Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Hypochondrie

Eine Frau leidet unter Hypochondrie und sucht nach Krankheitssymptomen im Internet

Ausgeprägte Angst vor Krankheiten

Sorgen um die eigene Gesundheit kennt jeder Mensch. Besonders bei ungewöhnlichen körperlichen Beschwerden können Ängste vor einer ernsthaften Erkrankung entstehen. Halten diese Ängste jedoch dauerhaft an und nehmen ein starkes Ausmaß an, kann eine hypochondrische Störung vorliegen. Heute wird sie meist als Krankheitsangststörung bezeichnet, der Begriff „Hypochondrie“ ist jedoch weiterhin geläufig.

Betroffene befürchten trotz unauffälliger Untersuchungsergebnisse, schwer krank zu sein. Bereits harmlose Körperempfindungen wie ein leichtes Zwicken oder Kratzen können als Anzeichen einer ernsten Erkrankung gedeutet werden. Häufige Arztbesuche und Untersuchungen sorgen meist nur kurzfristig für Beruhigung. Eine wichtige Behandlungsmöglichkeit ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie hilft dabei, krankheitsbezogene Ängste und Fehlinterpretationen von Körpersignalen zu erkennen und zu verändern.

Erfahren Sie, was hinter den Symptomen von Hypochondrie steckt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Betroffenen und ihren Angehörigen im Alltag helfen kann.

Wussten Sie schon, dass...

  • in Deutschland etwa vier bis sieben Prozent der Bevölkerung von Hypochondrie betroffen sind?
  • die Suche nach Krankheitssymptomen im Internet die Angst verschlimmern kann?
  • wir die Kosten für eine Psychotherapie übernehmen?
Ein Mann, der unter Hypochondrie leidet, misst Fieber

Was ist Hypochondrie?

Hypochondrie ist eine psychische Störung, bei der Betroffene große Angst haben, an einer schweren Krankheit zu leiden, obwohl keine oder nur geringfügige körperliche Befunde vorliegen. Die Befürchtungen beziehen sich häufig auf Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologische Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Multiple Sklerose (MS). Dabei werden selbst harmlose Körperempfindungen oder geringfügige Veränderungen oft als Hinweise auf eine ernste Erkrankung fehlinterpretiert.

Viele Betroffene suchen wiederholt ärztliche Bestätigung und Beruhigung (Reassurance-Seeking). Die Erleichterung hält jedoch meist nur kurz an. Trotz häufiger Arztbesuche fällt es ihnen oft schwer, ärztliche Empfehlungen dauerhaft umzusetzen. Hinzu kommt, dass Angehörige die Krankheitsängste häufig nicht nachvollziehen können, was zu Einsamkeit und sozialem Rückzug führen kann.

Eine besondere Form ist die Cyberchondrie. Dabei lösen Gesundheitsinformationen aus dem Internet Krankheitsängste aus oder verstärken diese.

Typische Symptome bei Hypochondrie

Zu den typischen Anzeichen gehören:

  • Gesteigerte Selbstbeobachtung: Betroffene beobachten ihren Körper sehr genau und überprüfen regelmäßig körperliche Funktionen (Body Checking).
  • Überbewertung von Körperempfindungen: Normale Körperempfindungen werden als Anzeichen einer Erkrankung fehlinterpretiert.
  • Intensive Recherche zu Krankheiten: Viele Betroffene suchen im Internet nach Informationen, um ihre Sorgen zu verringern. Häufig verstärkt dies die Ängste jedoch zusätzlich.

Weitere mögliche Anzeichen sind:

  • häufige Arztbesuche und wiederholte medizinische Untersuchungen
  • Zweifel an unauffälligen Untersuchungsergebnissen
  • ausgeprägte Angst vor schweren Erkrankungen wie Krebs oder Herzinfarkt
  • depressive Verstimmungen oder Depressionen

Betroffene sind sich ihrer Ängste und Verhaltensweisen oft bewusst, können diese jedoch nur schwer kontrollieren.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Hypochondrie?

Die genauen Ursachen einer Hypochondrie beziehungsweise Krankheitsangststörung sind bislang nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass verschiedene biologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken. Mögliche Risikofaktoren sind:

Eine Frau denkt aufgrund von Hypochondrie viel über mögliche Krankheiten nach
  • eine ängstliche oder besonders vorsichtige Persönlichkeit
  • psychische Erkrankungen wie Zwangsstörungen oder Depressionen
  • schwere Erkrankungen in der Kindheit, innerhalb der Familie oder der Verlust eines nahestehenden Menschen
  • belastende Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem
  • erlernte Verhaltensmuster, beispielsweise durch überfürsorgliche Eltern oder einen angstfördernden Erziehungsstil

Zudem gibt es Hinweise auf Veränderungen in bestimmten Hirnregionen. So könnte das limbische System, das an der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt ist, bei Betroffenen besonders aktiv sein.

 

Hypochondrie: Diagnose und Behandlung 

Je früher eine Hypochondrie beziehungsweise Krankheitsangststörung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Die Diagnose stellen Fachärzte sowie Psychotherapeuten. Dabei ist eine sorgfältige Abgrenzung zu körperlichen Erkrankungen wichtig, um organische Ursachen auszuschließen.

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine Psychotherapie, insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie. Voraussetzung ist, dass Betroffene ihre Erkrankung erkennen und bereit sind, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen. Ziel der Therapie ist es, krankheitsbezogene Befürchtungen und Fehlinterpretationen von Körpersignalen zu hinterfragen sowie einen besseren Umgang mit den Ängsten zu entwickeln.

In schweren Fällen können zusätzlich Medikamente wie Antidepressiva eingesetzt werden. Eine Therapie kann die Beschwerden deutlich lindern oder sogar vollständig zurückgehen lassen. Da Rückfälle möglich sind, spielt die langfristige Stabilisierung eine wichtige Rolle.

Ein junger Mann mit Hypochondrie nimmt Hilfe in Anspruch

Was hilft bei Hypochondrie?

Hypochondrie geht oft mit Stress und Ängsten einher. Ergänzend zur Therapie können Entspannungstechniken helfen, Anspannung abzubauen.

Hilfreich sind beispielsweise Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst jährlich bis zu zwei Gesundheitskurse, in denen solche Methoden vermittelt werden. Auch Atemtechniken können Ängste und Stress reduzieren. Bewährt hat sich beispielsweise die 4-7-8-Atemtechnik: Dabei wird vier Sekunden eingeatmet, der Atem sieben Sekunden gehalten und anschließend acht Sekunden ausgeatmet.

Bei allgemeiner Unruhe können zudem pflanzliche Präparate mit Baldrian, Melisse oder Passionsblume unterstützend wirken. Angehörige spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie sollten die Sorgen der Betroffenen ernst nehmen, gemeinsam einen realistischen Blick auf die Situation fördern und zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe ermutigen.

Unterstützungsangebote in Sachsen-Anhalt

Betroffene können verschiedene Unterstützungsangebote nutzen. Über die Arztsuche der AOK Sachsen-Anhalt lassen sich Psychotherapeuten in der Nähe finden. Darüber hinaus bietet die AOK Sachsen-Anhalt eine kostenfreie Videoberatung zu psychischen Erkrankungen an, beispielsweise bei Angst- oder Somatisierungsstörungen.

Mit dem Projekt „Zeitnahe Hilfe bei psychischen Beschwerden“ besteht zudem die Möglichkeit, schneller Unterstützung zu erhalten. Voraussetzung ist in der Regel eine entsprechende Diagnose. Außerdem vermittelt die Terminservicestelle der 116117 zeitnah ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten und erleichtert so den Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung.

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