Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Biologische Arzneimittel

Ein etwa 55-jähriger Mann sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer und spritzt sich mit einem Fertigpen in die Bauchfalte.

Wenn das Immunsystem fehlgeleitet ist

Bei Autoimmunerkrankungen und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie beispielsweise Rheuma oder Schuppenflechte, richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Es können zum Beispiel anhaltende Entzündungen entstehen, die ohne Behandlung nicht von selbst abklingen. Klassische chemisch-synthetische Medikamente können die Beschwerden häufig lindern und die Erkrankung kontrollieren. Reichen diese Therapien nicht aus oder werden sie nicht vertragen, können biologische Arzneimittel zum Einsatz kommen.

Biologische Arzneimittel, sogenannte Biologika, wirken anders: Sie blockieren gezielt bestimmte Botenstoffe im Immunsystem oder unterbrechen fehlgesteuerte Prozesse im Körper. Dadurch können sie Entzündungen wirksam bremsen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Durch ihre gezielte Wirkweise stellen Biologika für viele Patienten eine wichtige Therapieoption dar. Wie genau sie eingesetzt werden und welche Rolle sogenannte Austauschpräparate spielen, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Wussten Sie schon, dass...

  • Biologika mithilfe lebender Zellen hergestellt werden?
  • Biosimilars die gleiche Wirkung und Sicherheit wie das Original bieten?
  • unsere DMP-Programme eine strukturierte Behandlung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen bieten?

Wie Biologika im Körper wirken

Anders als klassische Medikamente bestehen biologische Arzneimittel meist aus Eiweißen (Proteinen), die körpereigenen Stoffen ähneln oder von ihnen abgeleitet sind. Dadurch können sie gezielt in bestimmte Abläufe im Körper eingreifen, wie zum Beispiel in das Immunsystem oder das Zellwachstum. Das macht sie bei Erkrankungen, die sich mit herkömmlichen Medikamenten nur schwer behandeln lassen, besonders wirksam. Häufig kommen sie dann zum Einsatz, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.

Eine Ärztin berät in ihrer Praxis eine Patientin ausführlich.

Eingesetzt werden Biologika heute in vielen Bereichen. Dazu zählen unter anderem:

Was unterscheidet biologische Arzneimittel von klassischen Medikamenten?

Biologische Arzneimittel sind seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz und werden kontinuierlich weiterentwickelt. Heute stehen sie für viele Erkrankungen zur Verfügung und gewinnen zunehmend an Bedeutung in der medizinischen Versorgung.

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Arzneimitteln liegt in ihrer Herstellung und Struktur. Während chemisch hergestellte Medikamente aus kleinen, stabilen Molekülen bestehen und sich exakt nachbilden lassen, entstehen biologische Arzneimittel in lebenden Zellen durch biotechnologische Prozesse. Sie sind deutlich größer, komplexer aufgebaut und empfindlicher. Deshalb lassen sie sich nicht einfach identisch kopieren.

Auch bei der Anwendung gibt es Unterschiede. Biologische Arzneimittel werden in der Regel nicht als Tablette eingenommen, da die Wirkstoffe im Magen-Darm-Trakt zerstört würden. Stattdessen werden sie meist als Injektion unter die Haut oder als Infusion über die Vene verabreicht. Nach entsprechender Einweisung können Patienten die Anwendung jedoch oft auch selbstständig zu Hause durchführen.

Biosimilars: Vergleichbare Wirkung, gleiche Sicherheit

Biosimilars sind Nachfolgeprodukte von biologischen Arzneimitteln. Sie werden genau wie Generika eingeführt, sobald der Patentschutz eines Originalpräparats abgelaufen ist. Anders als Generika sind Biosimilars jedoch nicht exakt identisch mit dem Originalpräparat, sondern ihm sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich dabei nicht stärker voneinander als einzelne Produktionschargen desselben biologischen Arzneimittels.

Entscheidend ist: Bevor ein Biosimilar zugelassen wird, muss es umfangreiche, strenge Prüfungen durchlaufen. In diesen wird nachgewiesen, dass es mit dem Original in Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit vergleichbar ist. Erst wenn diese Gleichwertigkeit bestätigt ist, wird das Medikament zugelassen. Für Patienten bedeutet das: Mit einem zugelassenen Biosimilar kann genauso behandelt werden wie mit dem ursprünglichen Arzneimittel.

Happy man advising with his pharmacist while taking prescription medicine in a pharmacy.

Austausch und Anwendung von Biosimilars

Biosimilars leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung. Sie fördern den Wettbewerb, können Kosten senken und ermöglichen so mehr Menschen den Zugang zu modernen Therapien. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die finanzielle Stabilität des Gesundheitssystems langfristig zu sichern.

Wird von einem biologischen Arzneimittel auf ein Biosimilar umgestellt, bleibt die Therapie im Kern gleich, da der gleiche Wirkstoff eingesetzt wird. Unterschiede können jedoch beim konkreten Präparat oder beim verwendeten Anwendungssystem (Device) auftreten, beispielsweise dass ein anderer Fertigpen genutzt wird. In solchen Fällen erhalten betroffene Patienten eine Einweisung durch die Arztpraxis oder die Apotheke. Häufig stellen die Hersteller zusätzlich Übungsmaterial oder Muster zur Verfügung, um die Anwendung zu erleichtern.

  • Was ist ein Device?

    Im Zusammenhang mit biologischen Arzneimitteln fällt häufig der Begriff Device. Gemeint ist damit das Anwendungssystem, mit dem das Medikament verabreicht wird, zum Beispiel ein Fertigpen oder eine Fertigspritze. Diese Systeme sind so entwickelt, dass sie die Anwendung möglichst einfach und sicher machen. Je nach Hersteller können sie sich jedoch in der Handhabung unterscheiden.

Nach der Verordnung durch den Arzt kann in der Apotheke ein Austausch gegen ein Biosimilar erfolgen. Voraussetzung ist, dass das Präparat den gleichen Wirkstoff, die gleiche Stärke, die gleiche Packungsgröße sowie eine gleiche oder austauschbare Darreichungsform besitzt. Sind diese Bedingungen erfüllt, ist die Apotheke verpflichtet, ein preisgünstigeres oder rabattiertes Präparat abzugeben. Dieses Vorgehen orientiert sich am bereits seit vielen Jahren bewährten Austausch von Generika bei klassischen Arzneimitteln.

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