Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Geburtspositionen

Frisch gebackene Eltern halten ihr Neugeborenes im Arm

Warum Gebärpositionen entscheidend sind

Zwischen Loslassen und Anspannung spielt die Körperhaltung während der Geburt eine zentrale Rolle. Neben Wehentätigkeit, kindlicher Lage, psychischem Befinden und medizinischer Begleitung beeinflusst vor allem die Gebärposition den Verlauf der Geburt. In westlichen Ländern war lange Zeit die Rückenlage Standard, meist aus organisatorischen und medizinischen Gründen. Dabei wirkt sich die gewählte Position entscheidend auf Schwerkraft, Wohlbefinden sowie die Durchblutung und Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind aus. Ziel einer geeigneten Gebärposition ist es, den natürlichen Geburtsprozess zu unterstützen und Erleichterung zu verschaffen. 

Möglich sind unter anderem aufrechte Positionen, der Vierfüßlerstand, die Hocke, die Seitenlage oder eine halbsitzende Haltung. Viele Frauen wechseln während der Geburt mehrfach die Position, um Schmerzen zu lindern, den Geburtsfortschritt zu fördern und Kräfte zu sparen.

Erfahren Sie, welche Gebärpositionen es gibt, welche Vorteile sie bieten, welche Risiken bestehen und für wen einzelne Positionen nicht geeignet sind.

Wussten Sie schon, dass...

  • aufrechte Gebärpositionen die Geburt verkürzen können?
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  • die Schwerkraft ein natürlicher Geburtshelfer ist?

Was versteht man unter Geburtspositionen?

Geburtspositionen beschreiben die Körperhaltungen, die die Frau während der Eröffnungs- und Austreibungsphase der Geburt einnimmt. Sie reichen von aufrechten Haltungen wie Stehen und Hocken, bis hin zur liegenden oder einer halbliegenden Position. Folgende Faktoren können den Vorgang beeinflussen: 

Eine Frau gebärt in sitzender Position
  • Wirkung der Schwerkraft
  • Stellung und Beweglichkeit des Beckens
  • Durchblutung von Gebärmutter und Plazenta durch Vena-cava-Kompression
  • Druck auf Nerven, Muskeln und Beckenboden
  • Wahrnehmung und Verarbeitung von Geburtsschmerzen

Ein häufiger Positionswechsel kann den Geburtsverlauf fördern und Wehen effektiver machen. Sie können der Gebärenden das Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit vermitteln. Für Gebärpositionen gibt es Leitlinien der World Health Organization (WHO), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und dem American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG).

Übersicht der wichtigsten Gebärpositionen

Zur aufrechten Gebärposition zählen Stehen, Gehen und freies Umherbewegen. In der Hocke kann die Geburt entweder frei oder mit Unterstützung erfolgen, etwa mithilfe eines Gebärhockers, eines Seils oder durch eine Begleitperson. Eine weitere mögliche Gebärposition ist der Vierfüßlerstand. Das Abstützen auf Händen und Knien erfolgt oft mit einem leichten Hohlkreuz oder rhythmischer Bewegung. In der Seitenlage liegt die Frau seitlich, meist mit leicht angewinkelten Beinen. Die Rückenlage beziehungsweise die halbliegende Position bedeutet, dass die Gebärende liegend oder halbsitzend auf dem Rücken liegt, häufig mit erhöhtem Oberkörper. Diese Position sollte nach Möglichkeit individuell angepasst werden, da eine reine Rückenlage die Durchblutung beeinträchtigen kann. Die sitzende Position beschreibt das Sitzen auf dem Bett, Gebärstuhl oder Hocker, teils mit nach vorne geneigtem Oberkörper.

Welche Vorteile hat welche Position?

Das Empfinden unterscheidet sich grundsätzlich von Frau zu Frau erheblich. Im Folgenden finden sich überwiegend klinische Beobachtungen, Erfahrungen aus der Hebammenpraxis und teilweise wissenschaftliche Studien, die bestimmte Effekte belegen.

  • Aufrechte Positionen

    In aufrechten Gebärpositionen unterstützt die Schwerkraft das Absinken des kindlichen Kopfes in das Becken. Wehen werden häufig als wirksamer und kürzer empfunden, wodurch sich die Eröffnungsphase verkürzen kann. Gleichzeitig wird das aktive Mitwirken der Gebärenden gefördert und das Gefühl von Autonomie sowie Kontrolle gestärkt.

  • Vierfüßlerstand

    Diese Gebärposition entlastet die Lendenwirbelsäule und ist sehr hilfreich bei starken Rückenschmerzen. Sie kann die Drehung des Kindes bei ungünstiger Lage fördern und reduziert außerdem den Druck auf Damm und Beckenboden.

