Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Implantierbarer Defibrillator (ICD)

Eine Ärztin zeigt einer herzkerkrankten Seniorin einen ICD

Was ist ein implantierbarer Defibrillator?

Ein implantierbarer kardioverter-Defibrillator, kurz ICD, kommt bei bestimmten Herzerkrankungen mit erhöhtem Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Er verhilft dem Herzen bei Kammerflimmern oder plötzlichem sehr schnellen Herzschlag wieder in den normalen Rhythmus. Im Ernstfall kann ein ICD das Leben des Patienten retten und das Risiko für lebensbedrohliche Folgen schwerer Herzrhythmusstörungen dauerhaft senken.

Im Beitrag zeigen wir, wann ein ICD implantiert wird und wie er funktioniert. Außerdem erfahren Sie, was man nach der OP beachten sollte und wie ein Leben mit ICD aussieht.

Wussten Sie schon, dass...

Wann wird ein Defibrillator implantiert?

Ein ICD kommt bei bestimmten Herzerkrankungen mit erhöhtem Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen infrage. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn:

  • das Herz zu schwach pumpt
  • der Patient lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen überlebt hat und die Ursache nicht vollständig beseitigt werden kann
  • der Patient ein anhaltende Herzrhythmusstörung hat, die zu Kreislaufproblemen wie Schwindel oder Bewusstlosigkeit führt und nicht auf eine behandelbare Ursache zurückgeht
  • Kammerflimmern oder Kammertachykardie aufgetreten ist

Daher wird ein ICD häufig bei folgenden Herzerkrankungen implantiert:

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Koronare Herzkrankheit und stark eingeschränkte Pumpfunktion der linken Herzkammer (Linksherzinsuffizienz)
  • Herzinfarkt mit Folgeschäden wie reduzierter Pumpfunktion
  • angeborener Herzfehler
  • genetische Erkrankungen wie Long-QT-Syndrom oder Brugada-Syndrom
  • dilatative oder hypertrophe Kardiomyopathie
Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) in Nahansicht

Wie funktioniert ein implantierbarer Defibrillator?

Der ICD erkennt Kammerflimmern beziehungsweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Bei Rhythmusstörungen oder plötzlichem zu schnellem Herzschlag gibt er mehrere kleine Stromimpulse hintereinander ab. Durch dieses „Overpacing“ (antitachykardes Pacing (ATP)) wird der Herzschlag überholt.

Bei Kammerflimmern ist Overpacing nicht möglich. Deshalb gibt der ICD einen starken Stromstoß (Schock) ab. Dadurch kommt es zu einem „Reset“ des Herzens und die ungeordnete Aktivität des Herzens wird beendet. Nach dem Overpacing oder einem Schock schlägt das Herz in vielen Fällen wieder im normalen Rhythmus. Außerdem kann ein ICD zu langsamem Herzschlag vorbeugen, ähnlich wie ein Herzschrittmacher.

Welche Defibrillatoren gibt es?

  • Einkammer-Defibrillator

    Der Einkammer-Defibrillator kommt am häufigsten zum Einsatz und besitzt eine Elektrode, die in der rechten Herzkammer platziert wird.

  • Zweikammer-Defibrillator

    Ein Zweikammer-Defibrillator verfügt über zwei Elektroden, die jeweils in der rechten Herzkammer und im rechten Vorhof platziert werden. Er eignet sich für Patienten mit zu langsamem Herzschlag, bei denen der Vorhof stimuliert werden muss.

  • CRT-Defibrillator

    Ein CRT-Defibrillator kommt bei schwerer Herzschwäche und gestörter Erregungsausbreitung zum Einsatz.

  • Subkutaner Defibrillator

    Der subkutane Defibrillator wird seitlich am Brustkorb, ohne Zugang zum Herzen, implantiert. Die Elektrode befindet sich unter der Haut, aber nicht im Herzen. Dadurch ist die Elektrode länger haltbar, wovon insbesondere körperlich sehr aktive Patienten oder Leistungssportler profitieren. Allerdings besitzt dieser Defibrillator keine Schrittmacherfunktion und für die Schocks sind höhere Energien nötig.

  • Tragbare Defibrillator-Weste

    Die tragbare Defibrillator-Weste kommt vorübergehend zum Einsatz, wenn ein erhöhtes Risiko für einen Herztod besteht, aber noch kein Implantat möglich ist. Dies ist beispielsweise bei einer Herzmuskelentzündung oder kurz nach einem Herzinfarkt der Fall. Hier ist eine Implantation nämlich erst nach 40 Tagen möglich.

