Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Klaustrophobie

Eine Frau, die unter Klaustrophobie leidet, sitzt auf einem Sofa in einem engen Raum

Was ist Klaustrophobie?

Klaustrophobie ist die übermäßige Angst vor engen oder geschlossenen Räumen, die Betroffene oft zu Vermeidung bestimmter Orte wie Aufzüge, Tunnel oder MRT-Röhren zwingt. Typische Symptome sind Herzrasen, Atemnot und Panikgefühle. Etwa acht Prozent der Deutschen sind betroffen. Ursachen können erlernte Erfahrungen, genetische Veranlagung oder innere Konflikte sein. Mit Verhaltens- und Konfrontationstherapie sowie Entspannungsübungen lässt sich die Angst meist deutlich reduzieren.

In unserem Beitrag erfahren Sie mehr zu den Auslösern und Symptomen von Klaustrophobie und wie die Therapie aussieht. Außerdem zeigen wir, was der Unterschied zur Platzangst ist.

Wussten Sie schon, dass…

  • Klaustrophobie und Platzangst nicht das Gleiche ist?
  • progressive Muskelentspannung bei Angststörungen helfen kann?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine Psychotherapie übernimmt?
Eine Frau erfährt Klaustrophobie vor einem Flug

Klaustrophobie: Auslöser und Symptome

Wann und wie stark Raumangst ausgelöst wird, ist unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen bezieht sich die Angst auf einen konkreten Ort wie den Fahrstuhl. Andere wiederum empfinden grundsätzlich Angst, wenn sie sich in engen Räumen befinden. Dann kann zum Beispiel auch ein Tunnel, die U-Bahn oder der Bus zum Auslöser werden. Dunkelheit kann die Symptome zusätzlich verstärken. In stark ausgeprägten Fällen reicht bei Betroffenen schon allein der Gedanke an einen engen Raum, um Angstsymptome anzustoßen.

Die Symptome einer starken Klaustrophobie ähneln denen anderer Angststörungen oder Panikattacken:

  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Hyperventilation
  • Engegefühl in der Brust und Erstickungsgefühl
  • Zittern
  • Übelkeit und Magenkrämpfe

Typische Orte und Situationen, die Klaustrophobie auslösen können:

  • Fahrstuhl
  • öffentliche Verkehrsmittel wie U-Bahn, Zug, Flugzeug
  • enge Gänge oder Tunnel
  • MRT-Untersuchungen in geschlossenen „Röhren“
  • Solarien
  • Toilettenkabinen

Was ist der Unterschied zwischen Klaustrophobie und Platzangst?

Klaustrophobie und Platzangst werden häufig synonym verwendet, unterscheiden sich aber in ihren Auslösern. Beides sind offiziell anerkannte Angststörungen. Während Klaustrophobie als spezifische Phobie klassifiziert wird, ist die Agoraphobie eine eigenständige Angststörung nach ICD-10. Die ICD-10 ist ein weltweit genutztes System der Weltgesundheitsorganisation, in dem Krankheiten einheitlich benannt und in Kategorien eingeordnet werden.

Ein Mann fühlt sich in einer Menschengruppe aufgrund von Platzangst unwohl

Klaustrophobie

Der Begriff Klaustrophobie leitet sich vom lateinischen „claustrum“ ab, was so viel wie Verschluss oder Schloss bedeutet. Die „Raumangst“ ist daher die Angst vor engen und / oder geschlossenen Räumen wie Fahrstühlen.

Platzangst

Der Begriff Agoraphobie leitet sich vom altgriechischen „agora“ ab, was so viel wie Marktplatz bedeutet. Die Platzangst hat also nichts mit „Platzen“ zu tun. Sie bezeichnet die Angst vor großen Menschenansammlungen oder öffentlichen Plätzen mit vielen Menschen wie bei einem Konzert oder auch an der Supermarktkasse.

Klaustrophobie und Platzangst können auch gleichzeitig auftreten, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln: ein enger, geschlossener Raum mit vielen Menschen. Die Kombination aus Enge und vielen Personen kann bei Betroffenen ein starkes Gefühl von Unruhe oder Angst auslösen.

Wie entsteht Klaustrophobie?

Die Ursachen der Klaustrophobie sind wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Die Angststörung entwickelt sich oft schleichend, ohne erkennbaren Auslöser. Es können jedoch unterschiedliche Erklärungsansätze herangezogen werden:

  • Auslösendes Angstereignis

    Hier geht man von einem „erlernten Verhalten“ aus. Die Betroffenen haben häufig, in etwa 68 Prozent der Fälle, tatsächlich einmal eine beklemmende Enge erlebt. Beispielsweise sind Sie mit einem Fahrstuhl stecken geblieben. Das Gehirn verknüpft fortan den Raum „Fahrstuhl“ mit der Emotion „Angst“. Dadurch meidet der Betroffene künftig die Situation beziehungsweise den Raum.

    Auch die Beobachtung anderer Personen in einer solchen Situation (etwa 7 %) oder wiederholte Erzählungen über ein solches Ereignis (etwa 13 %) kann Klaustrophobie auslösen.

  • Veranlagung im Nervensystem

    Beim neurologischen Ansatz geht man davon aus, dass Klaustrophobie eine angeborene Veranlagung im Nervensystem ist. Zusätzlich sollen bei Betroffenen Botenstoffe im Gehirn anders zusammengesetzt sein als bei Nicht-Betroffenen und so die Angststörung begünstigen. 

    Darüber hinaus ist auch eine Vererbung möglich: Wenn Eltern unter einer Klaustrophobie leiden, sind die Kinder oft ebenfalls betroffen.

  • Verlagerung innerer Konflikte

    In der Psychoanalyse gibt es die Vermutung, dass es sich bei Angststörungen um eine Verlagerung handelt. Das heißt, die Angst wird durch einen inneren Konflikt ausgelöst wie traumatische Erlebnisse oder Leistungsdruck. Dieser zeigt sich dann beispielsweise in Form einer Klaustrophobie.

Diagnose und Therapie von Klaustrophobie

Klaustrophobie ist sehr gut behandelbar mit einer Erfolgsrate von bis zu 80%. Eine Konfrontations- und Verhaltenstherapie kann die Symptome deutlich verbessern oder die Angststörung vollständig heilen.

Diagnose

Vermuten Sie, dass Sie an einer Klaustrophobie leiden, wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt. Dieser kann Sie nach einer Untersuchung an einen Psychotherapeuten überweisen:

  • ausführliche Anamnese
  • körperliche Untersuchung (Blutwerte, EKG, Ultraschall der Schilddrüse), um andere zugrundeliegende Erkrankungen auszuschließen

Tipp: Führen Sie ein Angsttagebuch, in dem Sie notieren, in welchen Situationen und wie stark welche Symptome auftreten. Das kann die Diagnosestellung erleichtern.

Ein Mann lässt seine Klaustrophobie professionell therapieren

Therapie

Bei schwacher Ausprägung können Betroffene die Angst meist überwinden. Eine Therapie ist hier dennoch empfehlenswert, da sich die Klaustrophobie sonst verfestigen kann und chronisch wird. Bei starken Beschwerden und einer starken Einschränkung des Alltags sollten Sie immer eine Therapie in Anspruch nehmen. In der Regel kommen zwei Therapieformen zum Einsatz:

  • Konfrontationstherapie

    Betroffene werden schrittweise, gezielt und kontrolliert angstauslösenden Situationen ausgesetzt. Dadurch sinken die Hemmung und Angst mit der Zeit. In bis zu 80 Prozent der Fälle tritt eine Besserung ein.

  • Kognitive Verhaltenstherapie

    Ergänzend zur Konfrontationstherapie wird meist auch eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Hierdurch sollen betroffene Personen Denkmuster, die zur Phobie führen, erkennen und ablegen.

Selbsthilfe bei Klaustrophobie

Die Ergebnisse der Psychotherapie können Sie auch selbst unterstützen, zum Beispiel durch:

  • Austausch mit anderen: In Sachsen-Anhalt gibt es viele Selbsthilfegruppen für Ängste und Angststörungen.
  • Bestimmte Entspannungstechniken:Progressive Muskelentspannung kann die Symptome lindern und gezielt vorbeugend eingesetzt werden. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für Gesundheitskurse zur „progressiven Muskelrelaxion“.

