Hämatome im Bereich der Gewebeentnahme. Je nach angewandter Entnahmetechnik können außerdem Narben entstehen. Selten kommt es zu Infektionen. Sehr selten können umliegende Organe oder Strukturen verletzt werden. Wird die Biopsie unter Vollnarkose oder mit Beruhigungsmitteln durchgeführt, können Erschöpfung und Schläfrigkeit auftreten. Deshalb sollten Betroffene nur in Begleitung nach Hause gehen und anschließend nicht selbst Auto fahren. 

Tumorzellverschleppung

In seltenen Fällen können Tumorzellen entlang des Stichkanals verschleppt werden. Dadurch kann es theoretisch zur Bildung von Metastasen kommen, was jedoch insgesamt sehr selten ist und stark von der jeweiligen Krebsart abhängt. Bei einigen Tumorarten wie Brust- oder Prostatakrebs gibt es nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keine Hinweise darauf. Bei Weichteilsarkomen ist eine Metastasierung im Bereich des Einstichkanals in seltene Fällen möglich. Deshalb wird bei bösartigen Tumoren in solchen Fällen der Einstichkanal nachträglich mit entfernt.

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden