Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Dreimonatskoliken

Ein Vater beruhigt sein Baby mit Dreimonatskoliken

Schreiattacken bei Babys

Dreimonatskoliken gehören zu den häufigsten, aber harmlosen Erscheinungen im Säuglingsalter. Für Eltern wie für das Kind können die langen Schreiattacken sehr belastend sein. Das Baby schreit dabei deutlich länger als üblich, wirkt untröstlich und lässt sich nur schwer beruhigen. Die Beschwerden beginnen meist in den ersten Lebenswochen und halten in der Regel einige Monate an. Etwa zehn bis dreißig Prozent aller Neugeborenen sind davon betroffen. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt.

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die Ursachen und Symptome der Dreimonatskoliken. Außerdem erklären wir, welche einfachen Hausmittel Eltern nutzen können, um die Beschwerden ihres Babys zu lindern.

Wussten Sie schon, dass...

  • Jungen und Mädchen gleichermaßen von Dreimonatskoliken betroffen sind?
  • Babys mit Dreimonatskoliken auch Schreibabys genannt werden?
  • wir die Kosten für die Hebammenhilfe übernehmen?

Was sind Dreimonatskoliken? 

Dreimonatskoliken sind keine Krankheit, sondern eine Regulationsstörung in den ersten Lebensmonaten. Der Name leitet sich von den ursprünglich vermuteten kolikartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich ab. Früher dachte man, die Babys hätten starke Bauchschmerzen durch Blähungen – daher der Name „Dreimonatskoliken“. Heute weiß man jedoch, dass die Luft im Bauch eher die Folge des Schreiens (durch Luftschlucken) ist und nicht die Ursache.

Eine Mutter trägt ein Baby mit Regulationsstörung auf dem Arm

Typisch ist ein deutlich verlängertes, anhaltendes Schreien, das nach der sogenannten „Dreierregel“ definiert wird:

  • länger als 3 Stunden pro Tag
  • an mindestens 3 Tagen pro Woche
  • seit über 3 Wochen

Die Koliken beginnen meist ab der zweiten Lebenswoche und verschwinden in den meisten Fällen bis zum dritten Lebensmonat. In seltenen Fällen halten sie bis zum fünften Monat an.

Haben die Eltern Schuld daran?

Ganz klar: Nein. Studien zeigen, dass weder der Erziehungsstil noch das Bindungsverhalten oder die Art der Ernährung einen Einfluss auf Dreimonatskoliken haben. Auch ob ein Baby gestillt wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Früher nahm man an, dass ein harter Bauch und Blähungen vor allem durch ein noch unreifes Verdauungssystem oder durch Luftverschlucken beim Trinken entstehen. Später wurde auch diskutiert, ob Stress und Spannungen im Familienalltag sowie eine Überreizung des Kindes, zum Beispiel durch unruhigen oder nicht erholsamen Schlaf, eine Rolle spielen. Heute geht man davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Ein Zusammenhang ist jedoch gut belegt: Babys von Eltern, die rauchen, sind häufiger betroffen. Deshalb sollte in Gegenwart des Babys unbedingt auf Zigaretten verzichtet werden.

Wichtig ist außerdem, mögliche krankhafte Ursachen für das anhaltende Schreien ärztlich abklären zu lassen. Dazu zählen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Laktoseintoleranz, Refluxkrankheit mit häufigem Sodbrennen sowie andere körperliche Beschwerden.

Ein Baby mit Dreimonatskoliken zieht die Beine an

Symptome und Diagnose einer Dreimonatskolik

Kinder mit Dreimonatskoliken zeigen oft plötzliches oder anhaltendes Schreien, das scheinbar aus dem Nichts kommt. Besonders häufig treten die Schreiattacken am späten Nachmittag oder Abend auf, weshalb man auch von Abendkoliken spricht. Viele Babys wirken dabei unruhig, gereizt oder überfordert. Der Bauch kann aufgebläht sein und das Gesicht oft hochrot. Manche Säuglinge ziehen die Beine an oder ballen die Fäuste. Beruhigen lassen sie sich in diesen Momenten nur schwer. 

Wichtig ist vor allem, dass Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen, um andere körperliche Ursachen auszuschließen. Die Diagnose Dreimonatskolik wird anschließend meist nur anhand der typischen Symptome gestellt, da es keine speziellen Tests dafür gibt.

Schreiattacken behandeln

Die Behandlung richtet sich immer nach der Diagnose und sollte in enger Rücksprache mit dem Kinderarzt erfolgen.

Bei Magen-Darm-Beschwerden können Antischaummittel oder Kümmelzäpfchen eingesetzt werden, um Blähungen und Bauchkrämpfe zu lindern. Manche Eltern berichten von positiven Erfahrungen mit Probiotika, die die Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen sollen. Die Wirkung variiert jedoch stark je nach Baby. Da größere Studien bisher fehlen, sollten Probiotika nur nach entsprechender ärztlicher Indikationsstellung verabreicht werden.

Bei Laktoseintoleranz, die sehr selten vorkommt, ist eine laktosefreie Ernährung des Kindes notwendig. Häufiger treten Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie eine Kuhmilchunverträglichkeit auf. In solchen Fällen ist eine Ernährungsumstellung erforderlich. Bei gestillten Babys kann dies auch Anpassungen in der Ernährung der Mutter betreffen.

Eltern freuen sich über die überwundenen Dreimonatskoliken ihres Babys

Niemals schütteln, rechtzeitig Hilfe holen

Ein Baby darf auf keinen Fall geschüttelt werden. Schon kurzes Schütteln kann schwere Hirnverletzungen verursachen, die zu dauerhaften Behinderungen führen oder im schlimmsten Fall tödlich enden. Schreibabys können sehr anstrengend sein, daher ist es wichtig, frühzeitig Unterstützung zu suchen. 

Angehörige oder Freunde können die Betreuung übernehmen, um den Eltern eine Auszeit zu ermöglichen. Auch Hebamme und Kinderarzt stehen als Ansprechpartner bereit, wenn die Überforderung zu groß wird. Sollte das Kind doch geschüttelt worden sein, muss sofort ein Kinderarzt oder die Notaufnahme aufgesucht werden. Die Sicherheit des Kindes hat immer oberste Priorität.

Hausmittel bei Dreimonatskoliken

Es gibt viele sanfte Methoden, mit denen Sie ihre Säuglinge unterstützen und ihnen Erleichterung verschaffen können:

  • Tag-Nacht-Rhythmus

    Ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus hilft vielen Babys, da ein zu langes Schlafen am Tag die nächtliche Ruhe stören kann und insgesamt zu mehr Unruhe führt.

  • Körperkontakt

    Körperkontakt wirkt beruhigend. Sanftes Schaukeln oder das Tragen im sogenannten Fliegergriff können dem Baby ein Gefühl von Sicherheit geben und gleichzeitig Blähungen lindern.

  • Massagen

    Leichte Bauchmassagen im Uhrzeigersinn oder ein warmes Bad helfen vielen Säuglingen ebenfalls. Eine Babymassage oder einfache Bewegungsübungen, oft angeboten durch Hebammen, können entspannend wirken und den Bauch beruhigen.

  • Sanfte Musik

    Manche Babys lieben sanfte Musik, leises Singen oder gleichmäßige Hintergrundgeräusche, etwa das Brummen eines Föns oder das Summen eines Geschirrspülers. Die Geräte müssen dabei gar nicht ständig laufen, denn inzwischen gibt es praktische Apps fürs Smartphone, die diese sogenannten „White Noise“-Geräusche abspielen.

  • Spezielle Babyflaschen

    Beim Fläschchen ist darauf zu achten, dass möglichst wenig Luft geschluckt wird. Anti-Kolik-Flaschen oder langsame Sauger können hier unterstützen.

Unterstützung für Eltern

Dreimonatskoliken stellen für Eltern eine große Herausforderung dar. Schlafmangel, Stress und das Gefühl der Hilflosigkeit können sehr belastend sein. Deshalb sollten Eltern sich Unterstützung holen, sei es durch Partner, die Familie oder Freunde, die kurze Auszeiten ermöglichen.

Eine Hebamme kann wertvolle Tipps geben und bei Bedarf weitere Angebote vermitteln. In Sachsen-Anhalt gibt es spezialisierte Schreiambulanzen, die Eltern fachlich begleiten und entlasten. Das Führen eines Schreiprotokolls kann zudem helfen, Muster zu erkennen und deutlich zu machen, dass das Baby trotz Koliken auch viele ruhige Phasen hat, die im stressigen Alltag oft untergehen.

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