Wie läuft die Implantation ab?

Ein ICD wird in der Regel über einen minimalinvasiven Eingriff mit örtlicher Betäubung eingesetzt. Auf Wunsch kann auch eine Kurznarkose erfolgen. Der Defibrillator hat etwa die Größe einer Streichholzschachtel und wird meist unterhalb des Schlüsselbeins platziert. Unter anderem bei Kindern wird er oft unter dem linken Brustmuskel eingesetzt, da dort mehr Platz ist und Kinder noch wachsen.

Eine älterer Mann lässt sich zum Thema ICD beraten

Der ICD wird am jeweiligen Ort in eine Gewebetasche eingesetzt und dort fixiert, damit er sicher an seiner Position bleibt. Die Drähte mit den Elektroden werden über ein benachbartes Blutgefäß, meist eine Vene unterhalb des Schlüsselbeins, eingeführt und bis ins Herz vorgeschoben. Dort werden sie platziert, sodass die Herztätigkeit zuverlässig überwacht und bei Bedarf durch elektrische Impulse oder Stromstöße reguliert werden kann.

Die Batterien eines ICD halten in der Regel fünf bis zehn Jahre, abhängig von der Nutzung. Ist die Batterie erschöpft, wird meist nur das Aggregat ausgetauscht, während die Elektroden im Körper verbleiben können. Nach der Operation wird der Patient für mindestens 24 Stunden medizinisch überwacht, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Funktion des Geräts zu überprüfen.

Komplikationen einer ICD-Implantation

Bei oder nach einer ICD-Implantation treten sehr selten Komplikationen auf, wie:

  • Infektionen (etwa 1 bis 3 Prozent der Patienten)
  • Wundheilungsstörungen
  • Blutungen
  • Verletzungen der Lunge
  • Verrutschen der Elektroden
  • Abnutzung der Elektroden-Isolierung
  • Fehlfunktionen wie unnötige Stromstöße
  • Schmerzen in der Implantationsstelle

Achten Sie auf folgende Anzeichen einer Infektion:

  • verschiebbare Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung im entsprechenden Bereich
  • erhöhte Körpertemperatur oder Schüttelfrost
  • allgemeine Abgeschlagenheit

Wichtig: Eine Infektion kann sich auch erst nach Wochen, Monaten oder sogar mehr als einem Jahr bemerkbar machen. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie diese Anzeichen beobachten. Nach der Implantation eines ICD berichten zudem viele Patienten von einer Angst vor Schocks.

Alltag mit ICD: Was muss ich nach der OP beachten?

Auch mit einem implantierbaren Defibrillator ist ein weitgehend normales Leben möglich. Einige Dinge sollten Sie dennoch beachten:

  • Direkt nach der OP

    Schonen Sie die Körperhälfte, in der der ICD liegt, für mindestens sechs Wochen. Sonst kann der Einheilungsprozess gestört werden und Schmerzen können auftreten.

  • Kontrolltermine wahrnehmen

    In der Regel müssen ICD-Patienten alle drei bis sechs Monate Kontrolltermine beim Arzt wahrnehmen. Dieser liest den Speicher des ICDs aus, in dem sich Informationen über Herzrhythmusstörungen, die Batterieleistung und Funktionsstörungen befinden. Gegebenenfalls wird auch eine Umprogrammierung vorgenommen.

    Einige ICDs zeichnen die Herzrhythmusdaten auf und übermitteln sie direkt an den Arzt. Durch dieses Telemonitoring ist eine bessere Überwachung möglich und es fallen weniger Nachsorgetermine an.

  • ICD-Ausweis

    Nach der Implantation erhalten Sie einen ICD-Ausweis. Diesen sollten Sie immer dabei haben. Er liefert beispielsweise in Notfällen wichtige Informationen für die Rettungskräfte.

  • Autofahren

    Mit einem ICD ist die Arbeit als Berufskraftfahrer oder in vergleichbaren Positionen im Personen- und Güterverkehr nicht weiter möglich. Privat dürfen Sie spätestens drei Monate nach der OP wieder Auto fahren. Nach einem Schock gilt wieder ein dreimonatiges Fahrverbot. Diese Vorgaben sind gesetzlich geregelt.

