Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Nabelschnurblut

Junge Eltern halten Neugeborenes im Arm

Medizinische Ressource mit Zukunftspotenzial?

Was nach der Geburt oft unbeachtet bleibt, kann sich als wertvolle Ressource für die Zukunft der Medizin erweisen: Nabelschnurblut. Es ist das Blut, das nach der Geburt in der Nabelschnur und Plazenta verbleibt und schmerzfrei gewonnen werden kann. Es enthält rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und wertvolle Stammzellen. Besonders die Stammzellen werden in Forschungsstudien untersucht und in der modernen Medizin für Transplantationen und Forschung genutzt. Sie kommen unter anderem bei Blutkrankheiten, Leukämie, Lymphomen oder Blutbildungsstörungen zum Einsatz. Eine Eigenblutlagerung ist möglich, um eine spätere Behandlung des Kindes mit eigenen Zellen zu ermöglichen.

Erfahren Sie, woraus Nabelschnurblut besteht, wofür es verwendet werden kann und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind. Außerdem erhalten Sie Informationen zur öffentlichen und privaten Einlagerung.

Wussten Sie schon, dass...

  • Nabelschnurblut lange Zeit als medizinischer Abfall galt?
  • die AOK Sachsen-Anhalt den Toxoplasmose-Test als Vorsorgeleistung für Schwangere bezuschusst?
  • Nabelschnurblut genetisch kaum belastete Stammzellen enthält?
Eine Neugeborenen wird Nabelschnurblut abgenommen

Was ist Nabelschnurblut?

Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt eines Kindes noch in der Nabelschnur und Plazenta verbleibt. Während der Schwangerschaft übernimmt es eine zentrale Versorgungsfunktion und transportiert Sauerstoff, Nährstoffe und Abwehrstoffe von der Mutter zum Kind. Nach dem Abnabeln verliert es seine Funktion. Früher wurde es routinemäßig entsorgt. Erst in den 1980er Jahren entdeckte man, dass Nabelschnurblut eine hohe Konzentration blutbildender Stammzellen enthält. Heute gilt es als wertvolle medizinische Ressource, da es reich an sogenannten hämatopoetischen Stammzellen ist.

Die schmerzfreie und risikoarme Entnahme erfolgt unmittelbar nach der Geburt beziehungsweise nach dem Abnabeln. Die Entnahme muss jedoch geplant und organisatorisch vorbereitet werden. Dazu ist eine Anmeldung bei einer öffentlichen Bank oder einem privaten Anbieter erforderlich.

Zusammensetzung von Nabelschnurblut

Nabelschnurblut unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung deutlich vom Blut eines Erwachsenen. Es enthält blutbildende Stammzellen, die sich zu allen Arten von Blutzellen entwickeln können. Außerdem sind rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen enthalten. Vorläuferzellen des Immunsystems spielen eine Rolle beim Wiederaufbau der Immunabwehr, zum Beispiel nach schweren Erkrankungen oder Therapien.

Im Blut ist zudem Plasma mit Wachstums- und Signalstoffen enthalten, die Zellteilung, Heilungsprozesse und Immunregulation unterstützen. Außerdem finden sich im Nabelschnurblut junge und wenig vorbelastete Zellen. Sie waren deutlich weniger Umwelteinflüssen ausgesetzt als Zellen von Erwachsenen und gelten als besonders anpassungsfähig. Ein entscheidender Vorteil ist, dass Stammzellen aus der Nabelschnur eine höhere Teilungsfähigkeit zeigen und bei Transplantationen weniger Abstoßungsreaktionen verursachen als Stammzellen aus dem Knochenmark.

Eltern freuen sich über eine Nabelschnurblutspende für ihren Sohn

Wofür kann Nabelschnurblut genutzt werden?

Nabelschnurblut ist eine wertvolle Ressource mit hohem Stammzellgehalt, die für medizinische Zwecke und in der Forschung genutzt wird.

Medizinische Anwendungen

  • Nabelschnurblut wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt, insbesondere bei:
  • akuten und chronischen Leukämien
  • Lymphomen
  • angeborenen oder erworbenen Erkrankungen des Blutes, zum Beispiel Sichelzellenanämie
  • bestimmten Stoffwechsel- und Immundefekten

Nabelschnurblut kann als Alternative zur Knochenmarkspende dienen, besonders wenn kein passender Spender verfügbar ist.