Sollte eine Untersuchung im MRT bei Ihnen anstehen, informieren Sie sich zuvor, ob die Einrichtung ein offenes MRT-Gerät besitzt. Das ist zum Beispiel in der Radiologie Saale-Klinik in Halle der Fall.

Die Therapieergebnisse können Sie durch Selbsthilfegruppen, Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation und praktische Maßnahmen wie offene MRT-Geräte zusätzlich unterstützen. So lassen sich Angst und Stress im Alltag gezielt reduzieren.

FAQ – Häufige Fragen zu Klaustrophobie

  • Ist Klaustrophobie heilbar?

    Ja, Klaustrophobie ist gut behandelbar. Mit Verhaltens- und Konfrontationstherapie lassen sich die Symptome deutlich reduzieren oder in vielen Fällen sogar vollständig überwinden. Ergänzend können Entspannungstechniken, Selbsthilfegruppen und praktische Strategien im Alltag die Therapieerfolge unterstützen.

  • Kann man Klaustrophobie vorbeugen?

    Ja, durch frühe Auseinandersetzung mit engen Räumen, Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung und positive Lernerfahrungen kann das Risiko einer starken Klaustrophobie reduziert werden.

  • Wie lange dauert die Therapie bei Klaustrophobie?

    Die Dauer hängt von Schweregrad, Therapietreue und Methode ab. Viele Betroffene spüren nach 8–12 Sitzungen in Verhaltenstherapie erste deutliche Verbesserungen, bei schweren Fällen kann die Therapie mehrere Monate dauern.

  • Gibt es offene MRT-Geräte für klaustrophobe Patienten?

    Ja, viele Radiologien bieten offene MRT-Geräte an, bei denen der Patient nicht vollständig eingeschlossen ist. Dies kann die Untersuchung für Klaustrophobie-Betroffene deutlich erleichtern.

  • Kann man Klaustrophobie mit Medikamenten behandeln?

    Medikamente werden nur begleitend eingesetzt, z. B. Beruhigungsmittel bei akuten Situationen oder kurzzeitig bei starker Angst. Die Langzeitbehandlung erfolgt überwiegend über Therapieformen wie Verhaltenstherapie.

  • Übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine Therapie bei Klaustrophobie?

    Ja, die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten für eine medizinisch notwendige Psychotherapie bei Klaustrophobie. Dazu zählen sowohl ambulante Verhaltenstherapien als auch kognitive Therapieformen, die von zugelassenen Psychotherapeuten durchgeführt werden.

  • Was kann ich tun, wenn die Angst plötzlich im Alltag auftritt?

    Wenn Klaustrophobie unvermittelt auftritt, helfen kurze Sofortstrategien:

    1. Bewusstes Atmen und Entspannen
    2. Fokus auf einen festen Gegenstand oder eine kleine Aufgabe
    3. Situationsspezifischer Rückzug, falls möglich (z. B. Raum verlassen oder Tür öffnen)
    4. Vorbereitung auf typische Auslöser: Wenn man weiß, dass bestimmte Orte wie Aufzüge oder enge Gänge Angst auslösen, kann man Strategien vorher einüben, z. B. Atemübungen oder Ablenkungstechniken.
  • Wie kann man Familie oder Kollegen über Klaustrophobie informieren?

    Es kann sehr hilfreich sein, Offenheit über Klaustrophobie zu zeigen, damit Familie, Freunde oder Kollegen verstehen, welche Situationen Angst auslösen. So gelingt es am besten:

    1. Sachlich erklären, welche Orte oder Situationen stressig sind (z. B. Aufzug, Tunnel, MRT).
    2. Konkrete Hilfestellungen erfragen, z. B. Vorrang bei Aufzügen, Gangplätze im Flugzeug oder kurze Pausen bei Gruppenaktivitäten.
    3. Notfallstrategien kommunizieren, damit andere wissen, wie sie reagieren können, wenn plötzlich Panik auftritt.
    4. Grenzen respektvoll setzen: Erklären, dass die Angst real ist und Unterstützung wichtig ist, ohne dass sich andere verantwortlich fühlen müssen.

    So können Betroffene den Alltag entspannter gestalten und Missverständnisse vermeiden.

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