  • Medizinische Eingriffe

    Ein MRT ist mit einem ICD riskant. Bei einigen ICDs ist eine Spezialprogrammierung möglich, sodass ein MRT durchgeführt werden kann.

  • Smartphone-Nutzung

    Sie können Ihr Smartphone weiterhin nutzen. Handy oder Kopfhörer sollten jedoch nicht direkt auf der Hautstelle über dem Implantat getragen werden. Halten Sie zudem mindestens zehn Zentimeter Abstand zu induktiven Ladestationen.

  • Elektrogeräte

    Achten Sie auf Warnhinweise für ICD-Patienten. Bei Induktionsherden sollten Sie beispielsweise einen Sicherheitsabstand von 25 Zentimetern einhalten.

  • Sicherheitskontrollen

    Informieren Sie bei Sicherheitskontrollen am Flughafen das Personal und zeigen Sie Ihren ICD-Ausweis. Die Kontrolle kann dann per Hand oder mit Metalldetektoren erfolgen, um die ICD-Funktion nicht zu stören.

  • Körperliche Anstrengung und Sport

    Nach der Implantation ist Sport erst nach etwa sechs Wochen wieder möglich. In der Regel wird der ICD individuell eingestellt, sodass Sie anschließend weiter körperlich aktiv bleiben können. Beraten Sie sich zuvor trotzdem mit Ihrem Kardiologen.

    Insbesondere bei Ballsportarten ist das Tragen eines Polsters über dem ICD sinnvoll. Kraftsport sollte aufgrund der wiederholten Krafteinwirkung auf das Gerät vermieden werden. Auch Kampfsportarten und Tauchen sind nicht ratsam.

  • Psychologische Hilfe

    Nehmen Sie bei Angst vor einem (erneuten) Schock psychologische Hilfe in Anspruch. Am besten eignen sich hier Psychokardiologen, die auf Herzpatienten spezialisiert sind.

Eine Ärztin untersucht eine junge Frau mit Herzerkrankung

Was tun, wenn ein Schock abgegeben wurde?

Bei einem Schock verspürt man einen starken Stoß in der Brust. Etwa acht bis zehn Prozent der Patienten berichten auch von Benommenheit oder vorübergehender Bewusstlosigkeit.

  • nach Schockabgabe: zeitnahe ärztliche Untersuchung
  • bei mehreren Schocks kurz hintereinander: sofort Arzt aufsuchen

 

Beachten Sie aber auch immer Ihren Allgemeinzustand: Bei anhaltenden Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder Schwäche sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen.

Suchen Sie ebenfalls einen Arzt auf bei:

  • Hinweise auf eine Infektion: Schmerzen, Schwellungen, Rötungen oder Erwärmung im Bereich des ICD

ICD-Anxiety: Psychische Belastung durch Schocks

Ein Schock ist sehr schmerzhaft. Deshalb kann sich eine Angst davor entwickeln (ICD-Anxiety), auch wenn noch kein Schock erfahren wurde. Suchen Sie in diesem Fall Ihren Arzt oder einen Psychokardiologen auf. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten einer Psychotherapie.

Spezialisierte Anlaufstellen in Sachsen-Anhalt sind unter anderem:

So können Sie die Psychotherapie bei ICD-Anxiety unterstützen:

FAQ – Häufige Fragen zum ICD

  • Was ist der Unterschied zwischen einem Herzschrittmacher und einem implantierbaren Defibrillator?

    Ein Herzschrittmacher wird eingesetzt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder Pausen auftreten. Die Stromimpulse spürt man dabei kaum. Ein Defibrillator wird implantiert, wenn das Herz zu schwach schlägt oder bei schweren Herzrhythmusstörungen. Die Stromstöße (Schocks) spürt man dabei mitunter deutlich und sehr schmerzhaft.

  • Was kostet ein implantierbarer Defibrillator?

    Die Kosten für einen ICD liegen meist zwischen 5.000 und 15.000 Euro. In der Regel findet eine vollständige Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse statt, da es sich um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt.

  • Wann wird ein implantierbarer Defibrillator ausgetauscht?

    Da der ICD durch eine Batterie angetrieben wird, muss er in der Regel nach spätestens 10 Jahren ausgetauscht werden. Wenn sich die Elektroden abnutzen oder der ICD anderweitig beschädigt wird, muss er sofort ausgetauscht werden.

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