Forschung und Zukunftsaussichten

Neben etablierten Anwendungen wird intensiv geforscht in Zusammenhang mit

  • regenerativer Medizin
  • neurologischen Erkrankungen

Hinweis: Derzeit gilt die Nutzung von Nabelschnurblut noch nicht als Standardtherapie, da es sich überwiegend im Forschungs- beziehungsweise Studienkontext befindet.

Vor- und Nachteile von Nabelschnurblut

Die Nutzung von Nabelschnurblut bringt sowohl vielversprechende medizinische Vorteile als auch mögliche Nachteile mit sich, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden sollten.

Vorteile

  • schmerzlose und risikoarme Entnahme
  • sofortige Verfügbarkeit bei Einlagerung
  • geringeres Abstoßungsrisiko bei Transplantationen
  • ethisch weitgehend unproblematisch
  • hohe medizinische Relevanz bei bestimmten Erkrankungen

Nachteile

  • begrenzte Zellmenge pro Spende, oft nicht ausreichend für Erwachsene
  • nicht jede Probe ist medizinisch verwendbar
  • hohe Kosten bei privater Einlagerung, keine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse
  • die Nutzung für das eigene Kind ist statistisch selten
  • zukünftige Anwendungen sind teilweise noch nicht wissenschaftlich gesichert
Eine Mutter hat sich für die Einlagerung von Nabelschnurblut entschieden

Öffentliche vs. private Einlagerung

Öffentliche Einlagerung (Spende)

Nabelschnurblut wird anonymisiert in einer öffentlichen Stammzellenbank gelagert. Die Einlagerung ist für Eltern kostenlos, und das Blut steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Es hat eine hohe medizinische Relevanz und kann weltweit Leben retten. Die Spende unterliegt strengen medizinischen Qualitätskontrollen. Allerdings ist das Nabelschnurblut später nicht exklusiv für das eigene Kind verfügbar.

Private Einlagerung

Bei der privaten Einlagerung wird das Nabelschnurblut ausschließlich für das eigene Kind oder nahe Angehörige aufbewahrt. Sowohl die Einlagerung als auch die jährlichen Lagerungskosten sind kostenpflichtig. Für viele Eltern bietet dieses Vorgehen eine emotionale Sicherheit. Medizinisch sinnvoll ist eine Nutzung jedoch nur bei bestimmten, klar definierten Erkrankungen.

Einschränkend ist zu beachten, dass der wissenschaftlich nachgewiesene Nutzen derzeit begrenzt ist. Zudem gibt es wichtige medizinische Ausschlussgründe:

  • Bei kleinen Kindern, die an Blutkrebs erkranken, haben sich Vorläufer der Krebszellen häufig bereits vor der Geburt gebildet. Das eigene Nabelschnurblut kann diese krankhaften Zellen ebenfalls enthalten und würde das Risiko eines erneuten Ausbruchs erhöhen. In solchen Fällen wird daher auf Stammzellen fremder Spender aus öffentlichen Banken oder – wenn möglich – von Geschwisterkindern zurückgegriffen.
  • Auch bei Erbkrankheiten ist das eigene Nabelschnurblut ungeeignet, da die enthaltenen Stammzellen den gleichen genetischen Defekt tragen.

Die Entscheidung für oder gegen eine private Einlagerung sollte daher individuell, gut informiert und unter Berücksichtigung des begrenzten Nutzens getroffen werden.

Gut versorgt in Sachsen-Anhalt       

In Sachsen-Anhalt gewinnt die Einlagerung und Nutzung von Nabelschnurblut im Bereich Geburtsmedizin und Gesundheitsvorsorge zunehmend an Bedeutung. Entbindungen erfolgen überwiegend in Kliniken, die mit öffentlichen Nabelschnurblutbanken kooperieren können. Öffentliche Spenden werden meist über überregionale Stammzellregister wie ZKRD oder DKMS oder über internationale Kooperationen organisiert, an denen auch Kliniken in Sachsen-Anhalt beteiligt sind.

Werdende Eltern können sich in Kliniken, bei Hebammen oder in gynäkologischen Praxen über die Möglichkeiten informieren. Frühzeitige Informationen während der Schwangerschaft sind entscheidend, da die Organisation vor der Geburt erfolgen muss. Die Förderung der Spendenbereitschaft und der Transplantationsmedizin gehört zur öffentlichen Gesundheitsvorsorge im Land.

Wichtig: Die Entscheidung zur Spende oder Einlagerung sollten Sie frühzeitig treffen, da eine Anmeldung vor der Geburt erforderlich ist. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Einlagerung nicht.

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