  • Rückenlage oder halbliegend

    Beide Positionen sind bestens für eine medizinische Überwachung geeignet und erleichtern vaginale Untersuchungen und unter Umständen operative Maßnahmen. Sie wird häufig bei zu medizinischen begleiteten oder interventionellen Geburten empfohlen.

  • Hocke

    Die Hocke vergrößert den Beckenausgang um mehrere Zentimeter und kann insbesondere in der Pressphase sehr effektiv sein. Sie unterstützt den Geburtsfortschritt und kann die Dauer der Austreibungsphase verkürzen. Diese Position ist besonders gut geeignet bei guter körperlicher Kraft und Stabilität. 

  • Seitenlage

    Diese Position ist kreislaufschonend und entspannend für die Gebärende. Sie ermöglicht eine gute Sauerstoffversorgung für Mutter und Kind und schafft Pausen bei Erschöpfung. Außerdem ist die Seitenlage schonend für dem Damm.

  • Sitzende Position

    In der sitzenden Lage werden die Vorteile der aufrechten Haltung mit Stabilität kombiniert. Die Position unterstützt bewusst das Mitpressen und entlastet Rücken und Beine im Vergleich zum Hocken. 

Eine Hebamme leitet eine Geburtsposition an

Welche Risiken gibt es?

Gebärpositionen sind grundsätzlich sicher, wenn sie situationsgerecht gewählt sind. Dennoch sind bestimmte Nachteile möglich:

Rückenlage

In der Rückenlage kommt es zur verminderten Durchblutung durch den vermehrten Druck auf große Blutgefäße. Die Wehen können dann weniger effektiv sein. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für eine längere Geburtsdauer. Der Effekt variiert je nach der individuellen Situation, PDA und Interventionen, stark  PDA.

Hocke

Die Hocke belastet Knie- und Hüftgelenke deutlich und kann den Kreislauf bei längerer Geburtsdauer strapazieren.

Instabile Positionen

Bei instabilen Gebärpositionen besteht ein erhöhtes Sturzrisiko, vor allem bei eingeschränkter Sensibilität, nach Schmerzmedikation oder bei nachlassender Kraft. Risiken können zudem auftreten, wenn eine Position über einen längeren Zeitraum eingenommen wird oder nicht zur jeweiligen Geburtsphase passt. 

Für wen sind bestimmte Positionen nicht geeignet?

Frauen mit PDA weisen oft eine eingeschränkte Beweglichkeit und ein vermindertes Körpergefühl auf, wodurch die aufrechte oder stabile Position häufig unmöglich werden. Bei Kreislaufproblemen oder niedrigem Blutdruck kann langes Stehen oder Hocken Schwindel verursachen. Bei Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen, wie starkem Blutverlust, auffälligen Herztönen des Kindes oder der Notwendigkeit schneller Interventionen, kann es zu Problemen kommen. Operative oder instrumentelle Geburten, etwa mit der Saugglocke oder Zange, erfordern meist Rücken- oder halbliegende Positionen. Die Auswahl der Gebärposition erfolgt immer in Absprache mit Hebamme oder Arzt.

Schon gewusst? Wir übernehmen die Kosten für die Rufbereitschaft Ihrer Hebamme kurz vor der Geburt. Erfahren Sie hier mehr dazu.

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Fazit: Gebärpositionen als Teil einer selbstbestimmten Geburt

Die Gebärposition ist oft ein unterschätzter Bestandteil der Geburtshilfe. Sie beeinflusst nicht nur den körperlichen Ablauf der Geburt, sondern auch das emotionale Erleben der Frau. Eine flexible und individuell angepasste Wahl kann Schmerzen lindern, den Geburtsverlauf fördern und das Risiko von Interventionen reduzieren. Entscheidend ist nicht die „richtige Position“, sondern die Freiheit, die Position wechseln zu dürfen und den eigenen Körper als Wegweiser wahrzunehmen.

In Sachsen-Anhalt orientieren sich alle geburtshilflichen Abteilungen in Kliniken an modernem und individuellen Betreuungskonzepten. Schwangere können dabei weitgehend frei wählen, in welcher Position sie gebären wollen.

Hinweis: Hebammengeleitete Kreißsäle ermöglichen eine selbstbestimmte Geburt mit einer kontinuierlichen Betreuung durch eine vertraute Hebamme. Das fördert oft einen natürlicheren Geburtsverlauf und eine positive Erfahrung für die Gebärende. in Sachsen-Anhalt gibt es hebammengeleitete Kreißsäle in Sachsen-Anhalt wie St. Elisabeth und St. Barbara in Halle und St. Marienstift in Magdeburg.

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