Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Fremdeln bei Babys

Eine Mutter tröstet ihr fremdelndes Kleinkind.

Zwischen Neugier und Rückzug

Babys erkennen ihre Eltern in den ersten Lebensmonaten vor allem am Geruch und an der Stimme. Nach und nach wird auch das Gesicht vertraut. Irgendwann beginnt die Fremdelphase, ein natürlicher Schritt in der Entwicklung. Ihr Kind reagiert nun vorsichtiger auf Menschen, die ihm nicht vertraut sind, manchmal auch auf Großeltern. Gründe dafür können körperliche Merkmale wie ein Bart oder eine ungewohnte Stimme sein, die plötzlich Unsicherheit auslösen.

Wie stark Babys fremdeln und wie lange diese Phase anhält, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Dies hängt von der Persönlichkeit und von den bisherigen Erfahrungen ab.

In unserem Beitrag erklären wir, warum Kinder fremdeln und woran Sie es erkennen. Außerdem erhalten Sie praktische Tipps, die Ihnen den Umgang mit dieser Phase erleichtern.

Wussten Sie schon, dass...

  • Fremdeln eine natürliche Schutzreaktion ist?
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Eine Mutter tröstet ihr fremdelndes Kind.

Fremdeln: Ein Zeichen für Bindung

Der Zeitpunkt und die Ausprägung des Fremdelns sind individuell unterschiedlich. Die Sinneswahrnehmung des Babys differenziert sich und es entwickelt ein gesundes Misstrauen. Fremdeln ist also ein ganz normaler Entwicklungsschritt. Aufgrund der elterlichen Geborgenheit bildet sich ein sogenanntes Urvertrauen und das Kind lernt zwischen bekannten und unbekannten Personen zu unterscheiden.

Das Fremdeln beginnt meist zwischen dem vierten und achten Lebensmonat und nimmt im Alter von etwa zwei bis drei Jahren wieder ab. Daher bezeichnet man es auch häufig als „Acht-Monats-Angst“. Fremdeln gegenüber anderen ist somit ein Anzeichen für eine stabile, sichere Bindung zu den Eltern. In Ihrer Nähe verspürt Ihr Kind Sicherheit, auch wenn es mit Angst konfrontiert wird.

Typische Anzeichen bei Babys

Typische Anzeichen für das Fremdeln sind:

  • plötzliche Verunsicherung und Ängstlichkeit
  • scheu gegenüber Fremden, aber auch bekannten, vertrauten Personen
  • Unruhe, Panik
  • lautes Weinen oder Schreien
  • versteckt sich hinter Eltern, will auf den Schoß oder Arm
  • Klammern

Fremdeln kann aber auch ein Anzeichen für Trennungsangst sein.

Trennungsangst – Wo liegt der Unterschied?

Trennungsangst ist ebenfalls ein normaler Schritt in der Entwicklung. Hier setzt die sogenannte „Objektpermanenz“ ein: Das Baby ist sich seiner Trennung von der Bezugsperson bewusst, weiß aber nicht, dass die Person auch wiederkommt. Kinder denken also, der Abschied von den Eltern sei „für immer“.

Trennungsangst beginnt ab dem achten Lebensmonat und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem zehnten und 18. Lebensmonat. Im Alter von zwei Jahren verschwindet sie wieder und hinterlässt keine langfristigen Folgen für das Kind. Bleibt die Trennungsangst nach dem zweiten Lebensjahr bestehen oder zeigt sich in ausgeprägter Intensität, kann es sich jedoch auf die Entwicklung auswirken und ein Anzeichen für eine generalisierte Angst sein. Hier ist eine ärztliche Abklärung, beispielsweise im Rahmen der U-Untersuchungen, sinnvoll.

Ein Vater tröstet seinen Sohn mit Trennungsangst.

Anzeichen der Trennungsangst

Typische Anzeichen dafür, dass ein Kind unter Trennungsangst leidet, können sein:

  • Das Kind wirkt unruhig.
  • Das Kind beginnt zu weinen oder zu schreien, sobald ein Elternteil den Raum verlässt.
  • Es kommt zu Wutanfällen.
  • Das Kind möchte die Nähe zu den Eltern nicht verlassen.
  • Das Kind wacht nachts häufiger auf.

Warum manche Kinder stärker fremdeln

Warum einige Kinder ausgeprägter fremdeln als andere, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Kinder schon früh zwischen vertrauten und unvertrauten Personen unterscheiden können. Zu ihren Bezugspersonen haben sie eine eingespielte Form der Verständigung entwickelt, zum Beispiel über Mimik, Gestik, Gerüche oder Laute. Auch typische Merkmale eines Gesichts kann ein Kind bereits erkennen.

Verändert sich etwas an diesen gewohnten Eindrücken, merkt das Gehirn, dass etwas nicht zusammenpasst. Das Kind kann die Situation noch nicht einordnen und reagiert daher mit Unsicherheit. Dies kann dazu führen, dass es stärker fremdelt.

Fremdeln bei Großeltern und im Alltag – Praktische Tipps für Eltern

Unterstützen Sie Ihr Kind in dieser wichtigen Entwicklungsphase. Versuchen Sie nicht, ihm das Verhalten abzugewöhnen, bleiben Sie aber auch gelassen und vermeiden Sie eine übermäßige Fürsorge. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit und Orientierung, ohne es zu überfordern.

Die AOK Sachsen-Anhalt begleitet Sie bei einer natürlichen Entwicklung Ihres Kindes mit vielfältigen Angeboten wie Babyschwimmen oder dem Musikgarten.

  • Trösten Sie Ihr Kind
    • Nehmen Sie Ihr Kind ernst und trösten Sie es.
    • Streicheln und auf den Arm nehmen geben ihm Sicherheit und Geborgenheit.
    • Gehen Sie mit Ihrem Kind ein paar Schritte zurück und haben Sie Geduld.
    • Akzeptieren Sie die eigenen Grenzen Ihres Kindes.

    Erklären Sie auch „fremden“ Personen kurz, warum Ihr Kind fremdelt. Diese sollten sich nicht aufdrängen oder übergriffig werden.

  • Nehmen Sie behutsam Kontakt auf

    Bauen Sie gemeinsam langsam Kontakt zur neuen Person auf. Binden Sie sie in Aktivitäten wie beim Spielen oder Füttern ein. Wichtig sind auch ein positives, fröhliches Auftreten und eine vorherige Ankündigung, wenn die Eltern von ihrem Kind weggehen.

  • Ziehen Sie Körpernähe vor

    Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm oder auf den Schoß und schaffen Sie damit Sicherheit und Nähe. Halten Sie zunächst Abstand zur fremden Person. Überlassen Sie Ihrem Kind den Moment, in dem es sich annähern möchte. Begegnen Sie der Situation ruhig und gelassen, damit sich Ihr Kind an Ihrem Verhalten orientieren kann.

  • Tipps bei Trennungsangst

    Bei Trennungsangst kann eine einfühlsame Ablenkung durch die betreuende Person in der Krippe oder in der Kita hilfreich sein. Verabschieden Sie sich ruhig und kurz, ohne auf das Weinen oder Schreien einzugehen. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Kind feste Abschiedsroutinen, die Sicherheit geben und den Übergang erleichtern.

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